Die konstitutionelle Ökonomik des Cyberspace
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Christine Wenzel
- Abgabedatum: August 2002
- Umfang: 107 Seiten
- Dateigröße: 1,0 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Bauhaus-Universität Weimar Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6651-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6651-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6651-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Wenzel, Christine August 2002: Die konstitutionelle Ökonomik des Cyberspace, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Internet, Verfassung, Medienregulierung, Zensur, Anarchie
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Diplomarbeit von Christine Wenzel
Zusammenfassung:
Die vorliegende Diplomarbeit über die konstitutionelle Ökonomik des Cyberspace setzt sich vor allem mit Rechts- und Regulierungsstrukturen im neuen Medium auseinander. Mit zunehmender Verbreitung und steigendem Einfluss des Internets stellt sich unweigerlich die Frage, wer über diese Machtressource verfügt. Während der Recherche entdeckte ich zwei Protagonisten in dem Spiel um Macht und Einfluss im virtuellen Raum. Beide stehen sich gegenüber und versuchen gleichermaßen ihre Ideologien zu verwirklichen – leider jeweils auf Kosten des anderen. Intention dieser Arbeit ist es deshalb, das Konfliktpotential zwischen den Kontrahenten zu reduzieren und einen Problemlösungsvorschlag zu unterbreiten.
Im ersten Kapitel wird zunächst das Themengebiet genauer definiert und die Problemstellung geschildert. Außerdem werden die der Arbeit zugrunde liegenden theoretischen Grundlagen ausführlich erläutert. In Kapitel zwei und drei werden dem Leser die Ideologien der sich gegenüberstehenden Parteien, der Cyberanarchisten und der Cyberkraten, vorgestellt. Während Erstere dem Namen nach bereits erkennbar freiheitsliebend, unkonventionell und vor allem frei von jeder Zwangsinstanz leben möchten, drängen Zweitere um so mehr auf eine ausführliche Regulierung des Cyberspace. Die Hintergründe der Ideologie und die Regeln (denn auch Anarchisten haben Regelsysteme, wenn auch keine repressiven) der konträren Interessengruppen werden erläutert. Zu den Kapiteln gehört jedoch auch jeweils eine Untersuchung der Grenzen, das heißt der Einschränkung durch Andere, und eine kritische Betrachtung der jeweiligen Ideologie.
Im vierten Kapitel werden die vorherigen Erkenntnisse zusammengefasst, ausgewertet und ein Lösungsmodell auf Basis der theoretischen Grundlagen erstellt. Außerdem werden existente Institutionen im Sinne einer Verfassung für den Cyberspace vorgestellt, beurteilt und gegebenenfalls in den Entwurf integriert. Die Arbeit schließt mit einem Schlusswort und Zukunftsaussichten für die Regulierung des Cyberspace ab.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| Glossar | VI | |
| 1. | Einleitung | 7 |
| 1.1 | Ein globales Medium? | 8 |
| 1.2 | Historische Grundlagen und Problemstellung | 10 |
| 1.3 | Theoretische Grundlagen | 14 |
| 1.3.1 | Der institutionelle Kontext von Medien | 14 |
| 1.3.2 | Geschichte und Theorie der Neuen Institutionenökonomik | 17 |
| 1.3.3 | Die Verfassungsökonomik von James M Buchanan | 20 |
| 2. | Ideologie der Cyberanarchisten | 25 |
| 2.1 | Regeln der Cyberanarchisten | 27 |
| 2.1.1 | Werte und Prinzipien | 27 |
| 2.1.2 | Die Netikette | 29 |
| 2.2 | Grenzen der ideologischen Freiheit | 32 |
| 2.2.1 | Der unmoralische Markt | 33 |
| 2.2.2 | Der virtuelle Leviathan | 36 |
| 2.2.2.1 | Direkte Einschränkung der Freiheit durch Zensur | 37 |
| 2.2.2.2 | Indirekte Einschränkung der Freiheit durch Überwachung | 39 |
| 2.3 | Kritik am Netzliberalismus | 41 |
