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Die sozialen Strukturen von Alkoholabhängigen in ihren Auswirkungen auf die Abhängigkeitsprognose

Dargestellt am Klientel des "SpDi" Halle

Die sozialen Strukturen von Alkoholabhängigen in ihren Auswirkungen auf die Abhängigkeitsprognose
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Sven Domres
  • Abgabedatum: Juni 1999
  • Umfang: 89 Seiten
  • Dateigröße: 666,5 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Merseburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-1780-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-1780-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-1780-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Domres, Sven Juni 1999: Die sozialen Strukturen von Alkoholabhängigen in ihren Auswirkungen auf die Abhängigkeitsprognose, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Alkoholismus, Arbeitslosigkeit, Sucht, Armut, Abhängigkeit

Diplomarbeit von Sven Domres

Einleitung:

Alkohol wird von der Mehrheit der Bevölkerung zur Veränderung der Befindlichkeit eingesetzt. Die Gefahren für die Gesundheit werden dabei heruntergespielt. "Ein Gläschen in Ehren kann keiner verwehren", und auch mehrere Gläschen werden toleriert. In unserer Gesellschaft werden Entschuldigungen für einen erhöhten Alkoholkonsum schnell akzeptiert. Was ist aber, wenn die Kontrolle über das Trinken verloren geht und es zu Konflikten und Problemen in der Familie und dem sozialen Umfeld kommt?

Das Thema "Alkoholismus" ist aktueller den je. Sehr oft wird der Mißbrauch von legalen Drogen wie Alkohol und Tabak aus dem Blickfeld verloren. Dem gegenüber stehen aber etwa vier Millionen Menschen, die alkoholabhängig und weitere zehn Millionen, die derzeit in Deutschland alkoholgefährdet sind. (Mitteldeutsche Zeitung, 22. April 1999) In meiner Diplomarbeit möchte ich die sozialen Strukturen der Alkoholabhängigen und ihre Auswirkungen auf das Suchtverhalten näher betrachten. Für meine Ausarbeitung wählte ich die Lebensbereiche Familie, Arbeitsplatz und die Lebenssituationen Obdachlosigkeit und Arbeitslosigkeit aus. Neben diesen genannten Lebenssektoren gibt es noch eine Vielzahl weiterer Gebiete, die das Suchtverhalten beeinflussen können. Ich denke da vor allem an die Sportvereine, Jugendclubs (Jugend & Alkohol) aber auch ältere Menschen sind davon betroffen (Senioren & Alkoholkonsum). In meiner Arbeit werde ich mich nur auf den Einfluß der Familie, speziell den des Lebenspartners, sowie den der Arbeitskollegen und Vorgesetzten auf die Suchtentwicklung beziehen. Des weiteren werde ich versuchen zu verdeutlichen, in wieweit ein Zusammenhang zwischen Armut und Alkoholismus besteht. Für eine Betrachtung der Beziehung Alkoholismus und Arbeitslosigkeit wählte ich die besondere gesellschaftliche Situation in den neuen Bundesländern, da sich gerade nach dem Zusammenbruch des alten Systems viele Probleme für die Bevölkerung ergaben und intensivierten. Ich suchte diese Lebensbereiche aus, weil das Suchtverhalten beim Klientel des Sozialpsychiatrischen Dienstes der Stadt Halle (SpDi) hauptsächlich von diesen Einflußfaktoren bestimmt wird.

Gang der Untersuchung:

Im ersten Teil der Arbeit gebe ich einen allgemeinen Überblick über die Alkoholismusproblematik. Daran schließen sich verschiedene Kapitel zu den Zusammenhängen zwischen Alkoholismus in den verschiedenen Lebensbereichen an. Im letzten Teil werte ich eine Erhebung zu den Lebensumständen von Alkoholabhängigen in Deutschland aus und gehe dabei auf die daraus resultierende Bedeutung für SozialarbeiterInnen/-pädagogInnen ein.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Ein historischer Überblick über den Alkoholkonsum 4
3. Begriffe und Definitionen zum Thema Alkoholismus 5
4. Epidemiologie und weitere Fakten zum Alkoholkonsum und Alkoholismus 11
5. Alkoholikertypologie nach Jellinek 12
6. Die Phase der Alkoholabhängigkeit 14
7. Die Wirkung von Alkohol auf den Organismus 17
8. Die Folgeschäden durch Alkoholismus 19
8.1. Alkoholbedingte Schädigungen am Körper 19
8.2. Soziale und materielle Folgen 21
9. Ursachen für eine Alkoholabhängigkeit 24
10. Co-Abhängigkeit und Co-Alkoholismus 30
10.1. Drei Phasen der Co-Abhängigkeit 31
10.2. Das Prinzip der konstruktiven Konfrontation 34
11. Alkohol am Arbeitsplatz 37
11.1. Regelungen zum Umgang mit Alkohol am Arbeitsplatz 38
11.2. Handlungskonsequenzen bei Auffälligkeiten 39
11.3 Die Konflikte alkoholabhängiger Arbeitnehmer unter Berücksichtigung der betrieblichen Regelungen 41
11.4. Arbeitskollegen als Co-Abhängige 43
11.5. Führungskräfte und Co-Abhängigkeit 44
11.6. Lösungswege für Alkoholprobleme im Betrieb 46
11.7. Die betriebliche Interventionskette 47
11.8. Präventionsmaßnahmen am Arbeitsplatz 49
12. Armut und Alkoholismus 50
12.1. Obdachlosigkeit und Alkoholismus 51
12.2. Das soziale System der Suchtkrankenhilfe für Wohnungslose 53
12.3. Zusammenfassung 54
12.4. Ein Modellprojekt für das niederschwellige Wohnangebot 55
12.5. Arbeitslosigkeit und Alkoholismus 56
13. Vorstellung und Auswertung des Fragebogens 63
14. Ein Vergleich zweier Untersuchung zu den Lebensumständen von Alkoholabhängigen in Deutschland 66
15. Schlußwort 71
16. Literaturverzeichnis 73
Eidesstattliche Erklärung 76
Anhang 77

