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Die ökologisch-ethische Berichtspflicht für Altersvorsorgeprodukte in der Rentengesetzgebung - eine Herausforderung für Finanzdienstleister

Die ökologisch-ethische Berichtspflicht für Altersvorsorgeprodukte in der Rentengesetzgebung - eine Herausforderung für Finanzdienstleister
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Falk Meyer
  • Abgabedatum: Februar 2002
  • Umfang: 97 Seiten
  • Dateigröße: 654,9 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Leibniz Universität Hannover Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5413-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5413-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5413-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Meyer, Falk Februar 2002: Die ökologisch-ethische Berichtspflicht für Altersvorsorgeprodukte in der Rentengesetzgebung - eine Herausforderung für Finanzdienstleister, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Arbeitsvermögensgesetz, Riester-Rente, nachhaltige Kapitalanlagen

Diplomarbeit von Falk Meyer

Einleitung:

Am 11. Mai 2001 wurde vom Deutschen Bundestag und vom Bundesrat das Gesetz „zur Reform der gesetzlichen Rentenversicherung und zur Förderung eines kapitalgedeckten Altersvorsorgevermögens“ (Altersvermögensgesetz-AVmG) verabschiedet. Mit dieser Rentenstrukturreform hat sich der Gesetzgeber dem andauernden Finanzierungsproblem der gesetzlichen Rentenversicherung angenommen und gleichzeitig das deutsche Rentensystem an internationale Systeme angepasst. Am 01. Januar 2002 trat das Gesetz in Kraft. Damit ist jetzt die staatlich geförderte Altersversorgung in Deutschland auf drei Säulen verteilt.

Im Rahmen der Diskussion um die Rentenstrukturreform hat der Gesetzgeber einen Passus in den Gesetzestext integriert, der auch die nachhaltige Entwicklung fördern soll. In §1 Abs. 1 Ziffer 9 des neuen Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetzes (AltZertG) heisst es: „Ferner muss auch darüber schriftlich informiert werden, ob und ggf. wie der Anbieter [von Altersvorsorgeprodukten, Anm. des Verfassers] ethische, soziale und ökologische Belange bei der Verwendung der eingezahlten Beiträge berücksichtigt.“ Nach dem Willen des Gesetzgebers soll durch diese Nachhaltigkeits-Berichtspflicht ein Impuls für mehr Nachhaltigkeit bei der Anlage von Kapital, insbesondere bei der Verwendung der einbezahlten Rentenbeiträge, gegeben werden.

Eine Vielzahl von Finanzdienstleistern – allen voran Investmentgesellschaften, Banken und Versicherungen – wird durch die Rentenreform als Anbieter von Altersvorsorgeprodukten in Erscheinung treten. Diese Unternehmen sind daher ein zentraler angebotsseitiger Adressat der ökologisch-ethischen Berichtspflicht. Mit ihrer zunehmend zentralen Stellung im Wirtschaftsleben können sie Kapitalströme in auch umwelt- und gesellschaftspolitisch gewünschte Richtungen lenken. Mit der ökologisch-ethischen Berichtspflicht müssen die Unternehmen sich nun explizit im Bereich der Kapitalanlage mit Nachhaltigkeit beschäftigen. Dabei werden in dem noch jungen Marktsegment die Chancen und Risiken die Entscheidung beeinflussen, ob und wie nachhaltige Kapitalanlage betrieben wird.

