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Zur lebensweltlichen Analyse des Windsurfings - eine qualitative Untersuchung

Zur lebensweltlichen Analyse des Windsurfings - eine qualitative Untersuchung
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Mathias Brandau
  • Abgabedatum: März 2007
  • Umfang: 94 Seiten
  • Dateigröße: 487,7 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Deutschland
  • Bibliografie: ca. 28
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0786-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Brandau, Mathias März 2007: Zur lebensweltlichen Analyse des Windsurfings - eine qualitative Untersuchung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Individualisierung, Lebensweltanalyse, Szenestudie, Windsurfing, Sport

Staatsexamensarbeit von Mathias Brandau

Einleitung:

Windsurfen - ein Sport, der sich seit seiner Erfindung im Jahr 1964 durch die drei Pioniere Newman Darly, Jim Drake und Hoyle Schweitzer schnell weiter entwickelt und verbreitet hat, vermittelt Akteuren und auch Zuschauern noch heute das Gefühl von Freiheit, Abenteuer, Risiko und Gefahr. Gerade der letzte Windsurfworldcup auf der Nordseeinsel Sylt mit einem Zuschauerrekord von mehr als 180.000 Besuchern hat deutlich gemacht, wie populär und anziehend diese Sportart nach wie vor ist.

Neben dem Image und der Anziehungskraft des Windsurfens sind es aber vor allem die Akteure selbst, die dem Sport mit ihrer ganz persönlichen Weltanschauung diese Einzigartigkeit und Faszination verleihen und diesen dadurch prägen und gestalten.

In der Sportart Windsurfen bilden unterschiedliche Szenen, national wie international, Gemeinschaften, die alle als eine eigene, kleine Lebenswelt verstanden werden können, da in diesen gewisse Stile, Verhaltensmuster, Regeln, Relevanzen und Weltdeutungsschemata zu finden sind.

Bisherige Untersuchungen zur Klärung dieser bestimmten Aspekte werden in der im Jahr 2000 veröffentlichten Arbeit von Belinda Wheaton ‚Just do it’: Consumption, Commitment, and Identity in the Windsurfing Subculture angesprochen. Diese Ausführungen Wheatons geben jedoch weniger Auskunft darüber, welche Anforderungen die Sportart an den Einzelnen stellt, wie die Interaktionen und Verhältnisse untereinander entstehen und was die Sportler zu ihren Vorstellungen und Denkweisen bewegt.

Diese Aspekte sollen mit Hilfe der vorliegenden Arbeit dargestellt und erläutert werden. Unter den im Titel erscheinenden Begriffen ‚lebensweltliche Analyse’ ist dabei zu verstehen, dass durch objektive Erkenntnisse das Wesen einer Sache, also in dieser Arbeit die Lebenswelt der Windsurfer, verständlicher gemacht wird.

Da der Verfasser dieser Studie seit mehreren Jahren (1999) in dieser Sportart aktiv und involviert ist und darüber hinaus seit 2002 auch versucht, als Surflehrer der CAU Kiel die Reize und Motive, die diesen Sport ausmachen, weiter zu vermitteln, hat er sich im Laufe seines „Windsurferlebens“ immer wieder die Frage gestellt, wie man diese kleine Lebenswelt am Besten beschreiben und analysieren kann.

Dabei interessieren den Verfasser dieser Arbeit besonders die Fragen, welches Verhältnis, welche Einstellungen und Motivationen die Surfer für diesem Sport haben, wie sie ihr Leben gestalten, um ein paar Stunden auf dem Wasser verbringen zu können, wie ihr Verhältnis untereinander aussieht und welche unterschiedlichen Charaktere das Leben in einer Szene kennzeichnen.

Gang der Untersuchung:

Im ersten Teil der Arbeit wird im theoretischen Bezugsrahmen der Begriff der Lebenswelt mit den Sichtweisen seiner wichtigsten Vertreter dargestellt, um ein erstes Verständnis vom Inhalt dieser Studie zu bekommen.

