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Eine standorttheoretische Analyse zur Entwicklung osteuropäischer Cluster

Eine standorttheoretische Analyse zur Entwicklung osteuropäischer Cluster
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Nils Meier
  • Abgabedatum: Juli 2010
  • Umfang: 87 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 143
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0397-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Meier, Nils Juli 2010: Eine standorttheoretische Analyse zur Entwicklung osteuropäischer Cluster, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Standorttheorie, Clustertheorie, Osteuropa, Logistik

Diplomarbeit von Nils Meier

Einleitung:

Problemstellung und Vorgehensweise:

In der Betriebswirtschaftslehre wird vor allem mit der Annahme gearbeitet, dass Güter grundsätzlich knapp sind und somit die betriebswirtschaftlichen Entscheider in diesem Rahmen ökonomisch arbeiten müssen. Solche Entscheider sind die Unternehmen. Sie haben als Hauptgrundsatz das Streben nach Gewinnmaximierung (erwerbswirtschaftliches Prinzip). Grundsätzlich sind aber die strategischen Unternehmensziele sehr vielfältig:

(an dieser Stelle finden Sie im Original eine Abbildung).

Aus den unterschiedlichen Zielen stellt sich für die Unternehmen das Problem: ‘Wie können wir diese verwirklichen?’ Als Teil strategischer Überlegungen kommt die Standortplanung zum Tragen. Um eine möglichst optimale Standortentscheidung treffen zu können werden viele Informationen benötigt.

Kapitel 2 – Standorttheorie befasst sich mit den theoretischen Hintergründen für solche Standortentscheidungen. Zu Beginn werden standorttheoretische Ansätze aus betriebswirtschaftlicher Sicht vorgestellt, weiterhin werden Bewertungsverfahren erläutert die den Unternehmen die Möglichkeit geben können mögliche Standorte richtig einzuordnen.

Unternehmen scheinen große Vorteile aus Industrieballungen ziehen zu können. Diese Ballungen werden unter bestimmten Voraussetzungen ‚Cluster‘ genannt. Kapitel 3 gibt einen Einblick in die Clustertheorie, speziell in die Begriffsbestimmung, den Zusammenhang von Wirtschaften in Clustern und Innovation und die bereits erwähnten möglichen Vorteile für Unternehmen.

Die theoretischen Analysen der Kapitel 2 und 3 werden im 4. Kapitel an einem Fallbeispiel aufgezeigt, indem u. a. die Gründe eines Standortwechsels und die Auswirkungen zur Bildung eines Clusters beschrieben werden.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VII
Abkürzungsverzeichnis VIII
1. Problemstellung und Vorgehensweise 1
2. Standorttheorie 3
2.1 Einleitung 3
2.2 Verschiedene Theorieansätze für Standortentscheidungen 3
2.2.1 Die traditionelle Standorttheorie nach Weber und Behrens 3
2.2.2 Die monopolistische Theorie der Direktinvestition 5
2.2.3 Der Ansatz von Tesch 6
2.2.4 Eklektische Theorie von Dunning 7
2.2.5 Das EPRG-Modell von Perlmutter und seine Erweiterung durch Meffert 8
2.2.6 Die Theorie des nationalen Diamanten von Porter 11
2.2.7 Übersicht über die Standortfaktoren 14
2.3 Investitionsmotive bei der Standortentscheidung 15
2.4 Bewertungsverfahren für die Standortentscheidung 18
2.4.1 Verfahren der Investitionsrechnung 18
2.4.11 Statische Investitionsrechnungsverfahren 18
2.4.12 Dynamische Investitionsrechnungsverfahren 19
2.4.13 Beurteilung der Investitionsrechnungsverfahren im Zusammenhang mit Standortentscheidungen 19
2.4.2 Qualitative Bewertungsverfahren 21
2.4.2.1 Checklisten 21
2.4.2.2 Nutzwertanalyse 21
2.4.2.3 Country-Ratings 22
2.5 Zwischenfazit 23
3. Clustertheorie - Die Bedeutung von Clustern für die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit von Unternehmen 25
3.1 Einleitung 25
3.2 Theoretische Grundlagen 28
3.2.1 Clusterdefinitionen 28
3.2.1.1 Der Ursprung des Clusterkonzepts 28
3.2.1.2 Das Fehlen einer einheitlichen und klaren Definition 29
3.2.1.3 Lösungsansätze für eine einheitliche Definition 33
3.2.2 Der analytische Rahmen 35
3.2.2.1 Die ressourcenbasierte Theorie der Unternehmung 35
3.2.2.2 Die wissensbasierte Theorie der Unternehmung 39
3.2.2.3 Der Brückenschlag zur Innovation 42
3.2.3 Innovation und die Bedeutung der Innovationsfähigkeit 44
3.2.3.1 Innovation 45
3.2.3.2 Innovationsfähigkeit 46
3.3 Agglomerationsvorteile für Unternehmen aus Clustern 50
3.3.1 Klassische Agglomerationsvorteile 51
3.3.1.1 MAR-Effekte 51
3.3.1.2 Porters Marktbedingungen 52
3.3.1.3 Knowledge Spillovers 53
3.3.2 Alternative Aspekte 54
4. Praxisbeispiel Cluster in Osteuropa - Entwicklung eines Clusters - Die Ansiedlung von Nokia in Cluj (Rumänien) 56
4.1 Einführung 56
4.2 Stadt und Bezirk Cluj-Napoca 56
4.3 Ansiedlungsgeschichte 58
4.4 Standorterschließung, Verkehrsinfrastrukturen und Arbeitskräfte 60
4.4.1 Standorterschließung 60
4.4.2 Verkehrsinfrastrukturen 61
4.4.3 Die Anwerbung von Arbeitskräften 61
4.5 Die Ansiedlungsdynamik in Cluj und Umgebung 62
4.6 Der Nokia-Industriepark und der Zuliefererkreis von Nokia 62
4.7 Zwischenfazit 63
5. Zusammenfassung 66
Literaturverzeichnis i
Danksagung xi

