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Modellversuch zur Messung des gesellschaftlichen Mehrwerts der Arbeit der Gründungsinitiative enterprise mit Hilfe des Analyseinstruments SROI - Social Return on Investment

Modellversuch zur Messung des gesellschaftlichen Mehrwerts der Arbeit der Gründungsinitiative enterprise mit Hilfe des Analyseinstruments SROI - Social Return on Investment
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Daniel Reichelt
  • Abgabedatum: August 2007
  • Umfang: 82 Seiten
  • Dateigröße: 521,5 KB
  • Note: 2,3
  • Institution / Hochschule: Hochschule Harz Deutschland
  • Bibliografie: ca. 60
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1563-1
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Reichelt, Daniel August 2007: Modellversuch zur Messung des gesellschaftlichen Mehrwerts der Arbeit der Gründungsinitiative enterprise mit Hilfe des Analyseinstruments SROI - Social Return on Investment, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: SROI, Social Return on Investment, Double Bottom Line, Impact Measurement, Investitionsrechnung

Diplomarbeit von Daniel Reichelt

Einleitung:

Soziale Unternehmen tragen in bedeutendem Maße zur Beschäftigung in Deutschland bei. Es wird davon ausgegangen, dass in Deutschland ca. 1 Million Vollzeitarbeitsplätze in sozialen Unternehmen existieren. Andere Erhebungen sprechen sogar von 1,47 Millionen. Diese Zahl wird noch signifikanter, vergleicht man sie mit der in Deutschland so oft als Jobmotor zitierten Automobilindustrie. Diese hat laut VDA – dem Verband der Automobilindustrie – im Jahr 2006 ca. 750.000 Menschen beschäftigt.

Soziale Unternehmen schaffen aber nicht nur Arbeitsplätze, sie übernehmen auch Aufgaben, die erheblich zur sozialen Stabilität und somit auch zur sozialen Gerechtigkeit in der Bundesrepublik Deutschland beitragen. Die Bedeutung sozialer Unternehmen kommt insbesondere immer dann zur Geltung, wenn es darum geht, soziale Missstände, z. B. die Ausgrenzung von Menschen aufgrund von Armut und Arbeitslosigkeit, zu bekämpfen. Sie ergreifen dann Initiative, wenn die Unternehmen aus dem so genannten Ersten Sektor und staatliche Institutionen, also der Zweite Sektor, versagen. Unternehmen aus dem Dritten Sektor, dem die sozialen Unternehmen angehören, unterscheiden sich insbesondere durch ihre Wirtschaftsweise, d. h., dass sie nicht wie private Unternehmen gewinnorientiert arbeiten und auch nicht zur staatlich verfassten Wirtschaft des 2. Systems gehören.

Des Weiteren zeichnet soziale Unternehmen aus, dass sie (gesellschaftliche) Missstände bzw. Probleme erkennen und innovative Strategien entwickeln, wie diese angegangen werden können. Damit tragen sie von der Basis der zivilen Gesellschaft aus zur sozialen Wohlfahrt in Deutschland bei. Grundlage für das Wirken sozialer Unternehmen sind dabei oftmals Initiativen intermediärer Organisationen.

Die Arbeit von Unterstützungsorganisationen beschränkt sich inzwischen aber nicht mehr nur auf lokale, kleinteilige Angebote, sondern es wurden in den vergangenen Jahren von Unternehmen und Organisationen aus dem Bereich des Dritten Sektors teilweise bundesweite Aktivitäten initiiert, die unter anderem zu Forschungs- und Beratungsinstituten, Finanzierungsfonds und -banken, Entwicklungsagenturen sowie lokalen, regionalen, nationalen und transnationalen Netzwerken geführt haben.

Auch die Forschung hat die Bedeutung der sozialen Unternehmen und Organisationen Anfang/Mitte der 1990er-Jahre (wieder-)erkannt bzw. verstärkt in den Mittelpunkt von Untersuchungen transnationaler, aber insbesondere europäischer Forschungsprojekte gerückt.

