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Gibt es rationale spekulative Seifenblasen auf den Finanzmärkten?

Gibt es rationale spekulative Seifenblasen auf den Finanzmärkten?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Wolf Riechert
  • Abgabedatum: September 1998
  • Umfang: 82 Seiten
  • Dateigröße: 434,4 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-1899-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-1899-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-1899-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Riechert, Wolf September 1998: Gibt es rationale spekulative Seifenblasen auf den Finanzmärkten?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Wechselkursbewegungen, monetaristisches Wechselkursmodell, deterministische/stochastische Abhandlung, spekulative Blasen

Diplomarbeit von Wolf Riechert

Einleitung:

Das Phänomen spekulativer rationaler Seifenblasen ist in der Literatur sehr umstritten. Die folgende Arbeit stellt die gegensätzlichen Positionen dar und gibt einen Einblick in die gegenwärtige Seifenblasendiskussion. Spekulative Blasen werden nach Aschinger (1991) als von den Fundamentalwerten abweichende Preisbildungen definiert. Der Umfang, den die Diskussion eingenommen hat, läßt sich zum einen durch die realen Auswirkungen exzessiver Vermögenspreisabweichungen auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit, die Inflation und die Beschäftigung erklären. Wird als Ursache für diese Abweichungen ein rationales spekulatives Verhalten der Individuen und damit die Existenz rationaler spekulativer Blasen anerkannt, so sind letztere in dem Entscheidungskalkül eines Investors oder des staatlichen Planers mit zu berücksichtigen. Der staatliche Planer beispielsweise beachtet dann, daß eine Seifenblase Einfluß auf die Investitions- oder Sparentscheidungen der Akteure hat. Zum anderen ist das Interesse an der Diskussion deshalb so groß, weil die Existenz rationaler spekulativer Blasen einer Effizienzhypothese für die Finanzmärkte entgegenstehen würde. Die Effizienzhypothese besagt, daß im Vermögenspreis alle verfügbaren Informationen enthalten sind. Dieser verändert sich nur dann, wenn die Individuen neue Informationen über die Entwicklung der Fundamentalwerte erhalten. Dagegen wird der Vermögenspreis durch eine rationale Blase verzerrt. Das spekulative Verhalten steigert nicht die Effizienz der Finanzmärkte, sondern führt nun von ihr weg.

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung 1
II. Das elementare monetaristische Wechselkursmodell 3
1. Die Gültigkeit der Kaufkraft- sowie Zinsparität 4
a) Kaufkraftparität 4
b) Zinsparität 5
2. Das monetaristische Wechselkursmodell unter vollkommener Voraussicht 7
a) Monetaristisches Wechselkursmodell mit flexiblen Preisen 8
b) Monetaristisches Wechselkursmodell mit kurzfristig rigiden Preisen 11
III. Seifenblasen im monetaristischen Wechselkursmodell 19
1. Rationale spekulative Seifenblasen im deterministischen Modell mit flexiblen Preisen 21
2. Rationale spekulative Seifenblasen im deterministischen Modell mit rigiden Preisen 30
3. Rationale spekulative Seifenblasen im stochastischen Kontext 36
a) Der Einfluß stochastischer Störvariablen bei echten rationalen Erwartungen 36
b) Von den Fundamentalfaktoren unabhängige rationale Seifenblasen 40
c) Von den Fundamentalfaktoren abhängige rationale Seifenblasen 44
4. Erwartungsbildung im Kontext spekulativer rationaler Blasen 47
a) Wechselkursspekulation und Erwartungsbildung 48
b) Erwartungsbildungen basierend auf einem falschen Wechselkursmodell 50
c) Heterogene Erwartungen 54
d) Adaptive Erwartungsbildung lernender Individuen 56
IV. Empirische Wechselkursausschläge 59
V. Schlußbetrachtung 64
VI. Anhang: Mathematische Lösung von Differenzengleichungen 67
VII. Literaturverzeichnis 70

Automatisiert erstellter Textauszug:

Bisher haben wir im Kontext eines effizienten Devisenmarktes langfristig einen kaufkraftparitätischen Wechselkurs unterstellt, welcher nur in der kurzen Frist von der Kaufkraftparität abwich. Einen exzessiven Wechselkursausschlag über einen längeren Zeitraum hinweg weiterhin mit der modellierten Effizienzhypothese des Devisenmarktes erklären zu wollen, ist jedoch nicht unumstritten. Der Vermögenspreis müßte dann alle relevanten Informationen bezüglich der Fundamentalwerte und deren Entwicklung enthalten, um nur mit diesen allein seine Abweichung rechtfertigen zu können. An dem Punkt, wo es nicht mehr plausibel erscheint, solche Abweichungen allein durch neue Informationen bezüglich der Fundamentalwerte zu erklären, setzt die Seifenblasendiskussion an. Flood und Garber (1980, S. 745) beschreiben das Phänomen einer Blasenbildung folgendermaßen: Es kommt dann zu einer Seifenblasenbildung, wenn der Marktpreis positiv von seiner eigenen erwarteten Änderungsrate abhängt und sich selbsterfüllende Erwartungen, unabhängig von den Fundamentalvariablen, zu aktuellen Vermögenspreisänderungen führen. Die Erwartungen basieren auf Informationen, welche sich nicht auf die Fundamentalvariablen beziehen, jedoch auf jedes andere auch nur annähernd volkswirtschaftlich relevante Ereignis. Hängen diese Erwartungen mit einem spekulativen Verhalten zusammen, so bläht sich der überbewertete Wechselkurs auf wie eine Seifenblase, die exponentiell wächst und ab einem bestimmten Zeitpunkt platzt. Im Zentrum der Abhandlung steht, ob sich ein Blasenterm im monetaristischen Ansatz mit der Annahme rational handelnder Individuen verbinden läßt. Dabei dürfen wir uns nicht dazu verleiten lassen, empirische Seifenblasen mit den theoretischen gleichzusetzen. Erstere können auch aus einer irrationalen Erwartungsbildung resultieren. Diskutiert wird stattdessen, ob sich die beobachteten Kursausschläge auch theoretisch als rationale Seifenblasen formulieren lassen. Die folgende Abhandlung rationaler spekulativer Blasen orientiert sich primär an dem Diskussionspapier von Gärtner (1993), welcher sich der Argumentation von Diba und Grossman (1987) anschließt. Letztere zeigen, daß rationale Seifenblasen nicht in der Art konzipiert werden können, wie es bei Blanchard und Watson (1982) getan wird. Die Modellierung solcher rationaler Blasen wird der Argumentation von Gärtner sowie Diba und Grossman entgegengestellt. Dabei formulieren Blanchard und Watson rationale Seifenblasen als kompatibel mit dem rationalen Verhalten der Marktteilnehmer. [...]

