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Einflussgrößen auf die sensomotorische Adaptation, Kognition und Propriozeption

Einflussgrößen auf die sensomotorische Adaptation, Kognition und Propriozeption
Über dieses Buch
  • Art: Dissertation / Doktorarbeit
  • Autor: Katja Pipereit
  • Abgabedatum: Oktober 2005
  • Umfang: 141 Seiten
  • Dateigröße: 804,1 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9306-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9306-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9306-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Pipereit, Katja Oktober 2005: Einflussgrößen auf die sensomotorische Adaptation, Kognition und Propriozeption, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Physiologie, Vibration, Doppelaufgaben, Phantom, manuell

Dissertation / Doktorarbeit von Katja Pipereit

Einleitung:

Die Aneignung kognitiver und motorischer Fähig- und Fertigkeiten spielt in der Entwicklung des Menschen eine zentrale Rolle. Nicht nur im Sport, sondern auch in vielen anderen alltäglichen und beruflichen Situationen müssen neue Dinge und Bewegungen erlernt oder bereits bekannte verändert oder verbessert werden. So erfordern wechselnde Pistenqualitäten beim Skifahren ebenso eine ständige Anpassung wie das Laufen auf verschiedenen Untergründen oder die Benutzung eines Touch-Pads eines neuen Laptops anstatt der gewohnten Maus.

Für jeden von uns ist es demnach normal, Bewegungsabläufe neu zu erlernen oder anzupassen. Oft geschieht das nebenbei und unbewusst. Aber was geht dabei vor sich? Wie läuft dieses Lernen ab und wovon wird es beeinflusst? Hat das, was wir früher gelernt haben, einen Einfluss auf das Lernen neuer Dinge?

Zu einigen dieser Fragen gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, doch sowohl viele Mechanismen des Lernens als auch Einflussfaktoren auf das Lernen sind bis heute noch unklar. Mit den einzelnen Experimenten dieser Arbeit werden Grundlagen des motorischen Lernens untersucht, vor allem im Hinblick auf die Rolle der Kognition und der Propriozeption.

Zusammenfassung:

In der vorliegenden Arbeit wurden verschiedene Aspekte der sensomotorischen Adaptation untersucht, vor allem die Rolle der Kognition und der Propriozeption.

Zwei Vorexperimente schafften zunächst wichtige Grundlagen für die folgenden Experimente: Zum einen sollte eine geeignete Verteilung von Zielpunkten bei Experimenten mit Zeigebewegungen gefunden und zum anderen die Wirkung eines elastischen Stabes als mechanische Störung erprobt werden.

Anschließend wurde die Rolle der Kognition bei der sensomotorischen Adaptation mit Hilfe der Doppelaufgaben-Methode unter Benutzung verschiedener Reaktionsaufgaben als Zweitaufgabe hinterfragt. In den letzten drei Experimenten dieser Arbeit wurde mit Vibration gearbeitet. Dabei wurde zuerst die Wirkung eines Vibrationsaufbaus auf die Propriozep-tion und danach die Rolle der Propriozeption bei der Adaptation an eine visuelle und eine mechanische Störung untersucht.

Die Ergebnisse der durchgeführten Experimente lassen folgende Rückschlüsse auf die sensomotorische Adaptation zu: Bei der Adaptation an Rotationen der visuellen Rückmeldung und deren Transfer auf ungeübte Bewegungsrichtungen spielt die Anzahl der Ziele bei Zeigebewegungen eine wichtigere Rolle als deren Verteilung im Arbeitsraum. Außerdem führt eine Rotation der visuellen Rückmeldung im Uhrzeigersinn verglichen mit der entgegen dem Uhrzeigersinn zu einer vollständigeren Adaptation und Retention sowie zu einem besseren Transfer.

Weiterhin wurde in dieser Arbeit deutlich, dass ein elastischer Stab keine geeignete mechanische Störung für Adaptationsexperimente darstellt, da keine Variable gefunden werden konnte, für die eine typische Adaptationskurve die Anpassung an die wirkende Rückstellkraft beschreibt. Die Experimente, in denen die Doppelaufgaben-Methode benutzt wurde, zeigten einen erhöhten Bedarf an Ressourcen zu Beginn einer Adaptationsphase sowohl für Folge- als auch für Zeigebewegungen. Sie gaben jedoch keinen Hinweis auf einen sich ändernden Bedarf verschiedener Ressourcen im Verlauf eines solchen Adaptationsprozesses.

Allerdings wurde ein genereller Einfluss der Ähnlichkeit der Ausgangsmodalitäten und der Anzahl an Antwortmöglichkeiten deutlich, der erst mit Beginn der Adaptationsphase auftrat. In den Experimenten, mit denen die Rolle der Propriozeption untersucht werden sollte, wurde mit einem Vibrationsaufbau gearbeitet. Es zeigte sich, dass hierdurch die Propriozeption gestört werden kann.

Während bei der Adaptation, der Retention und der Deadaptation in Folge einer Rotation der visuellen Rückmeldung die gestörte Propriozeption keinen Einfluss hat, wurde bei einer geschwindigkeitsabhängigen mechanischen Störung sowohl die Adaptation als auch die Retention verlangsamt und sogar unvollständig. Diese Ergebnisse geben einen Hinweis darauf, dass der Adaptation an die beiden benutzten Störungen zumindest teilweise unterschiedlichen Mechanismen zu Grunde liegen.

Bezüglich der Rolle der Kognition bestätigen die Ergebnisse dieser Arbeit einen zu Beginn der Adaptationsphase erhöhten Ressourcenbedarf. Jedoch konnte weder für die Folge- noch für die Zeigebewegungen ein spezifisches, sich während der Adaptation änderndes Muster festgestellt werden. Bezüglich der Rolle der Propriozeption ergibt sich, dass diese für die vollständige Adaptation an mechanische Störungen von Bedeutung ist, jedoch keinen Einfluss auf die Adaptation an visuelle Störungen hat.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Motorisches Lernen 1
1.2 Mechanismen der sensomotorischen Adaptation 3
1.2.1 Strategische Anpassung und Rekalibrierung 6
1.2.2 Auswirkungen aufeinander folgender Adaptationsvorgänge 8
1.3 Phasen des motorischen Lernens und die Doppelaufgaben-Methode 15
1.4 Rolle der Propriozeption bei der sensomotorischen Adaptation 20
1.4.1 Die Propriozeption 21
1.4.2 Einfluss der Propriozeption auf die sensomotorische Adaptation 21
1.5 Intention dieser Arbeit 25
2. Experimente 28
2.1 Experimentübergreifende Methodik 28
2.1.1 Versuchspersonen 28
2.1.2 Versuchsaufbau 29
2.1.3 Versuchsablauf 30
2.1.4 Auswertung 34
2.2 Vorexperimente 40
2.2.1 Einfluss der Zielpunktverteilung bei Zeigebewegungen 40
2.2.1.1 Spezielle Methodik 40
2.2.1.2 Ergebnisse 43
2.2.1.3 Diskussion 46
2.2.2 Erprobung eines elastischen Stabes als elastische Störung 51
2.2.2.1 Spezielle Methodik 52
2.2.2.2 Ergebnisse 55
2.2.2.3 Diskussion 58
2.3 Experimente zur Kognition 63
2.3.1 Ressourcenbedarf bei einer Doppelaufgabe mit Folgebewegungen 63
2.3.1.1 Spezielle Methodik 64
2.3.1.2 Ergebnisse 66
2.3.1.3 Diskussion 69
2.3.2 Ressourcenbedarf bei einer Doppelaufgabe mit Zeigebewegungen 72
2.3.2.1 Spezielle Methodik 72
2.3.2.2 Ergebnisse 75
2.3.2.3 Diskussion 78
2.4 Experimente zur Propriozeption 81
2.4.1 Auswirkung von Vibration auf die propriozeptive Rückmeldung 81
2.4.1.1 Methodik und Ergebnisse 81
2.4.1.2 Diskussion 86
2.4.2 Auswirkung von Vibration auf die Adaptation an eine visuelle Störung 87
2.4.2.1 Spezielle Methodik 87
2.4.2.2 Ergebnisse 88
2.4.2.3 Diskussion 90
2.4.3 Auswirkung von Vibration auf die Adaptation an eine mechanische Störung 93
2.4.3.1 Spezielle Methodik 93
2.4.3.2 Ergebnisse 94
2.4.3.3 Diskussion 97
3. Experimentübergreifende Diskussion 100
3.1 Diskussion der Ergebnisse und Ausblick 100
3.2 Kritische Betrachtung der Methodik 106
3.3 Praktische Relevanz 107
4. Zusammenfassung 110
5. Literaturverzeichnis 112
6. Anhang 120

