Bachelor + Master Publishing
811 Bachelorarbeiten, 533 Masterarbeiten, 10.103 Diplomarbeiten

Zur schwierigen Situation von Kindern aus alkoholbelasteten Familien

Risiken und Chancen des Aufwachsens mit süchtigen Bezugspersonen

Zur schwierigen Situation von Kindern aus alkoholbelasteten Familien
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Laura Katja Chiba
  • Abgabedatum: Februar 2007
  • Umfang: 91 Seiten
  • Dateigröße: 606,4 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: FernUniversität in Hagen Deutschland
  • Originaltitel: Zur schwierigen Situation von Kindern aus alkoholbelasteten Familien. Risiken und Chancen des Aufwachsens mit süchtigen Bezugspersonen
  • Bibliografie: ca. 86
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0865-7
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Chiba, Laura Katja Februar 2007: Zur schwierigen Situation von Kindern aus alkoholbelasteten Familien, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Familie, Alkoholismus, Kind, Entwicklungsgefährdung, Sucht

Magisterarbeit von Laura Katja Chiba

Einleitung:

In den vergangenen 15 Jahren ist auch im deutschsprachigen Raum ein Bewusstsein dafür entstanden, dass das Aufwachsen mit alkoholkranken Menschen sich negativ auf die Entwicklung von Kindern auswirken kann. In den Anfängen der angloamerikanischen Literatur zu Thema Alkohol und Familie wurden ausgehend von Berichten und Anklagen so genannter „erwachsener Kinder“ von Alkoholikern (Adult Children of Alcoholics) relativ einseitig die Risiken und Gefahren dieses Aufwachsens beleuchtet. Man begann zwar ein Bewusstsein für die schwierige Ausgangslage dieser Kinder zu entwickeln, es mangelte aber noch an Lösungsmöglichkeiten für deren Probleme, daher wurde bezüglich ihrer Situation ein Bild der Ausweglosigkeit gezeichnet.

Heute geht man einen anderen Weg: Das Aufwachsen mit alkoholkranken Bezugspersonen kann ein Risiko bedeuten, doch das Schicksal dieser Kinder ist nicht determiniert. Es hat sich erwiesen, dass das Vorhandensein verschiedenster protektiver und pathogener Faktoren, die sowohl im Kind selbst als auch in seiner Umgebung liegen, für das Ge- oder Misslingen von Persönlichkeitsentwicklung mit verantwortlich ist. Es besteht also kein einfacher und linearer Zusammenhang zwischen dem Aufwachsen in einer Suchtfamilie und der Ausbildung einer eigenen Sucht oder Verhaltensstörung, obwohl die Risiken dafür um ein Mehrfaches höher sind als bei Kindern aus gesunden Familien.

Diese neue Perspektive, nämlich von den gesund erhaltenden Faktoren auszugehen, lässt eine optimistische Sicht auf die Wirksamkeit pädagogischer Maßnahmen zu. Werden Kinder in ihrer schwierigen Situation unterstützt, indem man ihre Stärken und Ressourcen fördert und ihnen die Chance gibt, ihr Gefühl für Selbstwirksamkeit zu stärken, so kann Persönlichkeitsentwicklung trotz widriger Umstände gelingen. Aus diesem Grund wird in der vorliegenden Arbeit dem Resilienzkonzept und dem Konzept der Salutogenese viel Platz eingeräumt.

In dieser Arbeit wird wechselweise von alkoholbelasteten, alkoholkranken Familien oder auch von Suchtfamilien gesprochen. Dies geschieht in Anlehnung an Ehrenfried et al., die ebenfalls den Begriff Suchtfamilie wählen, obwohl sie in ihrer Konzeption eigentlich „nur“ Alkoholikerfamilien meinen. Auch in der vorliegenden Arbeit liegt der Fokus „nur“ auf Menschen mit Alkoholsucht. Die Familiendynamik aller Suchtfamilien (illegale Drogen, Medikamentensucht usw.) ist zwar grundsätzlich ähnlich, aber z. B. aufgrund der Illegalität der Suchtmittel und den Konsequenzen, die sich daraus ergeben (Haftstrafen, soziale Ächtung usw.), ergeben sich unterschiedliche Auswirkungen, auf die hier nicht eingegangen werden kann.