Textprobe:

Kapitel 2.4, Bewertungsverfahren für die Standortentscheidung:

2.4.1, Verfahren der Investitionsrechnung:

‘Die Standortentscheidung ist vom Charakter her eine Investition, die gegenüber Personal-, Finanz- und Sachinvestitionen zusätzlich noch einen geographischen Charakter als Entscheidungskriterium besitzt. Es ist daher naheliegend, dass zur Beurteilung der verschiedenen Standortalternativen Investitionsrechnungsverfahren herangezogen werden.’ 2.4.1.1, Statische Investitionsrechnungsverfahren:

Die statischen Investitionsverfahren sind dadurch charakterisiert, dass sie die zeitlichen Unterschiede beim Anfall der Ein- und Auszahlungsströme unberücksichtigt lassen. Das bedeutet, dass die statische Investitionsrechnung auf die Berücksichtigung der Zeitpräferenz durch Auf- oder Abzinsen verzichtet. Sie berücksichtigt entweder nur Rechnungselemente des ersten Jahres oder einer repräsentativen Durchschnittsperiode. Es lassen sich in der Literatur vier statische Verfahren zur Errechnung der geeignetsten Standortalternative unterscheiden, deren Berechnungsweisen in diesem Kapitel auf Grund der allgemeinen Bekanntheit und der Größe des Umfanges nicht näher erläutert werden.

1) Die Kostenvergleichsrechnung, 2) Die Gewinnvergleichsrechnung, 3) Die Rentabilitätsrechnung, 4) Die Amortisationsrechnung.

Da die Investitionen in Standorte eher einen mittel- bis langfristigen Zeitraum überspannen, kann es auf Grund der Nicht-Berücksichtigung des zeitlichen Aspekts durch Auf- oder Abzinsen zu einer erheblichen Verzerrung der Rechenergebnisse kommen. Dennoch oder gerade wegen ihrer einfachen Struktur, dem relativ geringen Aufwand der Datenerhebung und der daraus resultierenden einfachen Anwendbarkeit werden die Verfahren der statischen Investitionsrechnung in der Praxis der Standortentscheidungen häufig angewandt.

2.4.1.2, Dynamische Investitionsrechnungsverfahren:

Die dynamischen Verfahren beziehen unter Zuhilfenahme von finanzmathematischen Methoden (insbesondere der Zins- und Zinseszinsrechnung) die Bedeutung des Zeitablaufs in die Berechnung mit ein. Grundlagen der dynamischen Investitionsrechnung sind im Gegensatz zu den statischen Verfahren alle Nutzungsperioden. Auch die dynamischen Verfahren sollen im Folgenden auf Grund der allgemeinen Kenntnisse nur kurz aufgezählt werden:

1) Die Kapitalwertmethode, 2) Die interne Zinsfußmethode, 3) Die Annuitätenmethode, 2.4.1.3, Beurteilung der Investitionsrechnungsverfahren im Zusammenhang mit Standortentscheidungen:

