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Gibt es slowakische Unternehmenskultur?

Eine explorative Studie anhand von halbstandardisierten Interviews mit slowakischen Führungskräften

Gibt es slowakische Unternehmenskultur?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Simona Velecka
  • Abgabedatum: April 2003
  • Umfang: 115 Seiten
  • Dateigröße: 933,2 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Internationales Hochschulinstitut Zittau (IHI) Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7585-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7585-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7585-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Velecka, Simona April 2003: Gibt es slowakische Unternehmenskultur?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Interkultureller Vergleich, qualitative Inhaltsanalyse, Hofstede, Trompenaars, Managementbefragung

Diplomarbeit von Simona Velecka

Einleitung:

Der erste Tag des Praktikums.... Man steht total aufgeregt vor der Firma, wo er die nächsten drei Monate seines Lebens verbringen soll und überlegt, was gleich passieren wird. Der Kopf voll von unbeantworteten Fragen- wie ist denn der Chef? Was werde ich zu tun haben? Werden die mich überhaupt verstehen? Nur noch ein paar Schritte...Nach fünf Minuten haben sich all diese Sorgen in der Luft aufgelöst. Anstatt dem lange ersehnten und gleichzeitig befürchteten Treffen mit dem neuen Chef wird einem nur schnell die Hand gereicht und ein paar Begrüßungsworte gesagt. Und nicht zu vergessen- auf dem Tisch erwartet ihn eine lange Liste mit aufgeschriebenen Aufgaben, die möglichst noch am selben Tag zu erledigen sind. Nach kurzer Enttäuschung fällt dem Menschen ein, dass der Chef wahrscheinlich zu beschäftigt ist, sich um einen Praktikanten zu kümmern. Wenn sich aber dieselbe Situation in den nächsten, den übernächsten und den weiteren Tage wiederholt, wird einem klar, dass es normal ist. Und mit der Zeit akzeptiert man auch die Tatsache, dass die Antwort auf alle unerwartete und überraschende Dinge folgendermaßen lautet: Wessis, das sind doch Wessis!

Nach einem längeren Aufenthalt in einem fremden Land gewöhnt man sich allmählich an all die dort vorhandenen kulturellen Differenzen. Es ist aber überraschend, wie stark der kulturelle Hintergrund die Betriebspraxis des gegebenen Landes beeinflusst. Diese persönliche Erfahrung hat zum Ausfertigen der vorgelegten Diplomarbeit geführt, deren Hauptanliegen die Auseinandersetzung mit der slowakischen Unternehmenskultur darstellt. Weil jede Kultur nur im Vergleich mit einer anderen beschrieben werden kann, wird aus verständlichen Gründen auf die deutsche Unternehmenskultur zurückgegriffen. Als Kriterien des Vergleiches wendet man die Kulturdimensionen von Hofstede und Trompenaars an.

Die Betonung liegt auf Deskription und Interpretation, deshalb wurden zu diesem Zweck halb-standardisierte Interviews mit zwölf slowakischen Führungskräften durchgeführt, von denen eine Hälfte die rein slowakischen Firmen vertritt und die zweite Hälfte in den slowakischen Filialen deutscher Unternehmen tätig ist. Dabei geht man von der Annahme aus, dass die Unternehmenskultur der slowakischen Filialen auch durch die Merkmale der deutschen Unternehmenskultur geprägt ist.

Als erstes beschäftigt man sich in der vorgelegten Diplomarbeit mit dem Kulturbegriff, um später auf die Problematik der Unternehmenskultur einzugehen. Weiterhin wird der Focus auf die Darstellung der einzelnen Kulturdimensionen von Hofstede und Trompenaars sowie auf die kurze Charakteristik ihrer Merkmale gerichtet. Im nächsten Kapitel werden anhand dieser Kriterien in Anlehnung an unterschiedliche Autoren die tschechische und deutsche Unternehmenskultur beschrieben, wobei diese Ausführungen in erster Linie auf die Festlegung ihrer zentralen Unterschiede abzielen. Von besonderem Interesse ist außerdem der gesellschaftliche und geschichtliche Hintergrund der dargestellten Tatsachen.