Weiters ist im Titel vom Aufwachsen mit alkoholabhängigen Bezugspersonen die Rede. Ich habe diese Formulierung gewählt, weil nicht unbedingt das Zusammenleben mit der alkoholkranken leiblichen Mutter oder dem alkoholkranken leiblichen Vater für die gelingende oder gefährdete Entwicklung ausschlaggebend sein muss. Aufgrund der unterschiedlichsten Familienkonstellationen können Großeltern, Stiefeltern usw. die signifikanten Bezugspersonen für ein Kind sein. Dann sind diese Menschen diejenigen, die die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes am stärksten beeinflussen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Voraussetzungen für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung 5
2.1 Identität und Lebenszyklus - E. H. Erikson 5
2.1.1 Urvertrauen gegen Misstrauen 6
2.1.2 Autonomie gegen Scham und Zweifel 7
2.1.3 Initiative gegen Schuldgefühl 8
2.1.4 Werksinn gegen Minderwertigkeitsgefühl 8
2.1.5 Identität gegen Identitätsdiffusion 9
2.2 Selbstbewusstsein, Selbstachtung und Selbstwirksamkeit 10
2.3 Bindungsforschung - J. Bowlby 11
2.4 Einfluss des individuellen Temperaments auf das Gelingen der Bindung 13
2.5 Gesundes Familienklima - krank machendes Familienklima 15
3. Die schwierige Situation von Kindern suchtkranker Eltern 17
3.1 Wie viele Kinder leben mit einem alkoholkranken Elternteil? 17
3.2 Der Familienalltag von Kindern aus alkoholbelastetem Umfeld 18
4. Betrachtung der Familie als System 19
4.1 Allgemeine Kriterien familiärer Systemorganisation 20
4.2 Typische familiäre Organisationsmuster in Suchtfamilien 21
4.2.1 Das Familienmuster der Unentrinnbarkeit 21
4.2.2 Der Umgang mit Konflikten 22
4.2.3 Das Suchtmittel als Organisations- und Regulationsinstrument 22
4.2.4 Die Art der Grenzziehung und Anpassung an Veränderung 23
4.2.5 Der Umgang mit Gefühlen 24
4.2.6 Der Ausdruck der Familiensituation im kindlichen Verhalten 24
4.3 Familienregeln – Familienrollen 25
4.3.1 Regeln 25
4.3.2 Rollen 26
4.3.2.1 Exkurs: Das falsche Selbst nach D. W. Winnicott 28
4.3.2.2 Rollenmodelle 28
5. Risikofaktoren im Aufwachsen mit alkoholkranken Bezugspersonen 30
5.1 Die direkten Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs 30
5.2 Die indirekten Auswirkungen des alkoholbelasteten Familienumfeldes 31
5.2.1 Disposition zur Suchtentwicklung 31
5.2.2 Disposition zu psychosomatischen Erkrankungen, Angst und Depression 33
5.2.2.1 Angst bewirkt eine Verhaltensänderung 34
5.2.2.2 Angst bewirkt Bindung 34
5.2.2.3 Symbiose verhindert Individuation 36
5.2.2.4 Mangelhafte Individuation bewirkt Angst 36
5.2.3 Zusammenfassung und Schlussfolgerung 39
6. Kranke Familien - kranke Kinder? 40
6.1 Positive Aspekte einer Kindheit mit alkoholkranken Eltern? 43
7. Resilienz - gesunde Entwicklung trotz widriger Umstände 45
7.1 Begriffsbestimmung 45
7.2 Resilienzforschung 46
7.2.1 Resilienz - nature or nurture 47
7.2.2 Sind resiliente Menschen immun gegenüber dem Schicksal? 49
7.2.3 Resilienz ist ein dynamischer Anpassungs- und Entwicklungsprozess 49
7.2.4 Resilienz ist situationsspezifisch und multidimensional 50
7.2.5 Vulnerabilität 51
7.2.6 Risikofaktoren 52
7.2.7 Schutzfaktoren 52
7.2.8 Resilienz 53
7.2.9 Grenzen des Resilienzkonzepts 53
7.3 Abgrenzung des Resilienzkonzepts gegenüber Coping und Salutogenese 54
7.3.1 Coping - Problemlösungsverhalten resilienter Menschen 54
7.3.2 Salutogenese 58
8. Erlernte Hilflosigkeit - erlernter Optimismus (M. E. P. Seligman) 60
9. Hilfe für Kinder aus alkoholbelasteten Familien 64
9.1 Suchtprävention 65
9.2 Anforderungen an die Arbeit mit Kindern aus alkoholbelasteten Familien 66
9.3 Ausgangslage einer Arbeit mit Kindern aus alkoholbelasteten Familien 67
9.4 Zielsetzungen der Arbeit mit Kindern aus alkoholbelasteten Familien 68
9.5 Soziale Gruppenarbeit als geeignete Methode zur Unterstützung von Kindern aus alkoholbelasteten Familien 70
10. Umsetzung der genannten Zielsetzungen in die pädagogische Praxis 72
10.1 „Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen aus Familien Suchtkranker“ (Balingen) 72
10.1.1 Arbeit mit den Bezugspersonen 74
10.1.2 Arbeit mit den Kindern 75
10.1.3 Arbeit mit den Jugendlichen 76
101.4 Zusammenfassung und Schlussfolgerung 77
10.2 „Working with Children of Alcoholics“ (USA) 78
10.2.1 Zusammenfassung und Schlussfolgerung 82
10.3 Vergleich der beiden Konzeptionen 83
11. Resümee 83

