Die regionale Spezialität "Altenburger Milbenkäse"
Eine Analyse des Produktes, der Herstellung und des Marktes
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Silvio Herrmann
- Abgabedatum: Oktober 2005
- Umfang: 148 Seiten
- Dateigröße: 15,6 MB
- Note: 3,0
- Institution / Hochschule: Friedrich-Schiller-Universität Jena Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9498-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9498-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9498-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Herrmann, Silvio Oktober 2005: Die regionale Spezialität "Altenburger Milbenkäse", Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Altenburg, Käsespezialität, DLG, Qualitätswettbewerb, Käsemilbe
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Diplomarbeit von Silvio Herrmann
Einleitung:
„Es mag erwähnt werden, dass ein Ziegenzucht-Verein im Jahre 1908 […] Milbenkäse auf eine Ausstellung schickte und geglaubt hat, sich einen Preis damit zu verdienen, da die Käse an ihrem Herstellungsort sehr beliebt und gesucht waren. Die Preisrichter, die aus einer anderen Region stammten, hatten dafür wenig Verständnis und erklärten den Käse sogar für gesundheitsschädlich, während sie in ihrer Heimat als außerordentlich wohlgelungen und appetitanregend gelobt werden.“, führte die Molkereizeitung Hildesheim im Jahr 1928 aus. Sechsundneunzig Jahre später wurde ein Milbenkäse erneut „Preisrichtern“ zugeführt, indem eine Teilnahme an einem internationalen Qualitätswettbewerb im Jahr 2004 erfolgt ist. Dem Zitatinhalt ähnlich werden auch gegenwärtig aus verschiedenen Gründen Milbenkäse von Behörden der Lebensmittelüberwachung beanstandet.
Zu Unkenntnis, damit verbundenen Unannehmlichleiten und der Marktentwicklung führte die Molkereizeitung weiter aus: „Leider verschwinden […] die Milbenkäse immer mehr vom Markt. Die Hersteller erhalten für die damit verbundene mühsame Arbeit und für die pflegliche Behandlung der Käse bis zum richtigen Verkauf keine genügende Entschädigung und fürchten […] Unannehmlichkeiten von den Nichtfachleuten, die mit den Landesgebräuchen und Speisen nicht vertraut sind.“. Im Jahr 2004 hat sich die Situation, wie sie bereits vor ca. 90 Jahren beschrieben worden ist, nicht grundlegend geändert. Augenscheinlich spielt der „Altenburger Milbenkäse“ nur in seiner Herkunftsregion eine wichtige Rolle in der Esskultur.
Als regionale Spezialität ist der „Altenburger Milbenkäse“ eng mit der Traditionspflege verbunden und stark von der Umstrukturierung der ländlichen Gebiete betroffen.
In der Heimat des Käses ist er in Anbetracht seiner Seltenheit immer noch sehr beliebt. Er wird von einem kleinen Kennerkreis geachtet, der den „Altenburger Milbenkäse“ teilweise selbst produziert. Weiterhin handelt es sich bei ihm um ein regionales Konsumgut, welches seit Jahrhunderten einen Anteil an der regionalen Identität trägt. Im Zuge struktureller Veränderungen in den Bereichen Landwirtschaft, Familie und dem damit eng verbundenem Traditionsbewusstsein ist das allgemeine Interesse an diesem Lebensmittel rückläufig. Bezüglich eines Lebensmittels kann trotz verminderter Traditionspflege eine Identifikation mit einer spezifischen Region, der Heimat und einem kulturellen Milieu stattfinden.
In der neueren Literatur finden sich Beispiele, wonach die Produktion von dem „Altenburger Milbenkäse“ heute nicht mehr existent sei., Die Autoren beschreiben den Käse als Relikt einer regionalen Tradition. Allerdings mangelt es den Texten an einer Begründung für eine solche Feststellung. Dass es sich bei dem Käse keinesfalls um einen Mythos handelt, wird diese Arbeit beweisen, da eine wesentliche Grundlage der praktische Umgang mit dem Käse war.