Mit der zunehmenden Erkenntnis der Bedeutung der Unternehmen des Dritten Sektors steigt auch das Interesse, die Arbeit und Ergebnisse dieser Unternehmen und Organisationen besser zu verstehen und zu bewerten.

Dazu wurden insbesondere in den USA Mitte/Ende der 1990er-Jahre Methoden und Ansätze postuliert, die der Bewertung des „Impacts“ der Arbeit von Nonprofit-Organisationen dienen. Grundlage für diese neuen Methoden sind traditionelle Sichtweisen, die davon ausgehen, dass Geld entweder investiert wird, um damit eine möglichst hohe Rendite bzw. Dividende (Gewinnmaximierung) zu erzielen oder aber, dass das Geld als Spende an Nonprofit-Organisationen ohne jegliche Erwartung eines finanziellen „Returns“ oder der „Performance“ gegeben wird. Emerson spitzt die These zu und schreibt: „Ultimately, it would appear, we want to either make money or give it away”.

In Zeiten knapper werdender öffentlicher Kassen in Deutschland müssen auch soziale Unternehmen, die oftmals vorwiegend durch öffentliche Mittel finanziert werden, ihrem Zuwendungs- bzw. Geldgeber darstellen, warum ausgerechnet sie die Förderung durch Gelder von „Vater Staat“ wert sind und an diesen partizipieren wollen. Einen Automatismus, der darin besteht, dass die Organisation etwas „Gutes“ für die zivile Gesellschaft leistet und daraus einen Förderanspruch ableitet, gibt es nicht mehr. Längst müssen durch die staatliche Hand finanzierte Unternehmen in langen und komplizierten Statistiken, Sachberichten und Verwendungsnachweisen „rechtfertigen“, wie sie ihre Zuwendungen eingesetzt haben und was damit in der jeweiligen Förderperiode erreicht wurde.

Diese Statistiken und Nachweise bringen allerdings einen gravierenden Nachteil mit sich. Sie sind darauf ausgerichtet, zu zeigen, ob die vom Zuwendungsgeber (Dabei muss der Zuwendungsgeber nicht zwangsläufig staatlich sein, es können ebenso auch private und institutionelle Geldgeber, wie z. B. Stiftungen, Personen oder auch Spenden, sein.) zur Verfügung gestellten Mittel in einer abgelaufenen Förderperiode konform zu den im Zuwendungsbescheid erteilten Auflagen eingesetzt wurden. Jedoch greift diese Bewertung der Arbeit gerade bei Unternehmen und Organisationen aus dem Dritten Sektor, die oftmals eine Leistung, die auf Nachhaltigkeit und Verbesserung sozialer und gesellschaftlicher Strukturen im Sinne des Gemeinwohls ausgerichtet ist, erbringen, zu kurz.

Es besteht also der Bedarf nach neuen, innovativen Methoden, um die eigentliche Arbeit von Unternehmen des Dritten Sektors, insbesondere der durch sie geschaffenen sozialen Werte, beurteilen zu können.

Problemstellung:

Der SROI – Social Return on Investment – ist ein relativ neuer Ansatz zur Bewertung und Messung des durch Nonprofit-Organisationen geschaffenen finanziellen und vor allem sozialen Mehrwerts. Dieser Ansatz und dessen Modellberechnung sollen im Fokus der Betrachtung dieser Diplomarbeit stehen.

Der SROI, Ende der 1990er-Jahre in den USA vom Roberts Enterprise Development Fund entwickelt, kombiniert Ansätze der klassischen Kosten-Nutzen-Analyse und Methoden, die zur Bewertung der Arbeit von Nonpofit-Projekten und Organisationen genutzt werden. Dabei werden in der SROI-Analyse einer Organisation die von dieser generierten sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Werte nachvollzogen, gemessen und belegt.

