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Das kubanische Bildungssystem

Das kubanische Bildungssystem
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Nadine Dietrich, Berit Jurke
  • Abgabedatum: Januar 2003
  • Umfang: 321 Seiten
  • Dateigröße: 1,7 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7741-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7741-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7741-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Nadine Dietrich, Berit Jurke Januar 2003: Das kubanische Bildungssystem, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Alphabetisierung, Sprachausbildung, Kuba, Berufsausbildung, Erwachsenenbildung

Magisterarbeit von Nadine Dietrich, Berit Jurke

Zusammenfassung:

„Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche.“ – Dieser Ausspruch des legendären Che Guevara ist auch auf die Entwicklung des kubanischen Bildungssystems übertragbar. Innerhalb von 40 Jahren erwuchs aus einer kaum vorhandenen Basis ein weitgespanntes Netz an Einrichtungen. In diesem Sinne ist für ein Entwicklungsland tatsächlich fast Unmögliches gelungen: Kuba muss sich hinsichtlich des Bildungsstandes seiner Bürger nicht hinter den westlichen Industriestaaten verstecken. Das hat sich bis zum jetzigen Tag nicht geändert. Während jedoch in den ersten 30 Jahren nach der Revolution die sozialistischen Länder tatkräftige Unterstützung leisteten, ist Kuba heute auf sich allein gestellt.

In den letzten Jahren erscheint es fast unmöglich traditionelle sozialistische Werte mit der neuen kapitalistischen Wirklichkeit zu vereinen. Um den Zeitgeist einzufangen, hat dieser Aspekt in die Arbeit besonderen Eingang gefunden. Unseres Erachtens bildet dies den Hauptkonflikt im heutigen Kuba, der sich zweifelsohne auch im aktuellen Bildungssystem widerspiegelt. Einerseits ist nach wie vor das Idealbild des „neuen Menschen“ zu finden, welcher sich zum großen Teil über Bildung und Erziehung herausbilden soll. Auf der anderen Seite sieht man jedoch die realen Menschen, für welche ein Abschluss und bestimmte Kompetenzen eher den Zugang zu gutbezahlter Arbeit eröffnen sollen. Ein anderes Spannungsfeld existiert unserer Meinung nach in folgendem Widerspruch: Man bemerkt sehr wohl den Willen der Verantwortlichen zu Modernisierung und Internationalität. Dies ist jedoch kaum mit der weiterhin eingeschränkten Meinungsfreiheit und der in allen Bereichen vorhandenen Zensur in Einklang zu bringen. Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortführen, da die kubanische Gesellschaft mit vielen Gegensätzlichkeiten umgehen muss.

Unsere Analyse des kubanischen Bildungssystems erstreckt sich auf die Zeitspanne von 1959 bis zum Jahre 2002. Es war uns so möglich, gleichzeitig eine längere Entwicklungslinie zu verfolgen und die Geschehnisse der Gegenwart zu beschreiben.

Zu Beginn unserer Ausführungen gehen wir auf gesellschaftspolitische, ökonomische und rechtliche Aspekte der kubanischen Wirklichkeit ein. Anschließend wird die Alphabetisierungskampagne als Katalysator des neu entstehenden Bildungssektors erläutert. Den größten Teil der Arbeit nimmt die detaillierte und kritische Auseinandersetzung mit den Subsystemen des revolutionierten Bildungswesens ein. Diese Darstellungen sind größtenteils chronologisch angelegt, wobei der Schwerpunkt stets auf der Entwicklung der letzten Jahre und den aktuellen Problemen liegt. Besondere Aufmerksamkeit schenkten wir den Interrelationen zwischen Bildungssystem und Wirtschaft, da dieser Zusammenhang und die Effizienz des Bildungssektors auch in Kuba mehr und mehr Beachtung findet. Ergänzend dazu sind bestimmte, für das Verständnis der Situation auf Kuba unerlässliche Fragestellungen in Form von Exkursen in die Arbeit eingeflossen.

Um die Arbeit möglichst wirklichkeitsnah zu gestalten, nutzten wir verschiedene Quellen für unsere Recherchen. Neben Analysen von Literaturressourcen und Dokumenten führten wir Interviews mit Verantwortlichen des kubanischen Bildungswesens. Außerdem brachten wir, wo immer es möglich und notwendig erschien, unsere eigenen Erfahrungen auf Kuba allgemein und im Bildungssystem mit ein.

Im internationalen Kontext erfährt Kuba sehr kontroverse Bewertungen. Aus unserer westlichen Sicht können viele Kritikpunkte hinsichtlich des kubanischen Gesellschafts- und Bildungssystems angeführt werden. Das Land setzt jedoch bezüglich seiner sozialen und bildungspolitischen Erfolge noch immer ein Beispiel für die meisten Länder der Dritten Welt. Wir haben daher versucht, sowohl die positiven Errungenschaften der kubanischen Regierung im Bildungswesen darzustellen als auch die nötige Kritik einfließen zu lassen.

