Bachelor + Master Publishing
811 Bachelorarbeiten, 533 Masterarbeiten, 10.103 Diplomarbeiten

Die soziale Austauschtheorie und die relationale Perspektive: Inwiefern ergänzen sie die Transaktionskostentheorie im Kontext der Allianzforschung?

Die soziale Austauschtheorie und die relationale Perspektive: Inwiefern ergänzen sie die Transaktionskostentheorie im Kontext der Allianzforschung?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Matthias Rathenow
  • Abgabedatum: September 2010
  • Umfang: 78 Seiten
  • Dateigröße: 767,3 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 88
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0611-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Rathenow, Matthias September 2010: Die soziale Austauschtheorie und die relationale Perspektive: Inwiefern ergänzen sie die Transaktionskostentheorie im Kontext der Allianzforschung?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Allianzen, Transaktionskostentheorie, Soziale Austauschtheorie, Relational View, Vertrauen

Diplomarbeit von Matthias Rathenow

Einleitung:

Die steigende Vernetzung der weltweiten Wirtschaftszonen und die daraus resultierenden neuen Möglichkeiten für Unternehmen bewirken eine stetige Zunahme der Wettbewerbsintensität, wodurch eine erkennbare Spezialisierung entlang der Wertschöpfungskette zu verzeichnen ist. Die Entwicklung hat dazu geführt, dass Unternehmen immer mehr mit anderen Unternehmen kooperieren müssen, um wirtschaftlich erfolgreich sein zu können. Für ein erfolgreiches Bilden von Allianzen ist es von elementarer Bedeutung, Partner mit komplementären Ressourcen zu finden, wodurch Synergiepotenziale erzielt werden können, die ein Unternehmen allein nicht erwirtschaften kann.

Die steigende Anzahl von (strategischen) Allianzen hat in den letzten zwanzig Jahren dazu geführt, dass zahlreiche Wissenschaftler die Gründe für die Entstehung von interorganisationalen Formen zu ihrem Untersuchungsgegenstand gemacht haben. Viele der wissenschaftlichen Arbeiten basieren auf der Transaktionskostentheorie, um die Formen, Funktionen und die Effizienz von Kooperationen jeglicher Art zu analysieren. Die einseitige Fokussierung auf die Kostenanalyse von hybriden Organisationsformen ist dabei zentraler Gegenstand der Kritik. Insbesondere die Vernachlässigung sozialer Konstrukte, die Verwendung simplifizierender Annahmen sowie die Ausblendung von Nutzenaspekten werden als eklatante Schwächen identifiziert, Allianzen als komplexe soziale Gebilde vollumfänglich zu analysieren.

Die vorliegende Arbeit setzt an dieser Kritik an, indem sie versucht, mittels der sozialen Austauschtheorie und der relationalen Perspektive, eine konzeptionelle Ergänzung des Transaktionskostenansatzes zu erarbeiten. Dabei besitzen beide Interorganisationstheorien unterschiedliche Schwerpunkte, sodass sie sich sinnvoll ergänzen, basieren aber gleichzeitig auf einem gemeinsamen konzeptionellen Fundament. Die Untersuchung von interorganisationalen Beziehungen erfordert die Einbeziehung ökonomischer und sozialer Konstrukte, weshalb eine Analyse anhand integrativer Ansätze am geeignetsten erscheint. Durch eine Vielzahl von ökonomischen Herausforderungen und mannigfaltigen sozialen Prozessen bilden Allianzen eine komplexe Organisationsform, die anhand einer einzigen Theorie nur unzulänglich erklärt werden kann.

Zu Beginn der Arbeit wird einleitend durch die Vorstellung der strategischen Allianzen der konzeptionelle Rahmen gesetzt, wobei angemerkt sei, dass im Zuge der wissenschaftlichen Untersuchungen keine strikte Trennung zwischen Allianz- und Netzwerkforschung vorgenommen werden kann.

Im dritten Kapitel wird der Transaktionskostenansatz in seinen Grundzügen dargestellt und erläutert, warum der Ansatz, trotz seiner häufigen Verwendung zur Analyse von Allianzen, zahlreiche Defizite aufweist, die eine angemessene Analyse der zahlreichen Allianzformen nicht zulassen.

