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Chancen und Risiken einer Direktinvestition in der Volksrepublik China

Chancen und Risiken einer Direktinvestition in der Volksrepublik China
Über dieses Buch

Diplomarbeit von Georg Matt

Problemstellung:

China ist ein Land mit etwa 1,3 Mrd. Menschen und einer Fläche von rund 9,6 Mio. km². Das entspricht in etwa der Fläche der USA. Die Bevölkerung der USA zählt aber nur 0,293 Mrd. Menschen, damit ist Chinas Bevölkerung fast viereinhalb mal so groß wie die der USA. Wirtschaftlich gesehen bedeutet dies, dass die VR China einen Absatzmarkt repräsentiert, der theoretisch um 350% größer ist als der der USA.

Dieser einfache Vergleich soll zeigen, warum die VR China bereits heute als der zukünftige Absatzmarkt der Welt gehandelt wird. Bis jetzt mangelt es diesem Markt aber noch an der Kaufkraft der chinesischen Bevölkerung. Obwohl Chinas Wirtschaft enorme Zuwachsraten verzeichnet, hat die gesamtwirtschaftliche Leistung noch nicht das Niveau großer Industrienationen erreicht. Im internationalen Vergleich rangiert Chinas Wirtschaft heute auf einem Niveau mit Italien. Dennoch, allein die Größe und die ausgezeichneten wirtschaftlichen Perspektiven dieses Marktes versetzen ausländische Investoren in eine wahre China Euphorie.

Chinas Wirtschaftswachstum befindet sich seit 25 Jahren auf einem konstant hohen Niveau von durchschnittlich 8% jährlich. Wenn China diesen Kurs beibehält, könnte es durchaus sein, dass es seinen angestammten Platz als Wirtschaftsmacht Nr. 1 eines Tages zurückerobert. Verloren hat China diesen Platz im späten 15. Jahrhundert, als die Blütezeit der Dynastien, nach fast 900 Jahren, ein abruptes Ende nahm. Bis zu diesem Zeitpunkt jedoch galt China als Weltmacht mit der größten Volkswirtschaft der Erde und der fortgeschrittensten Zivilisation, sowohl technologisch wie organisatorisch.

Chinas heutige Wirtschaft, wie wir sie kennen, nahm ihren Anfang mit der Reform- und Öffnungspolitik im Jahr 1979. Seit dieser Zeit befindet sich China in einer rasanten Umbruchs- und Industrialisierungsphase. Der Wandel von einem reinen Agrarstaat zu einem Industriestaat vollzieht sich in atemberaubendem Tempo. Noch nie in der Geschichte der Menschheit wurden so viele Menschen so schnell aus der Armut in ein menschenwürdiges Leben katapultiert wie seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik. Man schätzt die Zahl auf etwa 400 Mio. Chinesen.

Trotz der sehr positiven Entwicklungen gilt China, gemessen am pro Kopf Einkommen, immer noch als weltgrößtes Entwicklungsland. Charakteristisch für solch ein Entwicklungsland sind die im Vergleich zur westlichen Welt sehr niedrigen Lohnkosten, die stetig neue Investoren aus dem Ausland anlocken. Dieser Zustrom hat ein solches Ausmaß angenommen, dass China mittlerweile als „Fabrik der Welt“ bezeichnet wird. China produziert mehr Spielzeug, näht mehr Kleider und fertigt mehr Schuhe als irgendein anderes Land der Welt. Bereits jede zweite Digitalkamera, jedes dritte Handy und jede vierte Waschmaschine der Welt, wird in China hergestellt.

Dies alles verdankt China der Reform- und Öffnungspolitik, die ausländische Investoren dazu einlädt, in China Kapital und Know-how zu investieren. Die Öffnung nach außen bescherte China einen bescheidenen Wohlstand, der jedoch sehr ungleich verteilt ist. Der Wohlstand verteilt sich im Wesentlichen auf etwa 130 Mio. Chinesen (Oberschicht & Mittelschicht), die die bevorzugte Zielgruppe für Produkte und Dienstleistungen ausländischer Unternehmen bilden. Die komparativen Kostenvorteile sind nicht mehr die Primärziele eines China Engagements, vielmehr steht jetzt die Erschließung des prosperierenden chinesischen Absatzmarktes im Vordergrund. Sowohl große multinationale Konzerne als auch mittelständische Unternehmen wollen dieser Entwicklung Rechnung tragen und in Form einer Direktinvestition davon profitieren.

Gang der Untersuchung:

Viele Wirtschaftsanalysten sind der Meinung, dass es sich mittlerweile fast kein Unternehmen mehr leisten kann, in der VR China nicht präsent zu sein. Doch bevor man diesen folgenschweren Schritt wagt, müssen die Chancen und Risiken eines China Engagements sorgfältig geprüft werden. Denn neben zahlreichen Erfolgsberichten, gibt es auch viele Unternehmen, die über schleppende Genehmigungsverfahren, über interkulturelle Managementprobleme oder über Know-how Abfluss klagen. Der Erfolg wird einem China Engagement offensichtlich nicht automatisch in die Wiege gelegt. Nichtsdestotrotz sind viele Unternehmen bereit diese Risiken auf sich zu nehmen, ganz nach dem Motto: „Wer in China Geschäfte machen will, muss vor Ort präsent sein.“ Diese grundlegende Haltung, die auch der Autor teilt, ist zentraler Ausgangspunkt dieser Studie.

Zielsetzung dieser Studie ist es, sowohl die enormen Chancen als auch die immensen Risiken einer Direktinvestition in der VR China zu ermitteln. Diese Studie soll einem möglichen Entscheidungsträger, der mit der Untersuchung einer geplanten Direktinvestition in der VR China betraut ist, ein möglichst umfassendes China-Bild vermitteln.

Als erstes werden hierzu die politischen, die ökonomischen, die juristischen und die kulturellen Rahmenbedingungen einer Direktinvestition dargestellt. Im Anschluss daran werden die möglichen Markteintrittsalternativen einer Direktinvestition aufgezeigt. Dabei werden die Genehmigungsverfahren beschrieben und eine klare Abgrenzung zwischen den einzelnen „Foreign Invested Enterprises“ (FIEs) vorgenommen. Im Mittelpunkt des vierten Kapitels stehen dann die gegenwärtige wirtschaftliche Lage der VR China und die Investitionsmotive ausländischer Unternehmen. Das fünfte Kapitel befasst sich ausschließlich mit den Determinanten chinesischer Entwicklung. Hierbei untersucht der Autor Risiko- und Erfolgspotentiale der chinesischen Politik und Wirtschaft. Das sechste und letzte Kapitel zeigt dann nochmals die gewonnenen Erkenntnisse auf und beschließt diese Studie mit einem allgemeinen Ausblick.

Die Studie basiert auf der aktuellsten derzeit verfügbaren Literatur, um dem Leser eine möglichst zeitnahe und vor allem fundierte Analyse zu bieten. Der Autor kann hierbei leider nicht auf alle Details eingehen, da dies den Umfang dieser Studie sprengen würde.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung und Gang der Studie 2
2. Rahmenbedingungen für Direktinvestitionen in der VR China 4
2.1 Das politische System 4
2.1.1 Staatsorgane und Verfassung 4
2.1.2 Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) 7
2.1.3 Die Volksbefreiungsarmee (VBA) 14
2.1.4 Menschenrechte 17
2.2 Das ökonomische Umfeld 19
2.2.1 Chinas Infrastruktur 19
2.2.2 Wirtschaftszonen der Reform- und Öffnungspolitik 21
2.2.3 Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) 22
2.2.4 Besteuerung 23
2.2.5 Human Resource 26
2.3 Das juristische Umfeld 27
2.3.1 Das Gerichtswesen 27
2.3.2 Rechtssystem und Vertragsverständnis 28
2.3.3 Schutz geistigen Eigentums 30
2.3.4 Korruption (Kaderkapitalismus) 31
2.4 Kulturelle Einflussfaktoren 34
2.4.1 Chinas kulturelle Entwicklungsgeschichte 34
2.4.2 Chinas kollektivistische Gesellschaft 37
2.4.3 Besondere Bedeutung des „mianzi“ (Gesichts) 38
3. Ausländische Direktinvestition in der VR China 39
3.1 Definition von Direktinvestitionen (am Beispiel der VR China) 39
3.2 Formen ausländischer Direktinvestitionen 40
3.2.1 Repräsentanz 40
3.2.2 Joint Venture (JV) 41
3.2.2.1 Equity Joint Venture (EJV) 42
3.2.2.2 Contractual Joint Venture (CJV) 45
3.2.3 Wholly Foreign Owned Enterprise (WFOE) 46
3.2.4 Gegenüberstellung Joint Venture vs. WFOE 48
3.2.5 Abschaffung der Genehmigungspflicht für ausländische Direktinvestitionen 49
3.2.6 Merger & Acquisition 50
3.3 Foreign Investment Industries Guidance Catalogue 51
4. Umfang und Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen in der VR China 52
4.1 Engagement in der VR China heute 52
4.2 Investitionsmotive deutscher Unternehmen 55
5. Determinanten chinesischer Entwicklung 57
5.1 Das zukünftige Ordnungssystem der VR China 57
5.2 Die Taiwan-Frage 59
5.3 Perspektiven wirtschaftlichen Wachstums 61
6 Fazit 68
6.1 Zusammenfassung der Erkenntnisse 68
6.2 Ausblick 70
Literaturverzeichnis und Internetquellen 75

