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Der konfuzianische Grundbegriff li im Lunyu und seine Beziehung zum Konzept ren

Der konfuzianische Grundbegriff li im Lunyu und seine Beziehung zum Konzept ren
Über dieses Buch
  • Art: Studienarbeit
  • Autor: Janina Sieslack
  • Abgabedatum: September 2009
  • Umfang: 50 Seiten
  • Dateigröße: 464,0 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 18
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0654-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Sieslack, Janina September 2009: Der konfuzianische Grundbegriff li im Lunyu und seine Beziehung zum Konzept ren, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Konfuzius, chinesische Philosophie, Riten, Humanismus, Konfuzianismus

Studienarbeit von Janina Sieslack

Einleitung:

Einleitung – li: Ein konfuzianischer Grundbegriff:

Der Wirtschaftsboom in einigen ostasiatischen Staaten, der in den achtziger Jahren begann, hat viele Beobachter überrascht. Um ihn zu erklären, wurde eine chinesische Kulturform herangezogen: Der Konfuzianismus. Vor 2500 Jahren begründete Konfuzius (latinisiert aus Kong Fuzi, ‘Lehrmeister Kong’, chinesischer Philosoph geboren vermutlich 551 v. Chr. Gestorben 479 v. Chr.) diese Lehre, die die Kultur, das Staatswesen und die Gesellschaft Chinas tief prägen sollte. Im Mittelpunkt seiner Lehre steht die Notwendigkeit der moralischen Vervollkommnung des Einzelnen. Dieser Reifungsprozess soll letztlich zu einem harmonischen, friedlichen, und geordneten Gemeinschaftsleben führen, welches sich im Einklang mit dem Himmel tian befindet. An der Spitze des Staates soll ein edler Herrscher junzi stehen, der dem ganzen Volk Beispiel ist und es mittels seiner Tugenden regiert.

Der in dieser Arbeit im Fokus stehende konfuzianische Grundbegriff ist li, einer der konfuzianischen Grundtugenden. Was genau mit li gemeint ist, geht aus den entsprechenden Textstellen im Lunyu nicht hervor. Vieles deutet darauf hin, dass das Zeichen ursprünglich den rituell korrekten Umgang mit den Opfern für die Ahnen bezeichnete und für die entsprechenden Zeremonien stand. Im Lunyu taucht der Begriff li 72 Mal in 499 Abschnitten auf, dies vor allem im Zusammenhang mit Regierungsangelegenheiten.

Laut David Jones kann die ‘Wichtigkeit von li nie unterschätzt werden. Denn li spielte eine zentrale Rolle in der vormodernen chinesischen Kultur, in der Philosophie und in der Geschichte. Laut George Durand Wilder bezieht sich selbst heute das chinesische Volk auf China als das ‘Land des Anstands und der Redlichkeit’.

In dieser Arbeit wird li als ein zentraler Begriff im Lunyu untersucht, einem der dreizehn Klassiker der kanonischen konfuzianischen chinesischen Literatur. Laut Fingarette ist das Lunyu ‘historisch der klassische Ur-Text der sich formenden chinesischen Kultur’. John Makeham nennt es eines der einflussreichsten Texte in der Geschichte der Menschheit, indem es bis heute die Weltanschauung in China – und in ganz Ostasien (vor allem Japan, Korea, Vietnam, Singapur) formt.

Das Lunyu wurde erst lange nach dem Tod von Konfuzius von seinen Schülern kompiliert. Anhand des uns heute vorliegenden Bearbeitungsstandes des Lunyu ist es nicht immer möglich, sichere Aussagen darüber zu machen, welche Gedanken vom Meister selbst stammen und welche Aussprüche erst auf spätere Zeiten zu datieren sind. Das Lunyu wird auch ‘Die Lehrgespräche des Konfuzius’ oder auch die ‘Analekten des Konfuzius’ genannt. In dieser Arbeit wird der Name Lunyu verwendet.