Im Gegensatz zu anderen Käsesorten ist die Quellenlage bezüglich des „Altenburger Milbenkäses“ sehr gering. Darüber hinaus ergibt die Analyse der Lebensmittelfachliteratur kein Lebensmittel, welches dem „Altenburger Milbenkäse“ in den Teilbereichen: Produkteigenschaften, Herstellung und Marktdaten vollkommen gleicht.
Die ungenügende Literatur- und Quellenlage zwingt bei einer wissenschaftlichen Betrachtung zu eigenen Erhebungen und Analysen, welche Ergebnisse für eine Diskussion bezüglich des Produktes, der Herstellung und des Marktes ermöglichen sollen und erste Resultate für weitere Arbeiten vorgeben können.
Hierbei sollen bewusst Parallelen zu anderen Käsen gezogen werden, um den „Altenburger Milbenkäse“ nach spezifischen Gesichtspunkten zu kategorisieren.
Eine Auseinandersetzung in lebensmittelrechtlicher Hinsicht liefert Vorschläge für die Auslobung des Produktes. Da der Käse nachweislich von Personen konsumiert wird, die ihn nicht selbst hergestellt haben, besitzt die gesetzeskonforme Kennzeichnung eine nachhaltige Bedeutung. In welchen Größenordnungen der Käse konsumiert wird und welche Gründe hierfür vorrangig vorhanden sind, sollen als wichtige Teilbereiche innerhalb der Marktanalyse erarbeitet werden. Das Auffinden von zahlreichen Herstellern und eine damit verbundene Kartografierung war ein wichtiges Ziel umfangreicher Aufrufe.
Mittels einer fachübergreifenden Betrachtung soll der Versuch unternommen werden, vorhandene Ausführungen über den „Altenburger Milbenkäse“ zu entmystifizieren.
Allen Personen, die sich für Spezialitäten innerhalb verschiedener Lebensmittelgruppen interessieren, bietet diese Arbeit umfassende Informationen. Während für viele andere Käse eine Quellenvielfalt auszeichnend ist, liefert diese Arbeit eine zusätzliche Erwähnung zu dem „Altenburger Milbenkäse“. Darüber hinaus bieten die vorliegenden Ausführungen ebenso Interessierten, die sich mit regionalen Besonderheiten beschäftigen, sei es aus kulturellen, traditionsbezogenen oder kulinarischen Aspekten ein Substrat.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung und Zielstellung | 1 |
| 2. | Literaturübersicht | 4 |
| 2.1 | Lage und Gliederung des Käsemarktes in Deutschland und der EU | 4 |
| 2.1.1 | Angebot von Käse in Deutschland und der EU | 4 |
| 2.1.1.1 | Zustand und Entwicklung der inländischen Produktion | 4 |
| 2.1.1.2 | Produktionsstätten in Deutschland | 6 |
| 2.1.1.3 | Zustand und Entwicklung des Außenhandels | 7 |
| 2.1.2 | Nachfrage nach Käse in Deutschland und der EU | 8 |
| 2.1.2.1 | Zustand und Entwicklung der inländischen Nachfrage | 8 |
| 2.1.2.2 | Zustand und Entwicklung der internationalen Nachfrage | 9 |
| 2.1.3 | Regionalisierung und Internationalisierung des Käsemarktes | 10 |
| 2.1.3.1 | Regionalisierung des Käsemarktes | 11 |
| 2.1.3.2 | Internationalisierung des Käsemarktes | 13 |
| 2.2 | Käsevielfalt in Deutschland – Qualität und Qualitätsnachweise | 14 |
| 2.2.1 | Qualität von Lebensmitteln | 14 |
| 2.2.1.1 | Qualitätssicherung und Qualitätsbewertung bei Lebensmitteln | 15 |
| 2.2.1.2 | Erläuterung des DLG-“Qualitätswettbewerbes für Käse und Käse i. Vp.“ | 16 |
| 2.2.2 | Qualität und Vielfalt von Käse in Deutschland | 17 |
| 2.2.2.1 | Status national hergestellter Käse | 17 |
| 2.2.2.2 | Vielfalt von Käse in Deutschland | 18 |
| 2.2.2.3 | Käsedefinitionen und die Käseverordnung (KäseV 4930) | 19 |