Im empirischen Teil wird Aufschluss über das methodologische Verfahren, auf Grundlage dessen diese Studie durchgeführt wurde, gegeben sowie die Auswahl der geeigneten Methoden zur Datenverarbeitung und -auswertung diskutiert. Als nächstes folgt die Darstellung der ausgewerteten Daten und ihre Diskussion, die auf die Festlegung und Erläuterung der gravierendsten Unterschiede zwischen den Unternehmenskulturen der Firmen aus den oben genannten zwei Gruppen abzielt.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
2. Wie definiert man Kultur? Was ist Unternehmenskultur? 3
2.1 Der Kulturbegriff 3
2.2 Unternehmenskultur 8
2.2.1 Begriff der Unternehmenskultur 8
2.2.2 Merkmale der Unternehmenskultur 12
2.2.3 Funktionen der Unternehmenskultur 13
3. Kulturdimensionen nach Hofstede und Trompenaars 16
3.1 Kulturkonzept von Hofstede 16
3.1.1 Starke contra schwache Machtdistanz 16
3.1.2 Individualismus contra Kollektivismus 18
3.1.3 Maskuline contra feminine Kulturen 19
3.1.4 Schwache contra starke Machtdistanz 21
3.1.5 Kurzfristige contra langfristige Orientierung 23
3.2 Kulturkonzept nach Trompenaars 23
3.2.1 Universalistisch contra partikularistisch 24
3.2.2 Affektiv contra neutral 25
3.2.3 Spezifisch contra diffus 26
3.2.4 Leistung contra Ansehen 27
3.2.5 Konsekutiv contra synchron 29
4. Deutsche und tschechische Unternehmenskultur im Vergleich 32
4.1 Quellenübersicht 32
4.2 Die Rolle der Unternehmenskulturproblematik in der tschechischen und deutschen Betriebspraxis 34
4.3 Gestaltung der Arbeitsbeziehungen in den tschechischen und deutschen Unternehmen 35
4.4 Identifizierung mit dem Unternehmen bei den tschechischen und deutschen Mitarbeitern 40
4.5 Machtdistanz in den tschechischen und deutschen Unternehmen 41
4.6 Organisatorische Regeln und Vorschriften in den tschechischen und deutschen Unternehmen 47
4.7 Kommunikation in den tschechischen und deutschen Unternehmen 48
4.8 Konfliktlösung in tschechischen und deutschen Unternehmen 49
4.9 Konsekutive contra synchrone Ausprägung der tschechischen und deutschen Unternehmenskultur 51
4.10 Kurzfristige contra langfristige Orientierung der tschechischen und deutschen Unternehmenskultur 52
4.11 Maskulinität contra Femininität in den tschechischen und deutschen Unternehmen 54
4.12 Vergleichende Zusammenfassung 57
5. Als Interviewer in den slowakischen Unternehmen 60
5.1 Auswahl der potenziellen Gesprächspartner 60
5.2 Charakteristik der ausgewählten Interviewpartner und der Unternehmen 60
5.3 Analyse der Entstehungssituation 65
5.4 Datenverarbeitung 66
6. Darstellung der ausgewerteten Daten 70
6.1 Der Begriff der Unternehmenskultur in der Wahrnehmung der Führungskräfte aus den ausgewählten Betrieben 70
6.1.1 Der Begriff der Unternehmenskultur in der Wahrnehmung der Führungskräfte aus den rein slowakischen Betrieben 70
6.1.2 Der Begriff der Unternehmenskultur in der Wahrnehmung der Führungskräfte aus der slowakischen Filialen deutscher Unternehmen 71
6.1.3 Vergleichende Zusammenfassung 72
6.2 Individualismus contra Kollektivismus in den ausgewählten Betrieben 72
6.2.1 Individualismus contra Kollektivismus in den slowakischen Filialen deutscher Unternehmen 73