Im Anschluss wird mit der Mundanphänomenologie und der Beschreibung der kleinen Lebenswelten sowohl der Ausgangspunkt des Forschungsfeldes als auch die Gründe für die Konstruktion von diesen Lebenswelten geliefert. Die Cultural Studies runden danach den ersten Einblick in das Forschungsgebiet und dessen Hintergrundtheorien ab.

Um den Sinn für die Konstruktion von Lebenswelten in der Gesellschaft besser nachvollziehen zu können, werden im folgenden Teil die gegenwärtigen Anforderungen an das Individuum in der heutigen Gesellschaft im Zusammenhang mit dem sich daraus ergebenen Lebensstil gezeigt.

Diese gesellschaftlichen Gegebenheiten führen zu einer Entstehung bestimmter sozialer Phänomene, den sogenannten Szenen, deren wichtigste Eigenschaften und Merkmale dargestellt und im Anschluss in einem Konzept der Szene katalogisiert werden.

Im letzten Teil des theoretischen Bezugsrahmens werden dann sowohl die Ursprünge als auch die Entwicklung und einige Merkmale der Windsurfszene gezeigt, um sich ein Bild von dieser Sportart machen zu können und um einen ersten Eindruck von den besonderen Motiven, Einstellungen sowie Denk- und Verhaltensmustern zu bekommen.

Daraufhin werden Grundannahmen formuliert, welche die aus der Theorie gewonnenen Erkenntnisse verdeutlichen sollen und als Orientierung in der empirischen Untersuchung dienen.

In der folgenden Darstellung des Forschungsansatzes und der Methode werden die Gründe für die Wahl des qualitativen Forschungsansatzes und die damit verbundene Methode begründet und erläutert. Außerdem erfolgt eine Beschreibung der Interviewpartner, des Interview - Leitfadens, die Durchführung der Interviews, die Datenaufbereitung und deren Auswertung, um so die Nachvollziehbarkeit der Studie zu gewährleisten.

In dem anschließenden Kapitel erfolgt die Darstellung und Interpretation der Ergebnisse. In diesem werden die für diese Studie relevanten Kategorien, die aus dem Datenmaterial herausgearbeitet wurden, dargestellt und mit ihren verschiedenen Eigenschaften aufgeschlüsselt. Dabei dienen die unterschiedlichen Muster, die mit Hilfe von Ankerbeispielen veranschaulicht werden, zur genaueren Erläuterung des aufgetretenen Phänomens.

Daraufhin wird in der Diskussion die Wahl der Methode und die Art der Durchführung kritisch betrachtet. Außerdem werden die empirisch gewonnenen Daten mit den im Theorieteil dargestellten Theorien verglichen und analysiert, bevor in der Zusammenfassung die wichtigsten Inhalte und Ziele der Studie nochmals dargestellt werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Theoretischer Bezugsrahmen 3
2.1 Zum Begriff ‚Lebenswelt’ 4
2.1.1 Der Begriff ‚Lebenswelt’ im Verständnis von Edmund Husserl und Alfred Schütz 4
2.1.2 Mundanphänomenologie und kleine soziale Lebenswelten 6
2.2 Cultural Studies 9
2.2.1 Kultur als Gegenstand der Forschung 10
2.2.2 Kultur als Abgrenzungsmöglichkeit zur Gesellschaft 11
2.3 Exkurs: Der Prozess der Individualisierung in modernen Gesellschaften 12
2.4 Lebensstil 14
2.5 Szenen 16
2.5.1 Szenen als kommunikatives und interaktives soziales Gebilde 17
2.5.2 Organisationsstruktur der Szene 20
2.5.3 Ein Szenekonzept 22
2.6 Exkurs: Die Geschichte des Windsurfens 23
2.7 Kennzeichen und Merkmale der Windsurfszene 26
2.7.1 Identität, Hingabe und Status in der Szene 27
2.7.2 Material 28
2.7.3 Kleidung 28
2.7.4 Organisationsmerkmale des eigenen Lebens 29
2.8 Zwischenfazit und Formulierung von Grundannahmen 30
3. Forschungsansatz und Methode 32
3.1 Die Datenerhebung 34
3.2 Der Interview - Leitfaden 35
3.3 Auswahl der Interviewpartner 38
3.4 Die Interviewdurchführung 40
3.5 Datenauswertung 40
4. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse 44
4.1 Kategorie: Windsurfen als Lebensmittelpunkt 45
4.1.1 Muster: Die Ausrichtung des alltäglichen Lebens 46
4.1.2 Muster: ‚Beziehungs- Kompromisse’ eingehen 51
4.2 Kategorie: Zwischen Schein und Sein (Szenedifferenzierung) 55
4.2.1 Muster: Respekt gegenüber Können und Könnern 56
4.2.2 Muster: Respekt vor Persönlichkeit 58
4.2.3 Muster: Ablehnung von Blendern, Posern und Mitläufern 60
4.3 Kategorie: ‚Auf sich allein gestellt sein’ - Freiheit erleben und Herausforderung meistern 64
4.4 Kategorie: ‚Die Welle ist ganz klar der Chef’ - auf die Natur einstellen 67
4.5 Kategorie: ‚Zusammen auf einer Welle sein’ - Freude und Motivation in der Gruppe erleben 70
4.6 Zusammenfassung der Darstellung und Interpretation der Ergebnisse 73
5. Diskussion 75
5.2 Ergebnisdiskussion 75
5.1 Methodendiskussion 80
6. Zusammenfassung 84
Literaturverzeichnis 86
Anhang 89
Interview-Leitfaden 89
ERKLÄRUNG 92