Automatisiert erstellter Textauszug:

sultat gekommen, daß ein Neuanfang für Beide denkbar wäre. Herr Y erkannte selber, daß er mehr Verantwortung in der Familie übernehmen muß. „Ich muß eine halbe Stunde vor meiner Ehefrau aufstehen!“ (Aussage des Klienten) Unterstützend auf die Motivation zur Abstinenz wirkte sich die ABM seit Anfang 1997 für den Betroffenen aus. Seit 1996 ist Herr Y „trocken“, besucht regelmäßig die Selbsthilfegruppe und seine ABM wurde bis 2000 verlängert. Er lebt heute wieder mit seiner Familie zusammen. Diese zwei Fallbeispiele verdeutlichen sehr anschaulich, welchen Einfluß der Lebenspartner und die zu erwartenden Zukunftsperspektiven für den Verlauf der Suchtentwicklung haben können. In meinen Gesprächen mit den Betroffenen erkannte ich oft, daß viele Abhängige den Blick zur Realität vollkommen verloren haben und einige erst durch die angekündigte Scheidung wachgerüttelt wurden. Es ist also sehr wichtig, daß der Lebenspartner deutliche Grenzen setzt und bei „Überschreitung“ diese konsequent ahndet. Dies stellt die einzige Möglichkeit dar, der Co-Abhängigkeit zu entkommen, um den Leidensweg des Abhängigen aber auch den eigenen zu beenden. Mitleid mit dem Abhängigen ist der falsche Ausweg und führt nur ins Verderben. 11. Alkohol am Arbeitsplatz Wohl kaum ein Bereich, was die Folgen des Alkoholkonsums betrifft, reagiert derart sensibel, wie der des Arbeitsplatzes (neben dem des Straßenverkehrs). Außer der erhöhten Gefahr von Arbeitsunfällen entstehen den Betrieben horrende Schäden durch alkoholbedingte Fehlzeiten und Krankheiten, sowie durch die eingeschränkte Leistungsund Konzentrationsfähigkeit von alkoholisierten Mitarbeitern. Deshalb bestehen in den meisten Betrieben Regelungen, ob und in welchem Umfang der Konsum von alkoholhaltigen Getränken im Betrieb bzw. während der Arbeitszeit gestattet ist. In diesem Kapitel möchte ich beschreiben, welche Möglichkeiten ein Betrieb besitzt, um auf das Alkoholproblem der Mitarbeiter einzuwirken. Des weiteren werde ich aber auch verdeutlichen, welche Situationen am Arbeitsplatz das Suchtverhalten des Abhängigen begünstigen können. Wenn ich in meinen folgenden Ausführungen von „Mitarbeitern mit Alkoholproblemen“ oder „Alkoholkranken“ schreibe, dann müssen diese Personen nicht zwangsläufig alkoholabhängig sein. Eine gesonderte Differenzierung von Mißbrauch und Abhängigkeit möchte ich hier nicht mehr vornehmen, da meiner [...]