Der erste Teil dieser Arbeit untersucht den Begriff li. Zunächst wird auf die Etymologie des entsprechenden Zeichens eingegangen. Nach einer kurzen Vorstellung der geistigen Situation in der Zhou-Zeit wird Konfuzius‘ Philosophie von li unter verschiedenen Aspekten (u.a. als Regierungsinstrument, in Beziehung zur Musik, etc.) betrachtet. Dies erfolgt basierend auf Passagen aus dem Lunyu. Folgend wird die Möglichkeit untersucht, ob und inwiefern man von li abweichen kann. Anschließend wird das im Lunyu zentrale Konzept des Edelmanns junzi und seine Beziehung zu li untersucht.

Auf der Basis des ersten Teils der Arbeit werden im zweiten Teil - nach einer Erklärung des Begriffs ren - einige Interpretationsversuche der Beziehung zwischen li und ren vorgestellt. Ren ist ein weiteres zentrales Konzept im Lunyu, welches sich auf ein ethisches Ideal bezieht. Man stimmt im Allgemeinen darüber überein, dass Konfuzius die Befolgung von li eng verbunden zum Ideal von ren betrachtet. Jedoch hat es bisher radikale Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich des Wesens dieser Beziehung gegeben. Abschließend werden einige Interpretationen des Begriffs li vorgestellt, in denen die jeweiligen Autoren li in einen breiteren Kontext setzen.

In dieser Arbeit wird versucht, die Frage zu beantworten, was der Begriff li im Zusammenhang des Lunyu bedeutet, welche Funktionen li hat, welchen Stellenwert der Begriff im Werk einnimmt, und wie er mit anderen wichtigen konfuzianischen Konzepten (yue, yi, junzi,ren) zusammenhängt. Insbesondere soll eine Interpretation der Beziehung zwischen li und ren gefunden werden, welche diese möglicherweise am besten erklären könnte. Für diese Deutung sollen die Überlegungen aller zitierten Autoren berücksichtigt werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung – Li: Ein konfuzianischer Grundbegriff 3
2. Forschungsstand 5
3. Etymologie des Zeichens li 6
4. Li – Bedeutungswandel in der Zhou-Zeit 7
5. Li in der Philosophie des Konfuzius 9
5.1 Li als Verhaltenskodex 9
5.2 Li in den Opfer – und Trauerriten 11
5.3 Li als Grundlage der Regierung 12
5.4 Li als Instrument zur Regulierung von Emotionen 14
5.5 Die Beziehung von li zur ‘Musik’ yue 15
5.6 Li des Herrschers und des ‘Edelmanns’ junzi 16
5.7 Li als veränderliches Konzept 19
6. Die Beziehung zwischen ren und li – ‘Mitmenschlichkeit’ und ‘Pflichterfüllung’ 21
6.1 Der Begriff ren 22
6.2 Interpretationen der Beziehung von li und ren 25
6.2.1 Deutung der ‘Instrumentalisten’ 26
6.2.2 Deutung der ‘Definitionalisten’ 27
6.2.3 Interpretation von Shun Kwongloi 30
6.2.4 Interpretation von Pertti Nikkilä 31
6.2.5 Du Weiming – ‘Die kreative Spannung zwischen ren und li’ 31
6.2.6 Li Chenyang: Li als ‘kulturelle Grammatik’ 34
7. Beurteilungen von li 40
8. Zusammenfassung - li heute 43
9. Literaturverzeichnis 47

Textprobe:

Kapitel 5, Li in der Philosophie des Konfuzius:

Es ist nicht völlig sicher, welche Dinge li im Lunyu umfasst. Viele Kommentatoren des Lunyu sind der Auffassung, dass li alle Richtlinien einzuschließt, welche korrektes Verhalten in den verschiedenen sozialen und politischen Zusammenhängen regeln, während einige li als etwas betrachten, welches sich nur auf zeremonielles Verhalten beschränkt. So haben viele Beispiele von li im Lunyu mit zeremoniellem Verhalten zu tun. Allerdings macht der Text auch allgemeine Beobachtungen, z.B. dass man li lernen muss um seinen Platz (in der Gesellschaft) einzunehmen oder dass li die ideale Basis für Regierung wäre. Sicher ist, dass Konfuzius viele Riten als heilig galten und er war der Ansicht, sie seien den Menschen vom Himmel gesandt.