Textprobe:

Kapitel 2.5.1, Szenen als kommunikatives und interaktives soziales Gebilde: Die immer schwerer werdende Lebensorganisation lässt die Menschen innerhalb ihrer aufgesuchten sozialen Räume nach Verbündeten für ihre Interessen und Neigungen suchen, die sie immer seltener in ihrer näheren Umgebung, in Sportvereinen oder gar in den Eltern finden können. Diese Gesinnungsfreunde finden sie häufig innerhalb ihrer aufgesuchten Szene, die deshalb auch als Gesinnungsgemeinschaft der heutigen Gesellschaft bezeichnet wird.

Diese Gesinnungsgemeinschaften widmen sich einem zentralen Thema, nach dem die Werte, Handlungen, Motive und Vorstellungen der einzelnen Szenemitglieder ausgerichtet sind. Dieses zentrale Thema kann beispielsweise eine Sportart, eine Musikrichtung, eine politische Orientierung oder ein bestimmter Konsumgegenstand sein. Die Szeneanhänger teilen bei ihren Aktivitäten, die um dieses central issue angeordnet sind, ihre Denk- und Handlungsweisen. Die Ausübung der für das zentrale Thema wichtigen Handlungsweisen, wie z.B. das Surfen bei den Surfern und das Skaten bei den Skatern oder das sprayen bei den Anhängern der Graffiti- Szene, findet dabei immer in einem bestimmten Rahmen statt. Im Bereich dieses Rahmens werden dann Einstellungen, Präferenzen und Handlungsweisen, die durch ein hohes Maß an Kommunikation und Interaktion gekennzeichnet sind, praktiziert.

Durch die Kommunikation der Szenemitglieder untereinander wird sichergestellt, dass die gemeinsamen Interessen der Mitglieder aufrecht erhalten werden, da die Existenz einer Szene ohne diesen Verbund keine Szene ausmachen würde. Dieser Verbund wird durch Symbole, Codes, Zeichen und Rituale, die häufig nur von den Mitgliedern selbst verstanden werden, erzeugt und damit die gemeinsame Basis des Interesses für das zentrale Thema gesetzt.

In Bezug auf das Repräsentieren der szenetypischen Symbole und Verhaltensweisen nach außen in der Gesellschaft gibt es einerseits Szenen, die ihren Mitgliedern keinen Verhaltenskodex auferlegen, in anderen Szenen wird jedoch über einen bestimmten Kleidungs- und Haarstil die in der Szene vertretene Lebenseinstellung auch nach außen hin gezeigt, wie es z.B. in der Punk- und Gothic Szene häufig der Fall ist. Diese Zurschaustellung ist jedoch keine Verbindlichkeit, die den Mitgliedern der Szene auferlegt wird.

