Wie wirkt sich die True-Sale-Initiative der Kreditanstalt für Wiederaufbau auf die finanzielle Situation der Banken und mittelständischen Unternehmen aus?
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Svenja Decker
- Abgabedatum: Oktober 2004
- Umfang: 168 Seiten
- Dateigröße: 641,2 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Bergische Universität - Gesamthochschule Wuppertal Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8579-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8579-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8579-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Decker, Svenja Oktober 2004: Wie wirkt sich die True-Sale-Initiative der Kreditanstalt für Wiederaufbau auf die finanzielle Situation der Banken und mittelständischen Unternehmen aus?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kreditverbriefung, Mittelstand, Basel 2
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Diplomarbeit von Svenja Decker
Einleitung:
Die Entwicklung in der deutschen Wirtschaft ist seit einigen Jahren durch gesetzliche und konjunkturelle Vorgaben sowie durch wesentliche Veränderungen auf den Finanzmärkten rückläufig. Haupttriebkräfte des Wandels auf den Finanzmärkten sind neue Informations- und Kommunikationstechnologien, die Deregulierung und Globalisierung der Märkte sowie das stärker risiko- und ertragsbewusste Verhalten von Anlegern in Anleihen und Aktionären. Hinzu tritt ein deutlicher Rückgang des Kreditangebotes der Banken an Unternehmen und Selbständige wie in vergleichbaren früheren Konjunkturphasen.
In diesem Zusammenhang werden zwei kontroverse Standpunkte in der Politik und Finanzbranche diskutiert:
Zum einen könnte sich die deutsche Wirtschaft bzw. Finanzbranche in einer „Kreditklemme“ befinden oder zum anderen könnten die Unternehmen an einer höheren Nachfrage von Krediten nicht interessiert sein bzw. kein Nachfrageüberhang bestehen. Unabhängig davon werden als weitere Gründe der Verfall der Aktienkurse, die sich seit dem Frühjahr 2000 parallel zum Kreditvergabeverhalten der Banken entwickelt haben und die Unklarheiten über die Entwicklung der Kreditkosten nach Basel II für die zurückhaltende Kreditvergabe der Banken gesehen.
Mit der Neugestaltung der Eigenkapitalregeln für die Vergabe von Krediten des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht wurde erstmalig eine methodische Basis für die bilanzielle und bankaufsichtlichen Sichtweise von Sicherheiten, Garantien, Kreditderivaten und bilanziellem Netting geschaffen. Hierin wurden erstmals einheitliche Standards für die bankenaufsichtliche Behandlung der Verbriefung von Risikoaktiva vorgenommen, da dieser Markt in den letzten Jahren immer stärker von den Banken zur Umverteilung ihrer Kreditrisiken durch Credit Default Swaps oder zu Regulatory Capital Arbitrage durch Asset Backed Security-Transaktionen genutzt wurden.
Die auch in Deutschland zunehmende Bedeutung der Kreditverbriefung hat im letzten Jahr durch eine Initiative der Banken zu einer Anpassung des Gewerbesteuerrechts an die veränderten rechtlichen Rahmenbedingungen geführt. Im Zusammenhang mit der Kreditverbriefung war vor allem die KfW federführend, die schon seit Dezember 2000 eine synthetische Verbriefung durchführt, die einer Kombination aus einem Credit Default Swap und einem Credit Link Note entspricht.
In diesem Jahr (2004) soll eine Zweckgesellschaft gegründet werden, die im Gegensatz zur KfW nicht nur das Kreditrisiko verbrieft, sondern die Forderungen von Unternehmen und Banken auch bilanzwirksam über den Kapitalmarkt veräußert. Mit dieser bilanzwirksamen Verbriefung soll eine spürbare Belebung der Kreditvergabe insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen – dem sog. Mittelstand – realisiert werden, durch die eine Steigerung der Investitions- und Produktionstätigkeit sowie eine höhere Eigenkapitalausstattung, die für eine bessere Refinanzierung nach Basel II unbedingt erforderlich ist, erzielt werden soll.
Die Eigenkapitalausstattung deutscher Unternehmen ist im internationalen Vergleich deutlich niedriger, dass zum einen an dem leichteren und günstigeren Zugang zu Fremdmitteln und den Besonderheiten des deutschen Insolvenz- und Steuersystems und zum anderen an den in Deutschland typischen hohen Rückstellungen und stillen Reserven liegt.
Kritiker dieser Verbriefungsinitiative sind hingegen der Auffassung, dass die Banken diese Plattform lediglich zu einer Konsolidierung nutzen werden, um somit eine bessere Performance ihrer Bilanzen zu erreichen und dadurch wieder attraktiver für Investoren zu werden. In diesem Fall würde die eigentlich angestrebte Förderung des Mittelstandes nicht erreicht und die Initiative würde keine Anschubwirkung für die deutsche Wirtschaft erzeugen, was eben nach Hans Reich, Vorstandsvorsitzender der KfW, erklärtes Ziel der ganzen Initiative ist.
Die Autoren wollen deshalb mit dieser Arbeit untersuchen, wie sich die TSI der KfW auf die finanzielle Situation der Banken und mittelständischen Unternehmen auswirkt. Nach der Neugestaltung der Eigenkapitalunterlegung für die Kreditvergabe von Banken nach Basel II ergibt sich für viele deutsche, mittelständische Unternehmen die Notwendigkeit neben dem Fremdkapital weitere Alternativen für die Finanzierung zu erschließen. In diesem Zusammenhang gewinnt die Kreditverbriefung auch für mittelständische Unternehmen an Attraktivität und Bedeutung. Vor diesem Hintergrund lässt sich die Ausgangsfragestellung in zwei weitere Fragen untergliedern:
Inwieweit kann mit der True-Sale-Initiative eine stärkere Neuvergabe von Krediten der Banken erreicht werden, und inwieweit kann eine Erhöhung der Eigenkapitalquote des Mittelstandes über den Verkauf und die Verbriefung von Forderungen generiert werden?
In diesen Unterfragen ist implizit enthalten, dass sich an dem Finanzierungsverhalten der Banken nichts ändert und die Unternehmen ihren Finanzierungsbedarf nicht anderweitig decken können. Doch viele Unternehmen werden ihre Finanzstruktur auf Grund von Basel II überdenken müssen, da die Eigenkapitalquote deutscher Unternehmen niedriger ist als die von Unternehmen aus anderen Ländern.
Zur Beantwortung der einzelnen Fragestellungen beginnen die Autoren dieser Arbeit mit den Internationalen Veränderungen der Finanzbranche im Besonderen mit der Neugestaltung der Eigenkapitalvereinbarung für die Banken und deren Vorgehen beim Rating von Unternehmen vor der Kreditvergabe.
Im Anschluss daran stellen die Verfasser die ABS als internationales Finanzinstrument zur Verbesserung der Eigenkapitalstruktur für Banken, Unternehmen dar, um darauf im weiteren Verlauf der Arbeit zurückgreifen zu können. In diesem Zusammenhang werden die Motive von Banken, Unternehmen und Anlegern für die Nutzung der ABS-Transaktionen erläutert.
Danach legen die Autoren die bislang vorherrschende Situation für Verbriefungen in Deutschland dar, wobei die bisherigen synthetischen Verbriefungsprogramme der KfW mit den für die Zukunft geplanten TSI-Verbriefungen verglichen werden.
Als nächstes wird die Finanzstruktur des Mittelstandes und der Einfluss der Veränderungen auf den Einsatz der verschiedenen Finanzinstrumente in Deutschland beschrieben. Dabei wird sowohl die Bedeutung als auch die konjunkturelle Situation des Mittelstandes und die veränderten Rahmenbedingungen als Grundlage für die Notwendigkeit alternativer Finanzinstrumente herangezogen.