Die vorliegende Arbeit geht der zentralen Frage nach, welche Auswirkungen die ökologisch-ethische Berichtspflicht in der Rentenstrukturreform auf das Anlageverhalten von Finanzdienstleistern haben wird. Hierfür werden die unterschiedlichen Beweggründe im Rahmen der Kapitalanlage von Finanzdienstleistern vor dem Hintergrund gängiger wissenschaftlicher Erklärungsansätze gegeneinander abgewogen. Dies umfasst vor allem Fragen zur Implementierung gesetzlicher Bestimmungen einerseits, sowie zu Chancen und Risiken aus dem Angebot nachhaltiger Kapitalanlagen wie Risiko-Rendite-Performance, Marktnachfrage und Probleme ethisch-ökologischer Standards andererseits. Neben der theoretischen Diskussion wird eine eigene empirische Analyse herangezogen. Sie dient der Unterstützung der theoretischen Überlegungen. Mittels einer schriftlichen Befragung von Finanzdienstleistern sowie Interviews ausgewählter Personen wird die Relevanz des Themas untersucht.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis 3
Abbildungsverzeichnis 6
Tabellenverzeichnis 7
1. Einleitung 8
1.1 Problemstellung 8
1.2 Forschungsleitende Fragestellung 9
1.3 Aufbau der Arbeit 10
2. Rentenreform, Altersvorsorgeprodukte und ökologisch-ethische Berichtspflicht 11
2.1 Reform der deutschen Rentengesetzgebung 11
2.2 Charakteristika und Variationen von Altersvorsorgeprodukten 15
2.2.1 Förderrichtlinien 15
2.2.2 Private Altersvorsorgeprodukte 16
2.2.3 Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge 19
2.3 Anbieter und Nachfrager von Altersvorsorgeprodukten 21
2.3.1 Anbieter 21
2.3.2 Private Nachfrager 21
2.3.3 Institutionelle Nachfrager 22
2.4 Ökologisch-ethische Berichtspflicht für staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte 23
3. Nachhaltige Kapitalanlagen als erwünschte Resultante der ökologisch-ethischen Berichtspflicht 25
3.1 Begriffsverständnis „nachhaltige Kapitalanlagen“ 26
3.1.1 Grundlagen des Nachhaltigkeits-Begriffes 26
3.1.2 Geschichtlicher Hintergrund nachhaltiger Investments 27
3.1.3 Nachhaltige Kapitalanlagen 29
3.2 Formen nachhaltiger Kapitalanlagen 31
3.3 Marktsituation nachhaltiger Kapitalanlagen 34
3.4 Nachfragemotive und -tendenzen Privater und Institutioneller Investoren 37
3.4.1 Nachfragemotive 37
3.4.2 Nachfragetendenzen in Deutschland 40
4. Auswirkungen der Berichtspflicht auf Anlageentscheidungen von Finanzdienstleistern 43
4.1 Empirische Studie zur ökologisch-ethischen Berichtspflicht 44
4.1.1 Einfluss auf Produktgestaltung 46
4.1.2 Beigemessene Bedeutung nachhaltiger Kapitalanlage-kriterien 46
4.1.3 Erwartete Probleme nachhaltiger Kapitalanlagen 51
4.1.4 Erwartete Entwicklung nachhaltiger Kapitalanlagen 53
4.1.5 Zwischenfazit 55
4.2 Schwierigkeiten und Probleme im Umgang mit der ökologisch-ethischen Berichtspflicht 56
4.2.1 Konkretisierungsmängel gesetzlicher Vorgaben 56
4.2.2 Fehlende Standards 59
4.2.3 Nachhaltigkeitsorientierte Informationsbeschaffung der Anbieter 60
4.3 Risiko-Rendite-Performance nachhaltiger Kapitalanlagen 62
4.3.1 Exkurs: Asset Allocation und Performance-Messung 64
4.3.2 Performance nachhaltiger Kapitalanlagen 66
4.4 Vermarktung nachhaltiger Kapitalanlagen als Herausforderung 73
4.4.1 Besonderheiten der Vermarktung nachhaltiger Kapitalanlagen 73
4.4.2 Markteintrittsstrategien 77
5. Zusammenfassende Beurteilung 79
Anhang 84
Literaturverzeichnis 88

Automatisiert erstellter Textauszug:

1. Inwieweit berücksichtigen die einzelnen Anbieter ethische, ökologische und soziale Aspekte bei der Verwendung der eingezahlten Beiträge? 2. Welche Probleme und Barrieren aber auch Chancen und Potentiale sehen Finanzdienstleister im Umgang mit nachhaltigen Kapitalanlagen? Insbesondere sollen Indikatoren für potentielle Entwicklungstendenzen für den Markt für nachhaltige Kapitalanlagen identifiziert und somit ein vorläufiges Ergebnis der politischen Bemühungen um Nachhaltigkeit auch im Kapitalanlagebereich erzielt werden. Da das dem Gegenstand der Studie zugrunde liegende Altersvermögensgesetz erst am 01. Januar 2002 in Kraft getreten ist, kann es hierzu noch keine ausreichend große Anzahl empirischer Daten geben. Daher wurde für die Studie ein exploratives Vorgehen mit qualitativen Untersuchungsmethoden gewählt.107 Zur Datenerhebung wurde grundsätzlich das Instrument des Fragebogens verwendet. Die gestellten Fragen basieren auf den aus Kapitel 2 und 3 gewonnenen Erkenntnissen beziehungsweise resultieren aus der Auswertung von verschiedenen Primärdaten (Fondsprospekte, Jahresberichte und sonstige Dokumente) und Sekundärinformationen von Forschungsinstituten und weiterer Literatur. Insgesamt besteht der Fragebogen aus acht Fragen, hauptsächlich zu nachhaltigen Kapitalanlagen sowie deren Problemen und Chancen, als auch zur ökologisch-ethischen Berichtspflicht.108 Die Antwortenkategorien sind weitgehend standardisiert, lassen aber in Einzelfällen Spielraum für individuelle Stellungnahmen zu. Mehrfachnennungen sind möglich. Da die Datenerhebung mittels Fragebogen nicht immer zu eindeutigen und überschneidungsfreien Aussagen führt, wurden teilweise ergänzend telefonische und persönliche Interviews zur Klärung und Vertiefung offener Sachverhalte herangezogen. Aufgrund der vereinzelt engen Verflechtungen und argumentativen Zusammenhänge der jeweiligen Fragen, erfolgt die Darstellung der Ergebnisse nicht in chronologischer Reihenfolge des Fragebogens. Die Ergebnisse der empirischen Studie sind vereinbarungsgemäß in aggregierter und anonymisierter Form dargestellt. [...]