Hauptziel der Arbeit ist die SROI-Analyse für die Gründungsinitiative enterprise, die in dieser Arbeit als Modellversuch als eine der Ersten in Deutschland überhaupt nach dem SROI-Verfahren betrachtet werden soll. Außerdem sollen im Rahmen der Analyse Erkenntnisse für enterprise gewonnen werden, die Aussagen zur grundlegenden Anwendbarkeit der im angelsächsischen Raum entwickelten Methode für Nonprofit-Organisationen im deutschsprachigen Gebiet liefern. Dabei steht die Arbeit nicht als Einzelprojekt solitär im Raum, sondern ist in den Kontext des European SROI Networks eingebettet, das sich unter anderem die Verbreitung und Weiterentwicklung der SROI-Analysemethode für Europa auf die Fahnen geschrieben hat und in dem auch die Gründungsinitiative enterprise über ein EQUAL-Teilprojekt Mitglied ist.

Die Mitglieder des European SROI Networks arbeiten momentan an einer Reihe von SROI-Fallstudien bzw. es sind diese teilweise schon erstellt worden, um daraus Vergleichszahlen für die Mitgliedsorganisationen, aber auch für andere soziale Organisationen in Europa, die eine SROI-Analyse durchführen wollen, z. B. für zukünftige Benchmarks, zu gewinnen. Da sich das SROI-Analyseverfahren immer noch in der Entwicklung befindet und einige ungelöste Fragen aufweist, insbesondere in der Problematik der Monetarisierung von sozialen Auswirkungen, ist der Schwerpunkt der Arbeit nicht die absolut korrekte Berechnung der SROI-Kennzahl für enterprise. Vielmehr soll das Verfahren getestet, angewandt und die Methodik nachvollzogen und verstanden werden. Die berechnete SROI-Kennzahl soll in dieser Untersuchung so genau wie möglich ermittelt werden, allerdings wird sich diese mit der Fortentwicklung der Analysemethode weiter konkretisieren und noch genauer bestimmen lassen. Dieses Problem der akzeptierten Unschärfe betrifft dabei keineswegs nur enterprise – alle bisher erstellten SROI-Reports leiden unter diesem „gewissen“ Manko. Nehmen die im European SROI Network entstandenen Fallstudien zu, so wird auch das Aussagepotenzial der ermittelten Zahlen zunehmen, denn dann lässt sich die SROI-Kennzahl für enterprise mit anderen SROI-Analysen und -Zahlen sozialer Organisationen im europäischen Kontext vergleichen, und den Ergebnissen kommt eine andere Relevanz zu – es ist dann ein tatsächlicher Branchenvergleich im Dritten Sektor möglich.

Gang der Untersuchung:

Nach der Einführung in die Thematik in Kapitel 1 und der Präsentation der Zielstellung der Arbeit folgt in Kapitel 2 der theoretische Hintergrund. Dort stehen ein Überblick zur Entwicklung des SROI und drei der momentan populärsten Modelle im Vordergrund. Außerdem erfolgt eine Klärung wichtiger Ansätze und Begrifflichkeiten, die inzwischen Standard in einer SROI-Analyse sind.

In Kapitel 3 stellt der Autor die Gründungsinitiative enterprise vor, die im Mittelpunkt der Betrachtung dieser Arbeit stehen soll. Insbesondere der Ansatz, den enterprise bei seiner Zielgruppe verfolgt und Hintergrundinformationen zur Entwicklung der Arbeitsmarktsituation im Land Brandenburg, die ein Auslöser bei der Initiierung des Projektes enterprise waren. In Kapitel 4 erfolgt schließlich die Umsetzung der SROI-Analyse für enterprise. Im Vordergrund stehen die Stakeholder, die Aufstellung derImpact - Map und das Finden von Indikatoren zur Bewertung der durch enterprise generierten Veränderungen. Schließlich erfolgt die Berechnung des SROI für enterprise.

