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Die zunehmende Rolle von Regionen im Rahmen der russisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen

Die zunehmende Rolle von Regionen im Rahmen der russisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Daniel Snitko
  • Abgabedatum: Februar 2008
  • Umfang: 73 Seiten
  • Dateigröße: 1,8 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 44
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1397-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Snitko, Daniel Februar 2008: Die zunehmende Rolle von Regionen im Rahmen der russisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Region, Russland, Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaft, Clusterpolitik

Diplomarbeit von Daniel Snitko

Einleitung:

Unter den Bedingungen der Globalisierung und damit der steigenden internationalen Konkurrenz hängen Stabilität und Wachstum der russischen Wirtschaft von der Fähigkeit jeder Region ab, sich erfolgreich auf dem internationalen Markt zu behaupten. Diese Veränderung erfordert ein neues Herangehen an die ökonomische Entwicklung der russischen Regionen. Die Erhöhung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit wird zur einer generellen Aufgabe für die Regionen in vielen Ländern, einschließlich Russland.

Ein wichtiges Element der Wirtschaftsentwicklung in den Regionen ist die Bildung von Clustern. Sie sind eine regionale Antwort auf die Globalisierung. Ein Clusteransatz hilft dabei, die Entwicklungspotentiale der Regionen zu finden und somit die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Die weltweite Erfahrung des letzten Jahrzehnts gibt genug Beispiele der erfolgreichen Bildung und des Funktionierens der Cluster in den unterschiedlichsten Branchen in der regionalen Wirtschaft weltweit.

Um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, müssen viele Regionen ihre vorhandenen Potenziale und Stärken zuerst einmal identifizieren. Auch in Russland soll sich jede Region auf ihre vorhandenen, traditionell erworbenen Stärken konzentrieren, sie feststellen und neuen Möglichkeiten der Entwicklung der eigenen ökonomischen Cluster schaffen. Dabei ist zu beachten, dass es sich hier um langfristige Prozesse (ca. 15 – 20 Jahre) handelt.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es unter wirtschaftsgeografischen Gesichtspunkten zu untersuchen, welche Voraussetzungen russische Regionen für die Entstehung von Clustern aufweisen und was die deutschen Wirtschaftsbeziehungen zu diesem Prozessbeitragen können. Bei der Untersuchung dieser Fragestellung beleuchtet die vorliegende Arbeit insbesondere folgende Themen: Wie sind die gegenwärtige Wirtschaftslage und die Wettbewerbsfähigkeit der russischen Wirtschaft zu bewerten? Wie ist die Investitionsfähigkeit des Staates, der Wirtschaft und der ausländischen Investitionen zu bewerten? Wie ist die Wettbewerbsfähigkeit der russischen Regionen zu bewerten? Welche Faktorausstattung ist in den einzelnen Regionen vorzufinden? Wie ist die deutsche Wirtschaft in russischen Regionen positioniert?

