Lebensqualität und Demenz
Überblick und kritische Analyse vorhandener Verfahren für das Assessment der Lebensqualität bei Menschen mit Demenz
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Rico Hampel
- Abgabedatum: Februar 2006
- Umfang: 97 Seiten
- Dateigröße: 401,1 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Westsächsische Hochschule Zwickau Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9260-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9260-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9260-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hampel, Rico Februar 2006: Lebensqualität und Demenz, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Outcome, Messung, Skala, Test, Qualität
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Diplomarbeit von Rico Hampel
Gang der Untersuchung:
In Deutschland sind derzeit etwa 1 Million Menschen von einer Demenz betroffen. Aufgrund der demografischen Entwicklung ist abzusehen, dass diese Zahl in Zukunft weiter ansteigen wird. Eine der wesentlichen Aufgaben der Altenpflege in den nächsten Jahrzehnten wird es folglich sein, eine menschenwürdige und qualitativ hochwertige Begleitung von Menschen mit Demenz zu gewährleisten. Dass diesen Menschen eine Betreuung zu Gute kommen muss, die weit über die „normale“ Altenpflege hinausgeht, steht aufgrund der Symptomatik und des Verlaufes einer Demenzerkrankung außer Frage.
Der mit einer Demenz einhergehende hirnorganisch bedingte Abbauprozess, der die kognitive n, affektiven, sozialen und instrumentellen Einbußen neben den typischen Verhaltensauffälligkeiten hervorruft, lässt sich gegenwärtig und wohl auch in naher Zukunft nicht medizinisch-pharmakologisch im Sinne einer Heilung beeinflussen.
Aus diesem Grunde stehen sozialökologische Versorgungsstrategien mit dem Ziel der Linderung und Kompensation der Krankheitssymptome augenblicklich gesundheits- und sozialpolitisch im Vordergrund.
Die individuelle Lebensqualität des Bewohners als Zielvariable bzw. Outcome-Kriterium für die Qualität in der Dementenbetreuung gewinnt in Praxis und Forschung zunehmend an Bedeutung. Das Konzept Lebensqualität stellt die Ganzheitlichkeit des Menschen in den Vordergrund und beschränkt sich dabei nicht nur auf kognitive oder funktionale Defizite. Die Lebensqualität spielt als Indikator für den Nutzen einer Behandlung eine wichtige Rolle im Gesundheitswesen, da sie helfen kann, Ressourcen gezielt einzusetzen und ökonomische Entscheidungen zu treffen.
Die vorliegende Arbeit soll zeigen, welche Verfahren zur Bewertung der Lebensqualität bei Menschen mit Demenz bislang entwickelt wurden und welche theoretischen Konzepte den Instrumenten zugrunde liegen. Ebenso wird aufgezeigt, welche Chancen aber auch Risiken dieses noch relativ junge Forschungsfeld nicht nur in Bezug auf den Bereich des Pflegemanagements mit sich bringt.
Ausgehend von der sehr geringen Anzahl deutschsprachiger Publikationen zum Thema ist es zentrales Anliegen dieser Arbeit, bereits entwickelte Verfahren zur Bewertung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz so umfassend wie möglich vorzustellen. Anschließend sollen wichtige theoretische aber auch praktische Aspekte dieses noch jungen Forschungsgebietes kritisch beleuchtet werden.
Folgende konkrete Fragestellungen stehen dabei im Vordergrund:
1. Auf welchen Konzepten bzw. Modellen zur Lebensqualität basiert die Forschung im allgemeinen und bei Demenz im speziellen?
2. Welche Möglichkeiten zur Bewertung demenzspezifischer Lebensqualität gibt es bislang und wie sehen konkrete Instrumente aus?
3. Welche besonderen Anforderungen stellt das Problemfeld Demenz an die Methodik beim Assessment demenzspezifischer Lebensqualität?
Zum besseren Verständnis der Arbeit gibt Kapitel II eine allgemeine Einführung in die Thematik. Es geht dabei kurz auf den geschichtlichen Hintergrund des Konstruktes Lebensqualität ein. Danach folgen Begriffsbestimmungen und es wird die Lebensqualität im Alter näher beleuchtet. Dabei soll versucht werden, eine allgemeine Definition des Begriffes Lebensqualität zu finden und auf den Begriff der gesundheitsbezogenen sowie der demenzspezifischen Lebensqualität einzugehen.
