Eine ökonomische Analyse des Magdeburger Drogenmarktes
- Art: Fachstudie
- Autor: Sven Paschke
- Abgabedatum: März 2007
- Umfang: 85 Seiten
- Dateigröße: 551,2 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Deutschland
- Bibliografie: ca. 60
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2780-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Paschke, Sven März 2007: Eine ökonomische Analyse des Magdeburger Drogenmarktes, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Drogenmarkt, Konsum, Preiselastizität, Einkommenselastizität, Marktklärungsmechnismen
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Fachstudie von Sven Paschke
Einleitung:
Der im Jahr 2006 erschienene Drogenbericht der Vereinten Nationen offenbart, dass es auf unserer Erde 25 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 64 Jahren gibt, die von Suchtstoffen schwer abhängig sind. Desweiteren wird geschätzt, dass es 310 Millionen Individuen mit einer zumindest jährlichen Suchtgiftprävalenz gibt. Auf die Weltbevölkerung gerechnet entspricht damit der Anteil der zumindest registrierten Konsumenten 8,2%. Aber welche Bedeutung hat der globale Drogenmarkt für unsere Gesellschaft, wenn in die Betrachtung einbezogen wird, dass von den auf unserem Globus lebenden Menschen über 18 Jahren 28% Tabak rauchen?
Im Rahmen dieser Studie, dem ‘Magdeburger Drogenmarkt Projekt’, wird der Versuch unternommen dieser Antwort zumindest für die Stadt Magdeburg näherzukommen. Magdeburg hat etwa 227.000 Einwohner und liegt in Sachsen-Anhalt, einer Region mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 19,5% und einer Pro-Kopf-Verschuldung in Höhe von EUR 8.054.
Nachdem im folgenden Abschnitt dieser Arbeit die Forschungsmethode erläutert und zur Aussagekraft der gesammelten Daten Stellung genommen wurde, erfolgt im sich anschließenden Kapitel eine Analyse des Paragraphen 31a BtMG, der die rechtlichen Rahmenbedingungen definiert, in denen der Umgang mit Betäubungsmitteln strafrechtlich nicht verfolgt wird. Im zweiten Teil wird dann aufgezeigt, welche Marktteilnehmer, welche Art von Rauschgiftdelikten in Magdeburg begehen und wie wirkungsvoll staatliche Aktivitäten zur Eindämmung des Drogenmarktes sind. Das zweite Kapitel widmet sich danach den Konsumgewohnheiten der Magdeburger Suchtstoffnachfrager: Am Anfang wird erläutert, welche Gründe für den Markteintritt sprechen, in welchem Alter Personen mit Konsum von Suchtgiften beginnen und über welche Eigenschaften ein Drogenkonsument verfügt. Im Anschluss daran wird das Konsummuster näher betrachtet: Wie regelmäßig werden Drogen genommen? Von welchen Faktoren ist dies abhängig? Lassen sich Suchtstoffe nach notwendigen Gütern und Luxusgütern klassifizieren? Woher bekommt ein Konsument seine Drogen und wo konsumiert dieser jene? Zum Abschluss des Kapitels wird kurz dargelegt werden, von welchen Faktoren es abhängt, dass ein Suchtgiftabhängiger seine Sucht beenden kann. Das abschließende dritte Kapitel ist dem Marktgeschehen an sich gewidmet: Es werden zu Beginn die Groß- und Einzelhandelspreise für illegale Drogen betrachtet, bevor im Anschluss eine Analyse des Aufbaus und der Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen auf dem Magdeburger Drogenmarkt sowie dessen Vermeidung durch die Nutzung des Internets zur Betäubungsmittelbeschaffung erfolgt. Zum Abschluss dieser Studie wird eine Berechnung der sozialen Kosten vorgenommen, die der Volkswirtschaft in Folge der Existenz des Suchtstoffmarktes und seiner Teilnehmer entstehen.
