Die subjektive Erwartungsnutzentheorie und ihre Erweiterungen
Der Erklärungsbeitrag von Kapazitäten und Verlustaversion zu beobachteten Phänomenen auf Kapitalmärkten
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Bastiaan M. de Ruiter
- Abgabedatum: Dezember 2002
- Umfang: 65 Seiten
- Dateigröße: 4,0 MB
- Note: 2,5
- Institution / Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6573-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6573-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6573-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: de Ruiter, Bastiaan M. Dezember 2002: Die subjektive Erwartungsnutzentheorie und ihre Erweiterungen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Rationalität, Deskriptive Entscheidungsmodelle, Dispositionseffekt, Home Bias, Equity Premium Puzzle
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Diplomarbeit von Bastiaan M. de Ruiter
Einleitung:
Die Kapitalmarktforschung wird seit den 60er Jahren durch das „capital asset pricing model“ (CAPM) geprägt. Dieses Modell setzt sich mit Anlageentscheidungen und den am Kapitalmarkt herrschenden Bedingungen theoretisch auseinander. Die Kernaussagen und Implikationen des CAPM wurden in den vergangenen drei Jahrzehnten in den unterschiedlichsten Tests auf ihre Gültigkeit überprüft. Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass obwohl das Modell in all seinen Varianten wichtige Erklärungen über Eigenschaften und Determinanten effizienter Kapitalmärkte vermittelt, sich systematische Abweichungen zwischen dem prognostizierten und empirisch beobachteten Verhalten einzelner Marktteilnehmer (MT) sowie des Aggregats konstatieren lassen. Da das CAPM eine typische Anwendung der „subjective expected utility theory“ (SEU) ist, die nach der herrschenden Meinung rationales Entscheidungsverhalten unter unsicheren Erwartungen definiert, wird als wesentliche Ursache für diese Abweichungen der Umstand angesehen, dass das CAPM trotz seines deskriptiven Charakters nicht den realen, sondern ausschließlich den rationalen Entscheider als repräsentatives Individuum betrachtet. Die vorliegende Arbeit kritisiert dieses als neoklassisch bezeichnete Paradigma ökonomischen Verhaltens und erweitert ihr Forschungskonzept um solche entscheidungstheoretischen Modelle, die verhaltenswissenschaftliche Aspekte mit einbeziehen. In diesen unter dem Begriff der „behavioral decision theory“ zusammengefassten Ansätze werden die Postulate der SEU soweit verallgemeinert, dass auch die hiervon abweichende Verhaltensweisen erfasst werden können.
Da eine Beschäftigung mit der gesamten Bandbreite verhaltenswissenschaftlicher Modelle im Rahmen einer Diplomarbeit nicht zu leisten ist, beschränken sich die Ausführungen mit Verlustaversion und Kapazitäten auf zwei der wichtigsten Elemente der von TVERSKY & KAHNEMAN konzipierten „cumulative prospect theory“ (CPT) – eine der am meisten untersuchten Alternativen zur SEU. In diesem Kontext lautet die zentrale Fragestellung der vorliegenden Arbeit, inwieweit die Berücksichtigung von Verlustaversion und Kapazitäten im Rahmen der Kapitalmarktforschung einen Beitrag zur Erklärung von Beobachtungen leistet, die nicht mit den Kernaussagen des CAPM vereinbar sind. Zur Klassifizierung dieser empirischen Phänomene orientiert sich die Arbeit am strukturellen Aufbau des CAPM. Es werden drei Stufen unterschieden. Erstens, die aus der SEU bestehende entscheidungstheoretische Stufe. Zweitens, die mikroökonomische Stufe, basierend auf der „portfolio selection theory“ (PST), in der die Verhaltenspostulate der SEU beibehalten und für das spezifische Problem der Anlageentscheidung konkretisiert werden. Drittens, die makroökonomische Stufe, auf der die in der PST modellierten Angebots- und Nachfragetransaktionen aggregiert werden, um Aussagen über den am Markt zugrundeliegenden Preisbildungsprozess von Wertpapieren zu treffen. Da das CAPM annimmt, dass im Gleichgewicht individuelle Abweichungen von der SEU bzw. PST durch den im Kapitalmarkt herrschenden Wettbewerb ausgeglichen wurden, ist diese Stufe aus ökonomischer Sicht von besonderem Interesse.
