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Erfolgsfaktoren der integrierten Versorgung aus der Sicht der Krankenkassen

Erfolgsfaktoren der integrierten Versorgung aus der Sicht der Krankenkassen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Viktoria Fries
  • Abgabedatum: November 2005
  • Umfang: 158 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Niederrhein Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9591-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9591-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9591-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Fries, Viktoria November 2005: Erfolgsfaktoren der integrierten Versorgung aus der Sicht der Krankenkassen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Gesundheitswesen, Krankenhausmangement, Managed Care, Versorgungsmodell, AOK

Diplomarbeit von Viktoria Fries

Zusammenfassung:

Der Gesetzgeber ermöglicht mit der Integrierten Versorgung den Krankenkassen Einzelverträge mit den Leistungserbringern abzuschließen. Den Krankenkassen wird somit eine entscheidende Rolle zugewiesen, indem gezielt Leistungen für ihre Versicherten eingekauft werden können. Der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen um die Versicherten wird gesteigert und gleichzeitig ist mehr Wettbewerb zwischen den Leistungserbringern gewährleistet. Insbesondere für das Gesundheitswesen gilt, dass nicht alles was neu ist auch sinnvoll ist.

Die Integrierte Versorgung ist kein Mittel zum „schnellen Geld“, sondern kann ihre Erfolge eher mittel- bis langfristig verzeichnen. Die Vorteile bestehen vor allem in der effektiven Ressourcennutzung der Versorger, bedingt durch abgestimmte Koordination zwischen den Versorgern. Die Krankenkassen können im Rahmen der Integrierten Versorgung quasi alle Instrumente des Managed Care nutzen, um stärkeren Einfluss auf die Versorgung zunehmen.

Die Nachteile dieser Steuerungsinstrumente sind: steigende Verwaltungs-, Kontroll- und Berichtstätigkeiten. Qualitätssteigerung und langfristige Kostensenkung stehen dem Aufwand gegenüber. Der Erfolg der Integrierten Versorgung kann in einzelnen Projekten nachgewiesen werden.

Es ist aber zu beachten, dass die Integrierte Versorgung neben der Regelversorgung existiert und ihre Auswirkung auf die gesamte Versorgung derzeitig nicht eindeutig eingeschätzt werden kann. Auch die Erfahrungen aus den USA, in denen Managed Care langfristig etabliert ist, lassen keine sichere Schlussfolgerung zu. Zugegebenen mangelt es an guten Studien in USA, die den Einfluss von Managed Care auf die Kosten schließen sowie die Qualitätssteigerung nachweisen.

Grundsätzlich ist zu prognostizieren, dass solitär arbeitende Praxen und Krankenhäuser nicht die Modelle der Zukunft sind und Krankenkassen mit der Integrierten Versorgung nun die Möglichkeit haben neue Versorgungsformen mitzugestalten.

Gang der Untersuchung:

Den Schwerpunkt dieser Arbeit bildet das Erfolgsfaktoren Modell, das den möglichen Erfolg der Krankenkassen beschreibt und diskutiert. Das Modell ist in drei Abschnitte gegliedert:

Der erste Schritt befasst sich mit den Einflussfaktoren, die bei der Gestaltung von neuen Versorgungsformen beachtet werden müssen um eine erfolgreiche Etablierung zu gewährleisten. Fünf Einflussfaktoren werden hier unterschieden: das eigene Unternehmen (am Beispiel der AOK), die Einflussgröße der Politik, der Leistungserbringer, die Versicherten und der Wettbewerb.

Diese Einflussfaktoren stellen Erwartungen bzw. Positionierung und Akzeptanz gegenüber der IV vor. So wird der Einflussfaktor „das Unternehmen selbst“ anhand Anforderungen des AOK-Bundesverbandes sowie anhand Erwartungen an Vertragspartner und an den Vertragswettbewerb vorgestellt. Hier geht deutlich hervor, dass die AOK neue Versorgungsstrukturen grundsätzlich begrüßt, doch sie stellt hohe Anforderungen an die Leistungserbringer und fordert betriebswirtschaftliche und medizinische Managementfähigkeit, die überzeugen.

Vor allem werden Steuerungsinstrumente wie Case Management, Leitlinien, evtl. auch Gatekeeping-Strategien sowie ein umfassendes internes Qualitäts- und Kostencontrolling gefordert.

Gleichzeitig will die AOK auch mehr Einfluss auf die Versorgungsqualität nehmen, indem bspw. klare Kriterien zur Auswahl geeigneter Anbieter gebildet werden sollen. Die Marktpositionierung der Leistungserbringer wird anhand ihrer Akzeptanz gegenüber der Integrierten Versorgung analysiert. Die Akzeptanz der stationären Einrichtungen wird verdeutlicht an der Anzahl der abgeschlossenen Verträge und der geplanten Aktivitäten. Die Ergebnisse der Akzeptanz des ambulanten Bereichs beruhen jedoch auf den Einschätzungen der Vertragsärzte, da im Vergleich zu den stationären Leistungserbringern kaum Erfahrungen vorliegen.

Die Präferenzen der Versicherten werden anhand der NOVITAS-Befragung vorgetragen, die die Erwartungen der Bundesbürger mit den Erwartungen der USA-Versicherten vergleicht.

Dieser Vergleich ist besonders interessant, da die US-Amerikaner über eine langjährige Erfahrung mit integrierten Versorgungsformen verfügen während die Bundesbürger eher ohne Erfahrungswerte ihre Einschätzungen abgeben. Im letzen Schritt der Untersuchung von Einflussfaktoren erfolgt eine Analyse über die Marktpositionierung anderer Krankenkassen. Hierfür ist die Betrachtung der Anzahl der abgeschlossenen IV-Verträge pro Krankenkasse sowie die bevorzugten Vertragsarten mit deren Wirkungsmechanismen bedeutsam. Die Einflussfaktoren stellen die Grundlage für spätere Ableitung von Erfolgsfaktoren sowie für die Erkennung derer Problemfelder dar.

Im zweiten Abschnitt des Erfolgsfaktoren-Modells werden die Entscheidungskriterien (Gestaltungsmöglichkeiten) und die daraus resultierende Erfolgsfaktoren, die auf den Einflussfaktoren aufbauen, näher erläutert.

Der dritte Schritt des Modells befasst sich mit Ursachen-Wechselbeziehungen sowie mit Spannungsfeldern der einzelnen Erfolgsfaktoren. Die Analyse von Zusammenhängen und Spannungsfelder erfolgt mit Hilfe eines Portfolios. Erfolgsfaktoren werden in Cluster eingeteilt, die je nach Höhe des zu erwarteten IV-Erfolgs und der Höhe des Steuerungsgrades durch die Krankenkasse unterteilt sind. Das Ziel besteht hier in der Hervorhebung der entscheidenden Erfolgsfaktoren, die zur langfristigen Etablierung der Integrationsprojekte beitragen.

Der IV-Erfolg ist dann erreicht, wenn Qualität gesteigert und die Kosten gesenkt werden bzw. die Kosten bleiben gleich bei höherer Qualität, so dass ein langfristiges Bestehen interessant ist. Dies erfordert eine nachhaltige Beurteilung der Integration mit Evaluationsinstrumenten. Auf die Evaluation wird hier nicht näher eingegangen sondern nur drauf verwiesen.

Des Weiteren wird ein Abgeschlossener IV-Vertrag der AOKN (Allgemeine Ortskrankenkasse Niedersachsen) über Hüft-/ Kniegelenksendoprothese vorgestellt mit Hilfe des Erfolgsfaktoren-Modells und auf Erwartungen geprüft. Eine nachhaltige Bewertung ist aufgrund der kurzen Laufzeit des IV-Vertrags der AOKN und damit verbundenen Datenmängel nicht möglich und bleibt somit weiteren Arbeiten vorbehalten.

Ein Grundstein der Ergebnismessung wird jedoch gelegt, indem eine Fragesammlung entwickelt wird, die die Zufriedenheit und Akzeptanz der Patienten misst. Der entworfene Fragebogen dient der AOKN als Hilfestellung, die Zufriedenheit ihrer Versicherten, die an der Hüft-/ Kniegelenksendoprothese IV teilnehmen, festzustellen.

Der abschließende Teil dieser Arbeit fasst die Möglichkeiten der Krankenkassen zusammen und geht auf Studien ein, die Kosten- und Qualitätseffekte der bisherigen Projekte schildern. Des weitern wird auf die zu erwartende zukünftige Entwicklung von Integrierten Versorgungsformen eingegangen.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort I
Zusammenfassung II
Tabellenverzeichnis VI
Abbildungsverzeichnis VIII
Abkürzungsverzeichnis IX
I. Einleitung 1
1.1 Gesetzeslage - die gesetzliche Änderung in der Übersicht 4
1.2 Erläuterung zu den Gesetzesänderungen 5
II. Angestrebter Erfolg der Integrierten Versorgung 10
2.1 Zielsetzung der Integrierten Versorgung 11
2.2 IV-Projekte - Erfahrungen aus dem Aus- und Inland 12
a. Integrated Delivery Systems - USA 12
b. Prosper – Gesund 15
2.3 Gestaltungsmöglichkeiten der Leistungserbringer 16
a. Die Chancen der Niedergelassenen 16
b. Erfolgsmöglichkeiten der stationären Einrichtungen 20
2.4 Vertragswettbewerb – die Chance der Krankenkassen 23
2.4.1 Selektives Kontrahieren 24
2.4.2 Vergütungssysteme und deren Wirkungsmechanismen 25
2.4.3 Verhaltenssteuerungen von Versicherten 31
2.5 Grenzen der Integrierten Versorgung 32
III. Erfolgsfaktoren Modell der Integrierten Versorgung 35
3.1 Einflussfaktoren 41
3.1.1 Marktpositionierung der AOK 41
3.1.2 Ziele und Steuerungsmechanismen der Politik 45
a. Wettbewerb 46
b. Kooperation 47
c. Beschleunigung und Vereinfachung der Umsetzung 48
d. Versichertenorientierung 49
e. Fazit 51
3.1.3 Akzeptanz der Leistungserbringer 52
a. Einschätzung der Vertragsärzte 52
b. Positionierung des stationären Sektors 58
3.1.4 Interessen der Versicherten am Beispiel der NOVITAS-Studie 62
a. Wichtigkeit von Versorgungszielen 63
b. Akzeptanz unterschiedlicher Versorgungsmodelle 64
c. Akzeptanzprofile und Versorgungsmodelle 67
d. Akzeptanz und Arztwahlentscheidung 68
e. Fazit 70
3.1.5 Positionierung der Leistungsfinanzierer 70
a. Umgewandelte Strukturverträge 73
b. Komplexpauschalen zum Teil mit Gewährleistung 74
c. Case Management Verträge 77
d. Budgetverantwortung 77
3.2 Entscheidungskriterien und Erfolgsfaktoren 79
a. Das Unternehmen selbst 81
b. Berücksichtigung der Zielsetzung der Politik 83
c. Steuerung der Leistungserbringer 85
d. Markt-/Versichertenkonstellation 88
e. Wettbewerb / Marketing 90
3.3 Ursachen-Wechsel-Beziehungen / Spannungsfelder 92
a. Erfolgsfaktoren des „Poor Dogs“ 94
b. Erfolgsfaktoren des „Question-Marks“ 95
c. Erfolgsfaktoren der „Starprodukte“ 97
d. Erfolgsfaktoren der „Cash-Cow“ 102
IV. Integrationsvertrag der AOK-Niedersachsen Hüft- / Kniegelenksendoprothese 104
4.1 Erfolgsfaktoren des Integrationsvertrags Hüft- /Knie-TEPs 106
4.2 Beurteilung des Integrationserfolgs 112
4.3 Erhebung der Patientenzufriedenheit 115
V. Schlussfolgerung - Ausblick in die Zukunft und Bewertung von Managed Care 121
Literaturverzeichnis 125
Eidesstattliche Erklärung 133
Anlage 134
a. Relevante Gesetzestexte zur Integrierten Versorgung, Stand 01.01.2004 134
b. Projektangebot der AOK-Niedersachsen 139

Automatisiert erstellter Textauszug:

2. Interesse an der Integrierten Versorgung Anders sieht die Verteilung der befragten Ärzte bei Frage nach ihren Interessen bezüglich der Möglichkeiten und des Nutzens der integrierten Versorgung aus. Hier geben 23% der Befragten ihr Interesse als „groß“ und „sehr groß“ an. Widersprechend ist, dass 54% nur ein „mäßiges, „geringeres“ und „sehr geringes“ Interesse betonen. Allgemein liegt eine etwas positivere Beurteilung des Interesses vor und der Mittelwert liegt bei der Note 3,8. Unterschiede zwischen den Vergleichsgruppen sind hier differenzierter. Das Interesse „sehr groß“ und „groß“ an der IV ist bei den Vertragsärzten aus Bremen (33%), aus Gemeinschaftspraxen (35%) und mit einem Lebensalter bis 45 Jahren (38%) stärker ausgeprägt. [...]