Textprobe:

Kapitel 9.1, Suchtprävention:

Bedingt durch die hohe Transmissionsrate von Alkoholismus sind Hilfsmaßnahmen für Kinder aus alkoholbelasteten Familien zu einem großen Teil als suchtspezifische Präventionsmaßnahmen konzeptualisiert. Wie Suchtprävention aussehen soll, hat sich in den vergangenen 30 Jahren stark verändert. Verfolgte man in den 1970er-Jahren noch eine gefahrenbetonende und informationslastige Strategie, so setzte man in den 1980er-Jahren auf einen ursachenorientierten Ansatz, bei dem riskante und suchtbegünstigende Verhaltensweisen und Einstellungen vorbeugend erkannt und durch pädagogisches Handeln verhindert werden sollten.

Heute orientiert man sich am salutogenetischen Ansatz, bei dem weniger auf die potenziellen Risiken fokussiert wird als auf die vorhandenen Ressourcen, die den Menschen gesund erhalten. Das bedeutet in der praktischen pädagogischen Umsetzung, die Stärken der Kinder zu betonen und Resilienzen zu fördern, damit sie ihre schwierige Situation meistern und trotz ihres problematischen Elternhauses gesund aufwachsen, ohne in ihrer Entwicklung beeinträchtigt zu werden.

Da Präventionsmaßnahmen nach heutigem Verständnis nicht mehr als „Abschreckungsmaßnahmen“ auftreten, richten sie sich auch nicht mehr nur an Jugendliche, die von drohendem Suchtmittelkonsum abgehalten werden sollen. Präventionsmaßnahmen sollen zur Stärkung der Kinder, so früh wie möglich ansetzen, um eine „optimale Entwicklung wahrscheinlicher zu machen bzw. erste auftretende Störungen schnell zu behandeln. Daher bewegt sich Frühintervention für Kinder aus alkoholbelasteten Familien meist an der Grenzlinie zwischen Primär- und Sekundärprävention. Diese Frühinterventionen umfassen meist die ganze Familie. Dabei müssen auf der einen Seite das vorhandene Risiko und die resultierende Vulnerabilität, auf der anderen Seite die bereits vorhandenen Ressourcen genau erfasst werden, um beide Bereiche in Präventionsplanung und effektive Frühintervention einfließen zu lassen“.

Dabei verfolgt Primärprävention das Ziel, Suchtkrankheiten erst gar nicht entstehen zu lassen. Diese Intervention setzt schon weit im Vorfeld einer möglichen Störung an und richtet sich an alle Mitglieder einer bestimmten Gruppe (z. B. alle Kinder und Jugendlichen), und nicht an eine bestimmte Risikogruppe. Primärprävention ist eine langfristig angelegte Vorbeugung, die sich mit den tiefer liegenden Ursachen von Sucht beschäftigt. „Durch spielerische Maßnahmen wird bei Kindern versucht, eine Kompetenzförderung und einen Zugang zu den eigenen Fähigkeiten und Bedürfnissen herzustellen. Ebenso werden mithilfe von Coping-Strategien Alternativen zum Suchtmittelgebrauch aufgezeigt, eine kritische Auseinandersetzung mit Suchtmitteln wird angestrebt.“.