| 2.3 | Verfahren der Käseherstellung und Vorgänge der Käsereifung | 23 |
| 2.3.1 | Speisequarkherstellung | 23 |
| 2.3.2 | Sauermilchkäseherstellung und Besonderheiten in der Käsereifung | 24 |
| 2.3.3 | Labmilchkäseherstellung und allgemeine Vorgänge der Käsereifung | 27 |
| 2.4 | Der „Altenburger Milbenkäse“ unter den Milbenkäsesorten | 29 |
| 2.4.1 | Milbenkäsesorten | 30 |
| 2.4.2 | Der „Altenburger Milbenkäse“ in der Literatur und der Versuch einer Definition | 32 |
| 2.4.3 | Einfluss von Milben auf Lebensmittel und gesundheitliche Bewertung | 34 |
| 3. | Material und Methoden | 37 |
| 3.1 | Datenerhebung mittels Befragung | 37 |
| 3.1.1 | Erhebungsziele | 37 |
| 3.1.2 | Aufbau und Inhalt des Fragebogens | 37 |
| 3.1.3 | Erhebungsinstrumentarium und Auswahl der zu befragenden Personen im Erhebungsareal | 40 |
| 3.2 | Probennahme und -vorbereitung im Herstellungsprozess des „Altenburger Milbenkäses“ | 41 |
| 3.3 | Physikalisch-chemische und mikrobiologische Analysen | 46 |
| 3.4 | Prüfung des „Altenburger Milbenkäses“ im Qualitätswettbewerb der DLG | 50 |
| 4. | Ergebnisse | 54 |
| 4.1 | Ergebnisse der Fragebogenauswertung | 54 |
| 4.2 | Ergebnisse der Untersuchungen des Speisequarks bis zum „Altenburger Milbenkäse“ | 63 |
| 4.2.1 | PH-Wert und analysierte Inhaltsstoffe | 65 |
| 4.2.2 | Mikrobiologische Beschaffenheit | 66 |
| 4.3 | Resultat des DLG-Qualitätswettbewerbes | 70 |
| 5. | Diskussion | 74 |
| 5.1 | Der „Altenburger Milbenkäse“ im Käsemarkt | 74 |
| 5.2 | Einordnung des „Altenburger Milbenkäses“ nach der Herstellung, der Käseverordnung (KäseV) und Vorschläge für die Kennzeichnung | 79 |
| 5.2.1 | Analyse der Herstellung des „Altenburger Milbenkäses“ | 79 |
| 5.2.2 | Einordnung des „Altenburger Milbenkäses“ nach der KäseV und lebensmittelrechtliche Ergänzungen | 81 |
| 5.3 | Diskussion der analysierten Inhaltsstoffe | 84 |
| 5.4 | Diskussion der mikrobiologischen Parameter und Reifungsvorgänge | 86 |
| 5.4.1 | Diskussion der mikrobiologischen Parameter | 87 |
| 5.4.2 | Reifungsvorgänge | 92 |
| 5.5 | Strategien für weitere Qualitätswettbewerbe | 97 |
| 6. | Zusammenfassung | 99 |
| Literaturverzeichnis | 103 | |
| Tabellenverzeichnis | 112 | |
| Anhang | I-XXX |
Teilnahme am Wettbewerb Jährlich findet ein „DLG-Qualitätswettbewerb für Käse und Käse i. Vp.“ statt, zu dem der „Altenburger Milbenkäse“ nach den DLG-Vorschriften134 unter der Erzeugnisnummer 615310000 der DLG-Firmen-Nr. 318152 angemeldet worden ist. Hierzu sind mehrere Vorarbeiten notwendig gewesen. Ein Hersteller aus dem „Altenburger Land“, aus dessen Produktion auch die Proben für die Untersuchungen dieser Diplomarbeit stammten, hat dem Autor die Anmeldung am DLG-Qualitätswettbewerb gestattet (siehe Anhang Nr. XVII-XVIII). Die Prüfmerkmale einer Produktbeschreibung müssen eindeutig und klar formuliert sein. Zusätzlich sind kleine Schwankungsbreiten innerhalb verschiedener Käsechargen zu berücksichtigen. Allein positiv sollen die Beschreibungen der Prüfmerkmale geartet sein und dürfen keine Fehlerbegriffe aus den Bewertungstabellen enthalten. Die erstellte Produktbeschreibung wurde von dem Hersteller des „Altenburger Milbenkäses“ bewilligt (siehe Anhang Nr. XVI) und eine Anmeldung des Käses ist erfolgt. Den für die Käseprüfung zuständigen Sachverständigen ist im Vorfeld des DLGQualitätswettbewerbes eine Fachquellensammlung zu der Verkehrsfähigkeit, Definitionen [...]
