Die politökonomischen Perspektiven des Internet
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Alois B. Mannhart
- Abgabedatum: Juli 1998
- Umfang: 131 Seiten
- Dateigröße: 2,0 MB
- Note: 1,5
- Institution / Hochschule: Hochschule für Politik München (HfP) Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-1609-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-1609-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-1609-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Mannhart, Alois B. Juli 1998: Die politökonomischen Perspektiven des Internet, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Globalisierung, Bruttosozialprodukt, Informationsgesellschaft, Technologiepolitik, Demokratie
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Diplomarbeit von Alois B. Mannhart
Einleitung:
Nachdem das Internet aktuell ein erstaunliches, nur von wenigen Experten vorhergesehenes Wachstum aufweist, und nachdem die US-amerikanische Politik dieses "Kind des Kalten Krieges" zum Modell für die Nationale Informations-Infrastruktur erklärt hat, hat auch die deutsche Politik das "Netz der Netze" als Objekt entdeckt. Die einen sehen die Gefahr zügelloser, unmoralischer, kindergefährdender Netzangebote und wollen dagegen einschreiten, die anderen sehen durch staatliche Eingriffe die gewachsene, freiheitliche Netzkultur in Gefahr, wieder andere behaupten, das Netz sei überhaupt nicht zu regulieren. Die Geschäftswelt schließlich wittert das heraufdämmernde Zeitalter der minimierten Transaktionskosten und eine beträchtliche Ausweitung ihrer Absatzchancen - es gilt, rechtzeitig die claims abzustecken.
Gang der Untersuchung:
In dieser Arbeit wird das universell nutzbare Kommunikationsnetz Internet, das in seiner mittel- bis langfristigen Ausprägung sich erst ansatzweise abzeichnet, als Prototyp einer künftigen Kommunikationsinfrastruktur verstanden. Einleitend wird eine Klärung des Begriffs "Politische Ökonomie" vorgenommen. Eine Schilderung der Evolution der technisch vermittelten Kommunikation in Kapitel 2 soll deren sozio- und medienökonomische Bedeutung verdeutlichen. Die neuen Informations- und Kommunikationstechniken sind besonders komplex, da sie zugleich "Maschinen" und Medien sind.
In Kapitel 3 wird gezeigt, welch wichtige Rolle Kommunikationsnetze wie das Internet in der Neukonstitution von Märkten und bei ökonomischen Transaktionen zunehmend spielen können. Infolge des weltweiten Wettbewerbs kann dieser technologisch möglich gewordene Anwendungspfad vermutlich nur bei Gefahr der massiven Beeinträchtigung der Wettbewerbsfähigkeit längerfristig ignoriert werden.
Die vor allem in den USA häufig diskutierten Möglichkeiten des Internet für den politisch-gesellschaftlichen Diskurs werden in Kapitel 4 herausgearbeitet. Kapitel 5 beleuchtet internationale Aspekte des Internet-Ausbaus und kommt zu dem Ergebnis, daß die von den USA sehr klug initiierte, weltweite Öffnung der Informations- und Kommunikationsmärkte eine maßgeblich treibende Kraft auch beim Siegeszug des Internet ist. Kapitel 6 faßt die Analyse zusammen und stellt einige Thesen über die künftige Entwicklung auf. So dürfte das Internet den Trend zum Individualismus fördern und einen intensiveren Dialog zwischen Bürgern und Staat ermöglichen, den eigentlichen Inhalt von Politik jedoch nicht verändern.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Vorbemerkungen | 1 |
| 1.2 | Was ist "Politische Ökonomie"? | 4 |
| 2. | Die Genese des Internet als Prototyp einer künftigen Kommunikationsinfrastruktur | 9 |
| 2.1 | Geschichte und Bedeutung technisch vermittelter zwischenmenschlicher Kommunikation | 9 |
| 2.1.1 | Technologische Entwicklung | 9 |
| 2.1.2 | Soziologische Aspekte | 13 |
| 2.2 | Die Evolution des Internet | 16 |
| 2.2.1 | Das Internet als "Kind des Kalten Krieges" | 16 |
| 2.2.2 | Die NII-Initiative und das World Wide Web | 20 |
| 2.3 | Die heutigen Leistungsmerkmale des Internet | 24 |