Inhaltsverzeichnis:
| Prolegomena | 1 | |
| 0. | Vorbemerkungen | 3 |
| 0.1 | Forschungsdesign des Magdeburger Drogenmarkt Projektes | 3 |
| 0.2 | Aussagekraft der Daten | 4 |
| 1. | Das deutsche Gesetz und die Drogen | 5 |
| 1.1 | Rechtliche Rahmenbedingungen zum Vollzug des § 31a BtMG | 5 |
| 1.2 | Öffentliche Beobachtung von Marktteilnehmern | 7 |
| 2. | Konsumverhalten in Magdeburg | 11 |
| 2.1 | Motive des Drogenkonsums | 11 |
| 2.2 | Markteintritte | 12 |
| 2.3 | Marktteilnehmer | 14 |
| 2.4 | Konsummuster | 15 |
| 2.4.1 | Prävalenz | 15 |
| 2.4.2 | Jährliche Konsumintensität | 16 |
| 2.5 | Preis- und Einkommenssensitivität | 18 |
| 2.6 | Drogenkauf und Finanzierung | 22 |
| 2.6.1 | Der Kontakt zum Verkäufer | 22 |
| 2.6.2 | Finanzierung des Drogenkonsums | 23 |
| 2.6.3 | Lokation des Drogenkaufs | 23 |
| 2.7 | Konsum von Drogen | 24 |
| 2.7.1 | Konsum | 24 |
| 2.7.2 | Arten des Drogenkonsums | 24 |
| 2.7.3 | Lokation des Drogenkonsums | 25 |
| 2.7.4 | Beendigung des Konsums von Drogen | 25 |
| 3. | Marktklärungsmechanismen | 27 |
| 3.1 | Preise | 27 |
| 3.2 | Marktstrukturen | 30 |
| 3.2.1 | Der Aufbau des Magdeburger Handelsplatzes | 30 |
| 3.2.2 | Marktplatz Internet | 31 |
| 3.2.3 | Löhne und Arbeitsangebot | 33 |
| 3.3 | Soziale Kosten des Drogenkonsums | 35 |
| 4. | Bilanz und Forschungsfragen | 37 |
| 5. | Quellenverzeichnis | 41 |
| Anhang 1 | 47 | |
| Anhang 2 | 64 | |
| Anhang 3 | 69 | |
| Anhang 4 | 75 | |
| Anhang 5 | 78 | |
| Abbildungsverzeichnis | 80 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 80 | |
| Tabellenverzeichnis | 81 |
Textprobe:
Kapitel 2.7.1, Konsum:
Gefragt danach, welche anderen Dinge bei der Drogeneinnahme konsumiert werden, antwortet knapp jeder Zweite unabhängig von der Art des Betäubungsmittels, dass er oder sie diese allein nimmt. Bei den Cannabisprodukten Marihuana und Haschisch trinkt mehr als jeder Dritte nebenbei Alkohol. Darüber hinaus wird von mindestens jedem Zehnten eine Zigarette geraucht. Im Falle von Ecstasy ist es jeder Fünfte, der angibt, neben der Suchtstoffeinnahme noch Alkohol und Zigaretten oder nur Alkohol zu konsumieren.
Arten des Drogenkonsums:
Die Art der Rauschgifteinnahme variiert mit der Art des Stoffes: Während Ecstasy und LSD oral eingenommen werden, werden Haschisch und Marihuana von mindestens jedem Zweiten rauchend aufgenommen. Kokain wird von der Hälfte der Abhängigen geschnieft. Etwa ein Achtel der Kokainkonsumenten sowie zwei Drittel der Heroin nehmenden Personen injizieren hingegen ihre Droge intravenös. Für diese Art des Konsums gibt es zwei Gründe: Kokain und Heroin sind teurer als andere Drogen und werden damit vom Nachfrager als höherwertiger eingestuft. Darüber hinaus bewirkt die Injektion einen schnelleren Wirkungseintritt des Suchtgiftes.
Lokation des Drogenkonsums:
Wenngleich die Einnahme von Suchtstoffen strafrechtlich nicht relevant ist, scheint ein Blick aus ökonomischer Sicht auf die Wahl des Konsumortes nötig. Hierfür scheinen vor allem Sicherheitsaspekte eine Rolle zu spielen, weil die erworbene Ware vor staatlichen Zugriffen geschützt werden muss. Dies trifft vorwiegend für diejenigen Käufer zu, die zur Finanzierung der eigenen Sucht Drogen an Dritte abgeben.
Jeder Fünfte der befragten Marktteilnehmer meint, bei sich zu Hause Drogen zu nehmen. Etwa jeder Zehnte jedoch nimmt Drogen – hier sind vor allem Marihuana- und Haschischzigaretten sowie der Verzehr von Giftpilzen zu nennen – in der freien Natur ein. Insgesamt betrachtet scheint die Wahl des Drogenkonsums jedoch von vorherrschenden äußeren Faktoren abzuhängen. Denn etwas weniger als die Hälfte der Konsumenten nennen mehrere Konsumräume. Besonders häufig werden die ‘freie Natur’, das ‘Zuhause’ und ‘Partys’ als Räume für die Suchtstoffeinnahme genannt.