Für die Prüfer stehen Bewertungstabellen mit den Eigenschaften von Käse und der entsprechenden Punktzahl zur Verfügung. Falls ein Käse eine fehlerhafte Eigenschaft aufweist, darf er in dem entsprechenden Prüfmerkmal bis zu der angegebenen Punktzahl bewertet werden. Bei „4“ Punkten in den Prüfmerkmalen „Aussehen-Äußeres“, „Aussehen-Inneres“, „Konsistenz“ muss die Fehlerbenennung erfolgen. Sie kann bei dieser Punktzahl in den Prüfmerkmalen „Geruch“ und „Geschmack“ erfolgen. Die Fehlerbenennung muss generell vorgenommen werden, falls „3“ oder weniger Punkte vergeben werden.133 Eine Wiederholungsprüfung findet statt, falls die Einzelwertungen eines Prüfmerkmals um zwei oder mehr Punkte voneinander abweichen. In dem zutreffenden Prüfmerkmal wird die Wiederholungsprüfung vorgenommen und zwar von einer anderen Prüfergruppe. Aus den Einzelbewertungen aller Prüfer einer Gruppe wird das arithmetische Mittel des jeweiligen Prüfmerkmals bestimmt. Mittels Gewichtungsfaktorenrechnung (Formel) kann eine Qualitätszahl bestimmt werden, die beim Einhalten von Grenzwerten einer Prämierung entspricht (Tab. 3.5). [...]
50 3.4 Prüfung des „Altenburger Milbenkäses“ im Qualitätswettbewerb der DLG Erläuterungen des DLG-Qualitätswettbewerbes für Käse Alle Untersuchungsverfahren an Lebensmitteln erfolgen nach § 35 LMBG. Hierin sind auch die sensorischen Prüfverfahren und damit verbundene Grundlagen, wie die Anforderungen an Prüfräume, Prüfformulare, Bewertungsschemata und Anforderungen an Prüfpersonen fixiert. Diese Grundlagen finden sich in den DLG-Bestimmungen, z. B. den „DLGPrüfbestimmungen“ oder den „Bedingungen für den DLG-Prüferpass für sensorische Sachverständige“ wieder. Aufgrund der direkten Anwendung der DLG-Bestimmungen werden diese und nicht das LMBG in den Quellenangaben aufgeführt. Die Beurteilung erfolgt anhand der DLG-Prüfbestimmungen. Es wird zwischen Standardsorten und freien Käsesorten unterschieden. Produktbeschreibungen sind als Ausgangsinformation für Standardsorten nach der KäseV festgelegt. Für freie Sorten existieren keine Standardproduktbeschreibungen und es ist eine genaue Produktbeschreibung des Herstellers notwendig. Der Käse und die Produktbeschreibung liegen zusammen bei der Prüfung vor. Die Prüfung nach den Richtlinien der DLG umfasst die sensorischen Prüfmerkmale: • • • • • Aussehen-Äußeres Aussehen-Inneres Konsistenz/Textur Geruch Geschmack. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832494988
Arbeit zitieren:
Herrmann, Silvio Oktober 2005: Die regionale Spezialität "Altenburger Milbenkäse", Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Altenburg, Käsespezialität, DLG, Qualitätswettbewerb, Käsemilbe