Die Sekundärprävention setzt dort ein, wo bereits Symptome im Zusammenhang mit Sucht auftreten. Zur Zielgruppe gehören in diesem Fall Menschen, die als Risikopersonen gelten, weil sie entweder direkt von der Sucht betroffen sind – ihnen wird Hilfe bei ihren suchtmittelspezifischen Problemen angeboten – oder weil sie durch die Sucht einer Bezugsperson in den Kreis der Risikopersonen gelangen. Damit sind auch die Kinder von Alkoholikern angesprochen. Ihnen wird im Zuge der Sekundärintervention direkte Hilfe und Beratung angeboten.

Kinder alkoholabhängiger Eltern gelten als besondere Risikogruppe für eine eigene Suchtentwicklung und sollen daher möglichst früh präventive Maßnahmen und Frühintervention erfahren. Die suchtpräventiven Maßnahmen sollten auch Hinweise über die genetische Prädisposition zu einer eigenen Suchtentwicklung enthalten, dabei aber nicht das Gefühl der Unentrinnbarkeit des Schicksals vermitteln. Die direkte Arbeit mit Kindern Suchtkranker ist wichtig und wirksam, egal, ob die Eltern noch immer trinken oder bereits abstinent leben und Hilfsmaßnahmen in Anspruch nehmen.

Aufgrund der im Abschnitt 5.2.2 erläuterten Verwandtschaft zwischen Sucht und Angst, versteht sich jede Maßnahme zur Suchtprävention indirekt, vielleicht sogar unbeabsichtigt, auch als Maßnahme zur Verhinderung der Ausbildung einer Angststörung im Erwachsenenalter.

Suchtprävention für Kinder aus alkoholbelasteten Familien findet nach Klein am besten im alltäglichen Lebensraum statt, also Elternhaus, Kindergarten Schule, Peer-Gruppen und spezielle Interaktionsfelder wie Arztpraxen, Krankenhäuser, Felder der offenen Jugendarbeit.

Die direkte Hilfe für Kinder und Jugendliche kann entweder stationär oder ambulant stattfinden.

Anforderungen an die Arbeit mit Kindern aus alkoholbelasteten Familien:

Manche Autoren fordern für Kinder aus alkoholbelasteten Familien grundsätzlich eine spezielle Therapie, ein Vorgehen, dessen Erfolg von anderen angezweifelt wird, da es die betroffenen Kinder „allzu leichtfertig und ungeprüft an die ‚Suchtkette legt“. Robinson ist der Ansicht, dass Kinder in dieser speziellen Situation „keine Therapie, sondern Erziehung“ brauchen. Ehrenfried et al. betonen die Gefahr einer Stigmatisierung und Pathologisierung, würden Kinder für die Erkrankung ihrer Eltern, nicht für ihre eigene Persönlichkeitsproblematik therapiert werden. Das drängt die Kinder in eine „pathologische Ecke“, aus der heraus sie schwer agieren können und generiert schädigende, krank machende Faktoren, anstatt nach salutogenetischer Sicht die schützenden, gesund erhaltenden Faktoren in den Vordergrund zu rücken.

Ehrenfried et al. konzeptualisieren aus diesem Grund ihr Angebot als nicht problemorientiertes Gruppenangebot und bieten einen sozialen Lernraum an, in dem bedeutsame Sozialisationserfahrungen gemacht werden können. So können die Kinder altersangemessene Entwicklungsaufgaben in einem geschützten Umfeld bewältigen und werden in einem bedeutsamen Lebensabschnitt in den Punkten begleitet, wo die Familie aufgrund ihrer Erkrankung einschränkende Einflüsse ausübt. Die Arbeit mit Kindern aus alkoholbelasteten Familien versteht sich so als Stütze der Familie und nicht als „bessere“ Familie. „Unterstützungs- und Hilfsangebote sind so zu gestalten, dass Kinder, die in einer Suchtfamilie leben, nicht selbst sofort als krank und behandlungsbedürftig definiert werden, denn sonst wäre der Suchtkreislauf bzw. die „Behandlungskette“ schnell geschlossen. Es darf nicht sein, dass allein schon das Aufwachsen in einer bestimmten Familie eine Behandlungsbedürftigkeit begründen kann, ohne den Kindern selbst (…) die Chance für eine autonome und gesunde Persönlichkeits- und Sozialentwicklung zuzusprechen.“.