Beendigung des Konsums von Drogen:
Pudney sowie van Ours zeigen in ihren Studien auf, dass die individuelle Drogenkarriere hauptsächlich durch die soziale, ökonomische und familiäre Umwelt des Drogenkonsumenten geprägt wird. Pudney weist darüber hinausin seiner Arbeit einen fehlenden Zusammenhang zwischen dem Konsum schwacher Drogen und dem Konsum harter Drogen zu einem späteren Zeitpunkt in einer Drogenkarriere nach.
Nach Ansicht der Berner Fachstelle für Suchtprävention sind es vier Komponenten, die den Regelkreis einer psychischen Abhängigkeit determinieren: Unerfüllte Bedürfnisse, das Verlangen nach Erfüllung, die Bedürfniserfüllende Wirkung des Suchtmittels sowie die zeitlich befristete Erfüllung des Bedürfnisses. Infolge dessen ist es für einen Konsumenten insbesondere von Kokain und Heroin nur selten möglich von allein oder im Kreis der Familie sich von der Sucht zu lösen. Denn die Entzugssymptome durchbrechen bei den meisten Menschen den Willen zur Abstinenz. Nach Angaben der Drogenberatungsstelle in Halle (Saale) suchten 2005 470 Personen die Hilfseinrichtung auf. Im Rahmen der angebotenen Therapien ist die Frühabbrecherquote im letzten vorletzten Jahr von 33% auf 10% gesunken. Andererseits beendeten lediglich 45% der Klientel ihre Therapie bzw. waren nach einem Jahr noch in einer solchen.
Von den 48 Teilnehmern am MDMP haben bereits 36 Teilnehmer mindestens ein Mal versucht mit dem Drogenkonsum aufzuhören. Neun Teilnehmer gaben an bisher mindestens drei Versuche unternommen zu haben ihre Sucht zu überwinden. Drei von vier Beziehern von Betäubungsmitteln sagten darüber hinaus aus, dass sie bei ihren Entzugsversuchen keine Unterstützung durch andere Personen hatten. Von den 25% der Konsumenten, die Unterstützungen genossen, halfen die Familie, Freunde und Verwandte. Dass Hilfe von Dritten angenommen wurde, gibt keiner der Befragten an.
Insgesamt betrachtet erscheinen selbst institutionell durchgeführte Entziehungskuren nur einen geringen Erfolg aufzuweisen. Einer Studie von Michels et al. zu Folge bewirkt eine mit Methadon durchgeführte Substitutionsbehandlung bei von Opiaten abhängigen Konsumenten eine langfristige Drogenabstinenz in 10% aller Fälle. Allerdings schafft die Therapie – sofern vom Klienten angenommen – innerhalb eines Jahres bei 65-85% aller zu Therapierenden die Voraussetzung für die Aufnahme bzw. Beibehaltung einer medizinischen Behandlung von HIV und Hepatitis. Darüber hinaus trägt sie zu einer sozialen Reintegrierung der Betroffenen bei, reduziert die drogenbedingten körperlichen Schädigungen und verringert das Risiko von Infektionskrankheiten.
Marktklärungsmechanismen:
Wie auf legalen Märkten beeinflusst die Markstruktur die Menge und den Preis der gehandelten Güter auch auf illegalen Märkten. Allerdings haben die Händler hier keine Möglichkeiten durch Preisabsprachen andere potentielle Anbieter vom Markteintritt abzuhalten. Im ersten Abschnitt dieses Kapitels wird die Entwicklung von Groß- und Einzelhandelspreisen dargelegt. Anschließend befasst sich der zweite Abschnitt mit dem Aufbau und dem Arbeitsangebot des Magdeburger Handelsplatzes sowie den Möglichkeiten über das Internet Suchtstoffe zu beziehen. Der dritte Abschnitt ist der Frage nach den sozialen Kosten in Folge des Suchtgiftkonsums für die Volkswirtschaft gewidmet.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836627801
Arbeit zitieren:
Paschke, Sven März 2007: Eine ökonomische Analyse des Magdeburger Drogenmarktes, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Drogenmarkt, Konsum, Preiselastizität, Einkommenselastizität, Marktklärungsmechnismen