Motiviert wurde ich zu diesem Thema durch mein Praktikumsemester, welches ich im Sommersemester 2007 bei der COMMIT Project Partners GmbH absolvierte. COMMIT ist ein mittelständisches Unternehmen mit Sitz in Berlin, das hilft, Startschwierigkeiten für international agierende Unternehmen auf den Märkten der GUS-Staaten (insbesondere Russland) zu minimieren. Bei mehreren Projekten während des Praktikums stellte ich fest, dass viele deutsche Unternehmen (insbesondere KMU) sich verstärkt für die russischen Regionen interessieren. Außerdem ist festzustellen, dass sich viele russische Wirtschaftswissenschaftler und Politiker der Thematik der wirtschaftlichen Entwicklung der Regionen zugewandt haben.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis 4
Tabellenverzeichnis 5
Abkürzungsverzeichnis 6
1. Einführung 7
1.1. Einführung und Problemstellung 7
1.2. Einordung der Thematik in die wissenschaftliche Diskussion 8
1.3. Methodik und Aufbau der Arbeit 8
2. Bedeutung und Entstehung der regionalen Cluster in der Wirtschaftsgeografie 11
2.1. Neue ökonomische Handlungsbedingungen im Standortwettbewerb 11
2.2. Was sind regionale Cluster? 13
2.3. Entstehung von regionalen Clustern 15
2.4. Begriffliche Klärung: Regionen in Russland 17
3. Wirtschafts- und Investitionswachstum 18
3.1. Entwicklung des Wirtschaftswachstums in Russland 18
3.1.1. Inlandsnachfrage / Außenwirtschaft 20
3.1.2. Bruttoanlageinvestitionen 22
3.1.3. Inflation 24
3.1.4. Russlands Finanzmarkt 26
3.1.5. Produktionsstruktur 28
3.2. Investitionsinstrumente zur Förderung der Regionen 30
3.2.1. Staatsausgaben 31
3.2.2. Finanzierung durch die Privatwirtschaft 32
3.2.3. Sonderwirtschaftszonen und Technoparks 33
3.2.4. Clusterpolitik in Russland 35
3.3. Ausländische Direktinvestitionen 36
4. Wirtschaftsstruktur und -dynamik der russischen Regionen 39
4.1. Administrative Gebietseinteilung 39
4.2. Wirtschaftliche Gebietseinteilung 40
4.3. Regionale Differenzen bei der Wirtschaftsleistung 44
4.4. Investitionsklima und Typologien der russischen Regionen 46
4.5. Entwicklung der KMU in Russland und in den russischen Regionen 51
5. Deutsche Wirtschaft in Russland 54
6. Zusammenfassung und Ausblick 60
Anhang 64
Literaturverzeichnis 69

Textprobe:

Kapitel 3: Wirtschafts- und Investitionswachstum:

Die makroökonomischen Daten sind das Hauptaugenmerk der folgenden Darstellung. Aufschluss über die gegenwärtige Wirtschaftslage und die Wettbewerbsfähigkeit der russischen Wirtschaft liefern Indikatoren wie das Wirtschafts- und Investitionswachstum. Dabei werden die Faktoren, die hinter dem Wirtschaftswachstum Russlands stehen, im Vergleich zu vergangenen Jahren beschrieben und bewertet. Über den ökonomischen Zustand der Wirtschaft liefern weitere Indikatoren wie die Finanz- und Produktionsstruktur des Landes Auskunft. In der Produktionsstruktur soll dabei der Fokus auf die Entwicklung die Wachstumsbranchen fallen.

Im letzten Abschnitt wird näher auf die Investitionsprozesse eingegangen. Für ein tragfähiges Wachstum in der russischen Wirtschaft ist eine Steigerung der Investitionen erforderlich. Daher untersucht die vorliegende Arbeit die Investitionsfähigkeit des Staates und bewertet diese. Es sind zum einem die Haushaltsausgaben und zum anderen Einsatz von Investitionsinstrumenten, die zur Diversifikation der Wirtschaft und zur Stärkung der Wirtschaftskraft und der Entwicklung der russischen Regionen beitragen. Weiterhin werden die ausländischen Direktinvestitionen am Standort Russland und deren Verteilung auf die russischen Regionen untersucht.

Entwicklung des Wirtschaftswachstums in Russland:

Russlands Wirtschaft stand nach den Gorbatschow- und Jelzin-Reformen in der August-Krise 1998 in einer wirtschaftlichen Katastrophe, da nach fast zehn Jahren rückläufiger Sozialproduktentwicklung, anhaltende Stagnation und eine Legitimitätskrise drohten.

Während mittelosteuropäische Länder wie Polen, Ungarn oder Tschechien erhebliche Fortschritte in der Transformation der 90er Jahre erreicht hatten, gab es in Russland außer schmerzlichen Reformen kaum ökonomische Erfolge. Seit der Amtseinführung von Staatspräsident Putin im Jahr 2000 ist ein Anwachsen politischer Stabilität für eine kontinuierliche Wirtschaftsentwicklung festzustellen.

Die wirtschaftliche Entwicklung ausgehend von den makroökonomischen Daten der letzten Jahren eine positive Tendenz auf.

In der Zeit zwischen 2000 und 2007 stieg das BIP um fast 50 Prozent, mit dieser Wachstumsrate liegt Russland mehr als das Doppelte über dem Zuwachs der Weltwirtschaftsleistung. Russland zählt damit zu den am dynamischsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Im Jahr 2007 wuchs das russische Bruttoinlandsprodukt real gegenüber dem Vorjahr um 7,3 Prozent.