6.2.2 Individualismus contra Kollektivismus in den rein slowakischen Betrieben 77
6.2.3 Vergleichende Zusammenfassung 80
6.3 Spezifische contra diffuse Ausprägung der Unternehmenskultur in den ausgewählten Betrieben 81
6.3.1 Spezifische contra diffuse Ausprägung der Unternehmenskultur in den slowakischen Filialen deutscher Unternehmen 82
6.3.2 Spezifische contra diffuse Ausprägung der Unternehmenskultur in den rein slowakischen Unternehmen 85
6.3.3 Vergleichende Zusammenfassung 88
6.4 Emotionale contra affektive Ausprägung der Unternehmenskultur in den ausgewählten Betrieben 89
6.4.1 Emotionale contra affektive Ausprägung der Unternehmenskultur in den slowakischen Filialen deutscher Unternehmen 89
6.4.2 Emotionale contra affektive Ausprägung der Unternehmenskultur in den rein slowakischen Betrieben 89
6.4.3 Vergleichende Zusammenfassung 90
6.5 Universalismus contra Partikularismus in den ausgewählten Betrieben 90
6.5.1 Universalismus contra Partikularismusin den slowakischen Filialen deutscher Unternehmen 91
6.5.2 Universalismus contra Partikularismus in den rein slowakischen Unternehmen 93
6.5.3 Vergleichende Zusammenfassung 95
6.6 Starke contra geringe Machtdistanz in den ausgewählten Betrieben 95
6.6.1 Starke contra geringe Machtdistanz in den slowakischen Filialen deutscher Unternehmen 96
6.6.2 Geringe contra starke Machtdistanz in den rein slowakischen Unternehmen 102
6.6.3 Vergleichende Zusammenfassung 109
6.7 Makulinität contra Femininität in den ausgewählten Betrieben 110
6.7.1 Maskulinität versus Femininität in den slowakischen Filialen deutscher Unternehmen 110
6.7.2 Maskulinität contra Femininität in den rein slowakischen Betrieben 114
6.7.3 Vergleichende Zusammenfassung 115
6.8 Schwache contra starke Unsicherheitsvermeidung in den ausgewählten Betrieben 115
6.8.1 Schwache contrastarke Unsicherheitsvermeidung in den slowakischen Filialen deutscher Unternehmen 115
6.8.2 Schwache contra starke Unsicherheitsvermeidung in den rein slowakischen Firmen 120
6.8.3 Vergleichende Zusammenfassung 122
6.9 Langfristige contra kurzfristige Orientierung in den ausgewählten Betrieben 123
6.9.1 Langfristige contra kurzfristige Orientierung in den slowakischen Filialen deutscher Unternehmen 123
6.9.2 Langfristige contra kurzfristige Orientierung in den rein slowakischen Betrieben 125
6.9.3 Vergleichende Zusammenfassung 126
6.10 Konsekutive contra synchrone Ausprägung der Unternehmenskultur in den ausgewählten Betrieben 127
6.10.1 Konsekutive contra synchrone Ausprägung der Unternehmenskultur in den slowakischen Filialen deutscher Unternehmen 127
6.10.2 Konsekutive contra synchrone Ausprägung der Unternehmenskultur in den rein slowakischen Betrieben 128
6.10.3 Vergleichende Zusammenfassung 128
7. Diskussion der ausgewerteten Daten 130
7.1 Begriff der Unternehmenskultur 130
7.2 Individualismus/Kollektivismus 130
7.3 Diffus/Spezifisch 131
7.4 Emotional/Neutral 132
7.5 Partikularistisch/Universalistisch 132
7.6 Starke/geringe Machtdistanz 134
7.7 Maskulinität/Femininität 135
7.8 Starke/schwache Unsicherheitsvermeidung 137
7.9 Kurzfristige/langfristige Orientierung 137
7.10 Konsekutiv/Synchron 138
8. Schlusswort 140
Literaturverzeichnis 142
Ehrenwörtliche Erklärung 146

