Spezifische Formen kindlicher Wahrnehmung als Basis des Marketings für vollwertige Lebensmittel
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Manon Pacyna
- Abgabedatum: September 2006
- Umfang: 129 Seiten
- Dateigröße: 4,5 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Hochschule Niederrhein, Abt. Mönchengladbach Deutschland
- Bibliografie: ca. 48
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9962-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9962-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9962-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Pacyna, Manon September 2006: Spezifische Formen kindlicher Wahrnehmung als Basis des Marketings für vollwertige Lebensmittel, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kind, Kinderlebensmittel, Werbung, Lebensmittel, Ernährung
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Diplomarbeit von Manon Pacyna
Einleitung:
Das Konsumentenverhalten ist ein stetiger Entwicklungsprozess, der schon im frühen Kindesalter beginnt. Von daher ist es wichtig, die kognitive Entwicklung des Menschen von Geburt an nachvollziehen zu können. Mit Hilfe des Wissens, wie Kinder sich kognitiv entwickeln, wie sie wahrnehmen, wie sie lernen und welche Vorlieben und Abneigungen sie haben, kann man effiziente Marketingstrategien erarbeiten, neue Produktideen kreieren und eine dauerhafte Kundenbindung aufbauen. Deswegen wird nachfolgend ein Überblick über die Wahrnehmung, speziell von Kindern, gegeben.
Im gesetzlichen Sinne wird der Mensch bis zur Vollendung seines 14.Lebensjahr als Kind bezeichnet. Wenn in der vorliegenden Arbeit von Kindern gesprochen wird, sind in der Regel jedoch Kinder bis zum siebten Lebensjahr gemeint, das heißt Vorschulkinder und Erstklässler. Bei der Analyse von Studienergebnissen sind auch die älteren Kinder berücksichtigt.
Da sich die vorliegende Arbeit ausschließlich mit dem Marketing von Lebensmitteln beschäftigt, wird ein Exkurs über das kindliche Ernährungsverhalten gegeben. So soll verständlich gemacht werden, warum Kinder bestimmte Lebensmittel essen und andere nicht. Außerdem zeigt die gesundheitliche Situation in Deutschland, dass sich die Gesellschaft den allgemeinen Problemen Übergewicht und Adipositas stellen sollte, welche weiter ernährungsbedingte Krankheiten zur Folge haben können. Prävention ist deshalb ein zentrales Thema. Hierfür ist der Verzehr von vollwertigen Lebensmitteln schon in jungen Jahren ein maßgeblicher Faktor.
Anschließend werden die Marketingstrategien der Lebensmittelindustrie erläutert und einige Kinderlebensmittel vorgestellt.
Das FKE definiert Kinderlebensmittel als Produkte die mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllen:
- Bezeichnung „Kinder“.
- attraktive Aufmachung.
- kindgerechte Portionierung.
- spezielle Formung.
- an Kinder gerichtete Werbung.
Zusätzlich werden einige Aktionen von Verbraucherschutzorganisationen und die gesetzlichen Regelungen für Werbemaßnahmen erläutert.
Damit die Hauptpersonen dieser Arbeit, die Kinder, auch zu Wort kommen können, wird eine qualitative Studie in einem Kindergarten durchgeführt, bei der die Meinung der Kinder in Bezug auf Kinderlebensmittel von großer Bedeutung ist.