Im nächsten Kapitel werden die soziale Austauschtheorie und die relationale Perspektive getrennt voneinander dargestellt, in ihrem konzeptionellen Aufbau bezogen auf Allianzen untersucht. Daran anknüpfend werden beide Theorien einander gegenübergestellt, sodass ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar werden.

Im fünften Kapitel wird das Ergänzungspotenzial, das sich aus der vorausgegangenen konzeptionellen Gegenüberstellung beider Theorien ergeben hat, explizit dargelegt. Darüber hinaus werden die einschränkenden Schwächen und Grenzen der sozialen Austauschtheorie und der relationalen Perspektive aufgezeigt. Aufbauend auf dem ergänzenden Erklärungspotenzial der Interorganisationstheorien wird ein integrativer Ansatz erarbeitet, der durch eine konzeptionelle Verknüpfung aller drei Theorien ein ganzheitlicheres Bild zur Analyse von Allianzen darstellt.

Im letzten Kapitel werden die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und Ausblicke auf die zukünftigen Aufgaben der Allianzforschung gegeben.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis II
Tabellenverzeichnis III
1. Einleitung 1
1.1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 1
1.2 Literaturrecherche 3
2. Strategische Allianzen 6
3. Die Transaktionskostentheorie 7
4. Interorganisationstheorien 12
4.1 Die relationale Perspektive 12
4.1.1 Quellen von relationalen Renten 14
4.1.2 Mechanismen zum Aufbau von Imitationsbarrieren 21
4.1.3 Verteilung der relationalen Renten 22
4.2 Die soziale Austauschtheorie 25
4.2.1 Fundamentale Ansätze der sozialen Austauschtheorie 26
4.2.2 Die wichtigsten Konstrukte der sozialen Austauschtheorie in Bezug auf Allianzen 36
4.2.3 Die Wirtschaftssoziologie 39
4.3 Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Interorganisationstheorien 41
5. Ergänzendes Erklärungspotenzial der Interorganisationstheorien zur Transaktionskostentheorie 48
5.1 Grenzen und Schwächen der Interorganisationstheorien 48
5.1.1 Grenzen und Schwächen der sozialen Austauschtheorie 48
5.1.2 Grenzen und Schwächen der relationalen Perspektive 50
5.2 Ergänzendes Erklärungspotenzial der Interorganisationstheorien 52
5.3 Integrativer Ansatz 59
6. Schlussbetrachtung 63
Literaturverzeichnis 66

Textprobe:

Kapitel 4.2.1, Fundamentale Ansätze der sozialen Austauschtheorie:

Die Verhaltenstheorie von Homans:

Homans’ Aussagen sind geprägt von ökonomischem Denken und psychologischem Reduktionismus. Seiner Ansicht nach bilden die Prinzipien der Verhaltensökonomie und der Verhaltenspsychologie das Fundament für jegliche soziologische Gesetzesaussage. In Homans’ Analyse steht das Verhalten der Individuen bei der Interaktion im Fokus. Er geht davon aus, dass sich die Akteure bei einem Austauschprozess gegenseitig in ihrem Verhalten beeinflussen. Er definiert sozialen Austausch als Austausch zwischen mindestens zwei Personen, die tangible oder intangible Leistungen, die mehr oder weniger lohnend beziehungsweise teuer sind, austauschen. Ziel einer sozialen Interaktion ist es, Belohnungen zu erhalten, das heißt, etwas Wertvolles zu bekommen. Dabei werden die vorhandenen Alternativen und Möglichkeiten der beteiligten Akteure als Kosten verstanden.

Im Folgenden wird Homans’ Theorie des elementaren sozialen Verhaltens mittels gesetzesmäßiger Aussagen (‘Propositionen’) sowie sein Konzept der distributiven Gerechtigkeit dargestellt, die als Eckpfeiler seiner Arbeiten angesehen werden können. Die Aussagen berufen sich auf das individuelle Verhalten von Menschen.

