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Gedächtnis- und Psychomotoriktraining im Alter

Transfer und Wirksamkeit aus der Sicht der Teilnehmer

Gedächtnis- und Psychomotoriktraining im Alter
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Marina Da Cruz Silva
  • Abgabedatum: September 2005
  • Umfang: 130 Seiten
  • Dateigröße: 724,7 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9811-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9811-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9811-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Da Cruz Silva, Marina September 2005: Gedächtnis- und Psychomotoriktraining im Alter, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Gedächnisleistung, Gedächnisförderung, Demenz, SIMA, Training

Diplomarbeit von Marina Da Cruz Silva

Einleitung:

Gedächtnisleistungen sind wichtig bei einer Vielzahl von Alltagsanforderungen. Wenn allerdings alterskorrelierte Gedächtniseinbußen auftreten, können diese Beeinträchtigungen bei der Alltagsbewältigung hervorrufen, was wiederum die Selbständigkeit im Alter bedroht. In der Wissenschaft herrscht die Meinung vor, dass Gedächtnistrainings als vorbeugende Maßnahmen gegen solche Einschränkungen wirken können. Doch der alte Mensch erlebt nicht nur geistige Veränderungen, sondern auch Veränderungen im Bereich der Psychomotorik.

Im Allgemeinen wird in der Alternsforschung die Meinung vertreten, dass Gedächtnistraining den älteren Menschen bei der Alltagsbewältigung hilfreich sein kann. Doch ein kombiniertes Training, das gleichzeitig den psychischen und physischen Bereich berücksichtigt, dürfte den Senioren im Alltag noch wirksamer helfen, denn es gilt immer noch der alte Spruch: „mens sana in corpore sano“. Die Wissenschaft bietet eine Fülle von Beispielen, die jene Aussage bestätigen.

Das SIMA-Projekt der Universität Erlangen-Nürnberg ist ein Beispiel für einen solchen Ansatz, nämlich für ein kombiniertes Gedächtnis- und Psychomotoriktraining. Nach einigen Jahren der Erprobung dieses Projekts wurden signifikante Ergebnisse hinsichtlich der Förderung bzw. Erhaltung der Selbständigkeit im hohen Lebensalter mittels quantitativer Methoden erzielt. Ferner ließ sich durch diese Methode auch die Hinauszögerung dementieller Prozesse belegen, was sich vor allem bei den SIMA-Teilnehmern der kombinierten Gedächtnis- und Psychomotoriktrainingsgruppe zeigte. Untersuchungen über die Erhaltung der Selbständigkeit im Alter mittels qualitativer Studien liegen kaum vor, insbesondere gibt es nur wenige Untersuchungen über den Transfer der Trainingsinhalte auf den Alltag.

Deshalb soll in der vorliegenden Arbeit überprüft werden, wie die „aktuellen SIMA-Teilnehmer“ das modulare Training sowie dessen Wirkung auf ihren Alltag beurteilen. Dies soll durch die Methode des narrativen Interviews mit den Gesprächspartnern erreicht werden. Insofern sollten die Befragungen mit den Senioren einen positiven Beitrag zur weiteren Forschung leisten, bei der es um die Auswirkungen solcher Trainingsmaßnahmen auf den Alltag geht und um Problemlösung im hohen Lebensalter überhaupt. Mit anderen Worten, die Äußerungen der Befragten könnten fruchtbar für ähnliche Trainingsmaßnahmen sein, da man durch die von den Senioren erfolgte Analyse erfahren könnte, wie sich das Ganze auf den Alltag übertragen werden kann bzw. sich im Alltag positiv auswirkt.

Andererseits könnten die Übertragungsmöglichkeiten des Trainings auf den Alltag näher untersucht bzw. bestätigt werden. Immer wird - implizit oder explizit - davon ausgegangen, dass ein Transfer bestimmter Trainingsmaßnahmen stattfindet und zur Bewältigung des Alltags hilft. Eine Überprüfung dieses postulierten Transfers steht jedoch noch aus. Es gilt festzustellen, ob und wie die Übungen zum Training des Gedächtnisses und der Psychomotorik im Alltag genutzt und effektiv eingesetzt wurden bzw. werden können.