Inhaltsverzeichnis:

0 Einleitung 10
0.1 Allgemeine organisatorische Aspekte 10
0.2 Methodisches Vorgehen und Informationsbeschaffung 11
0.3 Anmerkungen zu den besonderen Arbeits- und Forschungsbedingungen auf Kuba 14
0.4 Besonderheiten hinsichtlich des Alltags für ausländische Studierende in Kuba 15
I. Politik, Ökonomie und Gesellschaft in Kuba 17
I.1 Geografische Einordnung und demografische Angaben 17
I.2 Die sozioökonomische Situation vor der Revolution 18
I.3 Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung nach der Revolution 19
I.4 Die Entwicklung des politischen Systems nach der kubanischen Revolution 30
Exkurs: Der aktuelle Lebensstandard 34
II. Fundamentale Prinzipien und gesetzliche Rahmenbedingungen des kubanischen Bildungssystems 38
II.1 Fundamentale Prinzipien bedeutender Theoretiker 38
II.2 Die gesetzlichen Rahmenbedingungen anhand ausgewählter Artikel der kubanischen Verfassung 46
II.3 Historischer Abriss über wichtige Gesetze seit 1959 51
III. Die Alphabetisierung 55
III.1 Begriffsbestimmung und Ursachen 55
III.2 Die Bildungslage in Kuba 1959 56
III.3 Die Vorbereitung der Alphabetisierungskampagne 59
III.4 Struktur der kubanischen Alphabetisierungskampagne 59
IV. Das Schulsystem Kubas 68
IV.1 Historische Aspekte 68
IV.2 Die Gliederung des Vorschul- und Schulsystems 72
IV.3 Typen von Schulen 75
IV.4 Die Lehrpläne an kubanischen Schulen 77
IV.5 Das Schuljahr 81
IV.6 Aktuelle Tendenzen im kubanischen Schulsystem 81
Exkurs: Sonderpädagogik in Kuba 84
V. Lehrerbildung und Lehrersein in Kuba 87
V.1 Historische Aspekte 87
V.2 Lehreraus- und weiterbildung im heutigen Kuba 88
V.3 Der Lehrer als Erzieher 91
V.4 Der Lehrermangel in der heutigen Zeit 92
VI. Die Berufsausbildung in Kuba 96
VI.1 Die historischen Entwicklungen seit 1959 96
VI.2 Der Perfektionierungsplan und weitere wichtige Aspekte in den 70er und 80er Jahren 104
VI.3 Das Lehrpersonal ab den 60er Jahren 110
VI.4 Die Berufsschulen 112
VI.41 Ausbildung von „obreros“ in Berufsschulen 114
VI.5 Die Evaluation 115
VI.6 Struktur und Organisation 115
VI.7 Schulkalender und Stundenpläne 116
VI.8 Die 90er Jahre und aktuellen Tendenzen in der Berufsausbildung Kubas 116
VII. Das Hochschulsystem Kubas 131
VII.1 Historischer Überblick zu den wichtigsten Entwicklungen des kubanischen Hochschulsystems 131
VII.2 Ausgewählte Aspekte des kubanischen Hochschulwesens unter besonderer Berücksichtigung der Verbindung zwischen Hochschulsystem und Wirtschaft 144
VII.3 Einführung von Aufbaustudiengängen und universitärer Forschung 157
VII.4 Leitung und Administration der Hochschulen 161
VII.5 Evaluierung und Qualitätskontrolle im Hochschulsystem 175
VII.6 Methoden und Studienpläne im kubanischen Hochschulsystem 179
VIII. Die Erwachsenenbildung in Kuba 193
VIII.1 Die Entwicklung des Subsystems in den 60er Jahren 193
VIII.2 Das massive Engagement zum Erreichen des Abschlusses der sechsten und neunten Klasse 198
VIII.3 Die Abteilung für Erwachsenenbildung im MINED 202
VIII.4 Das System der Erwachsenenbildung im Perfektionierungsplan 203
VIII.5 Die Ausbildungsvarianten 210
VIII.6 Die Hochschulbildungszentren „Centros de Educación Superior“ (CES) 211
VIII.7 Das Bewertungssystem in der Erwachsenenbildung 213
VIII.8 Die Lehrerausbildung in der Erwachsenenbildung von 1960 bis heute 216
VIII.9 Die Erwachsenenbildung in den 90er Jahren 219
IX. Die Sprachausbildung für Erwachsene in Kuba unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Sprache 237
Exkurs: Historische Aspekte zur Verbreitung der deutschen Sprache in Kuba 237
IX.1 Die Etablierung der Sprachschulen für Arbeiter 240
IX.2 Der Deutschunterricht 241
IX.3 Die Ausbildung von Deutschlehrern, Germanisten und Dolmetschern 241
IX.4 Die aktuelle Sprachlehrerausbildung 243
IX.5 Die aktuellen Tendenzen in der Sprachausbildung seit den 90er Jahren 244
IX.6 Die aktuellen Tendenzen in Bezug auf die deutsche Sprache in Kuba 254
X. Nachwort 261
Anhang 263
Die Struktur des nationalen Bildungssystems 263
Abkürzungen 264
Bibliografie zur Magisterarbeit 267
Materialien aus dem Internet 276
Redigierte Fassungen der geführten Interviews 277
Interview mit Prof. Dr. Jesus García del Portal am 11/03/2002 277
Interview mit Dra. Herminia Hernández Fernández am 18/03/2002 289
Gesprächsaufzeichnung Dra. Elvira Martin Sabina und Msc. Jorge González Corona am 02/05/2002 296
Interview mit Ing. Benigno Menendez Fernandez am 28/03/2002 303
Interview mit Dr. Jaime Canfux Gutierrez und Lic. America Quesada Hernandez am 17/04/2002 315
Gedächtnisprotokoll vom Gespräch mit Modesto Ruiz am 18/12/2001 323
Interview mit Dr. Ivan Muñoz Duthil am 18/04/2002 325