In Kapitel 5 stehen schließlich die Einordnung und Bewertung der erzielten Ergebnisse aus Kapitel 4 im Mittelpunkt. Es erfolgen Überlegungen, inwieweit die Ergebnisse aussagekräftig sind und welche Rolle nicht in die Berechnung einbezogene Faktoren auf das Ergebnis haben. Anschließend folgt in Kapitel 6 eine Zusammenfassung der Arbeit, der Autor nimmt dazu Stellung, inwieweit dies Ziel erreicht oder nicht erreicht wurden und gibt einen Ausblick auf die Entwicklung des Social Return on Investment.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis VII
Abbildungsverzeichnis VIII
Tabellenverzeichnis IX
1. Einleitung 1
1.1 Einführung in die Thematik 3
1.2 Problem- und Zielstellung der Arbeit 3
1.3 Aufbau der Arbeit 5
2. Theoretischer Hintergrund des SROI 6
2.1 Exkurs Wertekonzepte 7
2.2 SROI-Modelle und Stand der Forschung 9
2.2.1 Das REDF-SROI-Modell 10
2.2.2 Der SROI-Ansatz der nef 16
2.2.3 Das Global SROI Framework 24
2.3 Der SROI - Zusammenfassung 27
3. Die Gründungsinitiative enterprise 29
3.1 Hintergrund Land Brandenburg 30
3.2 Die Arbeit der Gründungsinitiative enterprise 31
3.3 enterprise und Nachhaltigkeit 34
3.4 Finanzierung 35
4. Anwendung der SROI-Analyse auf enterprise 37
4.1 Auswahl des SROI-Modells für enterprise 37
4.2 Planungs- und Vorbereitungsphase 38
4.3 Durchführungsphase 48
5. Bewertung und Einordnung der Ergebnisse 65
6. Zusammenfassung und Ausblick 67
Quellenverzeichnis 70
Anhang 75

Textprobe:

Kapitel 3., Die Gründungsinitiative enterprise:

Das Projekt enterprise wurde durch den Berliner iq consult e. V. initiiert. Als Vorbild für das Projekt diente der britische Prince’s Trust, gegründet durch den Prince of Wales, der seit 1976 jungen benachteiligten Erwachsenen in Großbritannien vorrangig durch Trainingsmaßnahmen, Schulungen zur Persönlichkeitsentwicklung, Beratung und Hilfe bei der Kapitalbeschaffung bei der Gründung eines Unternehmens behilflich ist.

Ziel des Projektes enterprise ist es, wirtschaftlich benachteiligten, arbeitslosen jungen Erwachsenen aus Brandenburg neue Perspektiven für die Lebens- und Erwerbsbiografie aufzuzeigen, wobei eine Existenzgründung ein Weg sein kann, um der Arbeitslosigkeit zu entkommen.

1999 nahm das Projekt in Brandenburg/Havel seine Tätigkeit auf. Finanziell unterstützt durch das Brandenburger Ministerium für Bildung, Jugend und Sport und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung konnten zwei Personalstellen finanziert werden. Im Verlauf des Jahres 2000 beteiligte sich auch das Brandenburger Ministerium für Wirtschaft und ermöglichte damit die Einrichtung eines mobilen Dienstes, der die Betreuung der Gründer vor Ort gestattet. Seit 2001 wird das Projekt aus Mitteln des ESF – Europäischen Sozialfonds – und dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie finanziert.

Das Projekt enterprise fand von Anfang an großes Interesse, auch in anderen Bundesländern. Dies führte dazu, dass mit den Ländern Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen Kooperationen entstanden, die das Modell übernahmen. Der sich daraus entwickelnde enterprise-Verbund wird seit 2002 aus Mitteln der Europäischen Gemeinschaftsinitiative EQUAL gefördert. Ziel von EQUAL ist es, europaweit neue Wege zur Bekämpfung von Diskriminierung und Ungleichheiten von Arbeitenden und Arbeitssuchenden auf dem Arbeitsmarkt zu erproben.