Abschließend wird aufgezeigt, warum die Erkenntnisse im Bereich Wahrnehmung, Lernen und Ernährungsverhalten, die bereits erfolgreich für das Marketing von Kinderlebensmitteln genutzt werden, verknüpft werden sollten mit den Anregungen der optimierten Mischkost.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | 4 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 7 | |
| 1. | Einleitung | 8 |
| 2. | Wahrnehmung | 10 |
| 2.1 | Ein philosophischer Ansatz | 10 |
| 2.1.1 | Philosophische Definition von Wahrnehmung | 10 |
| 2.1.2 | Der Weg zur Erkenntnis - nach Descartes, Locke, Kant und Rousseau | 11 |
| 2.2 | Die kognitive Entwicklung des Kindes nach Piaget | 12 |
| 2.3 | Wahrnehmung als psychologischer Begriff | 15 |
| 2.3.1 | Psychologische Bedeutung von Wahrnehmung | 15 |
| 2.3.1.1 | Sensorische Prozesse, Perzeptuelle Organisation und Identifikation/ Wiedererkennen von Objekten | 16 |
| 2.3.1.2 | Optische Figuren - Mehrdeutigkeiten, Wahrnehmungstäuschung, Paradoxa und Drudel | 18 |
| 2.3.1.3 | Aktivität, Selektivität und Subjektivität - wichtige Eigenschaften der Wahrnehmung in Hinblick auf das Marketing | 21 |
| 2.3.2 | Ganzheits- und Gestaltpsychologie – eine Definition von Charlotte Bühler | 23 |
| 2.3.2.1 | Kurzer geschichtlicher Überblick - Berliner, Leipziger, Grazer und Würzburger Schule | 23 |
| 2.3.2.2 | Die Gestaltgesetze | 25 |
| 2.4 | Die kindliche Wahrnehmung | 27 |
| 2.5 | Lernen | 32 |
| 2.5.1 | Reiz-Reaktionstheorien | 33 |
| 2.5.2 | Lernen durch Beobachtung – soziales Lernen nach Bandura | 36 |
| 2.5.3 | Lernen durch Übung | 37 |
| 2.5.4 | Lernen durch Einsicht oder kognitives Lernen (Kodierung) | 38 |
| 3. | Das kindliche Ernährungsverhalten | 40 |
| 3.1 | „optimiX“ – die Ernährungsempfehlung für Kinder | 40 |
| 3.2 | Der Ist-Zustand – so isst das „Durchschnitts-“ Kind | 42 |
| 3.2.1 | Primär- und Sekundärbedürfnisse – Das Experiment von Clara Davis | 43 |
| 3.2.2 | Die Entstehung von Geschmackspräferenzen | 45 |
| 3.2.3 | Die Grenzen des kindlichen Denkens in Bezug auf Ernährungsfolgen | 48 |
| 3.2.4 | Die Diskrepanz zwischen Wissen und Umsetzung bei den Erwachsenen | 49 |
| 4. | Werbung für Kinderlebensmittel | 51 |
| 4.1 | Kinder als Motor für Kaufentscheidungen | 51 |
| 4.2 | Die Mittel für erfolgreiches Marketing von Kinderprodukten | 54 |
| 4.2.1 | Zeichentrickfiguren als Werbeträger | 56 |
| 4.2.2 | Einprägsame Werbejingles und –slogans | 57 |
| 4.2.3 | Die Anziehungskraft von In– und Onpack–Promotions | 58 |
| 4.2.4 | Die Wirkung von Farben | 59 |
| 4.3 | Werbung für Kinderlebensmittel – ein Streitpunkt zwischen Verbraucherschützern, Eltern und der Wirtschaft | 60 |
| 4.3.1 | Beispiele für Kinderlebensmittel | 61 |
| 4.3.2 | Die Meinung der Verbraucherschützer | 63 |
| 4.3.3 | Die Meinung der Wirtschaft | 65 |
| 4.3.4 | Rechtliche Grundlagen | 65 |
| 5. | Zu Besuch im Kindergarten | 67 |
| 5.1 | Vorüberlegung | 67 |
| 5.2 | Vorzüge und Probleme qualitativer Forschungsmethoden | 68 |