| 3. | Ideologie der Cyberkraten | 45 |
| 3.1 | Hierarchische Verhältnisse und Motivation der Cyberkraten | 46 |
| 3.1.1 | Regulierungsinteresse der Nationalstaaten | 46 |
| 3.1.2 | Besonderheit des E-Commerce und Regulierungsbedarf | 47 |
| 3.1.3 | Hierarchische Verhältnisse auf der technischen Ebene | 51 |
| 3.2 | Die Cyberkratie | 54 |
| 3.2.1 | Regulierungsinhalte | 54 |
| 3.2.2 | Regulierungsmöglichkeiten | 56 |
| 3.2.3 | Maßnahmen des Nationalstaates | 58 |
| 3.2.3.1 | Europäische Richtlinien | 59 |
| 3.2.3.2 | Deutsche Gesetzgebung | 60 |
| 3.2.3.3 | Amerikanisch-europäischer Vergleich | 63 |
| 3.2.4 | Maßnahmen der Wirtschaft | 65 |
| 3.3 | Grenzen der Cyberkraten | 67 |
| 3.3.1 | Die Hilflosigkeit der Nationalstaaten | 68 |
| 3.3.2 | Die Anfälligkeit des Elektronischen Marktes | 70 |
| 3.3 | Vom Ende der Goldgräberstimmung | 73 |
| 4. | Zusammenfassung und Modellbildung | 76 |
| 4.1 | Beispiele bestehender Institutionen und internationaler Abkommen | 76 |
| 4.1.1 | The Internet Corporate for Assigned Names and Numbers | 76 |
| 4.1.2 | The Cybercrime-Convention | 79 |
| 4.2 | Welche konstitutionellen Elemente sind im Cyberspace vorhanden? | 81 |
| 4.3 | Ein Verfassungsmodell für den Cyberspace | 84 |
| 4.4 | Kritik und Fragen zum offenen Modell | 89 |
| 5. | Schlußbemerkung und Aussichten | 91 |
| Anhang | VII | |
| Quellenverzeichnis | XVI | |
| Ehrenwörtliche Erklärung | XXII |
Ideologie der Cyberkraten anderen Firmen - Business Webs entstehen. Diese besondere Konkurrenzsituation verursacht neue Wettbewerbsstrategien. Das Gesamtrisiko der einzelnen Unternehmen minimiert sich zwar durch die Spezialisierung, aber die Abhängigkeit untereinander erhöht sich. Der Nutzen von Systemgütern wie den neuen Medien liegt nämlich in der Interaktion vieler Systemkomponenten. Der Wettbewerb findet nicht mehr unter den einzelnen Unternehmen sondern zwischen den Business Webs statt. Kunden erwarten Komplettangebote, mit denen sie das gesamte Wertschöpfungsnetz nutzen können. Ein Business Web könnte beispielsweise die Leistungen E-Mail, Internet-Zugang, Nachrichten- und Informationsdienste und Einkaufsmöglichkeiten kombiniert anbieten. Die Teilhaber eines Business Webs erhalten einen Vorteil durch Netzeffekte und positive Feedbacks.27 Die hohe Arbeitsteilung führt außerdem langfristig zu einer gesteigerten Produktqualität und hoher Flexibilität. Die neuen Preisstrategien müssen an die Charakteristika der Systemgüter angepasst werden. Bei der Penetrationsstrategie wird zunächst mit niedrigen Preisen eine Marktdiffusion erzielt, um kostensenkende Skalen-Effekte zu realisieren.28 ‚Follow the free’ ist Extrembeispiel für diese Preisstrategie: Der Hersteller verschenkt sein Systemprodukt und kann später durch den Verkauf von Komplementär-Produkten Erlöse erzielen.29 Dem gegenüber steht die Abschöpfungsstrategie: Solange das angebotene Produkt Besonderheiten für Kaufinteressierte aufweist, verlangt der Anbieter hohe Preise, später verbilligt er sein Angebot.30 Bei der Preisstrategie im Internet muss berücksichtigt werden, dass die Grenzkosten der Informationsgüter gegen Null tendieren, d.h. dass die Digitalisierung eine nahezu kostenlose Reproduktion erlaubt. Dafür sind die First-Copy-Costs (Fixkosten) der Medienprodukte wiederum sehr hoch. Eine der wichtigsten neuen Produktstrategien auf dem OnlineMarkt ist das ‚Versioning’. Kommunikations- und Informationsgüter, die überwiegend im Cyberspace gehandelt werden, können leicht digital variiert werden. Die Produktdifferenzierung suggeriert eine Angebotsvielfalt.31 Der Cyberspace eröffnet den Das Marktakteuren Medium macht außergewöhnliche erstmals neue [...]