Seit Jahren weist Russland durch die Steuer- und Zolleinnahmen aus den Exporten der Rohstoffe einen positiven Haushalt aus. In den ersten neun Monaten des Jahrs 2007 wurden Überschüsse des Staatshaushaltes von 1.601 Mrd. Rubel oder 7,1 Prozent des BIP erzielt. Damit stiegen die Gold- und Valutareserven von 12 Mrd. US-Dollar auf über 300 Mrd. US-Dollar. Nach Anagaben der Weltbank nahm Russland im Jahr 2007 den 6. Platz in der Liste der Volkswirtschaften mit größten Valutareserven in der Welt.

Im Jahr 2004 wurde der sogenannte Stabilitätsfonds eingerichtet, um eine Reserve für den Staatshaushalt zu haben. Der Wert der Stabilisierungsfonds akkumulierte sich im Jahr 2007 auf 145 Mrd. US-Dollar. Das entspricht rund 14 Prozent des BIP. Die Einnahmen sollten für künftige Generationen angespart werden. Zudem wurden aus dem Stabilitätsfonds Auslandsschulden getilgt. Weitere Gelder sollen in die „Bank für Entwicklung und außenwirtschaftliche Tätigkeit“ fließen, die Investitionsprojekte in Russland vorantreiben soll.

Die Kapitalreserve ist eines der wichtigsten Finanzinstrumente des Kremls, um die staatliche Lenkung und Zentralisierung strategisch wichtiger Industriebereiche voranzubringen sowie Prestige- und Entwicklungsprojekte wie die russischen Sonderwirtschaftszonen zu fördern.

Inlandsnachfrage / Außenwirtschaft:

Für den Anstieg des BIP im Jahr 2006 war die Inlandsnachfrage mit einem Anteil von 78 Prozent eine wichtige Säule des Wachstums gewesen. In der Abbildung 5 ist die Struktur des BIP für den Zeitraum 2001 – 2006 dargestellt. Danach steigt die Inlandsnachfrage seit 2002 kontinuierlich an und wuchs im Jahr 2006 um 10 Prozent. Auch in der ersten Hälfte des Jahres 2007 war ein weiterer Anstieg von 9,8 Prozent zu verzeichnen.

Zu den wichtigen Faktoren, die für die Inlandsnachfrage verantwortlich waren, zählen die gestiegene Konsumnachfrage und die Investitionen, die vom Unternehmen, den Staat und den ausländischen Investoren ausgehen.

Die gestiegene Konsumnachfrage – welche seit Jahren ungebremst ist – kann durch die Kaufkraftsteigerung der russischen Bevölkerung erklärt werden. Ursachen dafür sind die Reallohnsteigerungen, die jährlich über 10 Prozent betragen. Zusätzlich wird der private Konsum angetrieben auch durch die boomende Vergabe von Verbraucherkrediten wie Konsumenten- und Ratenkredite.

Russland erzielt seit 2000 einen Außenhandelsüberschuss. So betrug das Handelsbilanzprofit im Jahr 2006 etwa 140 Mrd. US-Dollar. Während die Inlandsnachfrage seit Jahren steigt, weist der Handelsbilanzüberschuss eine gegenwärtige Entwicklung auf. In den ersten neun Monaten des Jahres 2007 wurde nur noch ein Handelsbilanzüberschuss von 94,1 Mrd. US-Dollar erzielt. So weist die Exportquote in den letzten Jahren negative Werte auf. Umgekehrt ist eine deutliche Zunahme der Importe zu beobachten. Eine der Ursachen für die positive Entwicklung der Importe liegt u.a. in der realen Aufwertung des Rubels. Der Rubel, seit Juli 2006 konvertierbar, hat sich gegenüber dem Euro behauptet und gegenüber dem US-Dollar zulegen können. Weitere Ursachen sind zudem die Schwäche der lokalen Industrie die wachsende Inlandsnachfrage bedienen zu können und andererseits das hohe Investitionstempo der russischen Wirtschaft. So bestanden Importe im Jahr 2006 zu 49,8 Prozent aus Investitionsgütern wie Maschinen und Ausrüstungen, die dringend für die Modernisierung der Industrie benötigt werden.