Außerdem ist der Verbund enterprise Mitglied im European enterprise Network, in dem sich Gründungsinitiativen aus Frankreich, Griechenland, Belgien, Spanien und Großbritannien zusammengefunden haben und im regen Erfahrungsaustausch miteinander stehen. Ziel der transnationalen Aktivitäten ist es, innovative Ansätze und Strategien im Bereich der Förderung von Existenzgründungen von benachteiligten Zielgruppen zu diskutieren und die aus dem transnationalen Erfahrungsaustausch gewonnenen Erkenntnisse für das Projekt nutzbar zu machen und in Politik und Verwaltung zu diskutieren.

Hintergrund Land Brandenburg:

Das Land Brandenburg ist seit der Wiedervereinigung nach 1991 durch große Verwerfungen in der Bevölkerungsentwicklung gekennzeichnet. Grund dafür ist der massenhafte Wegfall von Arbeitsplätzen nach der Wende. Von ehemals 10 Millionen Arbeitsplätzen zu DDR-Zeiten sind weniger als 6 Millionen übrig geblieben. Daraus resultieren eine kontinuierlich hohe Arbeitslosenquote und eine stetige Abwanderung in die alten Bundesländer, insbesondere von gut qualifizierten (jungen) Menschen. Allein 2002 gab es im Land Brandenburg einen negativen Wanderungssaldo von 11.000 Menschen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren. Die Jugendarbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen lag 2004 bei 17,7 %. 8,83 % aller Schulabgänger waren 2004 ohne Abschluss, und die Abbrecherquote bei der Berufsausbildung lag bei 8,78 %. In der Gruppe der arbeitslosen unter 25-Jährigen liegt die Quote derjenigen, die über keine Berufsausbildung verfügen, bei 35,2 %.

Insbesondere die so genannte 2. Schwelle, also der Übergang nach einer Ausbildung in das Erwerbsleben, stellt für viele junge Menschen ein großes Hindernis dar, einen Arbeitsplatz zu finden. Vor allem junge Frauen lösen das Problem an der 2. Schwelle immer öfter durch Abwanderung. Auch die Zukunft verspricht aus demographischer Sicht keine Besserung, es wird davon ausgegangen, dass bis 2020 junge Menschen auch weiterhin das Land Brandenburg verlassen werden.

Die Arbeit der Gründungsinitiative enterprise:

Im aktuellen Demografiebericht der Landesregierung Brandenburg heißt es: „Es besteht die Gefahr, dass in einzelnen Stadtteilen und Regionen das Klima einer strukturellen Monotonie entsteht, indem gerade noch die anstehenden Alltagsanforderungen bewältigt, aber kaum emotionale und intellektuelle Energien für die Veränderung der miserablen Situation mobilisiert werden können“.

An diesem Punkt setzt die Arbeit der Gründungsinitiative enterprise an, d. h., enterprise hat als Ziel, die berufliche Selbstständigkeit stärker ins Bewusstsein der jungen Menschen zu rücken, ihnen über positive Beispiele junger Unternehmer mögliche Optionen alternativer Erwerbsformen auch in ihrer Region aufzuzeigen und ihnen zu einer nachhaltig sicheren eigenen beruflichen Existenz zu verhelfen. Gründungsinteressierte junge Menschen aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen werden mithilfe von enterprise systematisch und an ihren individuellen Bedürfnissen orientiert auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleitet – von der Idee bis zu drei Jahren nach der Gründung.

Grundlage für die Unterstützung von enterprise ist die Einschätzung der jeweiligen persönlichen Gründungsvoraussetzungen im Rahmen des enterprise-Profilings. Auf Basis des daraufhin erstellten individuellen „Gründungsfahrplans“ bietet enterprise ein modulares, zielgruppengerechtes Unterstützungsangebot. Dazu gehören:

- Beratungsleistungen.

- Qualifizierungsangebote in Form von Seminaren und Selbstlernmaterialien.

- Mikrofinanzierung.

