Doping – Das Dilemma des Leistungssports
Rechtliche Gesichtspunkte unter Berücksichtigung sportethischer Argumente
- Art: Dissertation / Doktorarbeit
- Autor: Tanja Haug
- Abgabedatum: Juni 2005
- Umfang: 253 Seiten
- Dateigröße: 999,2 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9374-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9374-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9374-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung: Die Arbeit wurde am 07. November 2006 mit dem Toyota-Wissenschaftspreis 2005 ausgezeichnet.
- Arbeit zitieren: Haug, Tanja Juni 2005: Doping – Das Dilemma des Leistungssports, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Leistungssport, Sportethik, Doping, Fairness, Sanktion
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Dissertation / Doktorarbeit von Tanja Haug
Einleitung:
Der Sport hat sich in den letzten Jahrzehnten mit einer beachtenswerten Geschwindigkeit entfaltet und dabei eine äußerst vielfältige Sportkultur herausgebildet. Dass sich dabei nicht nur die positiven Aspekte, sondern auch die negativen Seiten mit der gleichen Dynamik entwickelt haben, vermag nicht zu überraschen.
Die Dopingproblematik sticht aus dem Kreis der Schattenseiten besonders hervor, hat sie sich doch im Laufe der Zeit in allen Bereichen des Sports ausgebreitet. Dopingfälle sind nicht nur im Leistungssport zu verzeichnen, selbst der Behindertensport hatte solche bereits zu vermelden und im Freizeit- und Breitensport ist der Griff zur pharmakologischen Hilfe ebenfalls zu beobachten.
Doping zieht sich quer durch alle Sportarten, alle Schichten und Nationen. Es greift den Sport in seinem Wesenskern an, stellt die sportethischen Werte in Frage und hat zur Folge, dass die schöne Besonderheit des Sports, sofort erkennen zu können, wer obsiegt oder unterlegen ist, verloren geht. Denn guten Leistungen wird mit Misstrauen begegnet, die Anerkennung des sportlichen Erfolgs steht unter dem Vorbehalt der Dopingprobe. Doping ist deshalb zur größten Bedrohung des Sports und zugleich zu seiner wichtigsten Herausforderung geworden.
Dieser haben sich bisher verschiedenste wissenschaftliche Disziplinen angenommen. Zahlreiche Diskurse fanden statt, die die unterschiedlichsten Aspekte der Dopingproblematik insbesondere aus ethischer, juristischer, soziologischer oder naturwissenschaftlicher Sicht beleuchteten. So untersuchten Juristen bisher, inwieweit Handlungen im Zusammenhang mit Doping die Straftatbestände der Körperverletzungs- und Tötungsdelikte sowie des Betrugs erfüllen können oder welche haftungsrechtliche Verantwortung daraus resultieren kann.
Daneben wurden aus juristischer Sicht auch die Verfassungsmäßigkeit, Grenzen und internationalen Bezüge von Anti-Doping-Bestimmungen erforscht und die rechtliche Bedeutung ihrer naturwissenschaftlichen Grundlagen analysiert. Die ethische Literatur beschäftigte sich bislang vorwiegend mit den moralischen Bewertungen des Dopinggeschehens, seinen Regeln und des Handelns seiner Akteure, ebenso wie mit den betroffenen ethischen Werten und Normen.
Aus soziologischer Sicht wurden besonders die Biographien, Beziehungsgeflechte und Lebensumstände der Sportler und die Strukturen des Sportsystems unter die Lupe genommen, während die Naturwissenschaftler zu den Wirkungen der Dopingsubstanzen und ihrem Nachweisverfahren sowie zu medizinischen Aspekten publizierten.
Diesen Ansätzen ist gemein, dass sie sich der Thematik punktuell nähern und die Individuen oder singuläre Gesichtspunkte untersuchen und bewerten. Dies ist verständlich angesichts der Vielschichtigkeit des Dopinggeschehens und der körper- und personenbezogenen Inszenierung des Sports und für die konkrete Verfolgung der einzelnen Verfehlungen auch erforderlich.
Dennoch erfasst eine solche Betrachtungsweise das Problem nicht in seiner ganzen Tragweite, sondern erlaubt nur begrenzte Einblicke und kann die Wurzeln des Dilemmas nicht freilegen. Hierzu bedarf es eines Reflexionsrahmens, der sich aufgrund der Komplexität der Thematik nur aus einem unspezialisierten Zugang ergeben kann und der alle bestimmenden Facetten der Dopingkonstellationen berücksichtigt.
Problemstellung:
Mit dieser Arbeit wird das Dopingthema deshalb umfassender angegangen, wobei die rechtlichen Gesichtspunkte und die sportethischen Argumente im Vordergrund stehen. Geben doch diese die Rahmenbedingungen des Sports und der Dopingbekämpfung sowie die sie begründenden Inhalte und Werte vor.
Die Verbandsregeln und einschlägigen gesetzlichen Normen werden als Basis des ganzen Geschehens ebenso dargelegt wie ihre Reichweite und Ziele. Letztere sind unerlässlich für die Bewertung von Sinn und Zweck der Dopingbekämpfung und der sie konfrontierenden Freigabeforderung.
Soziologische Aspekte spielen dabei ebenfalls eine Rolle wie auch bei der Bewertung der spezifischen Situation der Beteiligten, während naturwissenschaftliche Gedanken insbesondere hinsichtlich der zu erwartenden gesundheitlichen Folgen der Einnahme von Dopingmitteln einfließen.
Gegenstand der Untersuchungen ist der Leistungssport, wobei dessen Einflüsse auf den Freizeit und Breitensport immer wieder zu berücksichtigen sind. Im Visier steht nicht der Dopingsünder allein, sondern auch das ihn umgebende System. Die Handlungen aller beteiligten Akteure werden vor dem Hintergrund ihrer Verflechtungen und der sich ihnen stellenden Konstellationen betrachtet und bewertet, wobei die tatsächlichen Belange, Probleme und Bedürfnisse der Praxis besondere Berücksichtigung finden.
Auf diesem Wege soll das Dopingproblem in seiner ganzen Tragweite erfasst, die Hintergründe des entsprechenden menschlichen Verhaltens verstanden und Verantwortlichkeiten festgelegt werden, um dadurch Ansätze aufzuzeigen, die zu einer Verbesserung der Situation führen können.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | 8 | |
| Einleitung | 10 | |
| I. Kapitel. | Einführung in die Dopingproblematik - Eine Standortbestimmung | 12 |
| 1. | Dopinggeschehen | 12 |
| 2. | Dopingdefinitionen | 23 |
| 2.1 | Das Wort "Doping" | 24 |
| 2.2 | Die Entwicklung der Dopingdefinitionen | 25 |
| 2.3 | Die Liste der verbotenen Wirkstoffe und Methoden | 31 |
| II. Kapitel. | Doping als ethisches Problem | 42 |
| 1. | Allgemeine Ethik | 43 |
| 1.1 | Gegenstand und Aufgaben der Ethik | 43 |
| 1.2 | Ziele der Ethik | 45 |
| 1.3 | Instrumentarium der Ethik | 46 |
| 2. | Doping als Gegenstand der Ethik | 47 |
| 2.1 | Angewandte Ethik | 48 |
| 2.2 | Pluralismus der Bereichsethiken | 48 |
| 2.3 | Sportethik | 53 |
| 2.4 | Sportethische Ansätze in der Dopingdiskussion | 62 |
| III. Kapitel. | Struktur und Autonomie im Sport | 74 |
| 1. | Nationale Organisationsstruktur | 74 |
| 1.1 | Vertikale Gliederung | 74 |
| 1.2 | Horizontale Gliederung | 76 |
| 2. | Internationale Organisationsstruktur | 79 |
| 2.1 | Die Internationalen Fachverbände | 79 |
| 2.2 | Das Internationale Olympische Komitee | 80 |
| 2.3 | Die World Anti-Doping Agency | 81 |
| 3. | Die Autonomie des Sports | 82 |
| 3.1 | Bedeutung der Autonomie | 82 |
| 3.2 | Verfassungsrechtliche Grundlage der Autonomie | 82 |
| 3.3 | Die Inhalte der Autonomie | 83 |
| 3.4 | Grenzen der Autonomie | 85 |
| 3.5 | Folgerungen für die Dopingbestimmungen | 89 |
| 4. | Einbindung der Sportler in das Sportsystem | 91 |
| 4.1 | Bindung aufgrund Mitgliedschaft | 91 |
| 4.2 | Bindung aufgrund eines Vertrages | 92 |
| 4.3 | Nutzung der "Einrichtung Sport" | 96 |
| IV. Kapitel. | Das Doping-Kontrollsystem | 97 |
| 1. | Wettkampfkontrollen | 97 |
| 1.1 | Verantwortung und Durchführung | 97 |
| 1.2 | Auswahl der zu kontrollierenden Sportler | 98 |
| 2. | Trainingskontrollen | 99 |
| 2.1 | Verantwortung und Durchführung | 99 |
| 2.2 | Auswahl der zu kontrollierenden Sportler | 100 |
| 3. | Pre-Competition-Controls | 101 |
| 4. | Durchführung und Ablauf einer Dopingkontrolle | 102 |
| 4.1 | Abnahme einer Urinprobe | 102 |
| 4.2 | Abnahme einer Blutprobe | 103 |
| 5. | Verfahren nach Abgabe einer Probe | 103 |
| 6. | Die Analytik | 104 |
| 7. | Ziele und Probleme des Kontrollsystems | 105 |
| 7.1 | Kontrolldichte | 105 |
| 7.2 | Interessenkonflikte und separate Zuständigkeiten | 107 |
| V. Kapitel. | Ziele der Dopingbekämpfung - Freigabe als Alternative? | 109 |
| 1. | Ziele der Dopingbekämpfung | 110 |
| 1.1 | Fairness und Chancengleichheit | 112 |
| 1.2 | Gesundheitsschutz | 113 |
| 1.3 | Erhalt des Sportwesens und seiner Glaubwürdigkeit | 114 |
| 1.4 | Vorbildfunktion | 115 |
| 2. | Freigabe als Alternative? | 116 |
| 2.1 | Argumente der Befürworter | 116 |
| 2.2 | Bewertung der Freigabeforderung | 119 |
| 2.3 | Kontrollierte Freigabe als Alternative? | 128 |
| VI. Kapitel. | Hintergründe des Dopinggeschehens | 131 |
| 1. | Situation des Athleten im Spitzensport | 133 |
| 1.1 | Die Systemlogik des Spitzensports | 133 |
| 1.2 | Körperabhängigkeit des Leistungssports | 134 |
| 1.3 | Konkurrierende Sportler | 136 |
| 1.4 | Berufliche Fixierung | 139 |
| 1.5 | Abhängigkeit des persönlichen Umfeldes | 141 |
| 1.6 | Öffentlicher Erwartungsdruck | 142 |
| 1.7 | Kontroverses Verhalten der Sportverbände | 142 |
| 1.8 | Wertevielfalt der heutigen Gesellschaft | 144 |
| 1.9 | Kosten-Nutzen-Analyse | 146 |
| 1.10 | Fazit: Doping als Konstellationsprodukt | 148 |
| 2. | Situation der Verbände | 149 |
| 3. | Fazit | 151 |
| VII. Kapitel. | Das Sanktionssystem der Verbände | 154 |
| 1. | Verbandsgewalt | 155 |
| 1.1 | Legitimation zum Erlass und zur Durchsetzung der Dopingbestimmungen | 155 |
| 1.2 | Spruchkörper | 155 |
| 2. | Das materielle Dopingrecht | 157 |
| 2.1 | Objektiver Verstoß gegen die Dopingbestimmungen | 158 |
| 2.2 | Verschulden als subjektive Voraussetzung | 166 |
| 3. | Beweisregeln im Verbandsverfahren | 177 |
| 3.1 | Grundsätze der Beweisregeln | 178 |
| 3.2 | Beweislast beim Verband | 179 |
| 3.3 | Beweislast beim Athleten | 180 |
| 3.4 | Anwendung der Regeln des Anscheinsbeweises | 182 |
| 3.4.1 | Voraussetzungen des Anscheinsbeweises | 183 |
| 3.4.2 | Erschütterung des Anscheinsbeweis bei der endgültigen Entscheidung | 184 |
| 3.4.3 | Folgen der (nicht) gelungenen Erschütterung | 185 |
| VIII. Kapitel. | Die Strafbarkeit nach dem StGB und Nebengesetzen | 186 |
| 1. | Tötungs- und Körperverletzungsdelikte | 187 |
| 1.1 | Eigendoping | 187 |
| 1.2 | Fremddoping | 188 |
| 1.3 | Weitere objektive Voraussetzungen - Kausalität und objektive Zurechnung | 189 |
| 1.4 | Subjektiver Tatbestand: Schuld | 190 |
| 1.4.1 | Vorsätzliches Handeln | 190 |
| 1.4.2 | Fahrlässiges Handeln | 191 |
| 1.5 | Einwilligung | 192 |
| 1.5.1 | Einwilligungsfähigkeit | 193 |
| 1.5.2 | Kenntnis der Umstände | 193 |
| 1.5.3 | Sittenwidrigkeit | 194 |
| 1. | Betrug | 201 |
| 2.1 | Betrug gegenüber dem Veranstalter | 203 |
| 2.2 | Betrug gegenüber dem Konkurrenten | 205 |
| 2.3 | Betrug gegenüber dem Zuschauer | 206 |
| 2.4 | Zusammenfassung | 206 |
| 3. | Wettbewerbsverzerrungen | 206 |
| 4. | Strafbarkeit nach dem Arzneimittelgesetz | 207 |
| 4.1 | Begriff des Dopings nach dem AMG | 207 |
| 4.2 | Tathandlungen | 208 |
| 4.3 | Handeln zu Dopingzwecken | 208 |
| 4.4 | Strafrahmen | 209 |
| 5. | Strafbarkeit nach dem Betäubungsmittelgesetz | 209 |
| 5.1 | Tathandlungen | 210 |
| 5.2 | Strafrahmen | 210 |
| IX.Kapitel. | Anti-Doping-Gesetz | 212 |
| 1. | Staatsverantwortung in Dopingfragen | 215 |
| 1.1 | Staatlicher Eingriff zum Schutz der Menschenwürde | 216 |
| 1.2 | Staatlicher Eingriff zum Schutz der Gesundheit | 216 |
| 1.2.1 | Risikokumulierung | 218 |
| 1.2.2 | Verstoß gegen das Sittengesetz | 219 |
| 1.2.3 | Fazit | 219 |
| 1.3 | Handeln aus sportethischen Gesichtspunkten | 220 |
| 1.4 | Handeln aus politischen Gesichtspunkten | 221 |
| 1.5 | Handeln zum Schutz des wirtschaftlichen Wettbewerbs | 222 |
| 1.6 | Handeln aufgrund völkerrechtlicher Verpflichtungen | 223 |
| 1.7 | Zusammenfassung | 224 |
| 2. | Erforderlichkeit eines staatlichen Eingriffs | 224 |
| 2.1 | Bestehende Situation | 224 |
| 2.2 | Denkbare neue Regelungen und Veränderungen | 228 |
| 2.2.1 | Verbot des Konsums von Dopingmitteln | 229 |
| 2.2.2 | Unterstützende Handlungen | 231 |
| 2.2.3 | Zusammenfassung und Fazit | 233 |
| X. Kapitel. | Fazit und Aussichten | 235 |
| Literaturverzeichnis | 241 |
Bereits vor diesem Hintergrund ist das Argument, dass die Chancengleichheit bei einer Dopingfreigabe per definitionem gegeben sei, weil dann alle zumindest die gleichen Möglichkeiten bei der Beschaffung und Einnahme der Dopingsubstanzen hätten und dadurch die Ausgangsbedingungen egalisieren könnten, abzulehnen. Es greift aber auch in weiterer Hinsicht nicht. So ließe sich dieser Effekt zum einen nur herbeiführen, wenn die aufgrund ihrer natürlichen Konstitution oder persönlichen Werdegangs besser gestellten Sportler nicht auch zu leistungssteigernden Mittel greifen würden.699 Zum anderen wäre vorauszusetzen, dass alle Sportler über die notwendigen finanziellen Mittel zum Erwerb der Dopingsubstanzen verfügen würden. Jedoch liegt es in der Natur der Sache, dass ein Ausgleich insbesondere bei den schwächeren Sportlern erforderlich wäre, die jedoch aufgrund ihrer bisherigen Leistungen nicht dieselben finanziellen Erträge erzielen konnten wie die sportlich erfolgreicheren Athleten. Darüber hinaus wäre es erforderlich, dass alle Sportler bestrebt wären, die Chancengleichheit herzustellen und keiner versuchen würde, sich Vorteile durch die Einnahme neuer Substanzen zu verschaffen, um sich damit von der Konkurrenz abzuheben. Insofern bedürfte es einer Überwachung der medikamentösen Unterstützung der Sportler, ob diese sich auch tatsächlich alle der allgemein verfügbaren Mittel bedienen. An die Stelle der Überwachung des Gebrauchs von Dopingsubstanzen würde die Kontrolle treten, welche Substanzen genommen wurden und ob dies mit den für alle geltenden Vorgaben übereinstimmt. Eine Erleichterung in der Kontrolltätigkeit ist dadurch sicherlich nicht zu erwarten. [...]
Worin liegt jedoch der Sinn des Sports? Worin besteht denn die Faszination des Sports, was macht diesen für die Zuschauer interessant, obwohl die rein sportliche Leistung per se keinen tieferen Sinn verbirgt? Was macht es denn so attraktiv und faszinierend, wenn 22 Menschen 90 Minuten lang hinter einem Ball herrennen bzw. darauf aufpassen, Schwimmer Bahnen hin, Bahnen her das Wasser durchpflügen und die 400m-Läufer nach einer gewissen Zeit genau wieder dort ankommen, wo sie gestartet sind? Aus der Sicht des Alltags machen diese Leistungen per se keinen Sinn. Sinn erhalten sie erst durch die konstitutiven Regeln, die die entsprechenden Bedingungen vorgeben und Beschränkungen auferlegen. Der Sinn des Sports liegt deshalb nicht darin, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sondern es in einer bestimmten Art und Weise zu erreichen.694 Dieser vorgegebene Weg beinhaltet insbesondere die Natürlichkeit der sportlichen Betätigung, diese soll als authentische, realkörperliche und individuell zurechenbare Leistung erfolgen.695 Nicht nur die Erfüllung gewisser Natürlichkeitsbedingungen ist für den Begriff der sportlichen Leistung konstitutiv, sondern auch die gleichen Chancen, die alle Teilnehmer zur Demonstration ihrer Fähigkeiten erhalten, wenn sie unter Akzeptanz der gültigen Regeln am Sportgeschehen teilnehmen. Nur so kann die für den Sinn eines »guten Sports« kennzeichnende Spannung von Zufall und Verdienst, die den Sport für Sportler und Zuschauer so begeisternd wirken lassen, gewährleistet werden.696 [...]
Tatsächlich scheint eine Chancengleichheit auf den ersten Blick von vornherein zwischen den Sportlern nie möglich zu sein. Bestehen doch bereits aufgrund des von Natur aus jedem Individuum Vorgegebenem hinsichtlich Talent, Körperbau und Konstitution gravierende Unterschiede, die zudem beeinflusst sind durch die Herkunft, den Werdegang und die damit einhergehenden Möglichkeiten eines jeden Menschen. Die finanziellen Mittel eines Sportlers können die Qualität und Quantität des Trainings, der Trainingsstätten und der Trainingsgeräte maßgeblich bestimmen und dadurch erheblichen Einfluss auf den erzielten sportlichen Erfolg haben. Dieser entfaltet wiederum seine Auswirkungen. So kommen erfolgreiche Sportler in den Genuss von gewissen Privilegien und werden zu den großen und lukrativen Meetings eingeladen, während noch unbekannte Athleten sich die Wettkampfpraxis bei kleinen Veranstaltungen, bei denen keine oder nur geringe Prämien winken, erwerben müssen. Reiter gehen mit verschiedenen Pferden in den Wettkampf, Motorsportler fahren unterschiedliche Fahrzeuge. Aufgrund der Vielzahl der Lebensbedingungen und weiteren Einflüssen kann es somit keine Gleichheit in den Grundvoraussetzungen und Umständen der Leistungsverbesserung geben. [...]
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Haug, Tanja Juni 2005: Doping – Das Dilemma des Leistungssports, Hamburg: Diplomica Verlag
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