Die anhaltend hohe Nachfrage nach Investitionsgütern aber auch nach Konsumgütern und der starke Rubel verhelfen somit den Importen zu immer neuen Rekorden. Nach Angaben des russischen statistischen Amtes (Rosstat) erreichten die Wareneinfuhren in den ersten neun Monaten 2007 einen Wert von über 153 Mrd. US-Dollar – das ist bereits doppelt so viel wie im Jahr 2003. Für das Jahr 2008 geht das Finanzministerium von einem Importvolumen von rd. 190 Mrd. US-Dollar aus.

Das Exportvolumen wuchs laut Goskomstat in den ersten neun Monaten 2007 auf 247 Mrd. US-Dollar. Allerdings zogen die Exporte nicht mengenmäßig, sondern nur wertmäßig an. Das liegt in den hohen Weltmarktpreisen für die wichtigsten Ausfuhrgüter – Erdöl, Erdgas, Brennstoffe und Metalle – begründet. So kostete im 3. Quartal 2007 auf dem Weltmarkt ein Barrel der Ölmarke Urals durchschnittlich 72,22 US-Dollar. Das war im Vergleich zum vergleichbaren Vorjahresquartal (65,81 US-Dollar) ein Anstieg um 9 Prozent. Der Anteil an Brennstoffen und Energie am gesamten Ausfuhrumsatz des Landes betrug 2006 63,3 Prozent.

Weitere kräftige Exportsteigerungen werden in den nächsten Jahren angesichts der einseitigen Exportstruktur kaum möglich sein. Die Rohstoffkonzerne können ihre Produktion angesichts der Expansionsgrenzen kaum noch weiter steigern. Angesichts der steigenden Öl- und Gaspreisen auf den Weltmärkten wird es weiterhin – trotz den stetigen Anstieg von Importen – einen positiven Handelbilanzüberschuss geben.

Bruttoanlageinvestitionen:

Bruttoanlageinvestitionen umfassen den Erwerb von Anlagegütern durch gebietsansässige Unternehmen und öffentliche Haushalte in der Volkswirtschaft. Zu Anlagegütern zählen produzierte Anlagen und produzierte immaterielle Anlagegüter.

Nach geringen Wachstumsraten in den zwei Vorjahren stieg die Industrieproduktion im Jahr 2007 um 6,6 Prozent. Der Anstieg der Industrieproduktion ist in diesem Jahr auf den Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen zurückzuführen. Nachdem die Investitionsquote 2002 deutlich ihren Tiefpunkt hatte, stieg diese wieder deutlich an.

Für das Gesamtjahr 2007 erwartete das Wirtschaftsministerium einen realen Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen gegenüber dem Vorjahr um 21,2 Prozent. Das sind umgerechnet rund 240 Mrd. US-Dollar.

Die wichtigsten Impulse gehen vom Modernisierungsprozess in der russichen Wirtschaft aus. Nach Angaben der Statistikbehörde fließen über 40 Prozent der Bruttoanlageinvestitionen in die Anschaffung von Maschinen, Ausrüstungen und Transportmitteln. Denn der russische Kapitalstock weist erheblliche Mängel auf. Etwa 50 Prozent der Anlagen sind seit über 20 Jahren im Einsatz, nur ein geringer Anteil von rund 9 Prozent der Ausrüstung ist weniger als 5 Jahre alt. Festzustellen ist jedoch, dass der Schwerpunkt der Investitionstätigkeit immer noch in den Sektoren wie Rohstoffsektor und der Sektor der nicht handelbaren Güter bzw. in den Sektoren mit geringerer Wertschöpfung konzentriert sind.

Weiterhin ist nach Ansicht der Weltbank der Anteil der Bruttoanlageinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zu anderen stark wachsenden Volkswirtschaften dennoch gering. China verzeichnete beispielsweise 2006 eine Investitionsquote von 42 Prozent.

Arbeit zitieren:
Snitko, Daniel Februar 2008: Die zunehmende Rolle von Regionen im Rahmen der russisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Region, Russland, Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaft, Clusterpolitik

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