Automatisiert erstellter Textauszug:

Stelle folgende Aussage der Interviewpartnerin Nr. 8 aufführen: “Ich glaube daran, dass mich [die Untergebenen] als einen Partner betrachten, mit dem sie sich beraten können, der ihnen helfen möchte und der sie unterstützt, wenn es notwendig ist.”203 Die Gesprächspartnerin Nr. 11 hält den Vertrauensbruch zu den größten Fehlern, die einem Untergebenen unterlaufen können. Der Gesprächspartner Nr. 10 ist überzeugt, dass dieses Phänomen im erheblichen Maße die Arbeitseinstellung der Mitarbeiter positiv beeinflußt. Explizit äußert er sich in dieser Hinsicht folgendermaßen: “(...) und der Mitarbeiter, wenn er sieht, dass der Chef sich für ihn interessiert und dass er auch nach günstigen Lösungen für ihn sucht, so spiegelt sich das in seiner Arbeitsweise wider. Wenn ich sehe, dass sich dieser Mensch quält, helfe ich ihm und er bemüht sich dann zu revanchieren. Zu 90% funktioniert das auf diese Art und Weise.”204 Die Interviewpartner Nr. 10 und Nr. 11 schreiben weiterhin eine wichtige Rolle dem Interesse der Vorgesetzten an den Arbeits- sowie Privatproblemen ihrer Untergebenen zu. Der Interviewpartner Nr. 10 vertritt in dieser Hinsicht folgende Meinung: “Aber meine Vorstellung ist, dass jeder von [den Führungskräften] in erster Linie menschlich sein sollte. Er sollte den anderen verstehen können, was er so ungefähr durchmacht. Er sollte sich für seine Untergebenen interessieren. Er sollte erahnen, ob der Untergebene nicht irgendwelche Probleme hat. Und er sollte danach auch agieren können.”205 Er persönlich veranstaltet einmal pro Monat ein Treffen mit den Mitarbeitern aus der Produktion, wo ihre Probleme jeglicher Art angesprochen werden. Analog dazu ist die Gesprächspartnerin Nr. 11 davon überzeugt, dass der Vorgesetzte seinen Untergebenen die Möglichkeit gewährleisten sollte, mit ihm über die Arbeitsangelegenheiten sowie über ihr Wohlbefinden zu sprechen, damit er zur Lösung dieser Probleme beitragen kann. Explizit äußert sie sich in dieser Hinsicht folgendermaßen: “[Der Vorgesetzte] sollte dem Untergebenen die Möglichkeit gewährleisten, sich zu äußern, mit ihm zu sprechen. Aber nicht nur arbeitsmäßig, sondern auch wie sich die Person fühlt. Eine Bewertung, Reflexion unter ihnen einzuführen.”206 Auch die Gesprächspartnerin Nr. 12 zählt die Emphatie zu den zentralen Kompetenzen einer Führungskraft; auf der anderen Seite sollte diese ihres Erachtens immer einen bestimmten Abstand halten und die Probleme der Untergebenen auch aus der Position des Vorgesetzten betrachten. Hinsichtlich der Äußerung der Kritik geben die Interviewpartner Nr. 9, Nr. 11 und Nr. 12 zu, dass diese von einigen Mitarbeitern auch als persönlicher Angriff wahrgenommen wird. In solchen Situationen ist es notwendig, diesen zu erläutern, dass die Kritik die Erfüllung ihrer Arbeitspflichten und nicht ihre Persönlichkeit betrifft. Stellvertretend kann man an dieser Stelle folgende Aussage der Ge203 204 [...]

6.3.2 Spezifische contra diffuse Ausprägung der Unternehmenskultur in den rein slowakischen Unternehmen Aus der Gruppe B pflegt nur der Gesprächspartner Nr. 9 nach der Arbeitszeit Kontakte mit den Kollegen. Laut den Gesprächspartnern Nr. 7, Nr. 8 und Nr. 12 kommt diese Erscheinung eher sporadisch zu Stande, man trifft sich aber bei unterschiedlichen gesellschaftlichen Veranstaltungen, die durch die Firma organisiert werden. Stellvertretend kann an dieser Stelle folgende Aussage der Interviewpartnerin Nr. 7 aufgeführt werden: “Ich würde sagen, systematisch treffen wir uns nicht. Wir treffen uns z. B. bei irgendwelchen gesellschaftlichen Veranstaltungen, aber dass wir zusammen unsere Freizeit verbringen würden, dass ist eher sporadisch.”200 Der Interviewpartner Nr. 10 führt auf, dass sogar solche Treffen nicht stattfinden, wobei er den Grund dafür v.a. in der allgemeinen Tendenz zur Abschottung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen identifiziert. Die Interviewpartnerinnen Nr. 11 und Nr. 12 plädieren in diesem Zusammenhang für das strikte Trennen des Arbeits- und Privatlebens. Davon zeugt folgende Aussage der Gesprächspartnerin Nr. 12: “Ich vertrete die Meinung, dass hier auf dem Arbeitsboden die Privatangelegenheiten nichts zu suchen haben. Das darf man nicht zulassen”201 Die Gesprächspartnerin Nr. 11 würde die Kündigung einreichen, falls ihre Arbeit zu zeitaufwendig und stressig wäre, so dass ihre Privatsphäre darunter leiden würde. Im Gegensatz dazu sind die Gesprächspartnerinnen Nr. 7 und Nr. 8 gewöhnt, auch zu Hause zu arbeiten, v.a. wenn sie an umfassenderen und längerfristigeren Projekten partizipieren. Die Interviewpartnerin Nr. 8 äußert sich in dieser Hinsicht folgendermaßen: “(...) dass der Mensch mehr arbeitet. Wenn man etwas zu Ende machen muß, setzt er [die Arbeit] zu Hause fort (...). Viele Dinge bereite ich zu Hause vor, wenn es relativ ruhig ist.”202 Die Interviewpartner Nr. 7, Nr. 8, Nr. 10 und Nr. 11 sprechen in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit des gegenseitigen Vertrauens zwischen den Mitarbeitern an. Stellvertretend kann man an dieser [...]