Die vorliegende Arbeit betrachtet jede der drei o.a. Stufen als eigenständige Analyseebene. Entsprechend der Fragestellung werden die Kernaussagen des CAPM nur skizziert, da der Schwerpunkt auf der Darstellung der in diesem Modell aufgestellten Annahmen über individuelles Verhalten liegt. Dabei bildet der Vergleich zwischen den Verhaltenspostulaten der SEU und den in den Modellen der Verlustaversion und Kapazitäten enthaltenen Verhaltenshypothesen zum einen das entscheidungstheoretische Fundament der empirischen Evaluation von Verlustaversion und Kapazitäten, zum anderen ermöglicht er eine gezielte Analyse, an welchen Stellen die Aussagekraft des CAPM aufgrund des neoklassischen Paradigmas eingeschränkt ist. Das methodische Problem, dass sich die deskriptiven Hypothesen nicht unmittelbar mit den normativen Postulaten vergleichen lassen, wird dadurch gelöst, dass im Rahmen des CAPM die SEU als Erklärungsmodell für tatsächliches Anlegerverhalten umgedeutet wird. Die Darstellung der in der PST und im Gleichgewicht aufgestellten Annahmen dienen als Vergleichsparameter, an denen Abweichungen festgestellt werden können. Dementsprechend ist die vorliegende Arbeit folgendermaßen aufgebaut: Nach einer Klärung der zentralen Begriffe in Teil A werden in Teil B die Modelle der Verlustaversion und Kapazitäten anhand der WTA-WTP Disparität und dem „Ellsberg Paradoxon“ systematisch dargestellt. Die Überprüfung der in den beiden Modellen enthaltenen Verhaltensannahmen vor dem Hintergrund des Kapitalmarktes erfolgt in Teil C anhand des Dispositionseffektes und „home bias“ zunächst auf der Individualebene. In Teil D wird diese aber mit dem „equity premium puzzle“ und „equity volatility puzzle“ auf der Marktebene fortgeführt. In einem Fazit werden die in den einzelnen Analyseebenen gewonnen Ergebnisse schließlich zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| Übersicht der Axiome | VI | |
| Einleitung | 1 | |
| Teil A | Zentrale Begriffe | 3 |
| I. | Begriff der Rationalität | 3 |
| II. | Begriff der Unsicherheit | 4 |
| Teil B | Entscheidungstheoretische Analyse | 6 |
| III. | Rationale Verhaltenspostulate | 6 |
| III.1 | Entscheidungsprinzip | 7 |
| III.2 | Axiomensysteme | 9 |
| IV. | Verhaltenswissenschaftliche Erklärungsansätze | 14 |
| IV.1 | Definition und Modellierung von Verlustaversion | 15 |
| IV.2 | Definition und Modellierung von Ambiguitätsaversion | 19 |
| IV.3 | Axiomatische Modellierung | 24 |
| V. | Deskriptiver Anspruch: Ein Vergleich | 26 |
| Teil C | Mikroökonomische Analyse | 27 |
| VI. | Portefeuilletheoretische Verhaltenspostulate | 27 |
| VII. | Der Dispositionseffekt | 29 |
| VIII. | Der Home Bias | 30 |
| IX. | Relevanz von Entscheidungskontroversen für Kapitalmärkte | 31 |
| Teil D | Makroökonomische Analyse | 32 |
| X. | Gleichgewichtstheoretische Verhaltensannahmen | 32 |
| XI. | Das Equity Premium Puzzle | 34 |
| XII. | Das Excess Volatility Puzzle | 36 |
| Fazit und Ausblick | 37 | |
| Persönlicher Kommentar | VII | |
| Anhang | VIII | |
| Literaturverzeichnis | XV | |
| Ehrenwörtliche Erklärung | XXV |
ambiguitiv bezeichnet. Die in den „Ellsberg Paradoxa“ nahegelegte Präferenz für mehr Informationen wird daher auch durch den Begriff der Ambiguitätsaversion beschrieben und ist nicht mit der SEU verträglich. Im Rahmen der CPT werden derartige Präferenzen jedoch mit Hilfe sogenannter Kapazitäten formalisiert. Da in der Realität in praktisch allen Fällen des Entscheidens bei Risiko subjektive WSK zugrunde gelegt werden müssen und bei bestimmten subjektiven WSK sich der Entscheider sicherer in seiner Beurteilung fühlen könnte als bei anderen, geht die Bedeutung der „Ellsberg Paradoxa“ über dieses Urnenbeispiel hinaus.97 Der im dritten Hauptteil dieser Arbeit ausgeführte „home bias“ verdeutlicht zudem, dass Ambiguität etwas Subjektives und nicht eine Eigenschaft des zu beurteilenden Ereignisses ist. IV.2.2. Die Gewichtungsfunktion [...]
