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Die moralische Einstellung verschiedener Interessengruppen als sozialer Regulationsmechanismus

Eine Analyse der Dopingproblematik bei der Tour de France 1998

Die moralische Einstellung verschiedener Interessengruppen als sozialer Regulationsmechanismus
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Lars Christensen
  • Abgabedatum: April 1999
  • Umfang: 108 Seiten
  • Dateigröße: 4,6 MB
  • Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-1619-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-1619-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-1619-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Christensen, Lars April 1999: Die moralische Einstellung verschiedener Interessengruppen als sozialer Regulationsmechanismus, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Profiradrennsport, Moral, verschiedene Interessengruppen, Tour de France 98, Doping

Diplomarbeit von Lars Christensen

Einleitung:

Der 8. Juli 1998 ist als ein ganz besonderer Tag in die Geschichte des Radsports eingegangen.

An diesem Tag sollten nämlich eigentlich 832 Ampullen Erythropoetin, Anabolika und Medikamente zur Verschleierung von Dopingsubstanzen die belgisch-französische Grenze passieren. Der Stoff im Wert von einer halben Millionen Mark 2 sollte einigen Radprofis der Tour de France ein wenig illegalen Rückenwind, auf dem Weg zum Sieg, zum Sieg um jeden Preis, verschaffen.

Doch dieser Tag verlief etwas anders und gibt uns deshalb nun die Chance, tiefere Einblicke zu gewinnen.

Der Dopingkurier flog auf und zwei Mannschaften (Festina und TVM) wurden, durch die darauf folgenden Ermittlungen, von der französischen Justiz des Dopings überführt. Der Vorjahreszweite (Richard Virenque) mußte seine Laufbahn aufgrund der Enthüllungen nach der Tour vorübergehend beenden. Einige Fahrer organisierten sogar einen Streik, um gegen das aus ihrer Sicht unangemessene Vorgehen der Polizei zu protestieren. Diese deckte ihrerseits eine Reihe von systematischen Falschaussagen auf und entlarvte somit die Mißachtung von selbstverkündeten Idealen auf breiter Basis.

Sportlern, Betreuern, Trainern, Funktionären und Organisatoren nahm dies ihre Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit, und sowohl Sponsoren, als auch Berichterstatter verloren ihre "Unschuld".

Die Wellen in der Presse schlugen höher als bei bisherigen Dopingfällen. Auch eine Flut von Meldungen über Dopingskandale in anderen Sportarten, vom Schwimmen über Leichtathletik bis hin zum Fußball, trug dazu bei, daß in den Medien sogar die Weltpolitik dem Thema Doping weichen mußte. Selbst Magazinsendungen des Fernsehens, mit gesellschaftspolitischem Anspruch, wie das "Talk-Magazin" von Sabine Christiansen oder "Monitor' behandelten das Thema Doping im Radsport in einem größeren Zusammenhang. Die Öffentlichkeit war informiert und debattierte erregt.

Dies Alles hätte nun das Vorspiel für wesentliche Änderungen sein können. So dachte der Präsident des Deutschen Leichtathletikverbandes Diegel laut darüber nach, ob die letzte Rettung für den mit Doping infizierten Patienten Sport nicht ein Eingriff durch den Staat sein könnte. Prominente Spitzensportler wie der Langstreckenläufer Dieter Baumann assistierten ihm und der Innenminister bot sogar, an den "Patienten" in staatliche Hände zu übernehmen, wenn der Sport die Krankheit nicht selbst heilen könne.

Hinzu kommt, daß die juristische Überführung des systematischen Dopings kompletter Teams, gleichzeitig die Enttarnung der bisher größten Heuchelei im Sport überhaupt war und somit auch verstärkt ein moralisches Problem darstellt.

Der Olympiasieger und Vizepräsident der Weltgesellschaft für Philosophie, Lenk fragt nicht als einziger nach den Zusammenhängen von Ursache und Wirkung: "Wie kann der Sport sauberer sein als die Gesellschaft? Und auch Harald Pieper sieht ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, wenn er erklärt, daß aufgrund der Wachstumsideologie ethisch-moralische Grundsätze keine Chance mehr hätten.

Diese These und die Tatsache, daß auf internationaler Ebene bis Ende April 1999 nichts wesentliches verändert wurde, um dem Mißbrauch von unerlaubten leistungssteigernden Mitteln im Profiradrennsport zu bekämpfen, lassen es fraglich erscheinen, ob eine wirksame Bekämpfung von Doping überhaupt gewollt ist.

Was für einen Beitrag kann eine Diplomarbeit an dieser Stelle leisten, wenn selbst die Sportethik Ziele vorgibt, die nicht eingehalten werden, Handlungsrichtlinien definiert, die keine gesellschaftliche Relevanz genießen, sondern die statt dessen als eine Art von "Vorzeigegewissen" mißbraucht werden?

In meiner Arbeit möchte ich zum einen dazu beitragen, die bestehenden moralischen Auffassungen im Sport auf ihre sittliche Einstellung hin zu überprüfen und somit ein möglichst wirklichkeitsnahes Bild des Sports wiederzugeben. Exemplarisch werden hierbei Aussagen von Profiradrennfahrern auf ihre Einstellung gegenüber dem Gebrauch von Dopingsubstanzen bei der Tour de France 1998 hin untersucht und mit ihrem Verhalten verglichen.