Zuletzt wird zur Beantwortung der Fragen das „Konzept der Risikowirtschaft“ von Baisch/Kuhn zur Darstellung der Auswirkungen der TSI herangezogen, um über eine Anpassung des Geldentstehungsprozesses und des Interaktionsmodells die Veränderungen der ABS auf die gesamtwirtschaftliche Lage darstellen und erfassen zu können.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | VI | |
| Tabellenverzeichnis | VII | |
| Abkürzungsverzeichnis | VIII | |
| 1. | Einführung in die Thematik | 13 |
| 1.1 | Der Wandel in der Finanzbranche durch die Globalisierung und die immer stärkere Nutzung der Kapitalmärkte | 13 |
| 1.2 | Zielsetzung der Arbeit | 14 |
| 1.3 | Vorgehensweise | 15 |
| 2. | Internationale Veränderungen der Finanzbranche | 17 |
| 2.1 | Die Umgehung der Intermediärfunktion der Banken über den Kapitalmarkt | 17 |
| 2.2 | Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung | 19 |
| 2.2.1 | Das Modell Basel II | 20 |
| 2.2.2 | Ansätze zur Ermittlung des Kreditrisikos | 25 |
| 2.2.2.1 | Standardansatz | 25 |
| 2.2.2.2 | IRB-Ansatz | 27 |
| 2.3 | Ein Rating abgestimmt auf den Mittelstand | 30 |
| 2.4 | Auswirkungen des Ratings auf die Finanzierungskonditionen | 33 |
| 2.5 | Zwischenergebnis | 35 |
| 3. | ABS-Transaktionen zur Stärkung des Eigenkapitals | 38 |
| 3.1 | Historische Entstehung der Asset Backed Securities | 38 |
| 3.2 | Kreditklemme bzw. zurückhaltende Kreditvergabe der Banken in der BRD | 39 |
| 3.3 | Einordnung von ABS-Transaktionen als innovatives Kreditinstrument | 40 |
| 3.3.1 | Bedeutung der Innovation im finanztechnischen Sinn | 40 |
| 3.3.2 | Einordnung der Innovation im Bezug auf Kreditderivate | 41 |
| 3.4 | Grundgedanke und Grundstruktur von ABS-Transaktionen | 43 |
| 3.5 | Zentrale Rolle der Zweckgesellschaft | 46 |
| 3.6 | Credit Enhancement | 47 |
| 3.7 | Die Entscheidungskriterien für eine ABS-Transaktion | 48 |
| 3.7.1 | Die Entscheidungskriterien für Originatoren | 48 |
| 3.7.1.1 | Die Erschließung neuer Refinanzierungswege | 48 |
| 3.7.1.2 | Die bilanzielle Gleichbehandlung von ABS und Factoring | 50 |
| 3.7.1.3 | Die Veränderungen der bilanziellen Risiken | 51 |
| 3.7.1.3.1 | Die Steuerung des Zinsänderungsrisikos | 51 |
| 3.7.1.3.2 | Die Verteilung und Festsetzung der Forderungsausfallrisiken | 52 |
| 3.7.1.3.3 | Die Reduzierung des Refinanzierungsrisikos | 53 |
| 3.7.1.4 | Der Einfluss auf die Unternehmenskennzahlen | 54 |
| 3.7.1.4.1 | Die Auswirkungen des Forderungsverkaufs auf die Liquidität | 54 |
| 3.7.1.4.2 | Die Auswirkungen des Forderungsverkaufs auf die Vermögens- und Kapitalstruktur | 55 |
| 3.7.1.5 | Qualitative Gründe | 56 |
| 3.7.1.5.1 | Erhöhte Flexibilität für neue Projekte | 56 |
| 3.7.1.5.2 | Die Einflüsse auf das Image | 57 |
| 3.7.1.6 | Die Kostenvorteile einer ABS-Transaktion | 58 |
| 3.7.1.6.1 | Die Entwicklung der Eigenkapitalkosten | 59 |
| 3.7.1.6.2 | Die Entwicklung der Fremdkapitalkosten | 60 |
| 3.7.2 | Die Entscheidungskriterien für Investoren | 62 |
| 3.7.2.1 | Rentabilität als Entscheidungskriterium | 62 |
| 3.7.2.2 | Bonitätsrisikoorientierte Beweggründe für ABS-Transaktionen | 63 |
| 3.7.2.2.1 | Der Einfluss der Assets und der Besicherungsstruktur | 63 |
| 3.7.2.2.1.1 | Die direkte Absicherung | 64 |
| 3.7.2.2.1.2 | Die indirekte Absicherung | 70 |
| 3.7.2.2.2 | Der Einfluss des Ratings | 71 |
| 3.8 | Zwischenergebnis | 72 |
| 4. | Die True-Sale-Initiative als deutsche Form der ABS-Transaktion | 74 |
| 4.1 | True-Sale-Initiative der KfW als neue Refinanzierungsplattform der Banken | 74 |
| 4.2 | Die synthetischen Kreditverbriefungsprogramme der KfW | 75 |
| 4.2.1 | Aufbau und Funktion der KfW | 75 |
| 4.2.2 | Erläuterung einer synthetischen Verbriefung | 77 |
| 4.2.3 | Die Verbriefungsprogramme „Promise“ und „Provide“ | 79 |
| 4.3 | Die Veränderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen | 81 |
| 4.4 | Die Ziele der True-Sale-Initiative | 81 |
| 4.5 | Das rechtliche Konstrukt der Verbriefungsplattform | 82 |
| 4.6 | Die aufsichts- und kartellrechtliche Behandlung der True-Sale-Initiative | 85 |
| 4.7 | Die Unterschiede zwischen True-Sale- und synthetischer Verbriefung | 86 |
| 4.8 | Zwischenergebnis | 88 |
| 5. | Die Bedeutung verschiedener Finanzinstrumente für die Finanzierungsstruktur des Mittelstandes | 89 |
| 5.1 | Definition des Mittelstandes bzw. kleinerer und mittlerer Unternehmen | 89 |
| 5.2 | Die Relevanz des Mittelstandes für den Wirtschaftsstandort Deutschland | 93 |
| 5.3 | Die konjunkturelle Lage des Mittelstandes vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Situation in der BRD | 94 |
| 5.4 | Die traditionellen Finanzierungsinstrumente des Mittelstandes | 97 |
| 5.4.1 | Der Bankkredit als wichtigste Refinanzierungsquelle | 98 |
| 5.4.1.1 | Der Geldkredit | 98 |
| 5.4.1.2 | Die Kreditleihe | 99 |
| 5.4.1.3 | Kredite im Außenhandel | 99 |
| 5.4.1.4 | Das Hausbank-Prinzip | 100 |
| 5.4.2 | Das Factoring als Mittel zur Erhöhung der Liquidität | 101 |
| 5.4.3 | Das Leasing zur Schonung der Liquidität | 102 |
| 5.4.4 | Die Pensionsrückstellungen als Möglichkeit der Selbstfinanzierung | 105 |
| 5.4.5 | Das Finanzierungspooling als kooperatives Finanzinstrument | 106 |
| 5.5 | Die Finanzierungsstruktur des Mittelstandes im internationalen Vergleich | 106 |
| 5.6 | Umbruch in der Finanzierung des Mittelstandes | 109 |
| 5.7 | Die Bedeutung alternativer Finanzierungsformen für den Mittelstand | 112 |
| 5.7.1 | Private-Equity | 112 |
| 5.7.1.1 | Die Beteiligungen | 113 |
| 5.7.1.1.1 | Die Business Angels als wissensbasierte Unternehmensförderer | 114 |
| 5.7.1.1.2 | Das Venture Capital als finanzbasierte Unternehmensförderung | 115 |
| 5.7.1.2 | Initial Public Offerering als probates Mittel der Eigenkapitalbeschaffung für größere mittelständische Unternehmen | 115 |
| 5.7.2 | Die Mezzanine Finanzierung | 116 |
| 5.7.3 | Die Projektfinanzierung als maßgeschneidertes Finanzierungsinstrument | 118 |