Die Erfolgsproposition sagt aus, dass für alle Handlungen von Personen gilt, je häufiger eine bestimmte Handlung belohnt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ausgeführt beziehungsweise wiederholt wird. Die Aussage impliziert, dass mit einer Steigerung der Häufigkeit der Belohnung die Ausführung der Handlung proportional ansteigt.

Die Stimulusproposition geht davon aus, dass einzelne oder mehrere Reize, die in der Vergangenheit Anlass zur Belohnung einer Handlung gegeben haben, die Person dazu animieren, selbige oder eine ähnliche Handlung zu vollziehen, wenn die oben genannten Reize wieder auftreten. Dies bedeutet, dass unter wiederkehrenden äußeren Umständen die Tätigkeit wiederholt wird. Es besteht somit eine Verbindung zwischen der Handlung und dem Reiz, die zugleich generalisierend und diskriminierend wirkt.

Die Wertproposition beinhaltet die Aussage, dass, je wertvoller eine Handlung für eine Person ist, sie desto eher ausgeführt wird. Wertvoll ist eine Handlung dann, wenn sie Belohnungen erzielt oder Bestrafungen vermeidet. Bezogen auf die soziale Beziehung wird demnach eine soziale Interaktion fortgeführt, wenn beide Partner die Beziehung als wertvoll erachten.

Die Entbehrungs-Sättigungs-Proposition stellt fest, dass, je häufiger jemand in der jüngeren Vergangenheit eine bestimmte Belohnung erhalten hat, sie umso weniger wertvoll für diese wird. Dies spiegelt die ökonomische Annahme vom abnehmenden Grenznutzen wieder. Wichtig ist zu betonen, dass die Aussage nur auf die jüngere Vergangenheit bezogen ist, da Belohnungen, die lange nicht mehr erhalten wurden und somit entbehrlich waren, den Wert der Handlung, die wieder zu dieser Form von Belohnung führt, steigern.

Die letzte Aussage ist die Aggressions-Anerkennungs-Proposition. Sie soll erklären, wie sich Menschen verhalten, wenn sie beim sozialen Austausch nicht die Belohnung oder Bestrafung erhalten, die sie erwartet haben. Für eine Enttäuschung der Erwartungen hält die Proposition fest, dass eine Person aggressiv wird, wenn ihre Handlung nicht die gewünschte Belohnung beziehungsweise eine unerwartete Bestrafung zur Folge hat. Dies verursacht Frustration. Ist die Reaktion auf ein Verhalten oder eine Handlung positiver als erwartet, fällt die Belohnung also überraschend höher aus, entfällt die erwartete Bestrafung ganz oder ist geringer als befürchtet, sind die Menschen darüber erfreut. Mit größerer Wahrscheinlichkeit werden sie ein anerkennendes Verhalten zeigen und das Resultat als wertvoller erachten als vorher.

Die letzte These bildet die Basis für das Konzept der distributiven Gerechtigkeit. Homans unterstellt einen natürlichen Trend zu ausgewogenen Austauschverhältnissen. Wenn dies nicht der Fall ist, wird durch Aggression und Wut eine Verbesserung angestrebt, bis das Verhältnis von Investitionen und Belohnungen wieder egalisiert ist. Homans stellt die Regel der distributiven Gerechtigkeit wie folgt dar: ‘[…] a man in an exchange relation with another will expect the profits of each to be directly proportional to his investments.’ Profit wird hierbei dadurch generiert, dass die Belohnung die Kosten übersteigt. Zusätzlich ist es von Bedeutung, dass die soziale Austauschbeziehung von Fairness geprägt ist. Ob der Austausch fair ist, wird durch den Vergleich mit dem Austauschpartner überprüft. Folglich stellt der Austauschprozess für Homans eine implizite Verhandlung zwischen den Partnern dar, inwieweit Gerechtigkeit in der Beziehung besteht beziehungsweise wie wertvoll die Investitionen, Kosten und Belohnungen sind.

Arbeit zitieren:
Rathenow, Matthias September 2010: Die soziale Austauschtheorie und die relationale Perspektive: Inwiefern ergänzen sie die Transaktionskostentheorie im Kontext der Allianzforschung?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Allianzen, Transaktionskostentheorie, Soziale Austauschtheorie, Relational View, Vertrauen

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren