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Der Zusammenhang zwischen Interaktivität und Partizipation in Demokratien -

Untersucht am "virtuellen Wahlkampf" 2004 in den USA

Der Zusammenhang zwischen Interaktivität und Partizipation in Demokratien -
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Anne-Katrin Hübel
  • Abgabedatum: Mai 2005
  • Umfang: 211 Seiten
  • Dateigröße: 2,3 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9447-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9447-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9447-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hübel, Anne-Katrin Mai 2005: Der Zusammenhang zwischen Interaktivität und Partizipation in Demokratien -, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Online-Wahlkampf, Online-PR, E-Government, Präsidentschaftswahlen, Strukturanalyse Websites

Magisterarbeit von Anne-Katrin Hübel

Einleitung:

Die Magisterarbeit widmet sich dem Potenzial zu Interaktivität auf Wahlkampfwebsites und sich daraus ergebenden Möglichkeiten zu politischer Partizipation der Internetnutzer.

Obgleich der moderne Wahlkampf auf absehbare Zeit in erster Linie ein Fernsehwahlkampf bleiben wird, verspricht parallel dazu das Aufkommen neuer Informations- und Kommunikationstechnologien einen Wandel politischer und gesamtgesellschaftlicher Kommunikation. Das Aufbrechen bislang hierarchischer Kommunikationsrollen, gesteigertes Interesse der Wahlberechtigten und das Aufblühen öffentlicher Debatten im Cyberspace werden von den einen erhofft, von den anderen befürchtet.

Da sich das Internet als ein zeitgemäßes und praktikables Instrument der Information, Kommunikation und Organisation erwiesen hat, ist es für politische Parteien und Kampagnen obligatorisch geworden, sich des Mediums zu bedienen. Dieser Modernisierungsprozess transformiert seit Mitte der 1990er Jahre von den Vereinigten Staaten ausgehend den Ablauf und das Aussehen von Wahlkämpfen – die Notwendigkeit, den „virtuellen Wahlkampf“ in die „Offline“-Kampagne zu integrieren, ist weitgehend unbestritten.

Das Internet als Prototyp der computervermittelten Kommunikation „eröffnet einen neuen, integrierten, kontextvariablen und damit beeindruckend umfassenden Interaktionsraum für die Menschen.“ In ihrer Wirkung richten sich informationstechnische Innovationen „unmittelbar auf die Veränderung der gesellschaftlichen Elementaroperation der Kommunikation und damit auf die Veränderung der Gesellschaft selbst“. Aussagen dieser Art werden in Kapitel 3 im Zusammenhang mit der Diskussion um den technisch induzierten Wandel von Politik und Gesellschaft erörtert. Sie lassen sich auf die spezifischen Merkmale des Netzes, wie zum Beispiel Hypertextualität, die Fähigkeit zu multimedialen Darstellungen, die Möglichkeit bidirektionaler, synchroner und asynchroner Kommunikation sowie das große Volumen und die hohe Geschwindigkeit der Datenübertragung, zurückführen. Als Spezifikum neuer elektronischer Kommunikationsräume und Abgrenzung zu den sogenannten „traditionellen Medien“ gilt aber vor allem das Potenzial des Internets, „Interaktivität“ zu erlauben. Mit diffusen Bedeutungszuweisungen versehen, dient der Begriff verbreitet als Projektionsfläche für zahlreiche gesellschaftliche Utopien und als Ankerpunkt vieler Hoffnungen auf eine Revitalisierung politischer Kommunikation und Verbesserung bürgerlicher Partizipationschancen am politischen Geschehen.

Doch was verbirgt sich tatsächlich hinter dem Phänomen „Interaktivität“? Inwieweit lässt sich das Konzept theoretisch definieren und empirisch erfassen? Was bedeutet das Angebot von „Interaktivität“ für politische Kommunikation? Kann es „mehr und bessere“ Partizipation der Bürger bewirken? Und warum sollten sich Politiker auf dieses Experiment einlassen? Bieten gerade im Wahlkampf die Imperative „Kommunikationshoheit“ und „Massentauglichkeit“ überhaupt Spielraum für interaktive und damit stärker individualisierte Kommunikationsformen?

In der Auseinandersetzung mit den Themen „interaktive Netzangebote“ und „politische (Wahlkampf-)Kommunikation“ drängen sich diese Fragen auf und eröffnen verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen ein breites Spektrum möglicher Forschungsfragen. Nicht jede lässt sich im Rahmen der vorliegenden Magisterarbeit thematisieren oder gar abschließend beantworten. Deswegen fokussiert diese Untersuchung das Problem, inwieweit aus medienwissenschaftlicher Perspektive die interaktiven Potenziale des Internets auf politischen Websites realisiert werden. Stärker politikwissenschaftlich orientiert ist die darauf aufbauende Frage nach dem Zusammenhang zwischen Interaktivität und einem höheren Maß an politischen Partizipationschancen der Bürger.

Die Grundlage der Betrachtungen bildet das Verständnis des Internets als eine Struktur, die neben Information und Überzeugung auch verschiedene Formen politischer Handlungen und Kommunikation ermöglicht. Im Zentrum sollen die politischen Handlungsmöglichkeiten der Bürger stehen, die sich aus einer Nutzung von Wahlkampfwebsites ergeben können.

Mit Hilfe einer Strukturanalyse werden die Internetpräsenzen der beiden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten George W. Bush und John Kerry im Wahlkampf 2004 auf das Vorhandensein interaktiver Elemente und Möglichkeiten zur Partizipation hin überprüft. Dabei konzentriert sich diese Arbeit auf die Untersuchung der Strukturen der Websites. Demgegenüber werden Aspekte der tatsächlichen Nutzung der jeweiligen Angebote und die Wahrnehmung von Interaktivität durch die Seitenbesucher ausgeblendet.

Der Fokus auf die Vereinigten Staaten begründet sich aus deren Pionierrolle: Im Präsidentschaftswahlkampf 1996 spielte das Internet zum ersten Mal eine veritable Rolle. Seitdem gelten die USA als Vorreiter in der Nutzung des Netzes für Wahlkampagnen. Auch in Bezug auf die allgemeine Entwicklung und Verbreitung des Internets gilt die Faustformel: Die USA sind den Deutschen ein bis zwei Jahre voraus; sie können also einen gewissen Vorbildcharakter für sich beanspruchen. Auf strategischer Ebene bilden die US-Kandidaten ebenfalls in vieler Hinsicht das „’leading edge’ innovativer Wahlkampfführung“, da hier die Entwicklung postmoderner Kampagnen am weitesten fortgeschritten ist und etliche Formen des Wahlkampfes erstmals erprobt sowie publizistisch und wissenschaftlich reflektiert wurden.

Die Wahl der Websites http://www.johnkerry.com und http://www.georgewbush.com als Untersuchungsobjekte reflektiert die personenzentrierte politische Kultur in den USA, die Parteien und bürgerlichen Organisationen eine weniger wichtige Rolle im Prozess der Informationsproduktion und Mobilisierung der Bürger als in anderen westlichen Demokratien zuweist.

Vor der Durchführung der Strukturanalyse werden zunächst die beiden zentralen Konzepte dieser Arbeit – „Interaktivität“ und „Partizipation“ – auf Basis der Diskussion relevanter Literatur theoretisch beleuchtet und hinsichtlich einer gegenseitigen Abhängigkeit untersucht. Aspekte der Internetnutzung in früheren Wahlkämpfen sollen abschließend die Kandidatenwebsites des Jahres 2004 „historisch“ einbetten und die Bandbreite möglicher Funktionen und Elemente der „virtuellen Wahlkampfarena“ aufzeigen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Interaktivität 7
2.1 Ein neuer Begriff für eine alte Idee? 9
2.2 Der begriffliche Ursprung – „Interaktion“ 12
2.2.1 Das Konzept der Interaktion in der Soziologie 13
2.2.2 Das Konzept der Interaktion in der Informatik 14
2.2.3 Das Konzept der Interaktion in der Kommunikations- und Medienwissenschaft 14
2.2.4 „Interaktion“ = „Interaktivität“? 15
2.3 Systematisierung vorhandener Definitionen 16
2.3.1 Kommunikationswissenschaftliche Definitionen von Interaktivität 18
2.3.1.1 Betonung auf der Technologie 18
2.3.1.2 Betonung auf der Umgebung der Kommunikation (Communication Setting) 20
2.3.1.3 Betonung der Wahrnehmung 22
2.3.2 Mehrdimensionale Definitionen von Interaktivität 23
2.3.2.1 Zweidimensionale Konzeption von Interaktivität 23
2.3.2.2 Dreidimensionale Konzepte von Interaktivität 24
2.3.2.3 Vierdimensionale Konzeption von Interaktivität 26
2.3.2.4 Fünfdimensionale Konzeption von Interaktivität 27
2.3.2.5 N-dimensionale Konzeption von Interaktivität 29
2.4 Gemeinsamkeiten der Definitionen und „Neudefinition“ von Interaktivität 30
2.4.1 Gemeinsamkeiten der bisherigen Definitionen 30
2.4.2 „Neudefinition“ des Begriffes 33
2.5 Zweck und Grenzen von Interaktivität 34
2.5.1 Wirkungen und Zwecke von Interaktivität 34
2.5.2 Grenzen von Interaktivität 37
3. Partizipation 39
3.1 Begriff und Formen der Partizipation 40
3.1.1 Definition politischer Partizipation 40
3.1.2 Konventionelle Formen und Determinanten politischer Partizipation 41
3.1.3 Funktionen und Realität politischer Partizipation 43
3.2 Politische Partizipation im Rahmen des Internets 46
3.2.1 Politischer Netzoptimismus 47
3.2.2 Netzpessimisten und -skeptiker 50
3.2.2.1 Kritik an Optimisten 50
3.2.2.2 Politischer Netzpessimismus 51
3.2.2.3 Normalisierung und Verstärkung existierender Verhältnisse 52
3.2.3 Relativierung: Die Potenziale des Internets 54
3.2.4 Interaktivität als Voraussetzung für politische Partizipation? 58
4. Das Internet als Werkzeug der politischen (Wahlkampf-)Kommunikation 60
4.1 Online-Wahlkampf – Das Internet im Wahlkampf der USA 62
4.1.1 Die virtuelle Wahlkampfarena 62
4.1.2 Funktionen und Elemente von Kandidatenseiten im Wahlkampf 63
4.1.3 Vorteile, Nachteile und Implikationen des „virtuellen“ Wahlkampfes 68
4.1.3.1 Vor- und Nachteile des „virtuellen“ Wahlkampfes für Kandidaten und Wähler 68
4.1.3.2 Implikationen für den Online-Wahlkampf und die Wahlkämpfer 71
4.2 Die Entwicklung des Online-Wahlkampfes in den USA 73
4.2.1 Der „virtuelle“ Wahlkampf 1996 74
4.2.2 Der „virtuelle“ Wahlkampf 2000 76
4.3 Der Wahlkampf 2004 78
4.3.1 Die Situation 2004 und allgemeine Trends des Wahlkampfes 78
4.3.2 Die Nutzung des Internets durch die Präsidentschaftskandidaten 79
4.3.3 „Online Political Citizens“ – die Zielgruppe der einflussreichen Multiplikatoren 81
4.4 Zusammenfassung 83
5. Empirische Untersuchung: Strukturanalyse der beiden Kandidatenseiten 85
5.1 Die Analyse von Online-Kommunikation – neue Wege mit Hilfe „alter“ Methoden? 85
5.1.1 Chancen und Vorteile für die Analyse des Internets 85
5.1.2 Herausforderungen des Internets 86
5.1.3 Implikationen und Lösungsansätze für die Analyse von Websites 89
5.2 Vorbemerkungen zur Strukturanalyse der Kandidatendomains des Wahlkampfes 2004 91
5.3 Planung und Vorbereitung der Strukturanalyse 94
5.3.1 Definition und Operationalisierung der Begriffe 94
5.3.1.1 Wahlkampfwebsite/Kandidatenwebsite 94
5.3.1.2 Interaktive Elemente 95
5.3.1.3 Partizipation 96
5.3.2 Methode der Datenerhebung 97
5.3.2.1 Datensammlung 97
5.3.2.2 Einschränkung des Erhebungszeitraumes 98
5.3.2.3 Einschränkung der Grundgesamtheit 99
5.3.2.4 Methodisches Vorgehen und Analyseaspekte der deskriptiven Untersuchung 100
5.3.2.5 Vorgehen bei der Strukturanalyse zur Identifikation interaktiver Elemente 100
5.4 Datenerhebung 102
5.4.1 Deskriptive Strukturanalyse 102
5.4.1.1 Die Website von John Kerry 102
5.4.1.2 Die Website von George W. Bush 108
5.4.2 Strukturanalyse interaktiver Elemente 111
5.4.2.1 Identifikation handlungsorientierter Elemente 111
5.4.2.2 Identifikation interaktiver Elemente 113
5.4.3 Darstellung der strukturanalytischen Ergebnisse 116
5.5 Auswertung – Verbindung Struktur und Partizipationschancen 121
6. Schlussbetrachtung 127
Abbildungsverzeichnis 129
Literaturverzeichnis 130
Eidesstattliche Erklärung 141
Anhang 142

Automatisiert erstellter Textauszug:

4.2.2 Der „virtuelle“ Wahlkampf 2000 Der „virtuelle“ Wahlkampf 2000 gilt als „the first in which candidates reached so many citizens with so many different types of messages on their websites.“299 Schon nahezu 67 % der Amerikaner hatten in diesem Jahr einen Internetzugang300 und immerhin 8 % aller Internetnutzer besuchten eine Kandidatenwebsite, um Informationen über den Wahlkampf zu bekommen.301 Damit kann dieser US-Präsidentschaftswahlkampf als der erste betrachtet werden, der aufgrund ausreichender Nutzerzahlen ein Online-Engagement der Kandidaten im größeren Stil rechtfertigte.302 Vor allem die speziellen Kandidatendomains gewannen weiter an Bedeutung, während die regulären Web-Präsenzen der großen Parteien eine weniger wichtige Rolle für den Wahlkampf spielten.303 Davon abgesehen, entstanden die sogenannten „Vote Swapping Sites“ als von den Nutzern angestoßen, innovative Versuche, den Wahlprozess zu beeinflussen. Über diese „Vermittlungswebsites“ fanden Anhänger verschiedener Bewerber zueinander, um ihre Wählerstimmen über Grenzen der einzelnen Bundesstaaten hinweg zu tauschen, also eine Art „Partnerschaftsvermittlung der politischen Art“ zu betreiben.304 Auf den Kandidatenwebsites war im Vergleich zu 1996 eine massive Veränderung der inhaltlichen Schwerpunkte zu verzeichnen. Strategische Inhalte standen jetzt im Mittelpunkt: die Rekrutierung von Freiwilligen und Direkterhebung von Spendenmitteln sowie die gezielte Wähleransprache durch personalisierte Kommunikationsdienste.305 Die Anstrengungen der beiden Hauptkontrahenten George W. Bush und Al Gore, Nutzer dazu zu animieren, sich auf den Seiten als Abonnent der Newsletter, ehrenamtlicher Mitarbeiter oder Spender zu registrieren, trugen maßgeblich zum Aufbau von Datenvorräten bei, die die Voraussetzung für das sogenannte „Voter Targeting“ bilden. In Anlehnung an Techniken des Customer Relationship Management in der Wirtschaft werden hierbei mit Hilfe der gesammelten Daten Wählerprofile erstellt, gepflegt und gruppiert, um dann systematisch E-Mails an größere Empfängerkreise zu versenden.306 Als wegweisend hinsichtlich der innovativen und effektiven Nutzung erwies sich im Wahlkampf des Jahres 2000 der Kandidat John McCain. Nach seinem Sieg in New Hampshire während des Vorwahlkampfes konnte er allein über das Internet binnen 48 Stunden 1 Mio. [...]

zentrale Funktion gewesen sei. Die Kampagne hätte weit mehr Energie in die Stärkung der Verbindung zu sympathisierenden Wählern gesteckt als in die Bereitstellung von StandardKampagneninformationen.290 Als Fazit ihrer Analyse der Webauftritte von Dole und Buchanan beanstanden Klinenberg und Perrin, dass keiner der beiden Kandidaten wirklich daran interessiert gewesen sei, die Technologie zu nutzen, um substanzielles Feedback von der Wählerschaft zu bekommen.291 Stattdessen galt „The message […] became the medium.” Die Kampagnen betonten die bloße Existenz ihrer Netzauftritte stärker als die darauf bereitgestellten Inhalte: „[...] candidates captured political capital by proclaiming their Internet presence.“292 Generell werden die Internetangebote im Präsidentschaftswahlkampf 1996 sehr kontrovers bewertet. Verbreitet finden sich ähnlich negative Bewertungen wie die soeben genannten Befunde.293 Demgegenüber kommt eine der positivsten Wertungen der Kandidatendomains von Christoph Bieber, der für den „virtuellen“ Wahlkampf 1996 eine „eher dialogorientierte Nutzung des Internet“ feststellt.294 Die Angebote hätten in ihrer Gesamtheit auf die Ausbildung einer virtuellen Gemeinschaft295 abgezielt – gründliche Information der Wähler und Versuche, „neue, direktere Kommunikationswege zwischen der Produktions- und der Rezeptionsebene von Politik herzustellen“ hätten im Vordergrund gestanden.296 Aus diesen unterschiedlichen Perspektiven lässt sich schließen, dass die Möglichkeiten zu politischer Partizipation im Internet nicht nur theoretisch umstritten sind, sondern dass auch die faktisch vorhandenen Strukturen zur Kommunikation und Interaktion in ihrer Wirkung sehr unterschiedlich bewertet werden. 297 Wie hoch man den Grad an möglicher Interaktivität und Potenzial zur Partizipation auch einschätzt, generell lässt sich als Leistung der Kandidatenseiten zu diesem Zeitpunkt festhalten: “By the 1996 and 1998 campaigns, Internet-based politics had moved from the arcane and utopian […], to the mainstream and Realpolitik.”298 [...]

Nutzern, dank der gesetzlichen Zulassung von Online-Wahlkampfspenden per Kreditkarte und verbesserter Verschlüsselungstechnologien, bequem und unaufwändig von heimischen Computer aus ermöglicht.282 4.2.1 Der „virtuelle“ Wahlkampf 1996 1996 gilt gemeinhin als das Jahr, in dem zum ersten Mal signifikante Wahlkampfaktivitäten im Internet zu verzeichnen waren.283 Der Präsidentschaftskandidat Lamar Alexander nutzte als erster in diesem Wahlkampf das Netz und nahm an „interaktiven“284 OnlineVeranstaltungen mit den Nutzern teil.285 Die „National Conventions“ der Republikaner und Demokraten im Sommer wurden im World Wide Web dokumentiert und erste Versuche von „Live-Übertragungen“ wichtiger Wahlkampfereignisse im Internet wurden unternommen;286 Premiere hierfür war die Fernsehdebatte zwischen Bob Dole und Bill Clinton am 07. Oktober 1996. Am Ende der Diskussion gab Dole die Webadresse seiner Kampagnenhomepage im Fernsehen bekannt und ermunterte die Zuschauer, diese auch zu besuchen und als Werkzeug zur Kommunikation und Information zu nutzen.287 Er selbst charakterisierte seine Internetpräsenz als „the most user-friendly, interactive, and interesting page of any presidential campaign on the internet“.288 Tatsächlich galt aber vor allem die organisatorische Infrastruktur als beeindruckend. Unter anderem waren Kontaktpersonen der nationalen Kampagnenhauptquartiere sowie staatenspezifische Informationen über Bob Dole zu finden. Zudem hatten Nutzer die Möglichkeit, sich ein Spendenformular auszudrucken und per Post an die Kampagne zu senden, Kommentare in einem Gästebuch zu hinterlassen oder sich auf der „Volunteer“-Seite zu registrieren.289 Die Absicht einer direkten Kommunikation mit den Seitenbesuchern sprechen Eric Klinenberg und Andrew Perrin der Kampagne jedoch ab. Der Aufbau einer OnlineGemeinschaft würde gar nicht erst versucht, da die Websites den altbekannten Diskurs des Massenwahlkampfes aufweisen würden. Als Gegenpol in Bezug auf die Nutzung des World Wide Web bestimmen Klinenberg und Perrin die Kandidatendomain von Pat Buchanan, da hier der Aufbau einer „Community“ die [...]

Arbeit zitieren:
Hübel, Anne-Katrin Mai 2005: Der Zusammenhang zwischen Interaktivität und Partizipation in Demokratien -, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Online-Wahlkampf, Online-PR, E-Government, Präsidentschaftswahlen, Strukturanalyse Websites

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