| 5.7.4 | Die spezielle staatliche Förderung für den Mittelstand | 120 |
| 5.7.5 | ABS-Transaktionen als neuer Finanzierungsweg für den Mittelstand | 123 |
| 5.8 | Zwischenergebnis | 124 |
| 6. | Die Untersuchung der finanzwirtschaftlichen Wirkungsweise von ABS-Transaktionen anhand des risikowirtschaftlichen Konzepts | 127 |
| 6.1 | Das Modell bei Fremdfinanzierung | 127 |
| 6.1.2 | Das Interaktionsmodell bei fremdfinanzierter Produktion | 131 |
| 6.1.3 | Bewertungsungleichgewichte bei fremdfinanzierter Produktion | 137 |
| 6.2 | Die finanzwirtschaftlichen Wirkungen der TSI nach dem risikowirtschaftlichen Konzepts | 140 |
| 6.2.1 | Der Prozess der Geldentstehung bei Durchführung einer TSI | 141 |
| 6.2.2 | Das Interaktionsmodell bei Durchführung einer TSI | 143 |
| 7. | Fazit und Ausblick | 147 |
| Literaturverzeichnis | 149 | |
| Anhang | 157 | |
| Anhang I: | Beispiele verbriefbarer Vermögensansprüche | 157 |
| Anhang II: | Verteilung des Forderungsausfallrisikos | 158 |
| Anhang III: | Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen | 159 |
| Anhang IV: | Stabilität der Bankbeziehungen in Deutschland | 160 |
| Anhang V: | Einschätzung der Eigenkapitalquote | 161 |
| Anhang VI: | Gründe für die Verschlechterung der Kreditaufnahme nach Umsatzgrößen (Anteile in %) | 162 |
| Anhang VII : | Das Interaktionsmodell bei fremdfinanzierter Produktion für den Fall einer Unterbewertung des Sachvermögens bei realisiertem Überlassungsportfolio | 163 |
| Anhang VIII: | Das Interaktionsmodell bei fremdfinanzierter Produktion für den Fall einer Unterbewertung des Sachvermögens bei realisiertem Anlagenportfolio | 164 |
| Erklärung | 165 |
Die Abwicklung der ersten Verbriefungsgeschäfte wurde zu Beginn der TSI auf Dezember 2003 veranschlagt. Dieser Termin konnte auf Grund von Unklarheiten bzgl. der kartellrechtlichen und aufsichtsrechtlichen Zuständigkeit nicht eingehalten werden, so dass die Durchführung der ersten Verbriefungen für Juni 2004 vorgesehen war. Die Verbriefungsplattform soll zunächst nur allen interessierten Banken, später allerdings jedem Originator bzw. Portfoliolieferanten und somit auch Unternehmen und internationalen Investoren zur Verfügung stehen.218 Die Rolle der KfW ist dabei lediglich auf das Auftreten als wettbewerbsneutraler Intermediär und auf diesem Gebiet erfahrener Berater zwischen Banken, Unternehmen und Kapitalmarkt beschränkt. Die Auswahlkriterien für das Referenzportfolio sind von den Verantwortlichen der KfW so gewählt worden, dass eine Standardisierung und stärkere Nutzung der Asset-Backed-Securities erreicht werden kann, bei denen Förderkredite für den Mittelstand und Hypothekenkredite als Asset-Klasse gelten.219 Mit dem Wegfall der Staatsgarantien ab Juli 2005 wird das Instrument der Verbriefung künftig vor allem für Landesbanken eine interessante Finanzierungsalternative werden.220 Langfristig wird das Transaktionsvolumen auf einen dreistelligen Milliardenbetrag geschätzt.221 [...]
Anstelle einer Großgesellschaft, über die alle Transaktionen abgewickelt werden sollen, haben sich die TSI-Banken auf ein Modell, das auf einem Stiftungskonzept basiert, geeinigt.208 Die TSI-Verbriefungsinfrastruktur besteht daher aus zwei Elementen: Das erste Element bildet die Verbriefungsplattform, die aus drei übergeordneten Stiftungen und mehreren Verbriefungszweckgesellschaften (SPVs) besteht. Diese werden jeweils für die einzelnen Transaktionen errichtet.209 Die SPVs sind somit nur Einzweckgesellschaften, die nach der Durchführung einer einmalig aufgelegten Verbriefung wieder aufgelöst werden. Die Stiftungen werden zu gleichen Teilen Anteilseigner der verschiedenen zur Verbriefung gegründeten SPVs, welche die ABS-Wertpapiere aus True-Sale-Verbriefungen emittieren und nehmen somit die Aufgaben von Gesellschaftern wahr.210 Mit diesem analogen Aufbau zu international üblichen Strukturen wie in Großbritannien oder den USA wird die zentrale Forderung von Investoren und Ratingagenturen nach einer insolvenzfernen Einrichtung der SPVs Rechnung getragen. In der Satzung der Stiftungen ist der gemeinnützige Zweck, die wissenschaftliche Forschung über Finanz- und Kapitalmärkte festgeschrieben.211 Die wissenschaftliche Forschung dient dabei der Förderung der Finanzstandards in Deutschland. [...]
Die Banken waren bisher nicht in der Lage eine True-Sale-Transaktion durchzuführen, da solche Geschäfte als gewerbliche Bankgeschäfte angesehen wurden. Zwar wurde von den Finanzämtern für diese Geschäfte keine Gewerbesteuerpflicht angenommen, jedoch bestand darüber keine Rechtssicherheit. Auch im Hinblick auf die Umsatzsteuer, der Behandlung von Forderungen im Insolvenzfall und der Haftung von GmbHs waren noch Fragen mit Ämtern und Juristen zu klären.201 Eine Belastung der Zweckgesellschaften mit derartigen Kosten würde die Verbriefungskosten auf das Niveau von Schuldverschreibungsemissionen ansteigen lassen. Aus diesem Grund wurden daher in der Vergangenheit lediglich Mittelstands- bzw. Wohnungsbaukredite synthetisch mittels Übertragung der Kreditrisiken über CLNs verbrieft.202 Durch die von Herrn Eichel in 2003 initiierte und von den Parlamenten bestätigte Gesetzesänderung des Gewerbesteuergesetzes, entfällt die Gewerbesteuer seit diesem Zeitpunkt für Gesellschaften, die sich lediglich der Sammlung und Verbriefung von Forderungen widmen.203 Auf gemeinnützige Stiftungen entfallen ebenfalls keine Gewerbeoder andere Arten von Steuern, solange sie den in der Satzung festgeschriebenen Zweck verfolgen. Genau aus diesen beiden Elementen, Stiftungen und Gesellschaften, besteht die in diesem Jahr neu gegründete Verbriefungsplattform, welche eine Erhöhung der Neuvergabe von Krediten an mittelständische Unternehmen bewirken soll. Als nächstes werden die Ziele die mit der Errichtung der Verbriefungsplattform in Deutschland beabsichtigt werden vorgestellt. [...]
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Arbeit zitieren:
Decker, Svenja Oktober 2004: Wie wirkt sich die True-Sale-Initiative der Kreditanstalt für Wiederaufbau auf die finanzielle Situation der Banken und mittelständischen Unternehmen aus?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Kreditverbriefung, Mittelstand, Basel 2