| 5.3 | Vorbereitung | 69 |
| 5.4 | Durchführung und Ergebnisse | 72 |
| 5.4.1 | Erster Termin | 72 |
| 5.4.2 | Zweiter Termin | 75 |
| 5.5 | Ergebniserläuterung | 77 |
| 6. | Schlussfolgerung – Marketing für vollwertige Lebensmittel im Sinne der kindlichen Wahrnehmung | 86 |
| 7. | Zusammenfassung | 92 |
| Literaturverzeichnis | 95 | |
| Anhang | 99 | |
| Eidesstattliche Versicherung | 128 |
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | 4 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 7 | |
| 1. | Einleitung | 8 |
| 2. | Wahrnehmung | 10 |
| 2.1 | Ein philosophischer Ansatz | 10 |
| 2.1.1 | Philosophische Definition von Wahrnehmung | 10 |
| 2.1.2 | Der Weg zur Erkenntnis - nach Descartes, Locke, Kant und Rousseau | 11 |
| 2.2 | Die kognitive Entwicklung des Kindes nach Piaget | 12 |
| 2.3 | Wahrnehmung als psychologischer Begriff | 15 |
| 2.3.1 | Psychologische Bedeutung von Wahrnehmung | 15 |
| 2.3.1.1 | Sensorische Prozesse, Perzeptuelle Organisation und Identifikation/ Wiedererkennen von Objekten | 16 |
| 2.3.1.2 | Optische Figuren - Mehrdeutigkeiten, Wahrnehmungstäuschung, Paradoxa und Drudel | 18 |
| 2.3.1.3 | Aktivität, Selektivität und Subjektivität - wichtige Eigenschaften der Wahrnehmung in Hinblick auf das Marketing | 21 |
| 2.3.2 | Ganzheits- und Gestaltpsychologie – eine Definition von Charlotte Bühler | 23 |
| 2.3.2.1 | Kurzer geschichtlicher Überblick - Berliner, Leipziger, Grazer und Würzburger Schule | 23 |
| 2.3.2.2 | Die Gestaltgesetze | 25 |
| 2.4 | Die kindliche Wahrnehmung | 27 |
| 2.5 | Lernen | 32 |
| 2.5.1 | Reiz-Reaktionstheorien | 33 |
| 2.5.2 | Lernen durch Beobachtung – soziales Lernen nach Bandura | 36 |
| 2.5.3 | Lernen durch Übung | 37 |
| 2.5.4 | Lernen durch Einsicht oder kognitives Lernen (Kodierung) | 38 |
| 3. | Das kindliche Ernährungsverhalten | 40 |
| 3.1 | „optimiX“ – die Ernährungsempfehlung für Kinder | 40 |
| 3.2 | Der Ist-Zustand – so isst das „Durchschnitts-“ Kind | 42 |
| 3.2.1 | Primär- und Sekundärbedürfnisse – Das Experiment von Clara Davis | 43 |
| 3.2.2 | Die Entstehung von Geschmackspräferenzen | 45 |
| 3.2.3 | Die Grenzen des kindlichen Denkens in Bezug auf Ernährungsfolgen | 48 |
| 3.2.4 | Die Diskrepanz zwischen Wissen und Umsetzung bei den Erwachsenen | 49 |
| 4. | Werbung für Kinderlebensmittel | 51 |
| 4.1 | Kinder als Motor für Kaufentscheidungen | 51 |
| 4.2 | Die Mittel für erfolgreiches Marketing von Kinderprodukten | 54 |
| 4.2.1 | Zeichentrickfiguren als Werbeträger | 56 |
| 4.2.2 | Einprägsame Werbejingles und –slogans | 57 |
| 4.2.3 | Die Anziehungskraft von In– und Onpack–Promotions | 58 |
| 4.2.4 | Die Wirkung von Farben | 59 |
| 4.3 | Werbung für Kinderlebensmittel – ein Streitpunkt zwischen Verbraucherschützern, Eltern und der Wirtschaft | 60 |
| 4.3.1 | Beispiele für Kinderlebensmittel | 61 |
| 4.3.2 | Die Meinung der Verbraucherschützer | 63 |
| 4.3.3 | Die Meinung der Wirtschaft | 65 |