Schlußfolgernd läßt sich der monetaristische Ansatz der Wechselkursbestimmung geeignet angewenden, stehen monetäre Entwicklungen im Vordergrund. Betrachten wir abschließend obige Darstellung vor dem Hintergrund der Diskussion rationaler Blasen. So macht sich zunächst die starke Vereinfachung ökonomischer Zusammenhänge bemerkbar. Dieser sind die Ansprüche an den Erklärungsgehalt des Modells selbst anzupassen. Bei der Formulierung einer Kritik ist somit die gezielt vereinfachte Darstellung zu beachten. Es ist nicht Zweck dieser Abhandlung, diese vertiefend zu diskutieren. Stattdessen soll nur knapp auf berechtigte Kritikpunkte eingegangen werden, welche für die weitere Diskussion stets zu berücksichtigen sind. Hierzu zählt zum einen, daß der Angebotssektor nicht modelliert und die Stock-Flow-Problematik nicht gelöst werden. Hinsichtlich der Betrachtung rigider Preise ist daneben problematisch, daß resultierende Bestandsveränderungen der Vermögenstitel nicht modelliert werden. In der kurzen Frist ist der reale Wechselkurs höher als sein Gleichgewichtswert, was zu Leistungsbilanzüberschüssen mit gleichzeitigen Kapitalabflüssen führt. Somit müßte der Bestand an Nettoauslandsforderungen während des Anpassungsprozesses gestiegen sein und auf die Vermögensmärkte zurückwirken. Teilweise wird außerdem die Unterstellung vollkommener Kapitalmobilität kritisiert. Dieser Punkt könnte jedoch eher als Herausforderung angesehen werden, das Modell, erweitert um die Seifenblasendiskussion, unter Kapitalverkehrsbeschränkungen zu formulieren. Offen bleibt auch, wie staatliche heimische Bonds über Steuern finanziert werden sollen. Einer Kritik an der Annahme absoluter Kaufkraftparität steht entgegen, daß diese durch die relative Kaufkraftparität ersetzt werden kann, ohne eine gravierende Änderung der Ergebnisse herbeizuführen. Obwohl das monetaristische Wechselkursmodell nicht mikroökonomisch fundiert ist, fördert es durch die Berücksichtigung der Erwartungen die folgende Seifenblasendiskussion. Resultierende Einsichten über theoretische Erwartungsbildungen der Marktteilnehmer sowie deren Verhaltensweisen können dann auf makroökonomischer Ebene mit Situationen empirischer exzessiver Wechselkursausschläge verglichen werden. Ziel ist es allerdings nicht, jede einzelne Wirtschaftskrise mit Hilfe des monetaristischen Ansatzes explizit modellieren und erklären zu wollen. So ließe sich beispielsweise die aktuelle Asienkrise schon deshalb nicht allein durch den monetaristische Ansatz erklären, da dieser keinen Kreditmarkt formuliert. Der monetaristische Ansatz soll uns stattdessen eher als Bindeglied dienen, um die Konsequenzen individueller Verhaltensweisen aggregiert auf einer Makroebene betrachten zu können. Die resultierenden Aussagen haben dann für die Empirie eher einen allgemeien Erklärungsgehalt. Insofern unterstützt uns das monetaristische Modell darin, teifgreifende Ursachen solcher Krisen im Vergleich von Theorie und Empirie zu begreifen. [...]

schießen ist um so stärker, je kleiner λ und θ sind. Gleichzeitig aber konvergiert bei kleinem λ und θ die Wirtschaft umso schneller zu ihrem neuen intertemporalen Gleichgewicht, was sich aus Gleichung (16) erkennen läßt. Die Anpassung wird dabei zum einen von der Höhe der Verhaltensparameter λ und θ beeinflußt. Zum anderen hängt sie davon ab, wie stark der Außenbeitrag auf den kurzfristigen Anstieg des realen Wechselkurses und die Preise auf die Überschußnachfrage reagieren. Die Preisbewegung wird durch Gleichung (19) p (t) = p + [ p0 − p ] exp (- νt) beschrieben. 19 Das Preisniveau im Zeitpunkt t0 ist p0. Mit wachsendem t und ν > 0 geht der Exponent gegen Null. Das Preisniveau konvergiert mit der Rate ν gegen seinen langfristigen Gleichgewichtswert. Durch Substitution von (19) in (18) erhalten wir (20) e(t) = e − [...]

Arbeit zitieren:
Riechert, Wolf September 1998: Gibt es rationale spekulative Seifenblasen auf den Finanzmärkten?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Wechselkursbewegungen, monetaristisches Wechselkursmodell, deterministische/stochastische Abhandlung, spekulative Blasen

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