holkranke Partnerin bagatellisierte ihr eigenes Alkoholkonsumverhalten und nahm die Hilfsangebote unserer Beratungsstelle nicht an. Gemeinsame Gespräche der Eheleute in der Beratungsstelle kamen nicht zustande. Leider kam es so, wie man es ahnte. Nach der Entgiftung begann die Entwöhnungsbehandlung in einer Einrichtung außerhalb von Halle. Während der Therapiemaßnahme konnte sich Herr X nur unzureichend auf die Behandlung konzentrieren. Seine Frau hielt während dieser Zeit kaum telefonischen noch schriftlichen Kontakt. Der Patient war ständig mit seinen Gedanken bei seinen alten Problemen und sorgte sich um seine Frau. Da die Ehefrau nach einigen Wochen ganz den Kontakt zu Herrn X einstellte und die dadurch entstandenen psychischen Belastungen für Herrn X nicht mehr tragbar waren, bot man ihm einen Kurzurlaub an. In dieser Zeit sollte er seine „privaten Probleme“ regeln, um dann motivierter und offener die Therapie fortsetzen zu können. Von diesem Kurzurlaub kehrte der Klient aber nicht zurück. Er wurde erneut rückfällig. Fallbeispiel 2 Herr Y ist 46 Jahre alt, verheiratet und hat 2 Kinder. Der Klient ist arbeitslos und eine Umschulung wurde wegen Alkoholprobleme abgebrochen. Seine Ehefrau (Frau Z) half ihm bei behördlichen Angelegenheiten. Durch sie kam es auch zum Kontakt beim SpDi. Durch die massiven Probleme in der Partnerschaft, welche aber alkoholbedingt waren, kam es 1996 zur Trennung. Frau Z zog in eine eigene Wohnung, unterstützte ihren Mann aber weiterhin, sein Alkoholproblem zu lösen, so daß der Kontakt zur Familie erhalten blieb. Unmittelbar nach dieser Trennung entschloß sich Herr Y für eine Entgiftungsbehandlung mit einer anschließenden Entwöhnungstherapie. Während dieser 5monatigen Therapie wurde in Form einer „Familienaufstellung“ der Stand innerhalb der Herkunftsfamilie Herrn Y verdeutlicht. Herr Y wuchs beim Stiefvater und den Großeltern auf. Seine Mutter trennte sich vom Stiefvater. Den leiblichen Vater lernte er nie kennen. Alkohol betäubte das Gefühl der Verlassenheit, da er keine Wärme von der Mutter erhielt und die ersten 6 Lebensjahre bei den Großeltern aufwuchs. Der Kontakt zu den Großeltern ging schnell verloren, da sie frühzeitig starben. Alkohol wurde als Jugendlicher von ihm verwendet, um sich mit dem Stiefvater zu identifizieren und um seinen Anforderungen gerecht zu werden. Ein großer Schwerpunkt während der Therapie wurde auf die Aufarbeitung der Beziehungsprobleme in der Partnerschaft gelegt. Dazu wurde die Ehefrau mit einbezogen. Am Ende der Therapie war man zu dem Re- [...]

SpDi ähnliche Erfahrungen gemacht. In dieser Zeit betreute ich eigene Klienten unter anderem auch Alkoholabhängige. Bei den Motivationsgesprächen ist mir besonders aufgefallen, daß Aspekte, die die Gesundheit, das Familienleben und den Arbeitsplatz betrafen, dem Betroffenen zu einem Blick auf die Realität verhalfen. Diskussionen über konsumierte Alkoholmengen oder Trinkgewohnheiten sind meist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Der Abhängige wird sehr lange versuchen seine Sucht zu verbergen, zu leugnen und alles zu verharmlosen. Die Angehörigen müssen aber verstehen lernen, daß dies zum Krankheitsbild eines Alkoholkranken dazu gehört. Allen Bezugspersonen sei aber der Rat gegeben, daß sie möglichst rechtzeitig die Unterstützung einer Beratungsstelle annehmen. Nach einem gut vorbereiteten Gespräch, welches nach Möglichkeit auch in entspannter Atmosphäre erfolgen sollte, besteht eine gute Chance, daß der Abhängige sein Trinkverhalten als problematisch akzeptiert. Sehr viele Alkoholkranke können sich ein Leben ohne Alkohol nicht vorstellen. Die Droge begleitete bisher ihr Leben und brachte eine entspannende Wirkung. Die Aufgabe der Angehörigen und der Suchtexperten ist es, dem Betroffenen zu verdeutlichen, daß langfristig die Abstinenz ein Gewinn darstellt. Hier denke ich vor allem an die Punkte, wie eine gute Partnerschaft, den Erhalt bzw. Zurückgewinn der Gesundheit, den Arbeitsplatz. Den Abhängigen müssen vorteilhafte Zukunftsperspektiven aufgezeigt werden. Jeder Mensch hat irgendwelche Zukunftswünsche, die für den Abstinenten so etwas näher rücken können. Diese Gespräche über erreichbare Zukunftswünsche haben auch nach meinen eigenen Erfahrungen einen starken motivierenden Effekt. An dieser Stelle möchte ich zwei kurze Beispiele einfügen. Fallbeispiel 1 Während meines Praktikums begleitete ich einen ca. 4o Jahre alten obdachlosen Mann. Er war seit vielen Jahren alkoholabhängig, mit deutlichen gesundheitlichen Folgeerscheinungen. Dieser Klient lebte in einer Partnerschaft, wobei die Frau ebenfalls abhängig war. Uns gelang es, für den Betroffenen eine Entgiftungsbehandlung mit anschließender Rehabilitationsmaßnahme einzuleiten. Der Klient wollte wieder auf „eigenen“ Füßen stehen, wollte eine eigene Wohnung und seine finanziellen Angelegenheiten selbst regeln können. Er erhoffte sich, daß er danach auch wieder arbeitsfähig sei und so eine realistische Chance auf dem Arbeitsmarkt für ihn bestehen würde. Seine alko- [...]

Arbeit zitieren:
Domres, Sven Juni 1999: Die sozialen Strukturen von Alkoholabhängigen in ihren Auswirkungen auf die Abhängigkeitsprognose, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Alkoholismus, Arbeitslosigkeit, Sucht, Armut, Abhängigkeit

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