Das Handlungspaar f, g unterscheidet sich vom Alternativenpaar f´, g´ nur dadurch, dass bei letzterem auch beim Ereignis „gelbe Kugel wird gezogen“ eine Gewinnauszahlung erfolgt. Nach dem „sure thing principle“ darf aber eine Änderung einer gemeinsamen Komponente keine Änderung der Präferenz bewirken, so dass dieses Ereignis für die Entscheidung irrelevant zu sein hat. Demnach muss die Präferenz eines rationalen Entscheiders bei beiden Paaren identisch sein, d.h. beispielsweise f f g ⇔ f´ f g´.95 In einer Reihe von Experimenten wurde aber beobachtet, dass ein signifikanter Anteil von Versuchspersonen folgende Präferenzurteile bekundet: f f g und g´ f f´.96 Derartige Präferenzurteile verstoßen nicht nur direkt gegen [P2], sondern zeigen in der Art ein noch fundamentaleres Phänomen auf, dass sie nicht mit der Annahme eines eindeutigen und additiven Wahrscheinlichkeitsmaßes vereinbar sind. Aus f f g folgt, dass dieses Individuum glaubt, dass die Urne mehr als 30 gelbe Kugeln enthält. Da aber aufgrund von g´ f f´ das gleiche Individuum gleichzeitig glaubt, dass die Urne weniger als 30 gelbe Kugeln enthält, lassen sich auf der Basis solcher Entscheidungen keine konsistenten WSK ableiten. Eine mögliche Erklärung besteht darin, das Nichtwissen der genauen WSK als zusätzlichen Risikofaktor aufzufassen. Als wesentlicher Erklärungsansatz wird aber das Bedürfnis angesehen, subjektiven WSK unterschiedliche Glaubwürdigkeitsgrade zuzuordnen. Das Ereignis „rote Kugel wird gezogen“ besitz mit hoher Glaubwürdigkeit eine WSK von 1 3 . Ist aber eine WSK für das Ereignis „rote oder gelbe Kugel wird gezogen“ anzugeben, dann fühlt sich die Mehrheit der Entscheider unsicher und ordnet dieser WSK wird eine geringe Glaubwürdigkeit zu. Wie in der Einleitung schon erwähnt, werden Situationen in denen Ereignisse durch hohen Informationsmangel gekennzeichnet sind und keine eindeutige und additive Wahrscheinlichkeitszuteilungen erzielt werden können, als [...]
Da sich die Konsequenzen einer Alternative auf unterschiedliche Weise darstellen lassen, impliziert die Wertfunktion eine Abhängigkeit von der Präsentationsweise eines Entscheidungsproblems.90 Der Grund liegt darin, dass Variationen in der Darstellungsweise zu unterschiedlichen mentalen Repräsentationen der relevanten Komponenten führen. Die aufgrund der Beschreibung induzierten Referenzpunkte und die daraus folgende asymmetrische Bewertung lassen Entscheider in ökonomisch identischen Situationen unterschiedliche Entscheidungen treffen. Auf diese Weise lassen sich auch Erklärungen zu den in Abschnitt III.2.2 angeführten „framing“ -Effekten ableiten. Die zuvor diskutierte WTA-WTP Disparität ist erklärbar, wenn das durch den Besitz eines Objektes erhöhte, aktuelle Vermögen als Referenzpunkt verwendet wird und damit der Verkauf des Objektes als Verlust kodiert wird. Nach der Annahme von Verlustaversion verlangen die Verkäufer eine höhere Kompensation für die Abgabe des Objektes, als sich durch einen reinen Einkommenseffekt erklären ließe.91 Folglich erlaubt der charakteristische Verlauf der Wertfunktion bereits die Erklärung einiger empirischer Beobachtungen, in denen die Axiomatik der SEU verletzt werden, und spiegelt zudem das Verhalten der meisten Individuen adäquat wider.92 [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832465735
Arbeit zitieren:
de Ruiter, Bastiaan M. Dezember 2002: Die subjektive Erwartungsnutzentheorie und ihre Erweiterungen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Rationalität, Deskriptive Entscheidungsmodelle, Dispositionseffekt, Home Bias, Equity Premium Puzzle