hang folgende Aussage der Interviewpartnerin Nr. 4 aufgeführt werden: “(...) Die Menschen machen Fehler, selbstverständlich sind sie keine Maschinen, also es werden auch Fehler begangen. Alles kann man wieder gut machen, aber einen absichtlichen Vertrauensbruch, das könnte ich nicht tolerieren.”195 Die Gesprächspartner Nr. 2 und Nr. 3 thematisieren in ihren Ausführungen weiterhin die Notwendigkeit, die Untergebenen als ganzheitliche Persönlichkeiten mit ihren Problemen wahrzunehmen. Der Interviewpartner Nr. 3 vertritt in dieser Hinsicht folgende Meinung: “Ich kann doch nicht jemanden beschimpfen, der sich nicht auf seine Arbeit konzentrieren kann, weil er zu Hause z.B. ein krankes Kind hat. (...), dass der Mitarbeiter keine Maschine ist. Zum Glück sind wir Menschen, also [das Problem] vollzieht sich auf einer ganz anderen Ebene. Bei den Konflikten ist es auch zu berücksichtigen, warum das der Mensch getan hat.”196 Gleichzeitig plädiert er dafür, dass sich die Vorgesetzten im Unternehmen mehr für Probleme der Untergebenen interessieren, weil dadurch im erheblichen Maße die Arbeitsergebnisse positiv beeinflußt werden können. Analog dazu führt die Interviewpartnerin Nr. 2 auf, dass sie oft mit den Privat- sowie Arbeitsproblemen der Mitarbeiter konfrontiert wird. Obwohl das zum Nachteil ihrer Arbeitszeit ist, hält sie die Tatsache, dass es im Unternehmen eine Person gibt, der sich die Mitarbeiter mit ihren Problemen anvertrauen können, für notwendig. Explizit äußert sie sich in dieser Hinsicht folgendermaßen: “(...) dass ich sehr gerne mit den Menschen arbeite, dass ich sie mag und die spüren das auch. (...) dass sie dann oft hierher kommen und sich beraten lassen möchten, (...), oder sich über etwas ausklagen möchten oder ausweinen. Das ist dann zum Nachteil meiner Arbeitszeit. Aber ich weiß, dass auch das hier notwendig ist. Dass es notwendig ist, dass sie ein offenes Ohr im Unternehmen finden.”197 Was die Akzeptanz der Kritik durch die Untergebenen betrifft, führen die Gesprächspartner Nr. 1 und Nr. 3 auf, dass sie allgemein auf Ablehnung stößt. Weil die Kritik von einigen Mitarbeitern als persönliche Beleidigung wahrgenommen wird, ist laut der Gesprächspartnerin Nr. 1 auch von Bedeutung wie man sie formuliert. Explizit äußert sich der Interviewpartner Nr. 3 in dieser Hinsicht folgendermaßen: “Der Mensch währt sich automatisch gegen die Kritik. (...) Die Menschen mögen meiner Ansicht nach nicht, wenn man sie kritisiert. Aber die Kritik ist notwendig. Niemand nimmt sie gerne an.”198 Allerdings ist die offene Äußerung der Kritik in seinem Unternehmen üblich, weil bei der Auswertung der Tätigkeit der Firma am Ende des Jahres auch die Reserven und Unzulänglichkeiten der einzelnen Mitarbeiter angesprochen werden. Einen anderen Extremfall kann man bei der durch die Interviewpartnerin Nr. 2 vertretenen Firma feststellen- hier werden die Mitarbeiter sogar zu oft kritisiert, so dass sie dadurch nicht mehr berührt werden. Diese Tatsache bestätigt auch ihre folgende Aussage: “Wir kritisieren [die Mitarbeiter] oft genug. [...]

Arbeit zitieren:
Velecka, Simona April 2003: Gibt es slowakische Unternehmenskultur?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Interkultureller Vergleich, qualitative Inhaltsanalyse, Hofstede, Trompenaars, Managementbefragung

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