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Zur Genese und Therapie der Magersucht

Zur Genese und Therapie der Magersucht
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Grit Ebert
  • Abgabedatum: September 2004
  • Umfang: 173 Seiten
  • Dateigröße: 1,5 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Friedrich-Schiller-Universität Jena Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9309-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9309-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9309-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Ebert, Grit September 2004: Zur Genese und Therapie der Magersucht, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Essstörungen, Sporttherapie, Fallbeispiel

Diplomarbeit von Grit Ebert

Problemstellung:

„Ernährung [die], die Zufuhr von Nährstoffen, die für die Aufrechterhaltung der Lebensvorgänge von Lebewesen notwendig sind. Diese Stoffe müssen die Energie für Lebensvorgänge (Muskeltätigkeit, Körperwärme, Stoffwechsel), Material zum Körperaufbau (Wachstum) und Ersatz für verbrauchte Substanzen liefern. Die Grundnährstoffe sind Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette.“ Laut dieser allgemeinen Definition der Ernährung handelt es sich bei der Aufnahme von Nahrung um eine auf rein biologischen Vorgängen basierende Handlung, welche dazu dient den Organismus lebens- und leistungsfähig zu erhalten. Doch unterliegt die menschliche Ernährung nicht weitaus mehr Faktoren, welche sie beeinflussen, als nur dem Bedarf des Körpers nach energetischer Substanz? Neben den physiologischen Bedingungen spielen in immer größerem Maße auch gesellschaftliche und psychologische Gegebenheiten eine Rolle; dies trifft besonders dann zu, wenn Lebensmittel zu jeder Jahreszeit in großer Auswahl zu ökonomisch vertretbaren Bedingungen zur Verfügung stehen.

So wird Essen nicht nur hinsichtlich der Genießbarkeit, Nahrhaftigkeit und Verfügbarkeit kategorisiert, sondern beinhaltet ebenso Wertmaßstäbe, Ideologien, soziales Prestige oder religiöse Überzeugungen. Es wird entschieden, worauf man Appetit hat, ob die Speise zu einem bestimmten Anlass passt oder aus traditionellen Gründen auf den Tisch kommen muss. Ob es der Weihnachtstollen am Heiligen Abend, die Pizza mit Freunden oder Kaviar zur Vernissage ist; Lebensmittel stehen sowohl mit Emotionen als auch mit zwischenmenschlichen Beziehungen in einem engen Verhältnis.

Aber auch die psychologischen und gesellschaftlichen Faktoren können nicht als einheitlicher Maßstab für das Ernährungsverhalten von Menschen in bestimmten Situationen betrachtet werden. Gerade in Ländern mit einer sehr guten Ernährungssituation beobachten Mediziner das Aufnehmen von Nahrungsmengen, welche die Bedürfnisse des menschlichen Organismus nicht in einem geeigneten Maße decken. Es wird ein Ernährungsverhalten erwähnt, das den Körper nachhaltig schädigt und so pathologische Ausmaße annimmt. Tritt dies auf, so spricht man von Essstörungen, welche in den letzten Jahrzehnten zunehmend das öffentliche Interesse weckten. Es gibt zahlreiche literarische Veröffentlichungen, medizinische und psychologische Untersuchungen und kaum ein Magazin, das sich diesem Trend verschließt. Die Magersucht (lat. Anorexia nervosa) nimmt hierbei eine besondere Stellung ein, weil die ´Kunst des Hungerns´ seit jeher als ein Mysterium angesehen wird.

Neue Krankheiten standen schon immer im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion, doch nur wenige Pathologien sind so medienwirksam wie die Magersucht, welche bevorzugt bei jungen, gebildeten, erfolgreichen und nicht selten gut situierte Menschen auftritt. Das Hautsymptom dieser Krankheit ist zwanghaftes Hungern, welches in einer Welt, in der Erfolg und Aussehen eine wichtige Rolle spielen, allzu oft als einfache „ins Extrem getriebene Eitelkeit […] missverstanden“ wird.

