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Die klientelorientierte Wirtschaftspolitik Japans am Beispiel des ländlichen Raums

Die klientelorientierte Wirtschaftspolitik Japans am Beispiel des ländlichen Raums
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Daniel Henzgen
  • Abgabedatum: Mai 2002
  • Umfang: 110 Seiten
  • Dateigröße: 2,8 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7024-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7024-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7024-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Henzgen, Daniel Mai 2002: Die klientelorientierte Wirtschaftspolitik Japans am Beispiel des ländlichen Raums, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Wahlsystem, Parteiensystem, Protektionismus, Landwirtschaft, Neue Politische Ökonomie

Diplomarbeit von Daniel Henzgen

Zusammenfassung:

Der wirtschaftliche Aufstieg Japans seit dem zweiten Weltkrieg galt lange Zeit als Musterbeispiel für aufstrebende Volkswirtschaften in Asien. Er führte von der uneingeschränkten Kapitulation 1945 und der Besatzung durch die USA, der Reorganisation aller gesellschaftlichen Systeme, insbesondere der Wirtschaft, über außerordentlich lange und starke Wachstumsphasen zum Status der zweitstärksten Volkswirtschaft in der Welt.

Am Ende der 80er Jahre war Japan auf dem Höhepunkt seiner wirtschaftlichen Kraft, die zum Teil als Bedrohung für die Industrieländer Europas und der USA angesehen wurde. Die Dominanz der USA in der Weltwirtschaft war nicht mehr unangreifbar und Japan schickte sich an, die 90er des letzten Jahrhunderts zum `japanischen Jahrzehnt` zu machen.

Die 90er Jahre markierten jedoch das Ende des japanischen Aufschwungs. Das Jahrzehnt war gekennzeichnet durch sinkende Wachstumsraten, durch steigende Arbeitslosigkeit und durch einen Bedeutungsverlust Japans in der Weltwirtschaft insgesamt.

In der vorliegenden Arbeit wird versucht, die über zehn Jahre dauernde, noch immer existente wirtschaftliche Krise mit dem politischen System Japans in Verbindung zu bringen. Hierbei spielt der ländliche Raum als Kern der japanischen Gesellschaft eine bedeutende Rolle. Sein wirtschaftspolitischer Einfluß wird exemplarisch am Agrarsektor und an der Infrastrukturpolitik dargestellt.

Im 2. Kapitel wird eine Darstellung der wirtschaftlichen Entwicklung Japans seit dem zweiten Weltkrieg gegeben. Hierbei werden die Phasen der Besatzungszeit, des wirtschaftlichen Aufholprozesses, der `bubble economy` 1986 – 1990, und der immer noch andauernden wirtschaftlichen Krisenzeit seit Anfang der 90er Jahre unterschieden.

Anschließend wird im 3. Kapitel das politische System Japans beschrieben. Der Fokus dieses Abschnitts liegt auf dem Wahlsystem, der Entwicklung der Parteien, ihrer Struktur und Finanzierung. Darauf folgt im 4. Kapitel eine Darstellung des ländlichen Raumes. Es werden dabei speziell die Bevölkerungsstruktur und der politische Einfluß untersucht.

Als Beispiele für die wirtschaftspolitischen Aktivitäten der japanischen Regierung werden im folgenden der Agrarsektor, insbesondere die Reiswirtschaft, und die Infrastrukturpolitik angeführt. Es wird versucht, die Abhängigkeiten der beteiligten Gruppen offenzulegen und als ein maßgebliches Problem bei den nötigen Reformen zu kennzeichnen.

Die Neue Politische Ökonomie stellt einen theoretischen Erklärungsansatz für das Verhalten politischer Akteure dar. Mit ihrer Hilfe wird im 6. Kapitel versucht, das Verhalten der Mandatsträger und ihrer Wähler zu erklären. Nach einer Zusammenfassung der Ergebnisse und der Beantwortung der Fragestellung wird in Kapitel 7 ein Ausblick und eine Prognose der weiteren wirtschaftlichen wie politischen Entwicklung Japans abgegeben.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
Tabellen- und Abbildungsverzeichnis V
1. Inhalt und Aufbau der Arbeit 1
2. Der wirtschaftliche Entwicklungsprozeß Japans 3
2.1 Die Besatzungszeit 1945 – 1952 3
2.2 Die Hochwachstumsphase 1952 – 1985 7
2.3 Die „bubble economy“ 1986-1990/91 13
2.4 Die Krisenzeit seit 1991 16
3. Das politische System Japans 20
3.1 Das Regierungssystem 20
3.2 Das Wahlsystem bis 1994 22
3.3 Die Parteienstruktur bis 1993: Das „55er-System“ 23
3.4 Das Wahlsystem seit 1994 25
3.5 Das Parteiensystem seit 1993 26
4. Der ländliche Raum Japans 28
4.1 Die Bevölkerungs- und Einkommensstruktur des ländlichen Raums 28
4.2 Der politische Einfluß des ländlichen Raums 32
5. Wirtschaftspolitische Maßnahmen 35
5.1 Agrarprotektionismus am Beispiel des Reisanbaus 35
5.1.1 Bedeutung des Grundnahrungsmittels Reis in der japanischen Gesellschaft 35
5.1.2 Entwicklung und Ausmaß der Protektion und Subvention der Reiswirtschaft 40
5.1.3 Folgen der Subventionierung und Gegenmaßnahmen 48
5.1.4 Einordnung der japanischen Maßnahmen in einen internationalen Kontext 51
5.2 Fiskalpolitik 54
5.2.1 Das japanische Steuersystem 54
5.2.2 Das japanische Budgetsystem 60
6. Der theoretische Erklärungsansatz der „Neuen Politischen Ökonomie“ 75
6.1 Abgrenzung 75
6.2 Die „Neue Politische Ökonomie“ – Downs „Ökonomische Theorie der Demokratie“ 76
6.3 Übertragung der „Ökonomischen Theorie der Demokratie“ auf Japan 85
7. Fazit 91
7.1 Zusammenfassung 91
7.2 Ausblick 92
Anhang 95
Literaturverzeichnis 98