Außerdem könnten die Interviews mit den Teilnehmern eine wertvolle Quelle sein, um Aufschluss darüber zu erhalten, wie solche Prozesse in der Realität ablaufen. So ließe sich die Hypothese des Transfers an Hand der Praxis der Senioren belegen. Dies könnte gewissermaßen zur Ergänzung der SIMA-Studie dienen, da die Äußerungen der Befragten Hinweise darauf liefern dürften, ob die erzielten Effekte ausreichen, die Gedächtnisprobleme und die Einschränkungen im Bereich des IADLs alter Menschen im Alltag auf Dauer signifikant zu reduzieren.

Im theoretischen Teil dieser Arbeit werden zunächst Feststellungen und Theorien zum Gedächtnis, zu den Grenzen der Gedächtnisförderung, sowie zur psychomotorischen Leistungsfähigkeit im Alter dargestellt. Im Anschluss daran wird auf das kombinierte Gedächtnis- und Psychomotoriktraining des SIMA-Projekts näher eingegangen, um feststellen zu können, welche empirische Befundlage und Zusammenhänge zwischen psychischem und physischem Funktionsbereich und dessen Förderungen durch Trainingsmaßnahmen sich im höheren Lebensalter beweisen lassen.

Im empirischen Teil der vorliegenden Arbeit wird die Darstellung der verwendeten Methoden und der Ergebnisse der Untersuchungen dargeboten, die schließlich im Kapitel G diskutiert werden. Es sollen dabei verschiedene Erklärungsansätze für den beobachteten Transfer auf den Alltag aus der Sicht der Teilnehmer analysiert werden.

Inhaltsverzeichnis:

Danksagung IV
EINLEITUNG 1
Theoretischer Teil 3
A. GEDÄCHTNIS IM ALTER 3
1. VERÄNDERUNG DER GEDÄCHTNISLEISTUNGEN IM ALTER 3
1.1 Die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit im Alter 7
1.2 Die Dedifferenzierungshypothese 9
1.3 Die Reservekapazität des Gehirns und der Testing-the-Limits-Ansatz 10
2. PATHOLOGISCHE PROZESSE AM BEISPIEL DER SENILEN DEMENZ 12
2.1 Normale Gedächtnisalterung versus pathologischer: ein Abgrenzungsversuch 13
3. GEDÄCHTNISFÖRDERUNG IM ALTER 16
3.1 Grenzen der Gedächtnisförderung im Alter 19
4. DIE VIELZAHL DER GEDÄCHTNISTRAININGSPROGRAMME 20
4.1 Darstellung einiger wichtiger Trainingsstudien 23
4.2 Ergebnisse einiger Studien zu Gedächtnisprogrammen im Überblick 24
5. ZUM BEGRIFF TRANSFER 27
5.1. Zum Transfer und der Wirkungsdauer von Gedächtnistrainings im Alter 28
6. ZUSAMMENFASSUNG 30
B. PSYCHOMOTORISCHE LEISTUNGSFÄHIGKEIT IM ALTER 32
1. BEGRIFFSBESTIMMUNG UND KONZEPTE DER PSYCHOMOTORIK 32
2. ZIELSETZUNGEN UND WIRKUNGEN DER PSYCHOMOTORIK IM ALTER 34
3. PSYCHOMOTORISCHE VERÄNDERUNGEN IM ALTER 36
3.1 Konditionelle Fähigkeiten 39
3.1.1 Kraft 40
3.1.2 Ausdauer 41
3.2 Koordinationsfähigkeit 42
4. AUSWIRKUNGEN VON BEWEGUNGENUND KÖRPERLICHEN AKTIVITÄTEN IM ALTER 45
4.1 Sportliche Betätigungund Gedächtnis 47
5. SPORTLICHE BETÄTIGUNG IM ALTER: BARRIEREN UND MOTIVATION 48
6. PSYCHOMOTORIKTRAININGSANGEBOTE UND IHRE AUSWIRKUNGEN 50
6.1 Bewegungstraining mit Senioren der Humboldt Universität Berlin 51
6.2 Das SIMA-Psychomotoriktraining 52
7. ZUSAMMENFASSUNG 54
C. DAS SIMA-PROJEKT 56
1. STRUKTUR, KONZEPTION UND METHODIK 56
2. DARSTELLUNG DES SIMA-GEDÄCHTNISTRAININGS 57
3. KURZ- UND LANGFRISTIGE EFFEKTE DER EINFACHEN UND KOMBINIERTEN GEDÄCHTNIS-UNDPSYCHOMOTORIKGRUPPE 59
4. RESÜMEE DER SIMA-ERGEBNISSE AM BEISPIEL DES KOMBINIERTEN GEDÄCHTNIS- UND PSYCHOMOTORIKTRAININGS 61
5. AUSBLICK 63
D. INTEGRATION DER THEORETISCHEN ASPEKTE 64
1. FRAGESTELLUNGUND HYPOTHESEN 64
Empirischer Teil 67
E. METHODE 67
1. METHODOLOGISCHE ASPEKTE 67
1.1 Das narrative Interview 68
1.1.1 Erzählaufforderung 69
1.1.2 Interviewleitfaden 70
1.1.3 Gesprächsablauf 71
2. STICHPROBE 72
2.1 Stichprobengewinnung 72
2.2 Soziodemographische Daten der Forschungspartner 73
3. AUSWERTUNG DER QUALITATIVEN DATEN 75
3.1 Transkription 75
3.2 Inhaltsanalyse 75
F. ERGEBNISSE 77
1. ANGABEN ZU DEN TEILNEHMERN 77
1.1 Alltagskompetenz der Teilnehmer 77
1.2 Zugang zu den Gedächtnistrainingskursen 78
1.3 Erfahrung mit Gedächtnistraining 78
1.4 Erwartungen der Trainingsteilnehmer 79
1.5 Motivation 80
2. ZUM TRANSFER VON TRAININGSINHALTEN AUF DEN ALLTAG 81
2.1 Allgemeine Angaben zum Transfer 81
2.2 Transfer von Trainingsinhalten in direkter Form 83
2.2.1 Einsatz von Gedächtnisstrategien 83
2.2.2 Bewusstere und aufmerksamere Wahrnehmung 86
2.2.3 Wohnungsanpassung 88
2.2.4 Integration von Übungsaufgaben im Alltag 88
2.2.4.1 Psychomotorische Übungen 89
2.3 Transfer von Trainingsinhaltenin indirekter Form 90
2.3.1 Anschaffungen von Trainingsbüchern 90
2.3.2 Subjektives Empfinden 90
2.3.3 Aufnahme von Aktivitäten 90
2.3.4 Beitrag zur Erhaltung der Selbständigkeit und der Alltagsbewältigung 91
3. SUBJEKTIVE VERÄNDERUNGENDER KOGNITIVEN LEISTUNGSFÄHIGKEIT 92
4. DIE BEWERTUNG DES GEDÄCHTNISTRAININGS AUS DER SICHT DER TEILNEHMER 93
4.1 Akzeptanz und Zufriedenheit mit dem Gedächtnistraining 93
4.2 Zufriedenheit in Bezug auf einzelne Trainingsbausteine 94
4.2.1 Die Kombination von Gedächtnis- und Psychomotorikeinhalten 94
4.2.2 Theorieteil 94
4.2.3 Wohnen im Alter 95
4.2.4 Hausaufgaben 95
4.2 Das Erleben in der Gruppe 95
5. ZUSAMMENFASSUNG 96
G. DISKUSSION 98
1. STELLUNGNAHME ZU DEN HYPOTHESEN 98
2. METHODISCHE KRITIK DER ARBEIT UND VORSCHLÄGE FÜR WEITERE UNTERSUCHUNGEN 100
SCHLUSSFOLGERUNG 102
LITERATURVERZEICHNIS 104
ANHANG 119
TRANSKRIPTIONSREGELN 120
INTERVIEWLEITFADEN 121

Automatisiert erstellter Textauszug:

Rahmen der Psychomotorik sind motorische Handlungen ohne psychische Begleitprozesse nur schwer denkbar, besonders wenn man den Menschen in seiner Ganzheit erfassen möchte. Nur so können die Übungen zu Gesundheit und Wohlbefinden führen. Es ist daher Ziel der Psychomotorik, „dem Menschen Hilfe in die Hand zu geben“ (Mertens, 1992, S. 138). Die Aufrechterhaltung der körperlichen Betätigung ist unverzichtbar. Dabei müssen die psychomotorischen Veränderungen im Alter berücksichtigt werden, die neben der Motorik (einschließlich der konditionellen und koordinativen Fähigkeiten) auch Bereiche wie Verhalten, Planen und Denken umfassen. Ausreichende Bewegung im Alter ist lebensnotwendig, sie ist unentbehrlich für die Lebensqualität und für die Selbständigkeit im Alltag. Es besteht in der Alternsforschung kein Zweifel daran, dass sportliche Betätigung positive Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden hat. Allerdings herrscht noch eine gewisse Unsicherheit darüber, ob körperliche Betätigung de facto das Gedächtnis positiv beeinflussen kann. Trotz jener Unklarheiten kann folgender Schluss gezogen werden: „Psychical activity and exercise affect cognition both directly and indirectly“ (Spirduso, 2003, S. 8). Offenbar sind folgende Sportarten für den älteren Menschen geeignet: Laufen, Wandern, Radfahren, Schwimmen, Skilanglauf, Ballspiele, Tanzen und Gymnastik. Aspekte wie Freude, Geselligkeit, Spaß sollten bei den Sportangeboten nicht vernachlässigt werden. Übereinstimmend zeigen Untersuchungen über konditionelle sowie koordinative Fähigkeiten das grundsätzliche Ergebnis, dass altersangepasstes Training psychomotorische [...]

Lernprogramme einbezogen. Sie beinhalten einfache Ballspielfertigkeiten aus Familytennis und Tischtennis. Damit sollte die Bewegungskoordination unter Zeitdruck verstärkt werden. • Im dritten Teil (Sechs Übungseinheiten) wurde das Lernprogramm um einfache tänzerische Formen und Ballsspielfertigkeiten erweitert. Hinzu kamen Übungen aus dem Yoga. Vergleicht man die Effektivität der Interventionsprogramme bezüglich einzelner Fähigkeiten über alle Sportgruppen mit der Kontrollgruppe, so ergibt sich ein hochsignifikanter Unterschied der Rhythmisierungsfähigkeit (Baumann, 1997). Darüber hinaus ergab der Gewandtheitstest, dass die Sportgruppe vor den beiden anderen Gruppen lag. Die positiven Effekte der psychomotorischen Interventionen, so Baumann (1997), lassen sich offensichtlich • • • nicht unabhängig von den jeweils verbundenen Interventionen [...]

Mertens (1992) führte eine Befragung mit der Seniorengruppe in Berlin durch, um die Bedürfnisse der alten Menschen für die Teilnahme am Training feststellen zu können. Ohne Ausnahme bezeichneten die Senioren die Schulung von Beweglichkeit, Gelenkigkeit und des Gleichgewichts sowie der Reaktionsfähigkeit als besonders wichtig. Eine Geschicklichkeits-, Ausdauer- und Kraftschulung hingegen wurde von nur drei Vierteln bzw. von gut der Hälfte der Seniorengruppe als weniger wesentlich befunden. An oberster Stelle rangierte das Bedürfnis nach Geselligkeit. Auch Spaß und Vergnügen sowie der Wunsch nach Ausgleich waren für 18 Senioren die Motive, am Training teilzunehmen. Dieses Ergebnis stimmt mit der von Lehr (1997) durchgeführten Befragung überein. Außerdem wollten fast alle Teilnehmer Inhalte angeboten bekommen, die sie in ihrer Konzentration fördern. Die Ergebnisse von Mertens (1992) stützen die Zielsetzung der Psychomotorik im Bereich der Altenarbeit, insbesondere was das ganzheitliche Konzept der Bewegung angeht, welches altersbedingte Veränderungen im psychomotorischen Bereich besonders berücksichtigt. In diesem Zusammenhang soll der Autorin nach die körperliche Betätigung den Senioren dabei helfen, sich psychisch wohl und aktiv zu fühlen, die täglichen Aktivitäten ohne viel Mühe zu meistern und mit seelischen Problemen besser fertig zu werden. Derselben Autorin ist bewusst, dass Inhalte und Zielsetzung der Psychomotorik in die Seniorenarbeit integriert werden sollten, wobei hier noch ein gutes Stück Weg zurückzulegen sei. „Es erscheint bitter nötig, dass qualifizierte Fachkräfte dafür ausgebildet werden, den alternden Menschen ein phantasievolles, auch die Psyche ansprechendes Bewegungsangebot zu vermitteln, das sie geistig-seelisch, körperlich und sozial kommunikativ anspricht und aktiv erhält“ (Mertens, 1992, S. 143). [...]

Arbeit zitieren:
Da Cruz Silva, Marina September 2005: Gedächtnis- und Psychomotoriktraining im Alter, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Gedächnisleistung, Gedächnisförderung, Demenz, SIMA, Training

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