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Traditionelle und alternative Wohnformen für Seniorinnen und Senioren

Zur Entscheidungsfindung zwischen Heimunterbringung und betreutem Wohnen

Traditionelle und alternative Wohnformen für Seniorinnen und Senioren
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Andrea Schulz
  • Abgabedatum: Oktober 2004
  • Umfang: 154 Seiten
  • Dateigröße: 642,1 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Kiel Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9055-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9055-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9055-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schulz, Andrea Oktober 2004: Traditionelle und alternative Wohnformen für Seniorinnen und Senioren, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Wohnen, Alter, Pflege, Altenheim, demografisch

Diplomarbeit von Andrea Schulz

Zusammenfassung:

Die vorliegende Diplomarbeit fragt nach den traditionellen und alternativen Wohnformen im Alter. Ausgehend von der demografischen Entwicklung und dem damit einhergehenden quantitativen Anstieg alter Menschen sind Wohn- und Versorgungsstrukturen für diese Bevölkerungsgruppe mit oft speziellen Anforderungen und Bedürfnissen erforderlich.

Es geht in dieser Arbeit, ausgehend von dieser Entwicklung und den rechtlichen Rahmenbedingungen, darum, eine Übersicht über die in Deutschland verbreiteten und verfügbaren Konzepte für Wohnen im Alter zu schaffen. Des Weiteren sollen die Umzugsstrukturen und -motive von Seniorinnen und Senioren herausgearbeitet werden. Insbesondere sollen dabei die Umzugsstrukturen und -motive von BewohnerInnen eines Pflegeheimes und einer Einrichtung des betreuten Wohnens im Rahmen einer empirischen Untersuchung verglichen werden.

Das Wohnen ist einer der zentralen Handlungs- und Erlebensbereiche aller Menschen, speziell von SeniorInnen und Senioren. Alltag bedeutet für ältere Menschen vor allem Wohnalltag, da sich ihr Wirkungsbereich durch eingeschränkte Handlungs- und Bewegungsspielräume überwiegend in der eigenen Häuslichkeit abspielt. Das Leben im jeweiligen Wohnumfeld beeinflusst daher die Lebensqualität von SeniorInnen im besonderen Maße und verdient daher eine spezielle Aufmerksamkeit.

Vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl älterer Menschen in der Bevölkerung setzt sich diese Diplomarbeit mit der Frage auseinander, welche Versorgungsstrukturen und Wohnangebote für ältere Menschen derzeit in Deutschland zur Verfügung stehen. Ausgehend von der Alterung der deutschen Gesellschaft durch die demografische Entwicklung, ist die Frage nach Betreuung, Versorgung und Wohnen alter Menschen von besonderer Wichtigkeit.

Nach wie vor wird der überwiegende Teil von Pflege, Betreuung und Versorgung im privaten beziehungsweise familiären Bereich geleistet. Doch durch Veränderungen der Gesellschaft, wie Individualisierung, Emanzipation und einer Vielzahl neuer Formen von Lebensgemeinschaften wird sich das Potential familiärer Pflege dauerhaft verringern und entscheidende Änderungen in der Pflegeinfrastruktur erzwingen. Aus diesem Grund werden institutionalisierte Wohnformen für SeniorInnen immer interessanter und notwendiger.

Welche Angebote sind für alte Menschen mit oder auch ohne Hilfe- und Pflegebedarf heute verfügbar und welche gesetzlichen Grundlagen spielen im Bereich der Versorgung und des Wohnens von SeniorInnen eine Rolle? Trotz der Vielfältigkeit in der Wohnlandschaft von alten Menschen bleibt die Kernfrage, ob es den verschiedenen Bedürfnissen und Wünschen von Seniorinnen und Senioren entsprechende Angebote des Wohnens neben der eigenen Wohnung gibt und ob diese Angebote den verschiedenen individuellen Bedürfnissen gerecht werden können.

In diesem Konnex sollen die bis dato etablierten Wohnkonzepte am Markt beschrieben werden, welche Bedarfe sie jeweils decken und welche Bereiche der Pflege, Versorgung und Betreuung möglicherweise offen bleiben. Mit dieser Darstellung ist es möglich, eine Struktur der Versorgungssysteme zu entwickeln und damit verschiedenen Anforderungen und Bedürfnissen entsprechende Wohn- und Versorgungskonzepte vorzustellen.

Besonders in Anbetracht der demografischen Entwicklung und der damit einhergehenden erwartbaren Entwicklung der Versorgungssysteme für Menschen im Alter spielt das Wohnen außerhalb der „normalen“ Wohnung eine immer größere Rolle. Durch den zahlenmäßigen Anstieg von SeniorInnen wird besonders die Hochaltrigkeit in den nächsten Jahrzehnten weiter an Bedeutung gewinnen.