| 4.3.4 | Rechtliche Grundlagen | 65 |
| 5. | Zu Besuch im Kindergarten | 67 |
| 5.1 | Vorüberlegung | 67 |
| 5.2 | Vorzüge und Probleme qualitativer Forschungsmethoden | 68 |
| 5.3 | Vorbereitung | 69 |
| 5.4 | Durchführung und Ergebnisse | 72 |
| 5.4.1 | Erster Termin | 72 |
| 5.4.2 | Zweiter Termin | 75 |
| 5.5 | Ergebniserläuterung | 77 |
| 6. | Schlussfolgerung – Marketing für vollwertige Lebensmittel im Sinne der kindlichen Wahrnehmung | 86 |
| 7. | Zusammenfassung | 92 |
| Literaturverzeichnis | 95 | |
| Anhang | 99 | |
| Eidesstattliche Versicherung | 128 |
Textprobe:
Kapitel 2.4, Die kindliche Wahrnehmung: Die Entwicklung der Sinne und damit die Voraussetzung für Wahrnehmung beginnen bereits im Mutterleib. Wenn das Kind geboren wird, verfügt es demnach über die Anlage seine Sinne optimal zu nutzen. Es lernt jeden Tag etwas neues, macht fortwährend neue Erfahrungen und muss diese erst einmal verarbeiten. Einerseits werden die Kinder von ihrer kindlichen Neugier getrieben und wollen die Welt mit möglichst allen Sinnen gleichzeitig erfassen. Sie betrachten ein Objekt, egal ob es sich um ein Lebensmittel, ein Spielzeug oder etwas anderes handelt, genau und intensiv, ob es rund oder eckig ist, blau oder grün, breit oder schmal. Sie riechen daran, sie fühlen es und testen, ob man damit spielen kann oder ob man etwas hören kann und sie schmecken es.
Besonders ihr taktiler Sinn ist wichtig für sie. Schubladen und Schränke auf und zu machen, Spielzeug auseinanderbauen oder Sachen in einander stecken, das sind normale und für die geistige und motorische Entwicklung unabdingbare Vorgänge. Andererseits brauchen die Kinder ein gewisses Maß an Wiederholung, um Ordnung in ihr Wahrnehmungssystem zu bringen und um die Vorgänge der perzeptuellen Organisation zu stärken und zu festigen.
Sie können stundenlang immer wieder dasselbe mit einem bestimmten Spielzeug spielen – aber dann ist dieses Spielgerät plötzlich uninteressant und wird in eine Ecke verbannt. Sie wollen ständig die gleiche Geschichte vorgelesen oder erzählt bekommen – bis sie eine Neue hören wollen. Und sie könnten täglich zu jeder Tageszeit Spaghetti mit Tomatensoße essen – bis es auch mal Fischstäbchen sein dürfen.
Die perzeptuelle Organisation und Identifikation von Objekten ist auf Grund der geringen Erfahrung der Kinder noch sehr eingeschränkt, sie verändert sich aber stetig durch Assimilation und Akkommodation.
Dennoch können sie noch nicht analysierend denken und nehmen von daher Objekte im Sinne der Gestaltpsychologie als Ganzes wahr und nicht als ein Gebilde, welches aus verschiedenen Einzelelementen besteht. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht auf Details achten. Im Gegenteil, Kinder sind gute Beobachter und verinnerlichen für sie wichtige charakteristische Eigenschaften eines Objektes, über welche Erwachsene manchmal nur staunen können.
Im Nachfolgenden werden hierzu einige Beispiele aus der experimentellen Kinderpsychologie gegeben.