Automatisiert erstellter Textauszug:

große Pausenlänge wurde gewählt, um der muskulären Ermüdung durch die Benutzung des Stabes vorzubeugen. Das Experiment wurde von jedem Probanden an einem Tag durchgeführt. Alle Probanden wurden randomisiert vier gleich großen Gruppen zugeordnet. Die Störungen wurden je nach Gruppe und Phase entweder einzeln oder in Kombination durchgeführt (Tab. 3). In der Adaptationsphase 1 begannen zwei der Gruppen mit der Kombination und wurden danach (Adaptation 2) nur der visuellen (Gruppe dekovis) bzw. nur der mechanischen Störung (Gruppe dekomec) ausgesetzt. Diese Gruppen wurden zusammengefasst als Dekompositionsgruppe bezeichnet. Die beiden anderen Gruppen bildeten die Kompositionsgruppe und erhielten die Aufgaben in umgekehrter Reihenfolge, so dass sie in der Adaptation 1 erst jeweils mit einer Einzelstörung, visuell (kompovis) oder mechanisch (kompomec), begannen und danach der Kombination beider Störungen (Adaptation 2) ausgesetzt wurden. Nach fünfminütiger Pause folgte nach Adaptation 1 mit derselben Störung die Persistenzphase und die Auffrischungsphase. Anschließend ging es am selben Tag direkt mit der anderen Störung in Adaptation 2 für 30 Episoden weiter, bevor sich erneut eine Persistenzphase von drei Episoden ohne visuelle RM mit derselben Störung wie in der Adaptation 2 anschloss. [...]

Lernaufgabe Die Adaptation wurde entweder induziert durch eine visuelle Störung in Form einer +60°-Drehung der visuellen RM und / oder eine mechanische Störung in Form des elastischen Stabes. Die +60°-Rotation hatte zur Folge, dass sich das Fadenkreuz auf dem Bildschirm nach schräg links oben in Richtung 10 Uhr bewegte, wenn sich die Hand nach oben in Richtung 12 Uhr bewegte. Die zu überwindende Rückstellkraft des Stabes wurde experimentell ermittelt und betrug für den Weg von 12 cm 60 N. Ablauf Die Episodenlänge betrug 30 Sekunden und die Pausen zwischen den einzelnen Episoden waren zehn Sekunden lang. Diese im Vergleich zu den anderen Experimenten [...]

2.2.2 Erprobung eines elastischen Stabes als mechanische Störung Als mechanische Störungen wurden in früheren Studien anderer Institute häufig Kraftfelder oder Roboteraufbauten genutzt (Shadmehr und Brashers-Krug 1997, Tong et al. 2002). Da eine solche Möglichkeit in der Arbeitsgruppe Bewegungsphysiologie der Deutschen Sporthochschule Köln nicht gegeben war und bisher nur mit visuellen Störungen gearbeitet wurde, sollte eine möglichst unkomplizierte und einfache mechanische Störung erprobt werden. Ziel dieses Vorexperiments war es daher, zu untersuchen, ob ein elastischer Stab, dessen Rückstellkraft als positionsabhängige mechanische Störung entgegen der Bewegungsrichtung wirkte, zu sinnvollen und aussagekräftigen Ergebnissen und Adaptationskurven führt. Um mit diesem Experiment eine weitere Fragestellung zu beantworten, wurde die Adaptation an den elastischen Stab und eine visuelle Drehung in Komposition (Adaptation an eine der beiden Störungen, danach zweite Störung hinzufügen) und in Dekomposition (Adaptation an beide Störungen gleichzeitig, danach nur noch eine der beiden) untersucht. Es wurden schon mehrere Experimente mit sukzessiven Präsentationen von verschiedenen Störungen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigten dabei je nach Versuch eine Erleichterung, keinen Einfluss oder eine Erschwerung der zweiten Adaptation. Wenige Experimente jedoch wurden mit gleichzeitiger Adaptation an zwei Störungen durchgeführt. Krakauer et al. (1999) und Flanagan et al. (1999) untersuchten zwar jeweils die Kombination einer visuellen und einer mechanischen Störung, doch handelte es sich in beiden Fällen um eine positionsabhängige visuelle Störung und um eine nicht-positionsabhängige mechanische Störung, die in dieselbe Richtung wirkten. Vorherige Studien zeigten, dass besonders die Art der Störung einen Einfluss auf die Interferenz hat. Es ist jedoch möglich, dass sich auch die Richtung der Störung auswirkt. Daher ist es von Interesse, zu untersuchen, wie sich die Komposition und Dekomposition der Adaptation an zwei unterschiedliche positionsabhängige Störungen verhält, wenn beide Störungen in unabhängige Bewegungsrichtungen wirken. In diesem Experiment sollte daher nicht nur der Stab als mechanische Störung erprobt, sondern auch die Adaptation und die gegenseitige Beeinflussung der Adaptation an eine mechanische und eine visuelle Störung sowohl in Dekomposition als auch in Komposition erforscht werden. [...]

Arbeit zitieren:
Pipereit, Katja Oktober 2005: Einflussgrößen auf die sensomotorische Adaptation, Kognition und Propriozeption, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Physiologie, Vibration, Doppelaufgaben, Phantom, manuell

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