| 2.4 | Die neue Qualität und die Kommerzialisierung des Internet | 32 |
| 2.5 | Zum Begriff "Informationsgesellschaft" | 37 |
| 3. | Die wirtschaftliche Bedeutung der "Informationsgesellschaft" | 42 |
| 3.1 | Die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) als Basisinnovation | 42 |
| 3.2 | Ist Information ein Produktionsfaktor? | 45 |
| 3.3 | Auswirkungen der IKT auf das Bruttosozialprodukt | 50 |
| 3.4 | Strukturwandel und Konsequenzen für den Arbeitsmarkt | 54 |
| 3.4.1 | Implikationen für Wirtschaft und Verwaltung | 54 |
| 3.4.2 | Konsequenzen für die Arbeitsmärkte | 57 |
| 3.4.3 | Das Projekt "Bayern Online" | 61 |
| 3.5 | Anwendungsbeispiel: Telearbeit | 62 |
| 3.6 | Internationale Wirtschaftsverflechtungen und Globalisierung | 66 |
| 4. | Das Internet und die Demokratie | 71 |
| 4.1 | Allgemeines zur Interdependenz zwischen Politik und Medien | 71 |
| 4.2 | Das Internet und der politisch-demokratische Prozeß | 72 |
| 4.2.1 | Das Problem der "Politikverdrossenheit" | 72 |
| 4.2.2 | Mehr Bürgerbeteiligung? | 75 |
| 4.2.3 | Hin zur "Electronic Democracy"? | 78 |
| 5. | Internationale Aspekte des Internet-Ausbaus | 81 |
| 5.1 | Die Politik und ihr Versuch der Förderung der "Informationsgesellschaft" | 81 |
| 5.1.1 | Rückblick | 81 |
| 5.1.2 | Die Stärken der NII-Initiative | 85 |
| 5.2 | Das Internet als US-amerikanische Erfolgsstory | 87 |
| 5.2.1 | Strategisch kluge Technologiepolitik | 87 |
| 5.2.2 | Die längerfristigen Folgen | 91 |
| 5.3 | Der vergebliche Versuch der Zensur | 93 |
| 5.4 | Homogensierung und Fragmentierung | 94 |
| 6. | Zusammenfassung und Schluß | 96 |
| 6.1 | Zusammenfassung | 96 |
| 6.2 | Die Zukunft des Internet: einige Thesen | 98 |
| Abbildungen und Tabellen | ||
| Literaturverzeichnis |
Rechner (hosts) angeschlossen waren, waren es 1989 bereits 100.000, 1991 über 600.000 und 1997 über 13 Millionen, davon knapp 70.000 unter der Hierarchie „de“. 55 Mit dem TCP/IP-Protokoll hat sich damit ein herstellerunabhängiges Verbindungsprinzip für die Vernetzung fast beliebig vieler Rechner durchgesetzt. Die Idee der offenen Netze, der „Open System Interconnection“, war somit realisiert, was zuvor von einzelnen Unternehmen und überstaatlichen Normungsgremien mehrmals versucht, aber nie erreicht wurde. In einer bislang ungewöhnlichen Weise wurden auch alle für das Netz relevanten Standards der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung gestellt; die Mitarbeit in den verschiedenen Internet-Standardisierungs-Arbeitsgruppen stand in der Regel allen Interessenten offen, wobei ein Großteil der Kommunikation über E-Mail erfolgte.56 Einzig die verwendeten Protokolle und die Standards definieren heute Anfang und Ende des offenen Netzes Internet. Die Europäer mit ihren Post- und Fernmeldemonopolen entwickelten, parallel zu dieser Invention in den USA, in den 70er und 80er Jahren Bildschirmtextund Videotext-Dienste. Diese Text-Informationsdienste wurden teilweise mit sehr optimistischen Prognosen eingeführt, wider Erwarten vom Publikum allerdings nur sehr zögernd angenommen. Einzig die französische PTT erzielte mit ihrem Minitel-Informationssystem rasch eine weitreichende Verbreitung, da sie jedem Telefonteilnehmer kostenlos anstelle des herkömmlichen, gedruckten Telefonverzeichnisses ein Minitel-Gerät als Informations- und Kommunikationsterminal gab. Mit diesem relativ kleinen, optisch ansprechenden Gerät konnten alle nationalen Rufnummern stets aktuell abgerufen werden und auch Bestellungen u.ä. getätigt werden. In Deutschland dagegen bekam der Bildschirmtext (Btx)-Dienst der Deutschen Bundespost Telekom recht bald ein Negativimage als ein teures, „Sex- and Crime“-Medium, so wie dies in Deutschland teilweise auch für das Internet festzustellen war und ist. Außerdem war Btx auch der Konkurrenz der kostenlosen, in der Austastlücke des Fernsehsignals übertragenen Videotext-Dienste ausgesetzt; diese waren etwa zeit- [...]
