Das politische System der Türkei unter Berücksichtigung der Rolle des Militärs
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Tuncay Öztürk
- Abgabedatum: Januar 2002
- Umfang: 103 Seiten
- Dateigröße: 593,8 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Philipps-Universität Marburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8064-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8064-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8064-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Öztürk, Tuncay Januar 2002: Das politische System der Türkei unter Berücksichtigung der Rolle des Militärs, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Jungtürkische Bewegung, Mustafa Kemal Atatürk, Komitee für Einheit und Fortschritt, Positivismus, Nationaler Sicherheitsrat
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Diplomarbeit von Tuncay Öztürk
Einleitung:
Das politische System der Türkei unter Berücksichtigung der Rolle des Militärs, lautet das Thema der vorliegenden Diplomarbeit. Es ist nicht nur rein persönliches Interesse etwas über das politische System des Herkunftslandes meiner Eltern zu erfahren; auch die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise in der Türkei weckt das politische Interesse in mir und veranlasst mich dazu, die Entstehungsgeschichte der türkischen Republik unter besonderer Berücksichtigung der Rolle des Militärs genauer zu untersuchen.
Das militärische Primat unterliegt normalerweise dem politischen in einer Demokratie, aber in der Türkei ist dies umgekehrt wie sich in den folgenden Kapiteln herausstellen wird. Phasenweise entscheidet das Militär direkt über die politische Ordnung im Land und stellt auch die Weichen in der Wirtschaftspolitik. Indirekten Einfluss übt es durch den MGK (Nationaler Sicherheitsrat), der sich aus Vertretern der ranghöchsten Militärs und Zivilpolitiker unter Vorsitz des Staatspräsidenten zusammensetzt, aus. Der Einfluss des MGK wird im Verlauf der Arbeit noch intensiver behandelt.
Die Türkei ist nur deshalb eine demokratische Republik, weil Staatsgründer Atatürk, selbst Offizier, dies so gewollt hat. Vor allem hat er dabei den Islam, den er als Ursache für die Rückständigkeit des Osmanischen Reiches ausmacht, aus dem politischen und öffentlichen Leben verbannt, um die Menschen der Türkei dazu zu veranlassen, progressiv und westlich – orientiert zu denken und zu leben. Dabei geht er ganz pragmatisch vor, aber seine Nachfolger müssen herbe Rückschläge bei der Verfolgung dieses Ziels einstecken, was in den folgenden Kapiteln noch genauer dargestellt wird. Die militärischen Interventionen zu Beginn jeder Dekade seit 1960 bis 1980, lassen beinahe eine Gesetzmäßigkeit vermuten.
Ziel ist es, die Hintergründe der militärischen Machtergreifungen genauer zu erforschen. Die Etablierung des Militärs als „Ersatzbürgertum“ ergibt sich aus der spezifischen Klassenkonstellation während des Osmanischen Reiches. Ein nationales Bürgertum, welches nach westlichem Vorbild „Träger“ der Demokratisierung hätte sein können, gibt es zur Gründungszeit der Republik einfach nicht. Diese Aufgabe übernehmen die Offiziere des zerfallenden Reiches, die zunächst nur Interesse an dem militärischen Fortschritt der Europäer haben, aber auch inspiriert sind von westlich – liberalen Demokratievorstellungen und die Werte und Ideale der Französischen Revolution in die Türkei übertragen. Dies ist einer der Gründe, weshalb sich das Militär als feste Größe im politischen System versteht und regelmäßig in der türkischen Politik interveniert, wenn die Prinzipien des Kemalismus verraten werden.