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Berechnung der Ankaufspreise durch den Staat und damit die Höhe der Subventionen wurde 1961 ein weiteres Mal korrigiert. Das „Landwirtschaftliche Grundgesetz“ war ein Regelwerk, daß umfassende Ziele und Strategien für die japanische Landwirtschaft festlegte. Strukturveränderungen sollten die bearbeitete Fläche pro landwirtschaftlichem Betrieb vergrößern, um einerseits die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der ländlichen Haushalte zu sichern und andererseits Produktivitätsfortschritte zu erreichen. Die Vergrößerung einzelner Betriebe sollte durch das Überlassen von Agrarflächen von Teilzeitlandwirten an Vollzeitlandwirte erreicht werden.206 Ein weiters Ziel war die infrastrukturelle und technologische Förderung der ländlichen Gebiete, die durch Flurbereinigungen, Be- und Entwässerungsanlagen sowie der finanziellen Unterstützung bei der Anschaffung moderner landwirtschaftlicher Geräte umgesetzt wurde.207 Durch das „Landwirtschaftliche Grundgesetz“ änderte sich auch die [...]

den Lebensstandard der ländlichen Bevölkerung anzuheben. Ab 1960 wurde der staatliche Ankaufspreis folglich aus den berechneten Produktionskosten und einem Einkommensausgleich zusammengesetzt.202 203 Bei einem Vergleich der Ankaufs- mit den Wiederverkaufspreisen von Reis stellt man fest, daß zwischen 1965 und 1987 immer ein Verlust seitens des Staates realisiert wurde. Im Jahre 1965 war das staatliche Defizit beim Reishandel 67 Mrd. Yen, auf dem Höhepunkt 1975 388,1 Mrd. Yen und 1987 85,3 Mrd. Yen. Errechnet man die Summe der staatlichen Defizite zwischen 1965 und 1987 so ergeben sich 3.492,2 Mrd. Yen. Ab 1980 verringert der Staat die Spanne zwischen Ankaufs- und Wiederverkaufspreis aufgrund der Defizite im hohen dreistelligen Milliardenbereich. Beim Vergleich des Wiederverkaufspreises des japanischen Reises mit dem Weltmarktpreis ist ein zunehmendes Auseinanderdriften erkennbar. Lag der Unterschied 1965 noch bei ca. 50.000 Yen pro Tonne Reis, so stieg er bis 1987 auf über 270.000 Yen pro Tonne Reis.204 „Dabei wird deutlich, daß eher die Verbraucher als die Steuerzahler die Last der hohen Preissubventionen tragen.“205 Tabelle 2a: Ankaufs- und Verkaufspreise des von der Regierung gehandelten Reises [...]

gefährden und den Industrialisierungsprozeß durch niedrige Löhne, die man nur durch niedrige Preise für Grundnahrungsmittel erreichen konnte, zu unterstützen.195 Man kann also die kontinuierliche Abkehr vom ´Markt´ als Ort der Ressourcenallokation hin zur staatlichen Organisation der Verteilung erkennen. Die Intensität staatlicher Kontrolle der Reiswirtschaft steigerte sich 1942 erneut. Das in diesem Jahr beschlossene Nahrungsmittelkontrollgesetz sah vor, daß der Staat ein Reishandelsmonopol errichtete, das heißt, daß alle Bauern ihre Ernte an den Staat verkaufen mußten.196 Da der japanische Staat zum einen einen niedrigen Reispreis realisieren und zum anderen die Existenz der Reisbauern sichern wollte, lag der Wiederverkaufspreis des Reises unter dem Ankaufspreis. In den Jahren 1943 und 1944 war der Wiederverkaufspreis um 35 % niedriger als der Ankaufspreis. Mit dem staatlichen Handelsmonopol wurde also eine Subventionierung der japanischen Reisbauern verknüpft.197 198 In den 40er Jahren liegt auch der Beginn der Macht der Agrargenossenschaften (nokyo). Im Jahre 1947 wurde der ´Agricultural Cooperative Act´ beschlossen. Er brachte die Agrargenossenschaften in eine Vermittlerrolle zwischen Staat und dem einzelnen Bauern. Die nokyo kauften den Bauern den Reis ab und zahlten die vom Staat bereitgestellten Gelder aus. Lag der Prozentsatz von Reis, der durch die Agrargenossenschaften vermarktet wurde, vor dem zweiten Weltkrieg noch bei ca. 25 %, so konnten die nokyo nach dem Krieg dank der Gesetzgebung ein Monopol realisieren (1986: 96 %).199 200Die Agrargenossenschaften profitierten von Gebühren für die Organisation des Reishandels und die Lagerhaltung. Hierin liegt ihre heutige Finanzkraft begründet.201 Nach dem Krieg und der Βesatzungszeit wuchs die japanische Industrie sehr stark und mit ihr die Löhne und der Lebensstandard von Arbeitern und Angestellten. Ziel der Agrarpolitik wurde es nun, neben der Sicherung der Selbstversorgung mit Reis [...]

Arbeit zitieren:
Henzgen, Daniel Mai 2002: Die klientelorientierte Wirtschaftspolitik Japans am Beispiel des ländlichen Raums, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Wahlsystem, Parteiensystem, Protektionismus, Landwirtschaft, Neue Politische Ökonomie

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