Ideologie der Cyberkraten ergibt sich ein Vorteil aus dem großen Rationalisierungspotential.13 Ein weiterer Zusatznutzen ist die erwartete Senkung der Transaktionskosten, denn da im ECommerce der Austausch von Daten und Informationen im Mittelpunkt steht, können Zeit- und Wegkosten gespart werden. Alle nicht-physischen Güter können sogar digital produziert und online vertrieben werden.14 Die Einsparungen können in neue Transaktionen investiert werden. Kosten werden jedoch auch dadurch gesenkt, dass mit Hilfe des Internets die Organisation eines Unternehmens prozessorientierter und effektiver gestaltet werden kann als bislang. Prägend für den elektronischen Markt ist die Bedeutung von Information und Wissen. „Wissen wird zur Grundlage von Umsätzen und Erträgen.“15 Beispielsweise können Entscheidungsunsicherheiten des Kunden durch Wissen minimiert werden und ein Informationsvorsprung wird zum Wettbewerbsvorteil, denn der Markt ist selbst nur „eine Abfolge von Wissensveränderungen.“16 Ein großer Teil des Volkseinkommens wird für Information und Kommunikation ausgegeben. Sie erlangen einen zentralen Stellenwert im Zeitalter des Cyberspace.17 Wie für alle Systemgüter18 spielt auch im Internet die Erwartung der Kunden eine zentrale Rolle. Je größer der erwartete Nutzen ist, desto größer ist die Zahlungsbereitschaft. Das Management von Erwartungen – beispielsweise durch rechtzeitige Vorankündigungen – ist eine essenzielle Aufgabe aller E-CommerceFirmen.19 Vertrauensbildende Maßnahmen sind auf dem Online-Markt elementar20, denn im Cyberspace verhalten sich die Vertragspartner nicht so relational, wie in der Face-to-Face-Kommunikation. Entwicklung ihrer Produkte Anbieter und müssen Optimismus über zukünftige damit die Dienstleistungen verbreiten, [...]
„Derjenige, der den Staat erfunden hat, war der größte Wohltäter; denn ohne Gesetz ist der Mensch das schlimmste Tier“6, wusste schon Aristoteles. Einige Jahrhunderte später rätselte schließlich James M. Buchanan, welche konkrete Aufgabe der Staat in einer freien Gesellschaft wahrnehmen sollte und wo seine Grenzen zu ziehen seien.7 Der Staat als Agent für nationale Interessen versucht selbstverständlich seinen Pflichten in jedem Raum – real oder virtuell – nachzukommen. Zu den zentralen Aufgaben des dualen Staates gehört es, seine Prinzipale zu schützen und Marktversagen zu verhindern. Die öffentlichen Behörden müssen einen preiswerten und flächendeckenden Zugang zum Internet fördern, Meinungs- und Angebotsvielfalt, Unabhängigkeit, Unparteilichkeit und Qualität sichern, die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, die Investitionstätigkeit auf dem elektronischen Markt unterstützen und darüber hinaus für Geschmack und Anstand auf der öffentlichen Plattform Sorge tragen.8 Wirtschaftliche Chancen können sich nur in einem geeigneten Rahmen entfalten. Jede cyberkratische Maßnahme – ob Anreiz oder Limitierung – beeinflusst die Marktentwicklung: Welche Rahmen werden mit welchem Ziel gesetzt und von welchen Institutionen ausgeführt? Ein maßgebliches Ziel staatlicher Cyberkratie ist die Stärkung von Markt und Wettbewerb. Vertrauensschaffende Maßnahmen, eine konsequente Deregulierung monopolistischer Sektoren und eine möglichst einfache Rechtsanwendung sollen den elektronischen Markt fördern. Das Netz kann an die Erfordernisse angepasst werden, indem Architekturen eingeführt werden, die eine sichere [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832466510
Arbeit zitieren:
Wenzel, Christine August 2002: Die konstitutionelle Ökonomik des Cyberspace, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Internet, Verfassung, Medienregulierung, Zensur, Anarchie