Ausgangslage einer Arbeit mit Kindern aus alkoholbelasteten Familien:

Mayer fasst die Schwierigkeiten der Kinder aus alkoholbelasteten Familien zusammen: „Es ist zu beachten, dass Kinder in Familien Suchtkranker ohne konstanten und festen Orientierungsrahmen aufwachsen; Konsequenzen und Zuneigung für sie von einem nicht zu beeinflussenden Schicksal abhängig zu sein scheinen; Kinder es an Vertrauen und Geborgenheit gegenüber Erwachsenen und damit auch an Vertrauen in sich selbst mangelt; Ihre Beziehungen zu den Eltern eine andere Qualität hat als die von normalen Kindern, da sie in einem System von gegenseitigen Abhängigkeiten aufwachsen; Kinder ihre kindgemäßen Bedürfnisse oft nicht leben können oder dürfen; sie werden früh gefordert und überfordert, wenn sie Aufgaben der Eltern übernehmen müssen; Kinder keinen festen und verlässlichen Normenbezug aufbauen können, da es in der Familie an Kontinuität und durchschaubaren Konsequenzen mangelt. Kinder oft in einem Milieu der Angst und Gewalt aufwachsen, denn nur in übermäßigen Reaktionen und Aktionen vermag sich der abhängige Erwachsene zu spüren, was oft zu körperlichem, emotionalem oder sexuellem Machtmissbrauch führen kann; Schulschwierigkeiten und eingeschränkte soziale Kontakte oft zu beobachten sind; meist sind sie begründet in der Überforderung und in der Angst, die Familie zu verraten. Kinder lernen, dass die Eltern in Konflikten, Problemen und in angespannten Situationen Suchtmittel als Lösungsmöglichkeit verwenden; andere taugliche Strategien im Umgang mit Konflikten können so nicht ausgebildet und erworben werden. Sich die Kinder häufig mitten in Familienkonflikte und Partnerstreitigkeiten einbezogen befinden, wo dann entweder Loyalität verlangt wird oder aber sich ganz aus allem herauszuhalten; es kommt zu den typisch problematischen Triangulationsproblemen.“.

Auf diese Besonderheiten muss in der Arbeit mit Kindern aus alkoholbelasteten Familien eingegangen werden. Die Hilfsmaßnahmen müssen gezielt auf die in den Familien erlernten dysfunktionalen Interaktionsmuster und Glaubenssätze (vgl. Abschnitt 4.3.1, und 4.2) eingehen, die rigiden Rollenmuster (vgl. Abschnitt 4.3.2) hinterfragen und Resilienz stärken (siehe Abschnitt 7). Neue Formen der Problembewältigung (vgl. Abschnitt 7.3.1) sollen erarbeitet werden, Ressourcen (vgl. Abschnitt 7.3.2) gefördert werden.

Kinder aus alkoholbelasteten Familien brauchen vor allem Begleitung und Unterstützung auf ihrem Weg zur Individualisierung. Diese findet in Interaktion mit der Umwelt statt. Da in den alkoholbelasteten Familien dieser Weg zur Individualisierung behindert und erschwert wird, benötigen diese Kinder einen geschützten Rahmen, in dem in Interaktion mit anderen (von denen sie sich angenommen fühlen) Versäumtes nachgeholt und aktuelle Entwicklungsaufgaben bewältigt werden können.

Die Hilfsmaßnahmen sollten so beschaffen sein, dass sie den Kindern helfen, selbstbewusster, autonomer und verantwortungsbewusster sich selbst gegenüber zu sein.

Kinder aus alkoholbelasteten Familien brauchen aber auch Unterstützung, um zu lernen, dass Beziehungen anders gelebt werden können, als sie es von ihrer Familie kennen. Da eine Suchterkrankung eine „Beziehungsstörung“ (Ehrenfried et al.) darstellt, muss Unterstützung für Kinder aus diesen Familien auch bedeuten, neue Interaktionsmuster zu erlernen. Der Umgang mit Konflikten, die Regulation von Nähe und Distanz, Kommunikationsmuster des Schweigens und Verleugnens, der Umgang mit Gefühlen muss überdacht, reflektiert und neue Handlungs- und Verhaltensstrategien gesucht werden.

Arbeit zitieren:
Chiba, Laura Katja Februar 2007: Zur schwierigen Situation von Kindern aus alkoholbelasteten Familien, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Familie, Alkoholismus, Kind, Entwicklungsgefährdung, Sucht

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren