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Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft

Die Online-PR der Parteien im Bundestagswahlkampf 2005

Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Julia Seimel
  • Abgabedatum: März 2006
  • Umfang: 126 Seiten
  • Dateigröße: 2,0 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Philipps-Universität Marburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9691-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9691-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9691-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Seimel, Julia März 2006: Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Public Relations, PR, Wahlkampf, Politik, Akteurstheorie

Diplomarbeit von Julia Seimel

Einleitung:

Kann eine Partei ohne Internet heute noch Wahlen in Deutschland gewinnen? Die Antwort ist eindeutig. Kein politischer Akteur, der sich in der Medienöffentlichkeit einer Informationsgesellschaft bewegt, kann auf eine moderne Kommunikationsstrategie im Internet verzichten. Nicht mehr das Ob, sondern das Wie beschäftigt heute die Strategen in den Parteien.

Der Bundestagswahlkampf 2005 fand unter besonderen Bedingungen statt: Am 22. Mai 2005 überraschte die SPD nach ihrer Wahlniederlage bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl mit der Ankündigung von Neuwahlen. Diese wurden auf den 18. September 2005 angesetzt. Ein auf wenige Wochen verkürzter 'Sprint-Wahlkampf' folgte.

Durch die erzwungene Beschleunigung der Kampagnenplanungen rückte das schnellste und flexibelste Massenmedium in den Blick: das Internet. Als Wahlkampfinstrument der politischen Öffentlichkeitsarbeit wurden an das Internet hohe Erwartungen gestellt: Es sollte trotz des kleinen Zeitfensters einen modernen, innovativen und informativen Wahlkampf ermöglichen. Mit dem Kampagnenmanagement wurden professionelle PR-Agenturen beauftragt. Ob und wie es den professionellen PR-Akteuren gelang, die Potenziale der Online-Kommunikation zur Überzeugung der Wähler für die jeweilige politische Partei zu nutzen, wird die vorliegende Arbeit thematisieren.

Hierbei will die Verfasserin nicht nur eine rein deskriptive, sondern bisweilen auch eine normative Position einnehmen: Neben einer empirischen Untersuchung der Online-Kommunikation im Wahlkampf, also der tatsächlichen Verhältnisse, soll ebenso aufgezeigt werden, wie die politische Internet-PR gestaltet sein sollte, um einen interaktiven Dialog, eine Online-Interaktion zwischen Parteien und Wählern zu ermöglichen.

Problemstellung:

Die im Zentrum der vorliegenden Arbeit stehende Forschungsfrage lautet: Wie nutzten die politischen PR-Akteure im Auftrag der Parteien das Internet zur politischen Öffentlichkeitsarbeit im Bundestagswahlkampf 2005?

Das Ziel ist, mithilfe des Instrumentariums der Akteurstheorie, die Beschreibung und Analyse der Online-Kommunikation der politischen PR-Akteure im Bundestagswahlkampf 2005. Dabei sollen nicht die Wähler bzw. die Wirkung des Online-Campaignings der PR-Akteure auf die Wähler im Mittelpunkt des Interesses stehen. Fokussiert werden die politischen Akteure, die Parteien, und die von den Parteien beauftragten Akteure der politischen Öffentlichkeitsarbeit.

Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit liegt darin, festzustellen, ob die beauftragten Öffentlichkeitsarbeiter die Potenziale des Internets zur Überzeugung der Wähler genutzt haben.

Eine ausführliche Konkretisierung und Eingrenzung der Fragestellung findet zu Beginn des empirischen Teils der Arbeit statt (s. Punkt 6.1).

Gang der Untersuchung:

Die Arbeit gliedert sich in einen theoretischen und einen empirischen Teil.

Das Kapitel 2 gibt eine Einleitung in das weit gefasste Themengebiet politische Kommunikation. Hier werden zentrale Begriffe der Arbeit eingegrenzt und geklärt (2.1). Es folgt eine Beschreibung medialer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, die das Phänomen Mediengesellschaft bedingen (2.2). Nach einem Überblick zum wissenschaftlichen Forschungsstand der politischen Kommunikation (2.3) beschäftigt sich der letzte Abschnitt des 2. Kapitels mit einer aktuellen Debatte: Sind die Veränderungen im Wahlkampfmanagement und die Professionalisierung der beteiligten PR-Akteure Ergebnisse eines Trends, der als „Amerikanisierung“ bezeichnet werden kann, oder findet ein Modernisierungsprozess statt, der in allen westlichen Demokratien beobachtet wird (2.4)?

In Kapitel 3 werden die theoretischen Grundlagen der Arbeit, v.a. in Bezug auf die folgende empirische Untersuchung, gelegt: Zur Analyse der politischen Online-Kommunikation bietet sich die Akteurstheorie, eine sinnvolle Verknüpfung von Handlungs- und Systemtheorie, an. Denn: Hierbei können sowohl die systemischen Strukturen das Handlungsfeldes politische Öffentlichkeitsarbeit als auch das strategische und zielorientierte Handeln der beteiligten Akteure in den Blick genommen werden.

Daraufhin widmet sich Kapitel 4 der politischen Öffentlichkeitsarbeit: Nach einer Abgrenzung der politischen PR von verwandten Begriffen (4.1) wird die Entwicklung des Handlungs-, Forschungs- und Berufsfeldes politische Public Relations nachgezeichnet (4.2). Im folgenden werden sowohl die gesellschaftlichen Funktionen als auch wichtige Aufgaben, Ziele und Instrumente dieses Kommunikationsinstruments reflektiert. Abschließend widmet sich Abschnitt 4.4 dem wissenschaftlichen Forschungsstand.

Mit dem 5. Kapitel schließt sich der theoretische Teil der vorliegenden Arbeit: Hier wird das Internet als neues Medium politischer Öffentlichkeitsarbeit thematisiert; die Potenziale sowie die Vorteile (für politische Akteure und Wähler) der politischen Internet-Kommunikation werden vorgestellt. Nach Beantwortung der Frage, welche Wählersegmente im Internet überhaupt von den politischen PR-Akteuren erreicht werden können, wird auf die politische Online-PR im Speziellen eingegangen.

Mit Kapitel 6 wird der empirische Teil der Arbeit eingeleitet. Das Forschungs-design wird ausführlich dargestellt und begründet.

Kapitel 7 dient der Vorstellung des Internetwahlkampfes 2005: Nach einer Darstellung der Ausgangslage aller untersuchten Parteien (SPD, CDU, Bündnis 90/ Die Grünen, FDP, Linkspartei) werden die wichtigsten genutzten Web-Formate und -Elemente betrachtet.

Nachfolgend findet die formale Analyse der fünf Parteien–Homepages statt (Kapitel 8): Alle vier operationalisierten Kategorien des Untersuchungskriteriums Überzeugung werden untersucht. Mit einer Zusammenfassung und Bewertung der Forschungsergebnisse wird dieser Abschnitt beendet.

In Kapitel 9 folgt das Fazit der vorliegenden Arbeit. Mit einem Blick in die Zukunft der politischen Online-Kommunikation wird die Arbeit abgeschlossen.

Inhaltsverzeichnis:

TABELLENVERZEICHNIS 1
1. Einleitung 2
1.1 Fragestellung und Ziel 2
1.2 Aufbau der Arbeit 3
I. THEORETISCHER TEIL 5
2. Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft. Einführung in Thema und Debatte 5
2.1 Begriffsklärungen 6
2.1.1 Politische Kommunikation 6
2.1.2 Politikvermittlung 8
2.1.3 Wahlkampf 8
2.1.4 Wahlkampagnen 9
2.2 Mediengesellschaft – Rahmenbedingungen im Wandel 9
2.2.1 Gesellschaftlicher Wandel 11
2.2.2 Medialer Wandel 12
2.3 Wissenschaftlicher Forschungsstand 14
2.4 Amerikanisierung oder Modernisierung der politischenWahlkommunikation? 17
2.4.1 Merkmale 17
2.4.1.1 Personalisierung 18
2.4.1.2 Mediatisierung 18
2.4.1.3 Professionalisierung 18
2.4.2 Die Kontroverse 19
2.4.3 Wissenschaftlicher Forschungsstand 20
3. Theoretische Grundlagen der Analyse politischer Kommunikation 22
3.1 System- und Handlungstheorie als Erklärungsmodelle politischer Kommunikation 22
3.1.1 Systemtheoretische Analyse politischer Kommunikation 23
3.1.2 Handlungstheoretische Analyse politischer Kommunikation 24
3.2 Akteurstheoretische Analyse politischer Kommunikation 26
3.2.1 Constraints und binäre Codes 26
3.2.2 Struktur, Prozess und Funktion politischer Kommunikation 27
3.3 Die akteurstheoretische Analyse politischer (Online-) PR 31
4. Politische Öffentlichkeitsarbeit 34
4.1 Begriffsklärung 34
4.1.1 Definitionen von politischer PR 35
4.1.2 Abgrenzung zu politischer Werbung 37
4.1.3 Abgrenzung zu Propaganda 38
4.2 Die Entwicklung politischer Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland 39
4.3 Politische PR als Kommunikationsinstrument der politischen Akteure 43
4.3.1 Gesellschaftliche Funktionen 43
4.3.2 Aufgaben, Ziele und Instrumente 44
4.4 Wissenschaftlicher Forschungsstand 47
5. Das Internet als neues Medium politischer Public Relations 51
5.1 Begriffsklärungen 52
5.1.1 Internet 52
5.1.2 World Wide Web (WWW) 54
5.2 Potenziale der politischen Online-Kommunikation 54
5.2.1 Technisches Potenzial 54
5.2.2 Politisches Potenzial 55
5.3 Vorteile der politischen Online-Kommunikation 56
5.3.1 Vorteile für die politischen Akteure 56
5.3.2 Vorteile für die Wähler 58
5.4 Die Wähler im Internet: Wer ist online? 59
5.5 Politische Online-PR: Die Websites der Parteien 62
5.6 Wissenschaftlicher Forschungsstand 65
II. EMPIRISCHER TEIL 69
6. Das Forschungsdesign 69
6.1 Konkretisierung der Fragestellung 69
6.2 Die Analyseeinheiten 70
6.3 Die Untersuchungsmethode 71
6.4 Kriterium und Kategorien der Analyse 72
7. Der Onlinewahlkampf 2005 76
7.1 Die Ausgangslage: Korporative PR-Akteure, Wahlkampf-Budgets und Re-Launches 76
7.1.1 Ausgangslage bei der SPD 77
7.1.2 Ausgangslage bei der CDU 78
7.1.3 Ausgangslage bei Bündnis 90/ Die Grünen 79
7.1.4 Ausgangslage bei der FDP 80
7.1.5 Ausgangslage bei der Linkspartei 80
7.2 Formate und Elemente des Online-Campaignings 2005 81
7.2.1 Kandidatensites 81
7.2.2 Online-Mobilisierung 82
7.2.3 Online-Fundraising 83
7.2.4 Negative Campaigning 84
7.2.5 Intranets 85
7.2.6 Weblogs 86
8. Formale Analyse der Parteien-Homepages 88
8.1 Kategorie Interaktivität 89
8.2 Kategorie Usabilität 91
8.3 Kategorie Informativität 92
8.4 Kategorie Multimedialität/ Design 94
8.5 Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse 96
9. Fazit und Ausblick 101
10. Literatur 104
11. Internetquellen 110
III. ANHANG 112
IV. ERKLÄRUNG 123

Automatisiert erstellter Textauszug:

gezeigt. Das Internet bietet einen direkten, ungefilterten Kommunikationskanal zu einem spezifischen Wählersegment: den Internet-Nutzern. An dieser Stelle sollen folgende Fragen beantwortet werden: Wer hat überhaupt Zugang zum Internet? Wer hat Interesse an politischen Online-Inhalten? Wer kann auf den Websites der politischen Parteien von den politischen PR-Akteuren überzeugt werden? Noch im Jahr 2002 beschrieb Strohmeier (2002: 146) den durchschnittlichen Internet-Nutzer als „jung, vorwiegend männlich, einkommens- und bildungsstark“. Diese ehemals typische Nutzerstruktur ist mittlerweile im Aufweichen begriffen: 154 Im Herbst 2005 sind 57,9% der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren online. Das sind 37,5 Mio. Bundesbürger, die das Internet regelmäßig nutzen. 155 Besonders die internetfernen Bevölkerungsgruppen holen auf: Hier sind die Zuwachsraten am höchsten. 156 Das ehemals starke Gefälle zwischen Männern und Frauen, die das Internet nutzen, wird kleiner: Nach der ARD/ ZDF-Online-Studie 2005 haben sich die Anteile der männlichen und weiblichen Onliner in den nutzungsstarken Altersgruppen der unter 40jährigen bereits angeglichen. Lässt man jedoch die Altersvariable beiseite, bleiben die Unterschiede zwischen den Geschlechtern weiterhin signifikant. 157 Gründe für die gestiegene Internetverbreitung sind u.a. die wachsende Bedeutung und Akzeptanz des Internets als Informations- und Kommunikationsmedium, die gesunkenen Kosten der Onlinenutzung und die Vereinfachung vieler technischer Prozesse. Die Studie enthält auch Zahlen zum Anwendungsspektrum des Internets: 78% der Internetnutzer verschicken bzw. empfangen E-Mails, an Newsgroups und Chats nehmen 16% teil. 53% aller Internetnutzer suchen im World Wide Web gezielt nach Informationen. Kaum Berücksichtigung in der Studie, entgegen der virulenten öffentlichen Debatte, fanden politische Weblogs: Hier wurde lediglich festgestellt, dass diese im Jahr 2005 nur gering verbreitet waren. 158 Die Zeit, die die „Netizens“ online verbringen, steigt an: Durchschnittlich 46 Minuten täglich verbrachte der User im Internet (2004: 43 Minuten). [...]

Ein weiteres Potenzial, das in der professionellen Nutzung des Internets liegt, ist die Organisation und Mobilisierung neuer, unabhängiger politischer Bewegungen und Plattformen, denn „die Eintrittsbarrieren zur Verbreitung von Informationen sind geringer als bei den klassischen Medien“ (Loitz 2001: 41). Außerdem wohnt dem Internet eine hohe Symbolkraft für Modernität und Zukunftsfähigkeit inne, die jede Partei, mit Blick auf den Wähler, für sich in Anspruch nehmen möchte: „Für einige der politischen Akteure scheint die Internet-Präsenz vor allem ein Ausweis `symbolischer Modernisierung´ zu sein“ (Donges/ Jarren 1999: 95). Die Parteien haben das Potenzial symbolischer Kommunikation vergleichsweise früh erkannt und inszenieren im Rahmen des Online-Campaignings regelmäßig Pseudo-Ereignisse für die Medienberichterstattung, so z.B. Chats und Diskussionen zwischen individuellen politischen Akteuren und den Bürgern. 141 Aus den genannten Gründen ist Kaiser (1999: 175) zuzustimmen: Für ihn „besitzt das Internet ohne Zweifel das Potential, politische Entscheidungsstrukturen transparenter zu gestalten: ein direkter Zugriff auf politische Informationen ist nicht mehr nur organisierten Gruppen oder interessierten Teilöffentlichkeiten möglich.“ [...]

Aus den USA kommen die beiden wichtigsten wissenschaftlichen Zeitschriften: Das “Journal of Public Relations Research“ und “Public Relations Review“. Wissenschaftliche Aufsätze zur PR enthalten u.a. die Zeitschriften „Publizistik“, „Media Perspektiven“, „PR-Forum“ und „PR-Magazin“. 117 Ronneberger und Rühl (1992), Avenarius (1995), Faulstich (2000), Bentele et al. (2002, 2005), Kunczik (2002), Herbst (2003), Dagger et al. (2004) und Röttger (2004) zählen zu den wichtigsten Teilnehmern der aktuellen wissenschaftlichen PR-Forschung. 118 Der Name Baerns ist untrennbar mit der Determinationshypothese verbunden: Nach ihr kontrolliert (determiniert) die Öffentlichkeitsarbeit Agenda- und Themen-Setting der Medien. Eine Zusammenfassung der Studien und deren Ergebnisse von Baerns gibt Weber (1999: 265ff.). 119 Auch Schulz (1997: 225-230) stellt frühere Untersuchungen zum Verhältnis der politischen PR zum politischen Journalismus vor, die zumeist die Determinationshypothese stützen. [...]

Arbeit zitieren:
Seimel, Julia März 2006: Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Public Relations, PR, Wahlkampf, Politik, Akteurstheorie

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