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Die zukünftige Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland

Prognosen zur Einnahmen-und-Ausgaben-Situation

Die zukünftige Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christian Födisch
  • Abgabedatum: März 2007
  • Umfang: 90 Seiten
  • Dateigröße: 1,5 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Jena Deutschland
  • Bibliografie: ca. 44
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0513-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8366-0513-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0513-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Födisch, Christian März 2007: Die zukünftige Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Rentenversicherung, Finanzierung, Demographie, Bevölkerung, Alterssicherung

Diplomarbeit von Christian Födisch

Problemstellung:

Das Thema Rente ist spannend und hochaktuell wie nie zuvor in Deutschland. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist angesichts der aktuellen Diskussion um Rentenkürzungen und Beitragserhöhungen wichtiger denn je. Die Veränderungen beeinflussen das Leben aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, sowohl heute, als auch zukünftig. Im Hinblick auf den demografischen Wandel wird ersichtlich, dass auf die Rentenversicherung in Deutschland erhebliche Finanzierungsprobleme zukommen werden. Die Absicherung von Risiken und die Sicherung des Lebensstandards im Alter sind zentrale Aufgaben der Sozialversicherungssysteme, insbesondere der Rentenversicherung. Um dieser Verpflichtung auch in Zukunft gerecht werden zu können, sind umfangreiche Änderungen und Anpassungen im System notwendig.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den Leser für die Notwendigkeit sozialer Absicherung zu sensibilisieren und das Vertrauen in die Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit der gesetzlichen Rente zu stärken. Im Verlauf dieser Abhandlung werden dazu die mitunter komplizierten Regelungen und Berechnungen vereinfacht dargestellt und erklärt. Der Kern der Untersuchungen konzentriert sich auf die Frage: Wie wirken sich die demografischen Veränderungen auf die zukünftige Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung aus und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Beteiligten? Anhand von verschiedenen Prognosen zur Einnahmen- und Ausgabensituation werden die Zusammenhänge von Bevölkerungsentwicklung und wirtschaftlicher Lage in Bezug auf die Leistungsfähigkeit der Rententräger beschrieben. Abgeleitet aus diesen Untersuchungen werden Handlungsbedarf sichtbar gemacht und Reformvorschläge analysiert.

Diese Arbeit beschäftigt sich ausschließlich mit der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Kranken- und Pflegeversicherung sowie andere Wege der Alterssicherung werden nicht explizit beschrieben. Durch die Vernetzung aller Sozialsysteme können Interdependenzen auftreten, welche die Untersuchungsergebnisse beeinflussen. Die Analyse dieser Abhängigkeiten ist nicht Gegenstand dieser Ausführungen.

Gang der Untersuchung:

Die nachfolgende Arbeit ist in 8 Kapitel untergliedert.

Im Anschluss an diese Einleitung befasst sich das Kapitel 2 mit einer Einführung in das Wesen der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland. Dazu werden die wesentlichen Meilensteine in der geschichtlichen Entwicklung, von den Anfängen sozialer Absicherung bis hin zu den heute gültigen Regelungen, überblicksmäßig dargestellt. Näher erläutert werden hierbei die Ziele dieses modernen Alterssicherungssystems und dessen aktuelle Leistungen in Bezug auf die Absicherung des Alters und die Versicherung von Risiken.

Kapitel 3 verdeutlicht die Probleme der Rentenversicherung im Hinblick auf die demografischen Veränderungen in der Bevölkerung und in der Altersstruktur. Anhand dieser absehbaren Prozesse wird die zukünftige Bevölkerungsentwicklung dargestellt und deren Auswirkungen auf das System der Rentenversicherung diskutiert. Im Weiteren wird versucht, einfache allgemeine Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen der Rentenversicherung und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aufzuzeigen. Insbesondere sind für diese Betrachtung die Situation auf dem Arbeitsmarkt und das künftige Wirtschaftswachstum von zentraler Bedeutung.