Die Stärke der Investitionsrechnungsverfahren, im Zusammenhang mit der Bewertung von Standortalternativen liegt unbestreitbar in den resultierenden Ergebnissen. Die Verfahren liefern eindeutige, mathematisch exakte, und objektive Lösungen, die einfach zu interpretieren und zu vergleichen sind. Dazu müssen aber einige Prämissen bei der Erfassung der relevanten Einflussfaktoren erfüllt sein, die insbesondere bei der Anwendung der dynamischen Investitionsrechnung für die Standortwahl kritisch zu hinterfragen sind:

1.) Die Anwendung dynamischer Verfahren bedarf zuverlässiger Vorhersagen der zu erwartenden Zahlungsströme im Planungszeitraum. Somit ist die Aussagefähigkeit der errechneten Ergebnisse nur so gut wie die Qualität der ermittelten Eingangsdaten. In der Praxis ist es aber nahezu unmöglich, in der Bewertungsphase zu Beginn einer mittel- bis langfristig angelegten Standortentscheidung, die von einer Vielzahl von Standortfaktoren abhängt, eine genaue Aussage über Ein- und Auszahlungsströme in ihrer Höhe und ihrem Zeitpunkt zu treffen.

2.) Auf internationalen Finanzmärkten kann in der Realität nicht von einem einheitlichen Kapitalzins, der zumindest über den mittel- bis langfristigen Planungshorizont einer Standortentscheidung konstant bleibt, ausgegangen werden. Es muss in der Praxis fast immer ein modifizierter Kalkulationszinsfuß angewandt werden, da sich Finanzierungsarten und ihre Kapitalzinsen in erheblichem Ausmaß zwischen In- und Ausland unterscheiden oder sogar mehrere Finanzierungsoptionen in die Bewertung mit einfließen. Zwar gibt es einige Lösungsansätze wie z. B. die Verwendung von gewichteten Kapitalkosten, das Grundproblem der Festlegung eines zum jeweiligen Bewertungszeitpunkt gültigen Zinssatzes lösen aber auch sie nicht.

3.) Der dritte Problembereich bei der Anwendung der dynamischen Investitionsrechnung auf internationale Standortentscheidungen stellt die Frage dar, ob derivate Zahlungsströme zwischen Muttergesellschaft und ihrem Auslandsstandort oder originäre Zahlungsströme zwischen dem Auslandsstandort und seiner Umwelt als Grundlage der Bewertung dienen sollen.

4.) Letztendlich können mit investitionsrechnerischen Verfahren nur die monetären Kriterien einer Standortwahl betrachtet werden. Qualitative Standortfaktoren werden komplett ausgeblendet. Versucht man sie als restriktive Nebenbedingungen dennoch zu integrieren wird durch die Vielfalt der qualitativen Aspekte, die es im Regelfall bei einer Standortanalyse zu beachten gilt, entweder der Entscheidungsraum nur sehr unvollständig abgebildet oder das Modell durch eine Vielzahl von Nebenbedingungen zu komplex.

Um eine umfassende Berücksichtigung aller Standortvorteile und -nachteile zu erreichen, wird die Investitionsrechnung in der Praxis grundsätzlich um qualitative Rechnungen wie z.B. der Nutzwertanalyse erweitert. Als alleinige Grundlage der Standortentscheidung ist sie ungeeignet und die Gefahr einer Fehlinvestition wäre jedoch zu groß.

2.4.2, Qualitative Bewertungsverfahren:

2.4.2.1, Checklisten:

Checklisten sind Grundlagen jeder Standortbewertung. Es handelt sich hierbei um ein recht einfaches Verfahren, bei dem systematisch überprüft wird, inwiefern die einzelnen Standortalternativen den ermittelnden Standortanforderungen entsprechen. Die Vorgehensweise bei Durchführung des Checklisten-Verfahrens gliedert sich in drei Schritte:

1. Bestimmung der entscheidungsrelevanten Standortanforderungen, 2. Überprüfung ob die potentiellen Standorte die Mindestanforderungen erfüllen, 3. Bildung eines Gesamturteils unter Berücksichtigung der Erfüllung der Standortanforderungen.