3.1.3 Akzeptanz der Leistungserbringer a. Einschätzung der Vertragsärzte Eine Befragung der Brendan-Schmittmann-Stiftung des NAV-Virchow-Bundes (Niedergelassenen Ärzte Verbandes) aus dem Dezember 2004 mit 6154 befragten Vertragsärzten aus den Bundesländern Berlin, Bremen, Brandenburg, Hamburg und Sachsen-Anhalt wird hier vorgestellt, um die Akzeptanz der IV zu beurteilen. Die Befragung erfolgt schriftlich anhand eines Fragebogens. Die Rücklaufquote beträgt 8,26% (508 ausgefüllte Fragebogen). Die Testpersonen sind im Durchschnitt 56 Jahre alt, sie praktizieren meist in einer Einzelpraxis (Einzelpraxis: 61,95%; Praxisgemeinschaft; 19,32%; Gemeinschaftspraxis: 14,94%; Ärztehaus: 3,78%) und über die Hälfte arbeiten in einer Großstadt über 500 000 Einwohner (auf dem Lande: 8,75%; Stadt, bis 50 000 Einwohner (E): 19,68%; bis 500 000 E: 13,32%; über 500 000 E: 58,25%). Die Untersuchung bezieht sich auf den Informationsstand und die Motivation der Niedergelassenen Ärzte in Bezug auf die IV. Die Beurteilung erfolgt nach dem Schulnotensystem (n=6; 1=sehr gut … 6=ungenügend). Im Weiteren werden die wesentlichen Untersuchungsergebnisse zusammenfassend vorgestellt. 1. Informationsstand über Möglichkeiten und Nutzung der Integrierten Versorgung Lediglich 8% der Vertragsärzte bezeichnen ihren Informationsstand über die Möglichkeiten und Nutzen der Integrierten Versorgung als „sehr gut“ und „gut“. Der Informationsstand ist allgemein als schlecht zu bezeichnen, da 63% ihn als „mangelhaft“ und „ungenügend“ angeben. Der schlechte Kenntnisstand beträgt im Mittelwert die Note 4,47 und ist als „schwach ausreichend“ zu interpretieren. [...]

Die Versorgungsqualität der Patienten wird im § 140 b Abs. 3 SGB V geregelt. Da heißt es, dass die Vertragspartner der Krankenkassen sich zu einer qualitätsgesicherten, wirksamen, ausreichenden, zweckmäßigen und wirtschaftlichen Versorgung der Versicherten verpflichten. Insbesondere müssen die Vertragspartner die Gewähr dafür übernehmen, dass sie die organisatorischen, betriebswirtschaftlichen sowie die medizinischen und medizinisch- technischen Voraussetzungen für die vereinbarte IV entsprechend dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse und des medizinischen Fortschritts erfüllen und eine an dem Versorgungsbedarf der Versicherten orientierte Zusammenarbeit anstreben. Der § 140 b Abs. 3 SGB V weist darauf hin, dass die Versorgung patientenorientiert erfolgen muss. Die Leistungserbringer müssen ihre Kompetenz entwickeln, um eine qualitätsgesicherte, wirksame, ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Versorgung an den Bedürfnissen der Patienten ausführen zu können. Indirekt lässt sich das Ziel Beschwerdemanagement auf diesen Gesetzestext übertragen. Behandlungsfehler werden auf mangelnde oder fehlende Kommunikation innerhalb des Leistungserbringungsprozesses zurückgeführt. Deshalb fordert der Gesetzgeber eine patientenorientierte Zusammenarbeit. Außerdem fördert das Einrichten eines Beschwerdemanagements eine stärkere Patientenbeteiligung indem sie ermutigt werden, ihre Interessen mit einzubeziehen, d.h. Versichertenrechte werden gestärkt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Vertragspartner einer Integrierten Versorgung unter der Berücksichtigung der vom Gesetzgeber erwünschten Rolle der Versicherten patientenorientierte Vereinbarungen schließen müssen. Aufklärung und Beteiligung der Versicherten hat eine hohe Priorität innerhalb der Integrierten Versorgung.96 [...]

Arbeit zitieren:
Fries, Viktoria November 2005: Erfolgsfaktoren der integrierten Versorgung aus der Sicht der Krankenkassen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Gesundheitswesen, Krankenhausmangement, Managed Care, Versorgungsmodell, AOK

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