eine Mehrzahl der Finanzdienstleister bereits im ersten Jahr der staatlich geförderten Altersvorsorge auf den Markt.104 Bis Januar 2002 erteilte das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen bereits 3.461 Zertifikate für Altersvorsorgeprodukte der sogenannten Riester-Rente, die vom Aktienfonds bis zur Lebensversicherung reichen.105 Innerhalb der betrieblichen Altersvorsorge wird es der PWC-Studie zufolge anfangs weniger Anbieter geben als in der privaten Vorsorge. Dennoch wird der betrieblichen Altersvorsorge, vor allem im Hinblick auf die kapitalmarktorientierten Pensionsfonds, eine starke Stellung eingeräumt. Auf mittlere bis lange Sicht wird der Kapitalfluss zu zwei Dritteln in Produkte der betrieblichen und zu einem Drittel auf solche der privaten Vorsorge erwartet. Das prognostizierte Marktpotential reicht dabei von drei Mrd. Euro in 2002 bis zu einem sukzessiven Anstieg des Volumens auf 300 Mrd. Euro in 2010.106 Diese Prognosen erlauben allerdings noch keine Aussage über die zukünftige Entwicklung nachhaltiger Altersvorsorgeprodukte. Im folgenden Abschnitt 4.1 erfolgt daher mittels einer eigenen empirischen Studie eine erste Abschätzung in dieser speziellen Richtung. Diese Studie gibt Aufschluss über das Anlageverhalten der Anbieter und stellt Probleme und Chancen nachhaltiger Kapitalanlagen aus Sicht der Finanzinstitute dar. Anknüpfend an die am häufigsten genannten Ergebnisse aus Kapitels 4.1 werden in Kapitel 4.2 zunächst erwartete Schwierigkeiten im Umgang mit der ökologisch-ethischen Berichtpflicht und vorhandenen Standards einer ethisch-ökologischen Bewertung diskutiert. Kapitel 4.3 befasst sich dann mit der Performance nachhaltiger Kapitalanlagen. In Kapitel 4.4 werden schließlich Vor- und Nachteile der Vermarktung nachhaltiger Kapitalanlagen sowie mögliche Markteintrittsstrategien gezeigt. 4.1 Empirische Studie zur ökologisch-ethischen Berichtspflicht [...]

Dennoch kann ihnen ein grundlegendes Interesse nicht abgesprochen werden. Mehrheitlich bemängelten die Pensionskassen das fehlende Angebot ethischer, ökologischer und sozialer Finanzprodukte. Offensichtlich nimmt das ethisch-ökologische Bewusstsein in der Bevölkerung zu und siedelt immer mehr auf den Kapitalmarkt über. Mitunter müssen bei den oben festgestellten Nachfragetendenzen jedoch Einschränkungen berücksichtigt werden. Generell handelt es sich bei Umfragen und Interviews lediglich um Willensäusserungen und keine effektiven Handlungen.102 Zudem erfüllen sie keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, da sie oftmals nur einem marginalen Auszug aus der Realität darstellen. Angesichts einer Anzahl von ca. 30 Millionen Pflichtversicherten in der gesetzlichen Rentenversicherung umfasst die EMNID-Umfrage nicht einmal ein Prozent der Anspruchsberechtigten, geschweige denn der Bevölkerung.103 Ein Fokus auf Anspruchsberechtigte wurde zudem nicht vorgenommen. [...]

Arbeit zitieren:
Meyer, Falk Februar 2002: Die ökologisch-ethische Berichtspflicht für Altersvorsorgeprodukte in der Rentengesetzgebung - eine Herausforderung für Finanzdienstleister, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Arbeitsvermögensgesetz, Riester-Rente, nachhaltige Kapitalanlagen

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