Kapitel 4 widmet sich den Finanzierungsverfahren der Rentenversicherung. Aufgezeigt werden das derzeitige Umlageverfahren und das in der Vergangenheit abgeschaffte Kapitaldeckungsverfahren. Hierbei werden die spezifischen Vor- und Nachteile beider Systeme vor dem Hintergrund des demografischen Wandels gegenübergestellt. Ebenso werden in diesem Gliederungspunkt die derzeitigen Veränderungen hin zu einer teilweisen Kapitaldeckung thematisiert und mögliche Entwicklungen in der Zukunft aufgezeigt.

Gegenstand des fünften Kapitels ist die Berechnung der Rente nach derzeitiger Gesetzeslage. Die einzelnen Bausteine der jetzigen Rentenformel werden vorgestellt und detailliert beschrieben. Anhand dieser Ausführungen soll nachvollziehbar gemacht werden, welche Ansprüche sich aus welchen Leistungen ergeben. Erläutert wird diesbezüglich, wie sich Beitrag und Rente der wirtschaftlichen Entwicklung anpassen und welchen Einfluss hierbei demografische Faktoren haben. Zusätzlich wird die soziale Gerechtigkeit in der Aufbringung und Verteilung des Vermögens dieses Sozialsystems erwähnt.

Das Kapitel 6 beinhaltet verschiedene Analysen bezüglich der zukünftigen finanziellen Situation der Rentenversicherung. Unter Festlegung demografischer Faktoren mit Einbeziehung wirtschaftlicher und arbeitsmarkttechnischer Einflüsse wurden Modelle erstellt, welche die künftigen Einnahmen und Ausgaben der Rentenversicherung prognostizieren. Untersucht wurde in drei Szenarien, wie sich der Saldo aus Einnahmen minus Ausgaben entwickelt, wenn die derzeitigen Leistungsansprüche der Altersrente verändert bzw. nicht verändert werden.

Im Kapitel 7 wird die Einnahmenseite der Rentenversicherung näher betrachtet. Im Gegensatz zu den Leistungsänderungen im Kapitel 6 wird hier deutlich gemacht, welche Möglichkeiten bestehen, die Beiträge und somit die Einnahmen nachhaltig zu steigern. Vorgestellt werden insbesondere Lösungen, die eine Erweiterung oder Erhöhung der Abgabenpflicht zur Folge haben. In diesem Zusammenhang werden auch neue Konzepte einer umfassenden Reform des gesamten Sozialsystems erwähnt und ansatzweise besprochen.

Das Kapitel 8 fasst die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit zusammen und gibt einen möglichen Ausblick auf die weitere Entwicklung der Alterssicherung in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis:

Abstract I
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
Symbolverzeichnis VI
1. Einleitung 7
1.1 Problemstellung, Zielsetzung und Eingrenzung der Arbeit 7
1.2 Gang der Untersuchung 8
2 Die gesetzliche Rentenversicherung 10
2.1 Entstehung und Entwicklung 10
2.2 Darstellung der Ziele und Leistungen 18
2.2.1 Renten wegen Erreichen eines bestimmten Alters 20
2.2.2 Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit 21
2.2.3 Renten wegen Todes 22
3. Die Probleme der Rentenversicherung 24
3.1 Die demografische Entwicklung 24
3.1.1 Fertilität 24
3.1.2 Mortalität 27
3.1.3 Wanderungen 28
3.2 Die Bevölkerungsentwicklung und deren Auswirkungen 30
3.3 Versicherungsfremde Leistungen 33
3.4 Arbeitsmarkt 35
3.5 Wirtschaftswachstum 38
4. Die Finanzierung des Rentensystems 41
4.1 Umlageverfahren 41
4.2 Kapitaldeckungsverfahren 43
4.3 Aktuelle Veränderungen und Tendenzen 45
5. Berechnung der gesetzlichen Rente 47
5.1 Entgeltpunkte 48
5.2 Zugangsfaktor 49
5.3 Rentenartfaktor 50
5.4 Aktueller Rentenwert 50
5.5 Nachhaltigkeitsfaktor 52
6. Analysen zur Einnahmen- und Ausgabensituation 55
6.1 Modellannahmen und Berechnungsgrundlagen 55
6.2 Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern 58
6.3 Szenario 1 61
6.4 Szenario 2 63
6.5 Szenario 3 65
7. Ansätze zur Lösung der Finanzierungsprobleme 68
7.1 Anhebung des Renteneintrittsalters 68
7.2 Ausweitung des versicherungspflichtigen Personenkreises 70
7.3 Erweiterung der Abgaben auf andere Einkünfte 73
7.4 Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze 74
7.5 Beitragsstaffelung nach der Kinderzahl 74
7.6 Grundrentenmodell 76
7.7 Solidarisches Bürgergeld 77
8. Gesamtbetrachtung und Ausblick 81
Literaturverzeichnis 83
Quellenverzeichnis 84
Zeitschriftenartikel 85
Internetquellen 85
Anhang 88
Anhang 1: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland 88