ternetze, die ebenfalls für die Entstehung des Internet relevant waren.49 Seit 1972 existiert das TCP/IP-Protokoll50, das 1982 vom Department of Defense als Netzwerkstandard für das ARPANet festgelegt wurde und bis heute zur Verbindung unterschiedlicher paketorientierter Netze verwendet wird. 1984 wurde das ursprüngliche Netz aufgeteilt in das MILNet für militärische Anwendungen und das ARPANet für zivile Zwecke incl. Forschung51. Die National Science Foundation (NSF), eine der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vergleichbare Organisation, veranlaßte auf Anregung von Senator Albert Gore den Ausbau des Computer Science Network (CSN), das u.a. auf dem ARPANet aufsetzte, zum National Science Foundation Network (NSFNet), das 1986 in Betrieb ging.52 Es verband die Ost- und Westküste der USA und sollte ursprünglich Supercomputer verbinden, wurde jedoch bald für das RessourcenSharing und für Kommunikationszwecke genutzt. Da dieses Netz ebenfalls mit dem TCP/IP-Protokoll arbeitete und sehr hohe Übertragungskapazitäten bot, war es bald das Rückgrat (Backbone) des amerikanischen Teils des Internet, das bereits Dutzende von TCP/IP-Netzen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene umfaßte.53 Die NSF übernahm nach dem Rückzug des Verteidigungsministeriums auch die Finanzierung des ARPANet. Ende der 80er Jahre war das Internet immer noch ein Zusammenschluß vorwiegend experimentieller, meist subventionierter Netze für Spezialisten, aufgebaut und betrieben von nonprofit organizations nach dem Mitgliedschaftsprinzip.54 Während 1981 lediglich 213 Internet- [...]
Neil Armstrong nach Landung mit der US-Raumfahrtkapsel „Apollo 11“ als erster Mensch den Mond. Neben der friedlichen Nutzung wurde immer auch eine mögliche Nutzung des Weltraumes im Kriegsfalle angestrebt; der „Kalte Krieg“ war maßgebliche Triebkraft auch für Naturwissenschaft und Technik. Vor diesem Hintergrund beauftragte die Defence Advanced Research Projects Agency (DARPA), eine Abteilung des US-Verteidigungsministeriums, die Entwicklung eines ausfallgesicherten elektronischen Kommunikationsnetzes mit dem Namen ARPANet (Advanced Research Projects Agency Network). Zwischen zwei Kommunikationspunkten sollte auch dann eine Verbindung möglich sein, wenn alternative Verbindungswege, beispielsweise infolge Raketenangriffs o.ä., zerstört wären. Die Lösung war ein vermaschtes Leitungsnetz, bei dem die Informationsübermittlung nicht stets über dieselben, starren Leitungswege geschah. Zunächst wurden 1968 drei Universitätsinstitute in Kalifornien und Utah per Datenleitung verbunden, zwei Jahre später waren 15 Knotenrechner vernetzt, 1973 wurden erste internationale Verbindungen nach England und Norwegen geschaffen.47 Jede einzelne (Teil-) Nachricht bei diesem Übertragungsprinzip war mit der Empfängeradresse versehen und konnte sich so, über zwischengeschaltete Computer, eigenständig verfügbare Wege bis hin zum Empfänger suchen (Prinzip des „paket switching“, der paketorientierten Datenübertragung). Der Datenaustausch zwischen den ComputerEndgeräten der jeweiligen Kommunikationspunkte wurde mit Hilfe des sog. Internet Protocol (IP) koordiniert. So wurde sichergestellt, daß die kleinen Datenpakete, die sich jeweils einen eigenen Weg mit größtmöglicher Leitungskapazität gesucht hatten, beim Empfänger in der richtigen Reihenfolge wieder zusammengesetzt wurden.48 Das entstehende ARPANet wurde permanent ausgebaut und weiterentwickelt, daneben entwickelten sich in den 70er und frühen 80er Jahren sowohl im kommerziellen als auch im öffentlichen Bereich in den USA weitere Compu47 48 [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832416096
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Mannhart, Alois B. Juli 1998: Die politökonomischen Perspektiven des Internet, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Globalisierung, Bruttosozialprodukt, Informationsgesellschaft, Technologiepolitik, Demokratie