Der Ganzheitspsychologe Hans Volkelt beschreibt diverse Ergebnisse aus Experimenten mit Vorschulkindern (die Altersspanne verläuft von 2 – 6 Jahren). Die ausgewerteten Versuchsreihen, die von Volkelt und anderen Ganzheits- und Gestaltpsychologen durchgeführt wurden, fanden alle in der erste Hälfte des 20. Jahrhunderts statt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich die Ergebnisse der Experimente heute, 60 Jahre später, nicht wesentlich unterscheiden. Wahrscheinlich nur in Hinblick auf die exakten Altersangaben, da die kindliche Entwicklung der Akzeleration unterliegt und davon auszugehen ist, dass sich die Möglichkeiten der Wahrnehmungsförderung gebessert haben.
Kinderzeichnungen und Plastiken zu bewerten ist seit jeher eine bewährte Methode, um etwas über die Psychologie des Kindes, seine Gedanken, Gefühle und die geistige Entwicklung zu erfahren. Betrachtet man nur die gestalterischen Aspekte, ist zu sehen, dass die Kinder sowohl ihre Bilder, als auch die Plastiken ganzheitlich gestalten. Sie verzichten im Rahmen ihrer Fähigkeiten auf die Ausarbeitung aller Details zu Gunsten der Merkmale, die für sie am charakteristischsten sind. Diese werden dann besonders hervorgehoben und bestimmen das Ganze und damit jedes einzelne Element. Diese spezifischen Merkmale können zum Beispiel taktil-motorische Besonderheiten sein. Die Kinder bringen auf diese Weise ihren lebendigen Umgang mit einem Objekt zum Ausdruck.
So wird ein Würfel als Kreis mit vier Strahlen gezeichnet. Die Strahlen sollen die Ecken darstellen, welche für das Kind von großer Bedeutung sind, wenn es den Würfel abtastet. Ein Zylinder hingegen wird als Rolle wiedergegeben. Das Körperhafte wird durch das Benutzen einer anderen Farbe am oberen und unteren Rand gekennzeichnet.
In Kapitel 2.4 wurde die Wichtigkeit der positiven und intensiven Ansprache der Sinne für die geistige und motorische Entwicklung erläutert. Das bedeutet im Falle des Lebensmittels, es muss lecker riechen, gut schmecken, ein angenehmes Mundgefühl besitzen, eine ansehnliche, vielleicht außergewöhnliche Optik haben und wenn möglich sollte es sich auch gut anfühlen, denn Kinder lieben es mit Essen zu spielen. 132 Die Portionsgrößen sollten klein, beziehungsweise mundgerecht, sein und die Verpackung sollte handlich, praktisch und witzig gestaltet sein. 133 Dies sind die grundsätzlichen Eigenschaften, die das Lebensmittel aufweisen sollte, um erfolgreich vermarktet zu werden. Zusätzlich ist es von Vorteil, wenn es sich um ein nahrhaftes Lebensmittel handelt und ein gesundheitliches Argument herausgestellt werden kann. Das wird zwar die eigentliche Zielgruppe wenig beeinflussen, aber es interessiert die Eltern. Wenn diese eine Reassurance für ein bestimmtes Produkt geboten bekommen, werden sie es gerne kaufen. Wird mit einer Reassurance, das heißt mit einer Art Beschwichtigung, gearbeitet, spricht man von einer Gatekeeper-Kampagne. Das bedeutet, dass man zwar die Zielgruppe Kleinkind hat und eine kindgerechte Kampagne erstellt, dass man aber gleichzeitig den Eltern das Gefühl vermittelt, sie tun ihrem Kind mit dem Kauf des Produktes etwas Gutes. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die FruchtZwerge-Werbung von Danone (mehr dazu siehe Kapitel 4.3). Bei Vorschulkindern sollten generell Gatekeeper-Kampagnen gestartet werden, da in dieser Altersgruppe der Einfluss der Eltern auf Kaufentscheidungen noch sehr hoch ist.134 Ab einem Alter von sieben bis acht Jahren, wenn der Sozialisationsprozess vorangeschritten ist (siehe Kapitel 2.4), beginnen die Kinder eigenständiger zu werden. Sie protestieren häufiger und versuchen ihren Willen durchzusetzen. Ihr Denken wird komplexer und sie orientieren sich zunehmend an den Freunden. Jetzt wird auch das Markendenken intensiver und das durch die Marke vermittelte Lebensgefühl erst interessant. 135 Auch die anzuwendende tonality (Grundton der Werbebotschaft) und die damit verbundenen Erlebniswelten, die dazu passenden Zeichentrickfiguren, Jingles, Slogans und die Gestaltung der Verpackung, unterscheiden sich zwischen Sechsjährigen und Achtjährigen. Während die Jüngeren noch Märchen und Zirkus attraktiv finden, ist bei den Älteren schon Kino, Musik und Sport angesagt. Tiere und Zoos finden alle Altersklassen toll. Doch auch hier gibt es geschlechtspezifische Unterschiede. [...]