Textprobe:

Kapitel 4.1, Umlageverfahren:

Die Finanzierung des heutigen Rentensystems basiert auf dem Umlageverfahren. Grundgedanke dieses Finanzierungssystems ist, dass alle Leistungen des Rentenversicherungsträgers aus den laufenden Einnahmen bezahlt werden und nur ein geringer Teil an Rücklagen gebildet wird. Diese zurückgelegten Gelder dienen ausschließlich dazu, saisonal- und konjunkturbedingte Schwankungen ohne eine staatliche Zwischenfinanzierung auszugleichen. Das Umlageverfahren ist damit so konzipiert, dass die Einnahmen die anfallenden Ausgaben innerhalb eines bestimmten Zeitraumes decken. Es beruht mit anderen Worten auf dem Prinzip der Einkommensumverteilung zwischen den Generationen, nämlich den rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern und den Rentnern als Leistungsempfänger. Mit den heutigen Beiträgen verzichten die aktiv Beschäftigten auf finanzielles Vermögen zugunsten der jetzigen Rentner. Die nächste Generation Beitragszahler finanziert dann wieder die Rentner, die heute Beitragszahler sind. Dieses Umverteilungssystem wird auch als „Generationenvertrag“ bezeichnet, obwohl zwischen den Beteiligten kein Vertrag im eigentlichen Sinn geschlossen wurde.

Zur Veranschaulichung lässt sich das Umlageverfahren in folgender Gleichung darstellen, welche die Einnahmen und Ausgaben einer Periode gegenüberstellt:

b x DE x BZ = ZR x DR / Einnahmen = Ausgaben.

Diese Bilanzgleichung sagt aus, dass die Prämien, die alle Beitragszahler aufzubringen haben, die Rentenausgaben innerhalb eines Zeitraumes decken müssen. Dabei ist außerdem ein Puffer zu berücksichtigen, damit durch o. g. Schwankungen kein Liquiditätsengpass entsteht. Die sogenannte Schwankungsreserve dient der Überbrückung von Zeiten, in denen die Einnahmen kurzfristig kleiner sind als die Ausgaben. Mit sinkenden Löhnen wären in einem vollständig umlagefinanzierten Rentensystem, bei einem konstanten Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern, nur der Beitragssatz und die von den Rentnern bezogene Rente an die allgemeine Situation am Arbeitsmarkt und in der Wirtschaft anzupassen.

Aus dieser Betrachtung ergibt sich ein entscheidendes Problem, das sowohl in der Politik als auch in der Bevölkerung aktuell sehr umstritten diskutiert wird. Wie reagiert das System der Umlagefinanzierung auf sich nachhaltig verändernde Rahmenbedingungen, z. B. der demografischen Entwicklung?