Automatisiert erstellter Textauszug:

Am Beispiel eines 5-Personen-Haushaltes soll an dieser Stelle exemplarisch die typische Einkommens- und Ausgabenstruktur einer kubanischen Familie deutlich gemacht werden. Die befragte Familie bezieht reguläre Einkommen aus zwei Quellen: Zum einen erhält ein Familienmitglied als Angestellter in der Gastronomie (ausländisches Restaurant) einen Lohn von 200 Peso Cubano und darüber hinaus einen Devisenanreiz von etwa 10 Dollar.60 Die zweite Quelle ist die Invalidenrente eines älteren weiblichen Familienmitglieds von 101 Peso Cubano.61 Wie etwa 80 Prozent der Kubaner ist auch diese Familie Eigentümer des bewohnten Hauses und zahlt daher keine Miete. Die festgestellten Kosten für Gas, Elektrizität, Wasser und Telefon sind monatliche Durchschnittskosten: [...]

Aufgrund des aktuellen Wechselkurses entspricht ein Lohn von 250 Peso einem Gegenwert von 10 Dollar. Für die Entwicklung eines korrekten Bildes der ökonomischen Situation der Kubaner ist diese Zahl jedoch wenig aussagekräftig, da viele Besonderheiten beachtet werden müssen. Zum einen erhalten die Menschen die Grundnahrungsmittel kontrolliert durch die Verwendung von Lebensmittelkarten. Diese Nahrungsmittel sind rationiert und subventioniert, so dass der Preis für sämtliche Produkte der Lebensmittelkarte einen Dollar pro Monat nicht übersteigt. So ist dafür gesorgt, dass niemand Hunger leidet, das Angebot ist aber weiterhin sehr beschränkt. Insbesondere Fleisch- und Milchprodukte, Fette und kosmetische Artikel sind sehr streng rationiert und reichen nicht zur Deckung des Bedarfs aus.57 1998 konnten mit diesen Gütern nur ca. 50 Prozent des Kalorienbedarfs gedeckt werden. Bestimmte notwendige Güter werden auf diesem Wege gar nicht geliefert, so dass eine Reihe von Produkten in den teils staatlichen [...]

Die in den Neunzigern durchgeführten Anpassungsmaßnahmen führten nach und nach zu einer Stabilisierung der kubanischen Wirtschaft und zu einer Verbesserung der Lage der Einheimischen. Dies hatte seine Ursachen in dem steigenden Angebot an Gütern, der Konsolidierung des Wertes des Peso und des höheren Anteils an Devisen in den Händen der Bevölkerung. Die kubanische Währung, welche in der Zeit vor 1989 ein relativ stabiles Verhältnis zum Dollar (etwa 1:1) aufwies, fiel Anfang der 90er auf 120:1 und stabilisierte sich im Jahre 2000 auf den Kurs von 20:1. Nach den Ereignissen des 11. September und im Zuge der globalen Wirtschaftslage beträgt der Kurs im Jahre 2002 etwa 25:1. Nach einem kurzzeitigen Absinken der Durchschnittslöhne Mitte der 90er Jahre kam es ab 1995 zu einem stetigen Anstieg, wie das folgende Diagramm zeigt: [...]

Arbeit zitieren:
Nadine Dietrich, Berit Jurke Januar 2003: Das kubanische Bildungssystem, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Alphabetisierung, Sprachausbildung, Kuba, Berufsausbildung, Erwachsenenbildung

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