Ein weiteres wesentliches Merkmal der Szene ist das sogenannte Inszenierungsphänomen. Wie bereits im Vorfeld erwähnt wurde, spielen Interaktion und Kommunikation für den Akteur innerhalb der Szene eine bedeutende Rolle. Szenen leben dabei aber nicht nur von dieser Interaktion der Teilnehmer, sondern sie brauchen auch ein öffentliches Publikum, damit sich die Mitglieder in Szene setzen können. Nur so werden die Bedeutungen der Handlungen und Symboliken der Akteure durch die Wahrnehmung eines Publikums verstärkt.

Um dem Sinngebilde aus Verhaltensweisen, Signalen, Zeremonien, Attitüden, Fertigkeiten und Relevanzen beizutreten, reicht zunächst die Bekundung des eigenen Interesses aus. Das macht den Einzelnen aber nicht zu einem voll anerkannten Mitglied der Szene. Diese Anerkennung erlangt man erst durch die Aneignung von szenetypischen Verhaltens-, Denk- und Handlungsweisen, die auch in der individuellen Lebenseinstellung verankert werden. So surft ein Surfer nicht nur in der Anwesenheit seiner Freunde, um mit ihnen den Aspekt des sich Bewegens und Erlebens zu teilen, sondern er geht auch alleine aufs Wasser, um Tricks zu erlernen bzw. zu üben oder das Gefühl von Freiheit, Abenteuer und Risiko bewusst allein zu genießen. Auch wenn die Interaktion und Kommunikation sehr wichtig für den Erhalt einer Szene ist, so zeigen gerade individuelle Auseinandersetzungen mit dem Wesen der Szene, dass die Bereitschaft des Akteurs, einen festen Platz in der Szene zu bekommen, über das einfache Interesse hinausgeht. Das Szenemitglied spielt also Wissensbestände und Verhaltensvorschriften nicht nur vor, sondern er hat diese Werte verinnerlicht und lässt sie so zu einem festen Bestandteil seines Lebensgefühls werden. Gerade beim Windsurfen wird man oft mit Begriffen wie Textil- oder Automobilsurfer konfrontiert, mit denen engagierte Surfer teilweise solche Menschen bezeichnen, die häufig nicht an der Ausübung der Sportart beteiligt sind, aber mit szenetypischen Merkmalen ausgestattet sind.

Da Szenen stark von dem Identifikationsgrad der Teilnehmer abhängen, werden sie auch gerne als labile Gebilde bezeichnet. Diese Labilität ist darauf zurückzuführen, dass der Ein- und Austritt bei bestimmten Szenen beliebig und für den Einzelnen mit keinerlei Sanktionen bei eventuellem Austritt verbunden ist. Daher herrscht in der Szene häufig eine hohe Fluktuation, weil viele Mitglieder diese nach einer bestimmten Zeit wieder verlassen. Da sich die Szene aber nur durch das Wir- Gefühl unter der Verwendung bestimmter Rituale, Verhaltensweisen und Zeichen konstruiert, ist sie durch den Faktor der Fluktuation sehr anfällig.

Der Glaube an die gemeinsame Idee, die durch kollektive Verhaltensweisen und Kommunikationsformen gefördert wird, ist durch das unterschiedliche Szeneengagement der Mitglieder jedoch nicht stabil, da jedes der Szenemitglieder sich auch in anderen Lebensbereichen wie Beruf, Familie oder Ausbildung engagiert und dementsprechend über mehr oder weniger Zeit verfügt, am Szeneleben aktiv teilzunehmen. Alle diese Aspekte erklären deshalb, warum die Szenelandschaft sich ständig verändert.

Um diese Labilität der Szene einzuschränken, spielen neben den Zeichen, Codes und Ritualen, welche die Mitglieder enger zusammenrücken lassen sollen, vor allem die Szenetreffpunkte eine sehr wichtige Rolle. Hier lebt die Szene, d.h. es werden die der Szene wichtigen Handlungen ausgeführt und das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt. Der Zeitpunkt für den jeweiligen Treffpunkt variiert dabei von Szene zu Szene. Windsurfer und Surfer machen diese Treffpunkte beispielweise von Wind- und Wellenrichtungen abhängig, während Anhänger der Techno Szene sich auf bestimmten Partys versammeln.