Automatisiert erstellter Textauszug:

37 der erste Schritt zum Sieg ist und dass ein guter General wissen muss, wie man den Gegner überlistet und täuscht, wie man Schwäche in Stärke verwandelt und man den Zusammenhalt und die Loyalität der Gruppe erhält. Sun Tzus 36 Strategeme betonen die Bedeutung von Training, Disziplin und Loyalität. Eine Armee, die feste Regeln vorgibt und Belohnung und Bestrafung in klugem Maß einsetzt, wird seiner Meinung nach einen besseren Kampfgeist entwickeln. Er thematisiert insbesondere das Verhältnis zwischen Strafe und Loyalität. Wenn Strafen ausgesprochen werden und der Bestrafte nicht loyal ist, wird dieser ungehorsam werden und nicht mehr zielbezogen eingesetzt werden können. Wenn jedoch dessen Loyalität sichergestellt ist, aber keine Strafen durchgesetzt werden, kann er ebenfalls nicht wirksam eingesetzt werden. Ein anderer Bereich, der stark durch die Gedanken Sun Tzus zu List und Taktik geprägt ist, sind die in der VR China vielfach anzutreffenden Verhandlungsmethoden. 2.4.2. Chinas kollektivistische Gesellschaft Die chinesische Gesellschaft wird im Vergleich zu den westlichen [...]

36 Arbeits- und Wohnungssuche, der Gesundheitsvorsorge und der Suche nach Waren, Kontakten etc.1 Eine weitere philosophische Strömung, die das chinesische Denken und Verhalten stark beeinflusst, ist der Taoismus. Nach der taoistischen Erkenntnislehre gibt es kein absolutes Wissen. Jedes Wissen ist auf die Perspektive des Betrachters bezogen und muss belegt werden. Der Taoismus betont, dass jedes Ereignis gemäß einer hierarchischen Ordnung mit jedem anderen Ereignis verbunden ist. Demzufolge ist der perfekte Zustand der Gesellschaft die Harmonie aller Handlungen. Um diesen Zustand zu erreichen, sollten vom Menschen strenge Hierarchien, Rollenverteilungen und moralische Prinzipien festgelegt werden. Für die Obrigkeit wird das „nichts tun“ im Rahmen dieses Handlungsrahmen zur besten Form des Regierens. Das Volk sollte alles in Übereinstimmung mit Tao, dem natürlichen Lauf der Dinge, tun.2 Der Taoismus hilft beim Verständnis der Relativität kultureller Werte – dem Yin und Yang. Yang ist warm, hell und eher maskulin, Yin dagegen kalt, dunkel und eher feminin. Das „männliche“ Yang und das „weibliche“ Yin stellen symbolische Werte dar und dürfen nicht mit dem männlichen und weiblichen Geschlecht verwechselt werden. Aus Sicht vieler Chinesen repräsentieren westliche Kulturen mit einer eher mechanistischen Weltsicht das maskuline Yang, das durch analytisches, rationales, lineares und kausales Denken charakterisiert ist. Chinesen identifizieren sich in kultureller Hinsicht dagegen mit den femininen Werten des Yin, das sich durch ganzheitliches, integratives und intuitves Denken in sozialen Netzwerken auszeichnet. Der Taoismus weist sowohl philosophisches als auch religiöses Gedankengut auf und übt einen großen Einfluss auf viele Bereiche des Managements aus. So hat z.B. nach den Prinzipien des Feng Shui die Lage eines Hauses und dessen Einrichtung Einfluss auf das Schicksal einer Familie, beziehungsweise die Tätigkeit einer Unternehmung.3 Eine dritte wesentliche Prägung erfuhr das chinesische Denken durch den Strategen Sun Tzu und sein Werk „Die Kunst des Krieges“, das in den letzten Jahren auch Eingang in die westliche Managementliteratur gefunden hat. Nach Sun Tzu ist die höchste Kunst der Kriegsführung den Feind kampflos zu überwinden. In seiner Schrift legt er dar, dass das Wissen sowohl über den Gegner als auch über sich selbst [...]