In der Arbeit kristallisiert sich auch heraus, dass inkompetente und machtbesessene Politiker Schuld daran haben, das es im Land keine politische Stabilität gibt. Leider ist es nicht möglich gewesen, den Zeitraum von 1990 – 2001 genauer zu betrachten aufgrund des begrenzten Umfangs der Arbeit und der Umstände, dass die militärischen Interventionen und die Berufung auf den Kemalismus als Staatsdoktrin im Vordergrund der Betrachtungen stehen. Die Literaturlage zu diesem Thema finde ich äußerst zufriedenstellend; aber eine Erweiterung des Bestandes über die Türkei in der Politikbibliothek, würde ich mir sehr wünschen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Die osmanische Gesellschaft | 3 |
| 2.1 | Die gesellschaftliche Struktur der osmanischen Gesellschaft | 3 |
| 2.1.1 | Sozio – ökonomische Struktur des Staates | 3 |
| 2.1.2 | Das Individuum und dessen Verhältnis zum Staat | 5 |
| 2.2 | Die Tanzimat – Epoche | 5 |
| 2.2.1 | Reformen auf militärischem Gebiet | 6 |
| 2.2.2 | Das Osmanische Reich gerät in Abhängigkeit vom Westen | 7 |
| 2.2.3 | Sultan Abdülmecit I. setzt die Reformen fort | 7 |
| 2.2.4 | Finanzielle Situation während der Tanzimat – Epoche | 8 |
| 2.3 | Folgen und Ergebnisse der Tanzimat – Epoche | 9 |
| 2.4 | Die Jungtürkische Bewegung | 10 |
| 2.4.1 | Die Jungtürken bilden die erste national – kleinbürgerliche Bewegung | 10 |
| 2.4.2 | Komitee für Einheit und Fortschritt (Ittihad ve Terraki Cemiyeti) | 11 |
| 2.4.3 | 1909 – Machtübernahme der Jungtürken | 12 |
| 2.4.4 | Positivismus | 13 |
| 2.4.5 | Politische und ökonomische Maßnahmen des Komitees | 15 |
| 2.4.6 | Ideologische Umorientierung der Jungtürken | 17 |
| 2.5 | Der 1. Weltkrieg und seine Folgen | 18 |
| 2.5.1 | Der Vertrag von Sevres | 18 |
| 2.5.2 | Zur türkischen Nation | 19 |
| 2.6 | Der nationalistische Befreiungskampf | 20 |
| 3. | Die „Erste“ Türkische Republik | 23 |
| 3.1 | Mustafa Kemal Atatürk | 23 |
| 3.2 | Gründung der Republik | 26 |
| 3.2.1 | Kemalistische Revolutionsideologie | 26 |
| 3.2.2 | Betonung des Volkswillens | 26 |
| 3.2.3 | Die sechs Prinzipien des Kemalismus | 27 |
| 3.3 | Die Verfassung | 27 |
| 3.3.1 | Die CHP und das Militär | 28 |
| 3.3.2 | Die Definition der sechs Prinzipien | 30 |
| 3.4 | Die Kulturrevolution | 32 |
| 3.4.1 | Reformen auf religiöser und kultureller Ebene | 32 |
| 3.4.2 | Ausbleibende Reformen | 35 |
| 3.4.3 | Wirtschaftliche Entwicklung | 36 |
| 4. | Der Übergang zum Mehrparteiensystem | 38 |
| 4.1 | Inönü | 38 |
| 4.2 | Gründung der DP (Demokrat Partisi) | 38 |
| 4.2.1 | Forderungen der Opposition | 39 |
| 4.2.2 | Einfluss der USA | 40 |
| 4.3 | Die Machtergreifung der DP | 40 |
| 4.3.1 | Die Ära Menderes und die ökonomische Entwicklung | 41 |
| 4.3.2 | Außenpolitische Entwicklung | 43 |
| 4.3.3 | Die islamische Restauration | 44 |
| 4.3.4 | Die Relation zwischen der DP und dem Militär | 45 |
| 4.3.5 | Die DP wird zunehmend repressiv | 46 |
| 4.4 | Der Putsch von 1960 | 47 |
| 4.4.1 | Die politische Lage vor dem Putsch | 47 |
| 4.4.2 | Der Militärputsch vom 27.05.1960 | 48 |
| 4.4.3 | Die Putschisten | 49 |
| 4.4.4 | Das Militärregime | 50 |
| 4.4.5 | Die Verfassung von 1961 | 51 |
| 4.4.6 | Wahlen 1961 | 54 |
| 4.4.7 | Die Parteien nach 1960 | 54 |
| 4.5 | Die „Entwicklung“ des Militärs in den sechziger Jahren | 56 |
| 4.5.1 | Der militärische Standpunkt | 56 |
| 4.5.2 | Umstrukturierung des Militärs | 57 |
| 4.5.3 | Das Militär als Unternehmer | 57 |
| 4.6 | Politische Entwicklung in den sechziger Jahren | 58 |
| 4.6.1 | CHP und AP bilden gemeinsam die Regierung | 58 |
| 4.6.2 | Maßnahmen gegen die Gewerkschaften | 59 |
| 5. | Der Militärcoup von 1971 | 59 |
| 5.1 | Wirtschaftliche Lage | 59 |
| 5.2 | Politische Unruhen | 60 |
| 5.3 | Das Memorandum | 61 |
| 5.4 | Das Militärregime 1971 | 62 |
| 5.4.1 | Maßnahmen des Regimes | 63 |
| 5.4.2 | Wirtschaftspolitische Maßnahmen | 64 |
| 5.4.3 | Wahlen 1973 | 64 |
| 5.4.4 | Koalition der CHP mit der AP | 65 |
| 5.4.5 | Der Zypernkonflikt | 65 |
| 5.4.6 | Scheitern der Koalition | 66 |
| 5.4.7 | Die Parteien der „MC“ (Nationale Front) | 67 |
| 5.4.8 | Wirtschaftliches Chaos | 67 |
| 5.5 | Die Wahlen von 1977 | 68 |
| 5.6 | Demirel an der Macht | 70 |
| 6. | Die „Dritte“ Republik | 71 |