Das Szenemitglied weiß bei der Wahl des Treffpunkts immer Bescheid, da er die Denk- und Verhaltensweisen seiner Kumpane kennt. So kommt es in der Kieler Windsurfszene z.B. nicht selten vor, dass man bei starkem West – Nordwest - Wind einen großen Teil der Kieler Windsurfer in Weissenhaus, einem Ort an der deutschen Ostseeküste in der Hohwachter Bucht, antrifft. Durch Mobilität und Kommunikation bleiben auch Szeneanhängern, die aus anderen Teilen des Landes kommen, die Informationen über gewisse Handlungspraktiken der lokal ansässigen Szene nicht verborgen, und so können sie ebenfalls an deren Handlungsweisen teilnehmen.

Dieses Phänomen zeigt, dass eine Szene nicht nur aus einer geschlossenen, sondern auch aus mehreren offenen Gruppen bestehen kann. Diese Gruppen verstehen sich gemeinsam dann als Szene. Dabei haben die Mitglieder der verschiedenen Gruppierungen innerhalb der Szene oftmals keinen persönlichen Kontakt zu den Akteuren anderer Gruppen. Dennoch erkennen sie sich untereinander an den szenetypischen Symbolen und über die szenespezifische Art und Weise der Interaktion und Kommunikation (Verwendung bestimmter Kommentare, Inhalte, Embleme etc.). Szenen weisen aus diesen Gründen viele Aspekte eines sozialen Netzwerks auf, welches durch ein sehr hohes Maß an Kommunikation und Interaktion gekennzeichnet ist.

Ein weiterer Aspekt, der sowohl die Zusammengehörigkeit als auch das Wir- Gefühl stärken soll, ist das für die Szene unverzichtbare Element des Events. Der Begriff ‚Event’ ist dabei „eine vororganisierte Veranstaltung, bei der unterschiedliche Unterhaltungsangebote nach szenetypischen ästhetischen Kriterien kompiliert oder synthetisiert werden, wodurch idealer weise ein interaktives Spektakel zustande kommt, das in der Regel mit dem Anspruch einhergeht, den Teilnehmern ein totales Erlebnis zu bieten.

Je nach Szene variieren dabei die Organisations- und Produktionsleistungen. Sind bei einigen Events die Mitglieder zur Mitarbeit verpflichtet, die als Teil des Wir- Gefühls verstanden wird, so muss man feststellen, dass die größte Anzahl der Szene Ereignisse mit einer starken Kommerzialisierung verbunden ist.

Die Kommerzialisierung bietet vielen Szenemitgliedern oft die Möglichkeit, an langfristige Arbeits- und Erwerbsmöglichkeiten zu gelangen. Dass die Konsumindustrie dabei die verschiedenen Szenen in der modernen Gesellschaft immer mehr unterwandert, ist häufig auf das Engagement der Szenemitglieder selbst zurückzuführen, da sich einerseits die finanziellen Möglichkeiten der Szene durch organisierte Events erheblich verbessern und andererseits vielseitige Kontakte zu eventuellen Arbeitsmöglichkeiten innerhalb der Szenewelt entstehen. Neben diesen ökonomischen Aspekten des Events, die dem Szenengebilde Vorteile verschaffen, ist es aber die Tatsache, dass sich auf einer solchen Veranstaltung viele Gruppierungen der Szene zusammenfinden, die Interessen, Lebenseinstellungen und Meinungen austauschen und als Gruppe eine angenehme Zeit verbringen.

Der im Vorfeld erwähnte Identifikations- und Aktivitätsgrad eines Akteurs in der Szene wirft die Frage auf, ob die Szene in einer bestimmten Weise konstruiert und organisiert ist.

Arbeit zitieren:
Brandau, Mathias März 2007: Zur lebensweltlichen Analyse des Windsurfings - eine qualitative Untersuchung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Individualisierung, Lebensweltanalyse, Szenestudie, Windsurfing, Sport

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