5.1, Li als Verhaltenskodex:

Sicher scheint zu sein, dass Konfuzius den li-Regeln von Zhou verpflichtet war und ihre politische Autorität anerkannte. Er wollte die traditionellen Riten und Sitten, die in seiner Zeit im Verfall begriffen waren, wieder fest begründen. Die Sitten li sollten die gesellschaftliche Hierarchie stützen, die auf den folgenden ‘fünf Beziehungen’ basierte: Herrscher-Untertan, Vater-Sohn, älterer Bruder-jüngerer Bruder, Mann-Frau und Freund-Freund. Konfuzius war der Ansicht, dass nur ein hierarchisch wohl geordneter Staat gut funktionieren könne.

Der Sittenkodex war für die einzelnen sozialen Gruppen unterschiedlich, und ein jeder hatte sich nach Konfuzius‘ Philosophie seinem Rang gemäß zu verhalten. Der Mensch sollte sich dabei in die Regeln der jeweiligen Stellung einfügen, in der man sich vorfindet: ‘Der Fürst sei Fürst, der Untertan sei Untertan, der Vater sei Vater, der Sohn sei Sohn.’ Dies setzte voraus, dass die Pflichten der Menschen ideal zwischen verschiedenen Organen in der Regierung und in der Familie verteilt werden sollten.

So hat li unter anderem die Funktion, die Rollen der Menschen voneinander in der Gesellschaft abgrenzen. Es sollen keine Zweifel hinsichtlich des gegenseitigen Status bestehen. Daher muss das Individuum definitiv wissen, welches sein eigener Status und seine Beziehung in der Gesellschaft ist und welche seine Rechte und Aufgaben sind.

Li als Verhaltenscode soll den Standard des Benehmens etablieren und als ein sozialisierender Faktor in der moralischen Disziplin fungieren. Konfuzius sagte zu seinem Schüler Yen Yuan:

'(…) Do not look when your action would be contrary to li; do not listen when your action would be contrary to li do not speak when your action would be contrary to li; do not touch when your action would be contrary to li.’ In dem Zitat hält Konfuzius seinen Schüler an, sich ausschließlich an li, also an die Benimmregeln zu halten. Konfuzius empfand, dass der Mensch sich in li einleben und durch Erziehung in alle Einzelheiten mit ihm vertraut gemacht werden sollte. Das Lunyu zitiert: ‘Kennt man die Riten li nicht, so ist man ohne festen Stand.’ ‘Without learning li, one's character cannot be established’. Lunyu 20.2 und 16.13 erklären, dass jemand, der die Riten nicht kennt, kaum als Mitglied der Gesellschaft überleben kann - weil Riten alles Sozialverhalten regeln – jedenfalls dem konfuzianischen Ideal nach.

Generell verstand Konfuzius die Sitten als ein Element, das wesentlich zum Frieden und zur Harmonie eines Staates beiträgt. Denn da sittliches Verhalten im engen Zusammenhang mit einer guten moralischen Haltung steht, schließt es unmoralisches Verhalten aus.

Das in Lunyu 12.11 ausgedrückte Ideal entsprach zu Konfuzius Zeit, wie bereits erwähnt, nicht der Realität: Fürsten benahmen sich nicht länger wie Fürsten und Untertanen nicht länger wie Untertanen. Die auf die jeweilige soziale Stellung abgestimmten Maßstäbe der Verhaltenskonvention hatten sich als brüchig erwiesen, und dies ist laut Roetz überhaupt der Entstehungsgrund der chinesischen Moralphilosophie.

Arbeit zitieren:
Sieslack, Janina September 2009: Der konfuzianische Grundbegriff li im Lunyu und seine Beziehung zum Konzept ren, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Konfuzius, chinesische Philosophie, Riten, Humanismus, Konfuzianismus

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