Dieses Kapitel könnte Bücher füllen, denn es existiert eine Vielzahl von Anhaltspunkten, die die Marketingexperten zu Rate ziehen, um eine erfolgreiche Markenführung für Kinderprodukte zu starten. Nachfolgend werden nur ein paar der wichtigsten Aspekte erläutert. Der erste wichtige Gedanke zu einer Werbekampagne betrifft das Alter der Kinder. Es ist, wie bereits erwähnt, ein Unterschied, ob man Werbung für sechsjährige oder für dreizehnjährige Kinder (schon eher Jugendliche) macht. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt bei der Werbung für die jüngeren Kinder. Jüngere Kinder in der Präoperatorischen Phase (siehe Kapitel 2.2) sind unter anderem von der Zentrierung geprägt. Sie besitzen noch nicht die Fähigkeit, verschiedene Merkmale eines Objektes zu beachten. Sie konzentrieren sich auf den für sie wichtigsten Aspekt. Das wäre im Fall der Werbung das Produkt selbst. Das heißt also, man sollte bei Kindern bis circa acht Jahren nicht versuchen einen emotionalen Produktnutzen heraus zustellen. Die kleinen Kinder interessieren sich nur für das Produkt. 131 [...]
Aus älteren Studien und Untersuchungen geht hervor, dass 38 % der Vier- bis Sechsjährigen nicht zwischen Werbung und Fernsehprogramm unterscheiden können, beziehungsweise nicht wissen, was Werbung überhaupt ist. Sie geben kreative Vermutungen für die Werbeunterbrechungen an, zum Beispiel, dass der Zuschauer dann auf Toilette gehen kann, dass die Schauspieler auch mal eine Pause brauchen oder dass der Film gerissen sei [Deutsche Forschungsgemeinschaft, 1995].130 Bei diesen Studienergebnissen liegt die Frage nahe, in wieweit die Antworten wirklich aus der Fantasie des Kindes stammen und in wieweit die Eltern zu der Meinung ihrer Kinder beigetragen haben. Folglich gibt es erhebliche Unterschiede in der Werbekompetenz von Vorschulkindern, Schulanfängern und Kindern, die eine weiterführende Schule besuchen. Es ist also für die Werbeindustrie eine große Herausforderung Werbung so zu gestalten, dass die richtige Zielgruppe sich auch angesprochen fühlt. Die Vorlieben für Erlebniswelten, Idole und Freizeitaktivitäten unterscheiden sich je nach Alter und Geschlecht sehr voneinander. So mag für einen sechs jährigen Jungen „Bob der Baumeister“ anziehend sein, während das gleichaltrige Mädchen lieber „Barbie“ mag. Schon mit acht Jahren kann sich das alles geändert haben. Mehr hierzu in den anschließenden Kapiteln. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832499624
Arbeit zitieren:
Pacyna, Manon September 2006: Spezifische Formen kindlicher Wahrnehmung als Basis des Marketings für vollwertige Lebensmittel, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Kind, Kinderlebensmittel, Werbung, Lebensmittel, Ernährung