2.4.2.2, Nutzwertanalyse:

Die Nutzwertanalyse basiert auf der Arbeit von Zangemeister und ist in die Klasse der Scoring-Verfahren einzuordnen. Sie wurde für Entscheidungsprobleme entwickelt, deren Lösung nicht nur auf quantitativen Aspekten (z.B. Personalkosten, Steuern), sondern auch auf qualitativen Überlegungen (z.B. Absatzbereich, Infrastruktur) beruht. Dabei wird für jeden potentiellen Standort auf Grundlage der folgenden fünf Schritte ein Gesamtnutzwert errechnet:

1. Bestimmung der Zielkriterien, 2. Gewichtung der Zielkriterien, 3. Bestimmung des Teilnutzens, 4. Ermittlung des Nutzwerts, 5. Beurteilung der Vorteilhaftigkeit der Alternative.

Aufgrund ihrer praktischen Anwendbarkeit und der Möglichkeit, parallel quantitative und qualitative Faktoren zu berücksichtigen und zu gewichten, zählt die Nutzwertanalyse zu den in der betrieblichen Praxis meist verwendeten Verfahren bei der Standortproblematik.

Kritisch anzumerken bleibt, dass die Ermittlung der Zielkriterien und deren Gewichtung ausschließlich auf Basis subjektiver Einschätzungen erfolgen. Durch die in der Theorie erzwungene Unabhängigkeit der Zielkriterien als Vorausetzung für die additive Verknüpfung der Teilnutzwerte, werden die in der Realität bestehenden Beziehungen zwischen den einzelnen Einflussgrößen der Standortwahl nicht berücksichtigt. Als Folge kann ein Standort trotz Unterschreitung von wichtigen Mindestanforderungen als vorteilhaft eingestuft werden, da diese Tatsache im Gesamtscore, durch kompensatorische Beeinflussung infolge sehr hoher Teilnutzen, verschleiert wird. Außerdem wird in der Literatur davon abgeraten monetäre Größen in die Nutzwertanalyse zu integrieren. Diese sollten im Rahmen der NWA (Nutzwertanalyse) prinzipiell ausgeschlossen werden, da sie quantifizierbar sind und somit besser mit den Verfahren der Investitionsrechnung beurteilt werden können.

2.4.2.3, Country-Ratings:

Die sogenannten Country-Ratings gehören ebenfalls zu den Scoring-Verfahren. Sie bewerten die politischen und wirtschaftlichen Risiken einer Direktinvestition anhand von Punktbewertungstabellen. Der 1972 von F.T. Hanser entwickelte BERI-Index gehört sicherlich zu den bekanntesten Country-Ratings. Dabei handelt es sich um ein umfassendes Informationssystem des BERI-Instituts, das auf Grundlage von 31 qualitativen und 9 quantitativen Kriterien für 50 Länder dreimal jährlich eine Ein-Jahres- und eine Fünf-Jahres-Prognose auf Basis von folgenden vier verschiedenen Indices liefert:

- den Operation Risk Index (ORI) zur Beurteilung des Geschäftsklimas eines Landes, - den Political Risk Index (PRI) zur Beurteilung des sozialen und politischen Risikos eines Landes, - den R-Faktor zur Beurteilung der Rückzahlungsfähigkeit eines Landes gegenüber ausländischen Kapitalgebern, - der Profit Opportunity Recommendation (POR) als Zusammenfassung der ersten drei Indices.

Anhand dieser vier Indices gibt das BERI-Institut Strategieempfehlungen zu Direktinvestitionen in den entsprechenden Ländern unterteilt in jeweils vier Risikoklassen aus.

Country-Ratings eignen sich insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen mit begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen. Durch sie können schon in der Phase der Grobauswahl von internationalen Standorten Länder mit politischen und wirtschaftlichen Risiken ausgeschlossen werden. Für die spätere Feinauswahl potentieller Länder ist das Country-Rating aber aufgrund folgender Schwächen nicht geeignet:

- die qualitativen und quantitativen Bewertungskriterien unterliegen in hohem Maße einer subjektiven Beurteilung, - die Betrachtung der Unternehmensanforderungen und –strategien werden völlig außer Betracht gelassen, - hier ist ebenfalls, wie bei der Nutzwertanalyse die Unabhängigkeit der Bewertungskriterien voneinander nicht gegeben, - auch spezifische Marktfaktoren und –potentiale, sowie Netzwerkpotentiale bleiben bei den Country-Ratings unbeachtet.

Arbeit zitieren:
Meier, Nils Juli 2010: Eine standorttheoretische Analyse zur Entwicklung osteuropäischer Cluster, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Standorttheorie, Clustertheorie, Osteuropa, Logistik

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