| 6.1 | Der Militärputsch am 12.September 1980 | 71 |
| 6.1.1 | Maßnahmen des Militärregimes | 71 |
| 6.1.2 | Repressalien gegen die Arbeiterschaft | 73 |
| 6.2 | Institutionalisierung der militärischen Macht | 73 |
| 6.2.1 | Entpolitisierung des öffentlichen Lebens | 73 |
| 6.3 | Neue Verfassung und neues Parteiensystem | 73 |
| 6.3.1 | Beratende Versammlung | 75 |
| 6.3.2 | Die Verfassung von 1982 | 75 |
| 6.3.3 | Das neue Parteiengesetz | 77 |
| 6.4 | Wirtschaftspolitik der Militärjunta | 77 |
| 6.4.1 | Der Einfluss des IWF | 78 |
| 6.4.2 | Folgen der „Anpassung“ an die Vorgaben des IWF | 79 |
| 6.5 | Wahlen 1983 | 80 |
| 6.5.1 | Die Parteien | 80 |
| 6.5.2 | Wahlausgang | 80 |
| 6.5.3 | Maßnahmen der ANAP – Regierung | 81 |
| 6.5.4 | Herbst 1987 | 82 |
| 7. | Zur Rolle des MGK | 82 |
| 8. | Schlussbetrachtung | 84 |
| Verzeichnis der Literaturverweise | 92 |
47 auf repressive Massnahmen zurück“ (Caglar 1984: 53). Die politische Liberalisierung wird rückgängig gemacht, als sich die DP vor allem ab 1954 einer wachsenden Opposition gegenüber sieht. Die DP wird zunehmends autoritär und repressiv; Eigenschaften die sie vorher an der CHP – Herrschaft kritisiert hatte: „Die Konfiszierung des Parteivermögens und die Schliessung der ca. 200 Hauptzweigstellen der CHP, die repressiven Pressegesetze von 1954 und 1956, das Vorgehen gegen politisch missliebige Professoren und Richter und eine Wahlrechtsänderung zur Verhinderung einer oppositionellen Einheitsfront 1957 waren die einschneidendsten der Massnahmen gegen inner- und ausserparlamentarische Opposition.“ (Weiher 1978: 82) Von allen gesellschaftlichen Gruppen, die der DP zur Macht verhelfen im Jahr 1950, halten nur noch die Intellektuellen und ein Teil der Unternehmerschicht bis zum Ende der Herrschaft der DP (1960) die Treue. 4.4 Der Putsch von 1960 [...]
Zugeständnisse zu machen“ (Serozan 1986: 49). Infolge Moscheen subventioniert wie der Bau von Fabrikschornsteinen. Es findet regelrecht eine „Re – Islamisierung“ des Landes statt und zwar durch die Eröffnung von Koran – Kursen, Wiederzulassung von Derwisch – Orden und dem Bau von Imam – Hatip – Schulen. Mit den letzteren genannten Schulen soll auf unterer und mittlerer Ebene der Bedarf an Imamen (Vorbetern) gedeckt werden. Während der Herrschaft der CHP werden nämlich keine Geistlichen mehr ausgebildet bzw. deren Ausbildung stagniert. Allerdings erhalten auch diese Schulen einen Lehrplan, der neben den klassischen islamischen Disziplinen auch den gesamten Kanon der und naturwissenschaftlichen, sprachlichen Fächern geisteswissenschaftlichen [...]
Schon die CHP sieht sich 1949 gezwungen, die religiösen Verbote und Einschränkungen aufzuheben. So kommt es 1949 im Erziehungssektor zu einem nicht für möglich gehaltenen Wandel als im selben Jahr der Religionsunterricht an den Grundschulen wieder eingeführt wird. In den darauffolgenden Jahren geschieht dies auch nach und nach an allen anderen Schultypen. Das Gesetz über die Schaffung einer Theologischen Fakultät an der Universität Ankara tritt am 10.06.1949 in Kraft und ermöglicht „Allerdings somit erfolgt die Ausbildung am islamischer selben Tag, und die geistlicher Gelehrter wieder. zeitgleich, Ergänzung des Strafgesetzbuches um den Artikel 163, der Gefängnisstrafen zwischen zwei und sieben Jahren für all jene vorsah, die Organisationen gründen oder sich an solchen beteiligen, deren Ziel die Schaffung einer juristischen, sozialen, wirtschaftlichen oder politischen Ordnung auf religiöser Grundlage ist.“ (Binswanger 1991: 215) Somit beugt das von der CHP dominierte Parlament, Befürchtungen vor, die an den Grundfesten des laizistischen Staates rütteln könnten. Der Lehrplan der Theologischen Fakultät wird aus diesem Grund anti – fundamentalistisch, entworfen 1950 – vom die mit modern und wissenschaftlich Nach eines dem breiten Erziehungsministerium. dem Versprechen [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832480646
Arbeit zitieren:
Öztürk, Tuncay Januar 2002: Das politische System der Türkei unter Berücksichtigung der Rolle des Militärs, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Jungtürkische Bewegung, Mustafa Kemal Atatürk, Komitee für Einheit und Fortschritt, Positivismus, Nationaler Sicherheitsrat