Ich möchte in diesem Zusammenhang jedoch nicht nur eine Bestandsaufnahme im Sinne einer deskriptiven Ethik und somit einen bloßen moralischen Zustandsbericht liefern. Angesichts der Tatsache, daß eine solche Untersuchung auch immer nahe vor dem Hintergrund der sozialen Verflechtungen recherchieren muß, werde ich auch übergreifende soziale Regulationsmechanismen mit erfassen.

Zum anderen ist die Frage, inwiefern Handlungen im Leistungssport überhaupt noch aufgrund von sozialen Regulationsmechanismen an ethischen Idealen ausgerichtet sein können. Dies soll ebenfalls anhand der Handlungen und Zitaten der Profiradrennfahrer, sowie ihres Umfeldes, beim größten Radrennen der Welt, der Tour de France des Jahres 1998, überprüft werden. Dies ist besonders im Hinblick auf die Einhaltung von humanistisch postulierten Werten wie z. B. die der "Würde des Menschen" oder dem "Fairplay", aus der Perspektive der Sportethik von übergeordnetem Interesse.

Als Informationsquellen dienten mir bei meiner Arbeit die Pressedokumentation des Bundesinstitutes für Sport (BISp), das wichtigste Radsportmagazin, die ,,Tour', das Presseorgan des Bundes Deutscher Radfahrer, die "Radsport' und die "Süddeutsche Zeitung" (die unter den Sportjournalisten als die Tageszeitungen, mit der besten Sportberichterstattung gilt). Dieses Material wurde von mir im Sinne einer Vollerhebungen, im Zeitraum vom 21.7.98 bis zum 15.4.99, ausgewertet.

Hinzu kam eine Sammlung der fünf wichtigsten französischen Zeitungen, von Anfang Juli, 1998 bis Ende September 1998.

Ergänzt wurden meine Informationen, durch Fachgespräche mit, dem Dopinganalytiker Schänzer, dem Dopingfachmann Treutlein, (der mir dankenswerter Weise auch Artikel aus französischen Presse zur Verfügung stellte).

Als Grundlage diente jedoch eine Literaturrecherche zu den Themen: Doping, Sportethik und Ethik.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 1
2. DIE TRADITION DES DOPING 4
2.1 DIE GESCHICHTE DES DOPING 5
2.2 DAS MITTEL: EPO 7
2.3 DIE DEFINITION VON DOPING 9
2.4 DIE RECHTSGRUNDLAGE 11
3. CHRONIK DER DOPING-EREIGNISSE 13
3.1 DER KRONZEUGE, WILLY VOET 17
3.2 DER STREIK 19
3.2.1 Der Fall Festina, ein Zeitzeichen 22
3.2.2 Das (Un) Gerechtigkeitsgefühl der Fahrer 26
3.3 DER SCHEINBARE VERSTOß GEGEN DIE WÜRDE DER FAHRER 27
3.3.1 Dopingmotive 29
4. DIE FEHLFUNKTION DER FUNKTIONÄRE UND DIE REAKTION DER POLITIK 31
4.1 DER FRANZÖSISCHE RADSPORTVERBAND UNTER ANKLAGE 31
4.2 DER INTERNATIONALE RADSPORTVERBAND TATENLOS 32
4.2.1 Die "Antidoping-Tests "der UCI 35
4.2.2 Wie die UCI ein abschreckendes Strafmaß blockiert 37
4.3 KEIN POLITISCHER WILLE BEIM IOC 38
4.3.1 Die Haltung des DSB 39
4.4 DIE POLITIK ODER DIE GEISTER, DIE DER SPORT NICHT RIEF 40
5. DIE WIRTSCHAFTLICHE BEDEUTUNG DER TOUR DEFRANCE 42
5.1 DAS GESCHÄFT MIT DER TOUR DE FRANCE 42
5.2 DIE SPONSOREN WERDEN NACHDENKLICH 43
5.3 SPONSORENVERHALTEN VON MORGEN? 46
6. ZUR WECHSELWIRKUNG VON MEDIEN UND SPORT 47
6.1 DIE BERICHTERSTATTUNG DER ARD 47
6.2 DIE KONTINUITÄT DER PRINT-MEDIEN 50
7. DIE BEDEUTUNG DER SPORTETHIK FÜR DIE TOUR DE FRANCE '98 52
7.1 DIE GEGENSPIELER DER SPORTETHIK 52
7.1.1 Dominierendes Leistungsprinzip 53
7.1.2 Schrankenlose Kommerzialisierung 55
7.1.3 Vereinahmende Medialisierung 56
7.2 DIE GEGENSTANDSBESTIMMUNG DER SPORTETHIK 57
7.2.1 Unterschiedliche Ansätze der Sportethik 58
7.2.2 Soll der Staat versuchen die Moral zu erzwingen? 77
8. RESÜMEE UND AUSBLICK 79
9. ENDNOTENVERZEICHNIS 83
10. LITERATURVERZEICHNIS 93
11. ANHANG 99

Arbeit zitieren:
Christensen, Lars April 1999: Die moralische Einstellung verschiedener Interessengruppen als sozialer Regulationsmechanismus, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Profiradrennsport, Moral, verschiedene Interessengruppen, Tour de France 98, Doping

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