35 der heutigen chinesischen Kultur bilden, werden ihre Grundelemente im Folgenden kurz erläutert. Der Konfuzianismus stellt die bedeutendste Philosophie in der Geschichte Chinas dar und übt seit Jahrhunderten einen sehr starken Einfluss auf die chinesische Denkweise, das Verhalten und das gesellschaftliche Leben aus, auch wenn es immer wieder Gegenbewegungen hierzu gab. Das Bestreben Konfuzius (551-487 v. Chr.) galt einem gut regierten Staat, in dem Harmonie zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft herrscht. Der Konfuzianismus betont die Verpflichtungen des Menschen gegenüber dem Anderen in Abhängigkeit von den Beziehungen der Menschen untereinander. Er legt großen Wert auf die Grundlagen menschlicher Beziehungen wie Pflicht, Loyalität, Ehre, Respekt gegenüber den Eltern, Respekt vor dem Alter und Ehrlichkeit. Große Bedeutung im Konfuzianismus haben die Erziehung, die harmonische Beziehung zum Nächsten, gegenseitige Verpflichtungen, Hierarchie und gesellschaftliche Ordnung.1 Das auf der konfuzianischen Philosophie basierende hierarchische System prägt maßgeblich die chinesische Bürokratie. Gemäß den strengen Prinzipien des Konfuzianismus wird jedem einzelnen Chinesen sein Platz und seine entsprechende Verantwortung auf der jeweiligen Hierarchiestufe auf direktem Weg durch die Führung zugewiesen. Hieraus resultiert ein hierarchisches, vertikales Regierungsund Bürokratiesystem, in dem selbst unbedeutende Entscheidungen nach oben gemeldet und mit den oberen Systemebenen abgestimmt werden müssen. Diese Organisationsform ist auch heute noch in den chinesischen Behörden vorzufinden. Ein anderes zentrales chinesisches Kulturmerkmal, nämlich die große Bedeutung von Beziehungen (guanxi), resultiert ebenfalls aus der konfuzianischen Philosophie. Die chinesische Wirtschaftsgesellschaft ist im Gegensatz zur westlichen, eher faktenbasierten Wirtschaftskultur sehr viel stärker auf Beziehungen aufgebaut. „Guanxi“ beruht auf zwischenmenschlichen Beziehungen, die durch Gegenseitigkeit und wechselseitige Verpflichtungen gekennzeichnet sind. Idealerweise beruhen diese Beziehungen zusätzlich noch auf Wohlwollen und persönlicher Zuneigung. Grundlagen dieser Beziehungen sind Vertrauen, gegenseitige Verpflichtungen und gemeinsame Erfahrungen. Diese insbesondere in ländlichen Gebieten auch heute noch relevanten inoffiziellen Netzwerke helfen ihren Mitgliedern etwa bei der [...]

Arbeit zitieren:
Matt, Georg Juni 2005: Chancen und Risiken einer Direktinvestition in der Volksrepublik China, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Wholy Foreign Owned Enterprise, Equity Joint Venture, Contractual Joint Venture, kulturelle Einflussfaktoren, Wirtschaftszonen

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