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Sexueller Missbrauch - Kinder als Täter

Sexueller Missbrauch - Kinder als Täter
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Daniela Koch
  • Abgabedatum: März 2006
  • Umfang: 66 Seiten
  • Dateigröße: 604,7 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9553-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9553-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9553-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Koch, Daniela März 2006: Sexueller Missbrauch - Kinder als Täter, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Gewalt, Sexualität, kindlich, Aggression, Misshandlung

Diplomarbeit von Daniela Koch

Einleitung:

Sexuell aggressive Kinder sind kein neues Phänomen. Erste Fallsammlungen wurden bereits Ende des 19. Jahrhunderts dokumentiert. Obwohl die Literatur über sexuellen Missbrauch inzwischen unübersehbar geworden ist und sexueller Missbrauch durch Kinder und Jugendliche verstärkt in den Blick der Forschung geraten, findet sich speziell für den Bereich sexuell übergriffiger Kinder bzw. sexuellen Missbrauch durch Kinder kaum etwas.

Auch in der Forschung finden sich nur wenige empirische Untersuchungen, die meisten beziehen sich auf kindliche und jugendliche Täter zusammen. Da aber mittlerweile bekannt ist, dass die meisten Täterkarrieren in der Kindheit beginnen, oder anders gesagt, dass „die Grundlage für das sexuelle Misshandlungsmuster oft bereits im Jugendalter oder früher angelegt werden“ (Fürniss, 2000) bin ich der Ansicht, dass eine gesonderte Betrachtung des Bereichs -Kinder als Täter- wichtig ist.

Ziel dieser Diplomarbeit soll es sein, den Zusammenhang von sexuell missbräuchlichem Verhalten und Aggressivität und dessen Entwicklung herzustellen, die Entwicklung einer normalen kindlichen Sexualität darzustellen und Möglichkeiten aufzuzeigen, sexuell übergriffiges Verhalten davon abzugrenzen. Die Herausarbeitung von den Ursachen für sexuell missbräuchliches Verhalten von Kindern wird den Hauptteil dieser Arbeit ausmachen. Da, wie bereits erwähnt die Mehrzahl jugendlicher Täter bereits als Kinder durch sexuell übergriffiges Verhalten auffallen, kann durch die Analyse der Ursachen bestimmt werden, welche Maßnahmen zur Prävention und Intervention ergriffen werden können, um effektiv die Wahrscheinlichkeit von Täterkarrieren zu vermindern.

Die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen von Sozialarbeit werden im letzten Abschnitt besprochen.

Zusammenfassung:

Sexueller Missbrauch durch Kinder ist ein Themenkomplex, der in letzter Zeit verstärkt in den Blick der Forschung gerät. Es ist deutlich geworden, dass der Grundstein für sexuell missbräuchlichen Verhaltens Jugendlicher und Erwachsener oftmals im Kindesalter gelegt wird. Dieses betont noch einmal, dass es sowohl von professioneller als auch von gesellschaftlicher Seite wichtig ist, sich mit dem Thema auseinander zusetzen.

Sexuell missbräuchliches Verhalten von Kindern ist ein nahezu alltägliches Phänomen, welches oftmals mit einem großen Gewaltpotential einhergeht.

Die Tatsache, dass es häufig bagatellisiert oder nicht erkannt wird, ist meiner Meinung nach ein Hinweis darauf, dass zu wenig Wissen über kindliche Sexualität und Alterangemessene sexuelle Betätigung bei Eltern, Erziehern und auch innerhalb der sozialen Arbeit existiert. Nur wenn sexuell aggressives Verhalten von Kindern auch als solches erkannt wird, kann nach den Ursachen dafür gesucht werden, woraufhin Interventionen erfolgen können.

Bei der Analyse der Ursachen ergibt sich das Problem, dass diese sehr vielfältig sein können und es sich oftmals um ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren handelt. Ein genaues Beobachten und eine Zusammenarbeit verschiedener Professionen scheint hier angebracht. Der sozialen Arbeit kommt bei der Prävention ein größerer Stellenwert zu.

Wenn es gelingen sollte, Aufklärungsarbeit zu leisten, die Empathie bei Kindern zu fördern und eine geschlechtssensible Pädagogik zu leisten, kann dies zu einer Verminderung von Täterkarrieren beitragen.

Je früher eine Täter/Innengeschichte beendet wird, desto weniger Opfer werden geschädigt und desto weniger verfestigt sich womöglich das Missbrauchsverhalten.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Allgemeinen Grundlagen 1
2.1 Definition 2
2.2 Ausmaß und Formen des Missbrauchs 4
3. Sexuelle Gewalt / Aggression 5
3.1 Definition Aggression / Gewalt 6
3.2 Entwicklung der Aggressivität 8
3.2.1 Erste Prämilinarphase der Aggressivität: Phase der aggressionsaffinen Emotionen 10
3.2.2 Zweite Prämilinarphase der Aggressivität: Trotzanfälle und Protoaggression 10
3.2.3 Phase der Aggressivitäts-Etablierung und-Differenzierung 11
4. Kindliche Sexualität 12
4.1 Sexuelle Spiele unter Kindern 15
4.2 Altersangemessene sexuelle Betätigung oder Missbrauch? 17
5. Ätiologie 21
5.1 Soziale Lerntheorie nach Bandura 24
5.1.1 Modeling Konzept der Erlernung missbräuchlichen Verhaltens nach Becker 29
5.2 Zyklische Weitergabe sexuellen Missbrauchs 30
5.2.1 Modell zyklischer Weitergabe sexuellen Missbrauchs 32
5.3 EMASO-Modell nach Bera 38
5.4 Modell der vier Voraussetzungen des sexuellen Missbrauchs 39
5.5 Drei-Perspektiven- Modell sexueller Gewalt 44
5.6 Borderline-Syndrom im Kindesalter 51
6. Möglichkeiten und Grenzen sozialer Arbeit für missbrauchende Kinder 52
7. Schlussbetrachtung 59
8. Literatur-und Quellenverzeichnis 60

Automatisiert erstellter Textauszug:

Sermabeikian und Martinez haben auf der Grundlage der sozialen Lerntheorie ein Behandlungsmodell für jugendliche TäterInnen entwickelt. Die Herkunft sexuell missbrauchenden Verhaltens bei Jugendlichen beschreiben sie folgendermaßen: „ Eine Reihe von Typologien für jugendliche Sexualstraftäter wurde entwickelt, aber kein einziger Faktor oder eine einzelne Erfahrung wurden als zur sexuellen Abweichung führend angesehen. Kombinationen von Faktoren, welche die individuelle Entwicklung, eine mögliche Geschichte von physischem oder sexuellem Missbrauch, die Umstände in der Herkunftsfamilie, deviante sexuelle Erregung und die gegenwärtige Situation einschließen, können in Erwägung gezogen werden. Komplexe Verhaltensweisen (wie sexuelle Abweichung) können nicht als einheitliche Muster gesehen werden, sondern entstehen durch die Integration vieler einzelner Aktivitäten verschiedenen Ursprungs. … Es scheint ein Allgemeinen Einverständnis in Bezug auf die Ätiologie sexuell abweichender Verhaltensweisen zu geben. Diese Verhaltensweisen werden als gelernte Phänomene angesehen, bei denen frühe sexuelle Erfahrungen und nicht genetische oder biologische Ursprünge eine Rolle spielen. … Die Annahme, dass das strafbare sexuelle Verhalten gelernt, beobachtet oder erfahren wurde, hat zur Entwicklung von Behandlungsinterventionen geführt, die den jugendliche Sexualstraftäter mit der Möglichkeit versorgen, zu lernen, das Missbrauchsverhalten zu stoppen und sozial akzeptable Wege zu entwickeln, Sexualität auszudrücken.“ ( Sermabeikian und Martinez, S. 970)81 [...]

„Ein Individuum mag zwar die Fähigkeit erwerben und behalten, ein modelliertes Verhalten auszuführen, wird das Erlernte aber nur schwerlich offen ausführen, wenn Sanktionen drohen oder die Umstände keinen Ansporn bieten“(Bandura, 1976, S.29)77 Ein Verhalten wird nur dann von dem Beobachter ausgeführt, wenn es ihm sinnvoll erscheint. Sowohl für die Ausführung, wie auch für den Erwerb des beobachteten Verhaltens hat die Antizipation von Verstärkung oder Bestrafung motivierende oder demotivierende Funktionen. Für Bandura ist die Verstärkung eine förderliche Bedingung des Modell-Lernens, da sie die Aufmerksamkeitsprozesse und die zentralen Integrationsprozesse begünstigt. Die Verhaltenskonsequenzen formen Verhalten nicht automatisch, sondern sie informieren den Beobachter darüber, welche Konsequenzen ihn wahrscheinlich erwarten, wenn er dieses Verhalten in der Zukunft ausführt und sie motivieren die Person, sich so zu verhalten, dass die von ihnen angestrebten, als wertvoll erachteten Ergebnisse erreicht werden78. Motive sind nach Bandura beispielsweise eine vergangene Verstärkung, eine versprochene Verstärkung, welche die Person sich vorstellen kann oder eine stellvertretende Verstärkung; sehen und sich erinnern, wie das beobachtete Modell verstärkt wird. Negative Motive zum Unterlassen von Nachahmung sind eine vergangene Bestrafung, eine versprochene oder eine stellvertretende. Positive Verstärkung hat eine bessere Wirkung als Bestrafung, welche eher die Tendenz hat, sich gegen uns zu wenden.79. Neben der äußeren Verstärkung können beim Modell-Lernen stellvertretende Verstärkung und Selbstverstärkung auftreten. Bandura, welcher soziale Phänomene wie Aggression bei Adoleszenten oder Kindern untersuchte, lehnt die medizinische Vorstellung von abweichenden Verhalten ab80. Für ihn handelt es sich bei den Handlungen, welche von den sozialen und ethischen Normen abweichen um individuelle Wege, mit [...]

Determinismus: Die Welt und das Verhalten eines Menschen erzeugen sich gegenseitig. 73 Persönlichkeit ist für ihn eine Interaktion vom Umfeld, Verhalten und den psychologischen Prozessen, die in einem Menschen vorgehen. Für Bandura spielt das Modell-Lernen auch eine wesentliche Rolle bei der sozialen Entwicklung von Kindern. Durch beobachtetes Verhalten ergänzen Kinder ihr Repertoire an Verhaltensmöglichkeiten und das Beobachten von Modellen hilft ihnen zu entscheiden, unter welchen Möglichkeiten diese umgesetzt werden können74. Die kindliche Entwicklung lässt sich mit Hilfe von Banduras sozialer Lerntheorie in einen Prozess gliedern, der zum einem durch eine langsame Erweiterung der bereits bestehenden Antworten und Handlungen durch Beobachtung anderer Personen und eigenen Ausführungsversuchen gekennzeichnet ist. Zum anderen nutzen Kinder die Informationen, welche sie aus den beobachteten Verhaltenskonsequenzen erhalten haben, für spätere Entscheidungen und zur Bewertung von Reaktionen. [...]

Arbeit zitieren:
Koch, Daniela März 2006: Sexueller Missbrauch - Kinder als Täter, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Gewalt, Sexualität, kindlich, Aggression, Misshandlung

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