- Fachmentoring und Coachingleistungen Ein weiteres wichtiges Element bei der Umsetzung von enterprise ist der Netzwerkansatz, d. h., enterprise arbeitet systematisch mit anderen gründungsrelevanten Einrichtungen in der Region, wie Wirtschaftsförderungsgesellschaften, Lotsendiensten, Banken, Industrie- und Handelskammern und Arbeitsagenturen, zusammen, um komplementäre Angebote integrieren und einen größtmöglichen Nutzen für den Gründer ermöglichen zu können. Mit dem direkten Bezug zur Zielgruppe übernimmt enterprise hier oftmals auch eine Art Mediatorenfunktion.

Im Detail sieht die Arbeit von enterprise wie folgt aus: enterprise steht zunächst für ein flexibles, am individuellen Bedarf und den regionalen Besonderheiten ausgerichtetes Unterstützungsmodell für junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren, die sich selbstständig machen wollen. Dabei richtet sich das Angebot insbesondere an diejenigen, die arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind, zwar gute Ideen haben, aber oftmals nicht oder nicht ausreichend über finanzielle Mittel oder Sicherheiten und über entsprechende formale Qualifikationen verfügen. enterprise folgt dabei der Prämisse, dass ein optimales Angebot zur Gründungsunterstützung grundsätzlich immer an den jeweiligen persönlichen Voraussetzungen und dem geplanten Vorhaben ansetzen muss. Die gemeinsame Analyse der Ausgangsbedingungen mit dem Gründungswilligen bildet die Grundlage, um im nachfolgenden systematischen, mehrstufigen Prozess von der Ideenentwicklung bis zur festen Verankerung des Unternehmens am Markt unterschiedliche Instrumente und Unterstützungsangebote individuell abgestimmt bereitzustellen.

enterprise ist sich dabei sehr wohl bewusst, dass nicht jede Idee zwangsläufig zu einem tragfähigen Geschäftskonzept führt. Dennoch wird jeder Gründungswillige mit seiner Idee ernst genommen – nicht nur, um der meist negativen Selbsteinschätzung vieler Kunden („Ich habe doch sowieso keine Chance“) entgegenzuwirken, sondern auch, um ihm die Chance zu geben, soziale und ökonomische Zusammenhänge im Prozess der Gründungsvorbereitung besser verstehen zu lernen und so auch neue Zugänge zu Beschäftigungsmöglichkeiten erschließen zu können.

enterprise verfolgt dabei einen streng individuellen Ansatz, d. h., der Gründer steht im Mittelpunkt, die angebotene Begleitung wird passgenau auf den Gründer zugeschnitten, eine universale Lösung für alle gibt es nicht. enterprise wendet sich an junge Erwachsene, die aufgrund von individuellen Neigungen und/oder Problemlagen oder aufgrund der angespannten Arbeitsmarktsituation einen anderen, innovativen Weg aus der Arbeitslosigkeit suchen. Ziel ist es, die Gründer dazu zu befähigen, ihr Vorhaben selbstständig planen und umzusetzen zu können. Bei enterprise steht dementsprechend auch im Hinblick auf die Form der Beratung und Unterstützung die persönlichkeitsorientierte Kompetenzentwicklung im Vordergrund. enterprise geht davon aus, dass sich der Gründer das für die Entwicklung seines Geschäftsvorhabens und die Erarbeitung des Businessplans notwendige Wissen nur selbst erarbeiten kann. Über die Definition von Zielvereinbarungen für einzelne Prozessschritte und eine auftragsgesteuerte Beratung und Qualifizierung wird der Gründer daher bereits von Anfang an damit konfrontiert, zu lernen, sein Vorhaben eigenständig auszuarbeiten, abzuschätzen und voranzutreiben.

Arbeit zitieren:
Reichelt, Daniel August 2007: Modellversuch zur Messung des gesellschaftlichen Mehrwerts der Arbeit der Gründungsinitiative enterprise mit Hilfe des Analyseinstruments SROI - Social Return on Investment, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
SROI, Social Return on Investment, Double Bottom Line, Impact Measurement, Investitionsrechnung

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