Die im Gliederungspunkt 3 beschriebene, älter werdende Gesellschaft und der Geburtenrückgang bewirken, dass die Zahl der Beitragszahler (BZ) sinkt, während die Zahl der Rentner (ZR) steigt. Zusätzlich belastet wird dieses System durch die aktuell anhaltend schlechte Wirtschaftslage (hohe Arbeitslosigkeit und niedrige Löhne), welche sich negativ auf das durchschnittlich versicherte Entgelt (DE) auswirkt. Die Folge daraus ist, dass der Beitragssatz (b) steigen bzw. die Durchschnittsrente (DR) sinken muss, um einen Ausgleich zu erreichen. Um den Generationenvertrag als solchen nicht zu gefährden, gibt es mehrere Einflussgrößen, die verändert werden sollten. Zum Einen können die Beiträge für die Versicherten angehoben oder die Leistungen an die Rentner gekürzt werden. Zum Anderen könnte mit der in Kapitel 7 aufgeführten Anhebung des Renteneintrittsalters oder der Ausweitung des versicherungspflichtigen Personenkreises die Anzahl der Beitragszahler erhöht werden. Eine sozial verträgliche Kombination aus mehreren Optionen ist der Kernpunkt der gegenwärtigen Diskussion und nach Ansicht des Autors auch die einzige Möglichkeit, die Belastungen gleichmäßig gerecht zu verteilen.

Kapitel 4.2, Kapitaldeckungsverfahren:

Das Wesen dieses Finanzierungssystems besteht darin, aus den Abgaben der Beitragszahler einen Kapitalstock aufzubauen, der später in Form einer Rente an sie wieder zurückfließt. Durch Zinsen und Zinseszinsen auf die angesparten Gelder wird ein Vermögen aufgebaut, welches den Lebensstandard im Alter sichert. Anders ausgedrückt werden beim Kapitaldeckungsverfahren die Beitragszahlungen der Versicherten für private- oder betriebliche Altersvorsorge zu einem individuellen Vermögensbestand angespart. Das Geld wird angelegt und im Rentenalter zzgl. der erwirtschafteten Erträge wieder an die Versicherten ausgezahlt. Dieses System wird heute noch von privaten Lebensversicherungen bei der Berechnung von Lebensversicherungsprämien angewandt.

In der geschichtlichen Entwicklung stellte das Kapitaldeckungsverfahren bzw. Anwartschaftsdeckungsverfahren die finanzielle Grundlage des Rentensystems dar, als die Rentenversicherung der Arbeiter 1911 entstand. Im Zeitablauf hat sich dieses System nicht bewährt, denn jeder Versuch, einen ausreichend großen Deckungsstock in Deutschland aufzubauen, misslang. Der 1. Weltkrieg und die sich anschließende Inflation, wie auch der 2. Weltkrieg und die daran anknüpfende Währungsreform hatten den vollständigen Verlust des angesammelten Vermögens zur Folge.

Die wesentlichen Probleme eines Verfahrens der vollständigen Kapitaldeckung liegen einerseits in der Feststellung der angemessenen Höhe der heute zu zahlenden Beiträge und anderseits im Leistungsumfang der gesetzlichen Rentenversicherung. Ein angemessener Beitrag, der nötig wäre, um mit der Rente den Lebensstandard im Alter aufrecht zu erhalten, ist aus heutiger Sicht schwer zu prognostizieren. Die Beiträge müssten so hoch sein, dass der Wert aller künftigen Beiträge und der sonstigen Einnahmen zusammen mit dem Vermögen der Sozialversicherungsträger den Beitrag deckt, der nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung erforderlich ist, um die künftig zu erwartenden Aufwendungen zu bezahlen. Der o. g. Leistungsumfang wäre in diesem System aufgrund der vielfältigen Leistungen der Rentenversicherung auch nicht mehr finanzierbar ohne die Schaffung eines zusätzlichen Kapitalstocks. Im Gegensatz zum Umlageverfahren hat die Kapitaldeckung aber den Vorteil, weitgehend unabhängig von demografischen Entwicklungen zu sein. Das individuell aufgebaute Vermögen steht nur denen zur Verfügung, die es angespart haben. Es muss nicht auf eine steigende Zahl von Rentnern aufgeteilt werden.

Arbeit zitieren:
Födisch, Christian März 2007: Die zukünftige Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Rentenversicherung, Finanzierung, Demographie, Bevölkerung, Alterssicherung

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