Anschließend folgt eine Einführung in das Themenfeld Demenz (Epidemiologie und Krankheitsbild). Das Kapitel schließt mit elementaren Ausführungen zur demenzspezifischen Lebensqualitätsforschung (Relevanz, Definitionsmodelle, Methoden und Gütekriterien).
Kapitel III stellt insgesamt 13 Verfahren zur Bewertung der Lebensqualität bei Demenz vor. Dabei wird detailliert auf die Autoren, die Quellen, die Anwendungsbereiche, die Art des Verfahrens, die Bearbeitungszeit, die Entwicklung des Verfahrens, den theoretischen Hintergrund, den Aufbau und die Auswertung sowie auf wichtige Gütekriterien eingegangen. Am Schluss des Kapitels befindet sich eine zusammenfassende Übersicht aller vorgestellten Instrumente.
Das Kapitel IV analysiert die vorgestellten Assessmentverfahren kritisch in Bezug auf die zugrundeliegenden theoretischen Modelle der Lebensqualität bei Demenz sowie deren Implementierung. Weiterhin wird sich mit den verschiedenen Methoden der Lebensqualitätsmessung auseinandergesetzt. Die Frage, ob ein demenzspezifisches Lebensqualität-Assessment auf Patienteninput basieren sollte oder nicht, ist dabei das zentrale Thema. Das Kapitel endet mit Ausführungen zur Etablierung der wichtigsten Gütekriterien der vorgestellten Verfahren.
Das letzte Hauptkapitel diskutiert die Ergebnisse der Literaturrecherche vor dem Hintergrund der Versorgungssituation von Menschen mit Demenz in Deutschland. Dazu werden aktuelle Untersuchungen zu den verschiedenen Versorgungsformen in Deutschland referiert und es wird versucht, ein Ausblick auf zukünftige Aktivitäten in diesem Bereich zu geben.
Inhaltsverzeichnis:
| 0. | Einleitung | 9 |
| 1. | Hintergrund und Ziele der Arbeit | 10 |
| 1.1 | Fragestellung | 12 |
| 1.2 | Methodik der Literaturrecherche | 13 |
| 1.3 | Zur Gliederung der Arbeit | 15 |
| 2. | Die Bewertung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz -Eine Einführung | 17 |
| 2.1 | Lebensqualität | 17 |
| 2.1.1 | Lebensqualität als multidimensionales Konzept | 19 |
| 2.1.2 | Terminologie | 20 |
| 2.1.3 | Lebensqualität im Alter | 22 |
| 2.2 | Demenz | 24 |
| 2.2.1 | Epidemiologie der Demenzen | 26 |
| 2.2.2 | Das Krankheitserleben von Menschen mit Demenz | 28 |
| 2.3 | Das Assessment demenzspezifischer Lebensqualität | 29 |
| 2.3.1 | Vorgeschlagene Definitionsmodelle der Lebensqualität bei Demenz | 30 |
| 2.3.2 | Zur Methodik des Assessments | 31 |
| 2.3.3 | Gütekriterien einer Skala | 31 |
| 3. | Verfahren zum Assessment der Lebensqualität bei Demenz | 34 |
| 3.1 | The Quality of Life Assessment Schedule (QOLAS) | 34 |
| 3.2 | Cornell-Brown Scale for Quality of Life in Dementia (CBS) | 36 |
| 3.3 | Dementia Quality of Life (DQoL) | 38 |
| 3.4 | Schedule for the Individualised Quality of Life (SEIQoL) | 40 |
| 3.5 | Alzheimer Disease Health Related Quality of Life (ADRQL) | 44 |
| 3.6 | Activity and Affect Indicators of QOL | 47 |
| 3.7 | Quality of Life in Late-Stage Dementia Scale (QUALID) | 50 |
| 3.8 | Dementia Care Mapping (DCM) | 51 |
| 3.9 | Psychological Well-Being in Cognitively Impaired Persons (PWB-CIP) | 55 |
| 3.10 | Quality of Life-Dementia-Japan (QOL-D-J) | 56 |
| 3.11 | Quality of Life Instrument for older adults experiencing Dementia Japan (QLDJ) | 59 |
| 3.12 | Quality of Life-Alzheimer's Disease(QOL-AD) | 63 |
| 3.13 | Positive Response Schedule for Severe Dementia (PRS) | 65 |
| 3.14 | Zusammenfassung | 69 |
| 4. | Analyse der Verfahren | 71 |
| 4.1 | Konzeptualisierung und theoretischer Hintergrund der Verfahren | 71 |
| 4.2 | Selbstbeurteilung vs. Fremdbeurteilung | 73 |