Dass die Problematik um einiges komplexer und komplizierter ist, zeigt eine genauere Analyse der Anorexia nervosa, ihrer Hintergründe und Auswirkungen, nicht zuletzt die auf dieser Krankheit beruhende erschreckende Anzahl der Todesfälle. Somatische Komplikationen und die Gefahr des Suizids nehmen mit der Katamnesedauer zu und erreichen Werte bis maximal 18 %.

Die häufigste Todesursache sind Suizidhandlungen, welche mit bis zu 50 % für das frühe Versterben der Patienten zu Buche stehen. Als weitere Ursachen können verschiedene Infekte, welche das geschwächte Immunsystem nicht parieren kann, genannt werden.

Bei einer Essstörung wird dem Essen die missbräuchliche Funktion zugeordnet Probleme mindern zu können, welche als unlösbar erscheinen. In der Ursachenforschung muss oftmals bis ins Kindesalter zurückgegangen werden. Das Nichtessen ist Ausdruck eines seelischen Leidens, welches den Betroffenen häufig unbewusst ist und aufgearbeitet werden muss.

Auf der Suche nach geeigneten Behandlungsmodellen für Essstörungen stellt sich die Frage, ob nicht auch der Sport als eine erfolgreiche Therapiemaßnahme einsetzbar ist. Für eine Vielzahl von Erkrankungen wird der Sport bereits zur Behandlung angewandt, zum Beispiel bei Asthma, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoropose. Die günstigen Auswirkungen der sportlichen Betätigung sind nachgewiesen und so nimmt die Sporttherapie einen festen Platz im Therapiekonzept dieser Pathologien ein. Auch für Essstörungen gibt es sporttherapeutische Konzepte, welche vorgestellt und im Hinblick auf ihre Anwendungsmöglichkeiten kategorisiert werden.

Im Rahmen dieser Arbeit wird die Problematik der Genese der Magersucht aufgegriffen und thematisiert. Des Weiteren stellt sich die Frage, wie diese Krankheit behandelt und, wenn überhaupt möglich, geheilt werden kann.

Inhaltsverzeichnis:

1. Problemstellung 1
2. Zur Genese und Therapie der Magersucht 4
2.1 Aspekte der Genese 5
2.1.1 Definition 5
2.1.2 Das Modell der Salutogenese 6
2.1.3 Hauptformen schwerer Essstörungen 7
2.1.3.1 Bulimia nervosa 8
2.1.3.2 Adipositas 9
2.1.3.3 Orthorexia nervosa 10
2.1.3.4 Anorexia nervosa 10
2.1.3.5 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Anorexia und Bulimia Nervosa 13
2.1.3.6 Das Dysorexia/Dysponderosis Kontinuum (ein Modell) 14
2.1.4 Geschichtlicher Hintergrund 17
2.1.4.1 Zum Begriff Anorexia nervosa 19
2.1.4.2 Das Schönheitsideal im Wandel 20
2.1.5 Epidemiologie der Magersucht 21
2.1.5.1 Geschlechtsspezifische Epidemiologien 23
2.1.5.2 Altersspezifische Epidemiologien 24
2.1.5.3 Familiäre Epidemiologien 25
2.1.5.4 Soziokulturelle Epidemiologien 26
2.1.5.5 die Epidemiologien im Leistungssport 27
2.1.6 Die Pathogenese der Anorexia nervosa 29
2.1.6.1 Aspekte aus medizinischer Sicht 31
2.1.6.1.1 Genetik 31
2.1.6.1.2 Endokrinologie 32
2.1.6.1.3 Neurologie 34
2.1.6.2 Aspekte aus psychologischer Sicht 34
2.1.6.2.1 Gestörte Mutter-Kind-Beziehung 35
2.1.6.2.2 Sexuelle Ängste 38
2.1.6.2.3 Gestörte Autonomiebildung 39
2.1.6.2.4 Psychologische Modelle 40
2.1.6.3 Aspekte aus sozialer Sicht 43
2.1.6.3.1 Die Familie 43
2.1.6.3.2 Kultur und Gesellschaft 46
2.1.6.4 Das Ätiologische Modell 48
2.1.7 Symptome und Auswirkungen der Magersucht 49
2.1.7.1 Aspekte aus medizinischer Sicht 50
2.1.7.2 Aspekte aus psychologischer Sicht 52
2.1.7.2.1 Die Entwicklung von Ritualen/Regeln 52
2.1.7.2.2 Bewegung, Sport und Leistung 54
2.1.7.2.3 Zunehmende Isolation vom sozialen Umfeld 55
2.1.7.2.4 Der Kampf um die Kontrolle 56
2.1.7.2.5 Das Gefühl von Unzulänglichkeit 56
2.1.7.2.6 Anorexia nervosa und Körperwahrnehmung 57
2.1.7.2.7 Kognitive Defizite 58
2.1.7.3 Aspekte aus sozialer Sicht 59
2.1.7.3.1 Die Familie 60
2.1.7.3.2 Das Umfeld 61
2.1.8 Die Diagnoseder Anorexia nervosa 61
2.1.8.1 medizinische Untersuchungen 62
2.1.8.2 Diagnosekriterien 63
2.1.8.2.1 Feighner-Kriterien für Anorexia nervosa 63
2.1.8.2.2 DSM-III-R und DSM-IV 64
2.1.8.2.3 ICD-10-Kriterien 66
2.1.8.3 Fragebögen 67
2.1.8.3.1 EAT-26-Münster: Eating Attitudes Test – 26 68
2.1.8.3.2 EDI-Münster: Selbstbeurteilungsfragebogen für Essstörungen 69
2.1.8.3.3 ABOS-Münster: Beobachtungsskala anorektischen Verhaltens 70
2.1.8.3.4 BAT: Body Attitude Test 71
2.1.8.3.5 FEV: Fragebogen zum Essverhalten 72
2.2 Aspekte der Therapie 73
2.2.1 Die Therapie im medizinischen Bereich 78
2.2.1.1 Gewichtszunahmen 78
2.2.1.2 Medikamentöse Therapie 80
2.2.1.3 Ernährungstherapie 81
2.2.1.4 Physiotherapie/Krankengymnastik 82
2.2.2 Die Therapie im psychologischen Bereich 82
2.2.2.1 Einzeltherapie 85
2.2.2.2 Gruppentherapie 86
2.2.2.3 Gestaltungstherapie/Maltherapie/Musiktherapie 87
2.2.3 Die Therapie im sozialen Bereich 89
2.2.3.1 Verhaltenstherapie 90
2.2.3.2 Feministischer Therapieansatz 91
2.2.3.3 Familientherapie 92
2.2.4 Sport- und Bewegungstherapie 94
2.2.4.1 Hippotherapie 96
2.2.4.2 Tanztherapie 99
2.2.4.3 Entspannung 100
2.2.4.4 Körperwahrnehmung 101
2.2.4.5 Spiel 104
2.2.4.6 Kraft- und Ausdauertraining 105
2.2.4.7 Koordinationstraining 106
2.2.4.8 Konzentrative Bewegungstherapie 106
2.2.4 Zusammenfassung 108
3. Methodik 114
3.1 Das Untersuchungsverfahren 114
3.2 Die Untersuchungsperson 116
3.3 Die Untersuchungsvorbereitung und -durchführung 116
3.4 Die Untersuchungsauswertung 120
3.5 Die Einzelfallstudie 123
4. Darstellung und Diskussion der Ergebnisse 133
5. Ausblick 143
6. Literaturverzeichnis 147
7. Anhang 165

Automatisiert erstellter Textauszug:

2.1.8.3 Fragebögen Neben den Diagnosekriterien gibt es noch weitere Möglichkeiten um das Vorliegen einer Magersucht zu belegen. Es wurden verschiedene Fragebögen entwickelt, welche nach ihrer Auswertung Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt des Anorektikers erlauben. Um die Magersucht zu diagnostizieren, müssen wichtige Symptome auf der Verhaltens-, kognitiven und emotionalen Ebene erkannt werden. Diese Faktoren sind zum Teil offensichtlich, z.B. die Amenorrhoe, das Essverhalten oder der auffällige Gewichtsverlust; andere sind weniger leicht erkennbar. Zu ihnen gehören das Bild vom eigenen Körper und die Einstellung zu diesem, Persönlichkeitszüge, soziale und kognitive Defizite oder die Psychopathologie der Vorgeschichte. Um auch diese Bereiche zu ergründen, finden Selbsteinschätzungsfragebögen als Ergänzung der psychiatrischen Untersuchungen ihre Anwendung. Nach Ferández-Aranda (1996) gibt es neun Problembereiche, in denen die Patienten zusätzlich beurteilt werden sollten: 1. Persönlichkeitsanteile und psychiatrische Psychopathologie, 2. Gestörtes Essverhalten (Fressanfälle, Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln und Diuretika, Überaktivität), 3. Körperschema und –einstellung, 4. Minderwertigkeitsgefühle und depressive Symptomatik, 5. Defizite im Kommunikations- und Sozialbereich, 6. Sexualität und Reifungsängste, 7. Perfektionismus, 8. Interozeptives Bewusstsein (z.B. Sättigungs- und Hungergefühl), 9. Familiäre Konstellation und familiäre Kommunikationsmängel. Diese neun Bereiche können mit den Fragebögen EDI (Eating Disorders Inventory) und EAT-40 (Eating Attitudes Test) am besten untersucht werden (Fernández-Arnada, 1996). 67 [...]

Tab. 6: DSM-IIIR-Kriterien (Nach: American Psychiatric Association, 1987; In: Fernández-Aranda, 1996, S. 21). 1. Das Körpergewicht wird absichtlich nicht über dem der Körpergröße oder dem Alter entsprechenden Minimum gehalten, sondern auf einem Gewicht von 15 % oder mehr unter dem zu erwartenden Gewicht, bzw. während der Wachstumsperiode Ausbleiben der zu erwartenden Gewichtszunahme mit der Folge eines Gewichts von unter 15 % oder mehr unter dem erwarteten Gewicht. 2. Starke Angst vor Gewichtszunahme oder Angst vor dem Dickwerden, obgleich Untergewicht besteht. 3. Störung der eigenen Körperwahrnehmung hinsichtlich Gewicht, Größe oder Form, d.h. die Person berichtet sogar im kachektischen Zustand sich ´zu dick zu fühlen´, oder ist überzeugt ein Teil des Körpers sei ´zu dick´, obgleich ein offensichtliches Untergewicht besteht. 4. Bei Frauen Aussetzen von mindestens drei aufeinander folgenden Menstruationszyklen, deren Auftreten sonst zu erwarten gewesen wäre (primäre oder sekundäre Amenorrhoe). (Bei Frauen liegt eine Amenorrhoe vor, wenn die Menstruation nur bei Gabe von Hormonen, z.B. Östrogen, eintritt). Askevolds (1983) wies darauf hin, dass sich die Angst vor der Gewichtszunahme erst im Laufe der Krankheit entwickelt und am Anfang der Erkrankung noch nicht ausgeprägt ist. 65 [...]

Tab. 5: DSM-III-Kriterien (Nach: American Psychiatric Association, 1980; In: Fernández-Aranda, 1996, S. 20). 1. Starke Angst davor dick zu werden, die sich nicht mit dem Gewichtsverlust verringert. 2. Störungen des Körperbildes, z.B. Angabe sich ´fett´ zu fühlen, wenn die Patientin tatsächlich abgemagert ist. 3. Verlust von mindestens 25 % des ursprünglichen Körpergewichts; oder falls die Patientin unter 18 Jahren ist, können der Gewichtsverlust vom ursprünglichen Gewicht plus der vermutliche aufgrund von Wachstumskurven erwartete Gewichtszuwachs, die 25 % ausmachen. 4. Weigerung das Körpergewicht über einem, dem minimal-normalen Alter und der Größe angemessenen Gewicht zu halten. 5. Fehlen jeglicher körperlicher Krankheiten, die den Gewichtsverlust verursachen könnten. [...]

Arbeit zitieren:
Ebert, Grit September 2004: Zur Genese und Therapie der Magersucht, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Essstörungen, Sporttherapie, Fallbeispiel

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