| 4.3 | Validität | 76 |
| 4.4 | Reliabilität | 77 |
| 4.5 | Sensitivität | 78 |
| 5. | Diskussion und Ausblick | 79 |
| 6. | Literaturverzeichnis | 84 |
oder Gesichtsausdrücke (Bsp.: lächelt oder lacht wenn andere Menschen um ihn herum sind; wird verärgert oder wütend, wenn sich andere Menschen nähern). (2) Selbstbewusstsein: Unter Selbstbewusstsein wird das Bewusstsein der Person hinsichtlich seiner eigenen speziellen Identität und ihrer/seiner Hauptbeziehungen in der Familie, bzgl. Freundschaften oder auf Arbeit oder in der Gemeinde verstanden (Bsp.: zeigt Interesse an Ereignissen, Plätzen oder Einwohnern aus der Vergangenheit der Person; keine längere Reaktion auf den eigenen Namen). (3) Freude an Aktivitäten: Darunter wird die Teilnahme und die Freude am bzw. im täglichen Leben (Freizeit, Erholungsaktivitäten und Hobbys) verstanden (Bsp.: genießt gemeinsame Aktivitäten wie Musikhören oder Fernsehen; schläft ein oder tut während der meisten Zeit nichts). (4) Gefühle und Stimmung: Hierzu zählen Anzeichen, die gesehen oder gehört werden können, wie sich eine Person überwiegend fühlt. Dies können gesprochene Meinungen, Ausdrücke oder physische Gestik en sein (Bsp.: zeigt Sinn für Humor; wirft, schlägt oder tritt Objekte). (5) Reagieren auf das Umfeld: Es wird erfasst, wie eine Person auf ihre lebende Umwelt und auf andere Plätze reagiert in einem beobachtbaren Weg über physische Gestiken, Sprache, Gesichtsausdrücke (Bsp.: erfährt Freude oder ist beruhigt von Besitz oder Eigentum; macht wiederholt Aufforderungen zum Verlassen des Raumes). [...]
3. Gewichtung der einzelnen Bereiche Die Wichtigkeit, die ein Patient einem Bereich zuschreibt, wird mit Hilfe einer standardisierten JA-Prozedur erfasst: Der Patient beurteilt hierzu 30 hypothetische Lebensqualitätsprofile (siehe Abb. 6). Jedes ist schematisch durch ein Balkendiagramm dargestellt und mit den vom Patienten gewählten Bereichen beschrieben. Die Balken variieren hinsichtlich ihrer Höhe. Mit Hilfe des Computerprogramms Policy PC 12 wird berechnet, wie viel Gewicht die einzelnen Lebensqualitätsbereiche zu der Beurteilung der Lebensqualität allgemein beitragen. Innerhalb dieser 30 hypothetischen Fallprofile sind zehn doppelt. Damit kann die Urteilsreliabilität bei wiederholten Fällen geprüft werden. 4. Es erfolgt anschließend die Multiplikation von Beurteilung und Gewichtung eines Bereiches (= gewichtskorrigierte Beurteilung eines Lebensqualitätsbereiches). 5. Globale Lebensqualität (Minimum = 0, Maximum = 100): Die gewichtskorrigierten Beurteilungen werden zu einem totalen Lebensqualitätswert addiert. Je höher dieser Wert ist, desto besser ist die Lebensqualität. [...]
Der Forschungsprozess umfasste folgende Schritte (Brod et al., 1999): 1. Entwicklung von Fragen (basierend auf einem Literaturreview und der Zielgruppen in Zusammenhang mit dem konzeptionellen Rahmen), 2. Entwurf des Fragebogens, Pilottest der Fragen mit Demenzpatienten und Revidieren von Fragen, 3. 4. Vorlegen des Fragebogens bei einem großen Sample (Feldtest), Untersuchung von Variabilität und Reliabilität, um die Konstruktion der vorbereiteten Skalen zu ermöglichen (Item Anordnungen, interne Konsistenz, Reliabilität der Skala, Test-Retest-Reliabilität der Items und der Skala), 5. Untersuchung zur Konstruktvalidität der vorbereiteten Skalen (Skala-Skala Interkorrelationen, Korrelationen der Skala mit der Geriatrischen Depressionsskala) und 6. Vollendung der Skalen (abhängig von den Ergebnissen der Schritte 1-5). [...]
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