Hochaltrigkeit muss in den meisten Fällen in Verbindung mit Hilfe- und Pflegebedürftigkeit betrachtet werden. Für die betroffenen Personen sind Versorgungs- und Unterstützungssysteme essentiell. In diesen Kontexten wird es in Zukunft einige Herausforderungen geben, um entsprechende Angebote des Lebens und Wohnens für ältere Menschen einzurichten, zu festigen, weiter zu entwickeln sowie die nötige Akzeptanz bei den SeniorInnen für diese zu schaffen. Hierbei gilt es, ganz besonderes Augenmerk auf die Wohnbedürfnisse der älteren Menschen zu legen sowie eine Informationspolitik zu entwickeln, die es den Betroffenen und deren Angehörigen ermöglicht, aus allen wählbaren Wohnmodellen das zu ihren jeweiligen Bedürfnissen passende zu finden. Bisher war es leider so, dass weder im Bereich Wohnraumanpassung noch in Bezug auf institutionelle Wohnformen im Alter ein ausreichender Informationsfluss erreicht werden konnte. In diesem Zusammenhang muss von einer weiter reichenden Beratungsnotwendigkeit sowie zugehender Altenarbeit ausgegangen werden.

Bedeutsam ist der Aspekt, wie alte und alternde Menschen wohnen und welche Wohnmodelle für sie im Bedarfsfalle zur Verfügung stehen. Im Zuge dessen taucht der Begriff „alternative Wohnformen“ auf. Diese Begrifflichkeit soll alle Wohnformen umfassen, die sich von den traditionellen Angeboten in Heimeinrichtungen oder der herkömmlichen Wohnung unterscheiden. Dies geschieht vor allem vor dem Hintergrund, dass diese alternativen Wohnformen in Deutschland insgesamt noch relativ jung und überwiegend unbekannt sind. Außerdem sind die bestehenden Angebote sehr vielschichtig und die Begrifflichkeiten werden in der Literatur nicht einheitlich genutzt (daher dieser Überbegriff).

Der Komplex des Alters und Alterns sowie des Wohnens wird im ersten Teil der Arbeit näher beleuchtet. Nach einer Übersicht über die gesellschaftliche Alterung und gesetzlichen Grundlagen für Versorgung und Leben im Alter wird es eine Beschreibung von Angeboten der Altenhilfe geben. Eine Abgrenzung der unterschiedlichen Wohnformen voneinander wird vorgenommen, und die jeweiligen Konzepte werden vorgestellt.

Im Rahmen der Vorstellung traditioneller und alternativer Wohnkonzepte gewinnt der Gesichtspunkt von Umzugsmotiven und -strukturen an Bedeutung. Anhand des vergleichenden Beispiels der Konzepte des betreuten Wohnens im AWO Servicehaus Boksberg und dem Pflegeheim Altenzentrum Neumühlen-Dietrichsdorf soll ein Einblick in die Praxis bestehender Dienstleistungsangebote in Kiel-Dietrichsdorf geschaffen werden.

Im zweiten Teil der Arbeit wird dann, Bezug nehmend auf das Altenzentrum Neumühlen-Dietrichsdorf als Anbieter von Pflegeheimplätzen und das AWO Servicehaus Boksberg als Anbieter des betreuten Wohnens, die Frage der Entscheidungsfindung zwischen Pflegeheim und betreutem Wohnen gestellt: Warum entscheidet sich ein älterer Mensch an einem bestimmten Punkt seines Lebens dazu, in eine stationäre Altenhilfeeinrichtung zu ziehen? Ist das Pflegeheim als klassische institutionalisierte Wohnform überhaupt noch zeitgemäß oder nach wie vor ein beliebter „Klassiker“ unter den Wohnmöglichkeiten im Alter? NutzerInnen des AWO Servicehaus Boksberg und Altenzentrum Neumühlen-Dietrichsdorf werden zu den genannten Punkten im Rahmen einer empirischen Untersuchung, welche sich an qualitativ-heuristischer Sozialforschung orientiert, befragt.

Als Ergebnis wird herausgearbeitet, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Klientel der beiden Einrichtungen bestehen. Und in wieweit sind Unterschiede in Umzugsmotivation und -gründen bei NutzerInnen der konzeptionell verschiedenen Einrichtungen zu finden?

Des Weiteren ist es wichtig zu erkennen, dass SeniorInnen bestimmten Umzugsstrukturen und -motiven folgen. Diese sind jeweils von der gegebenen Situation abhängig, die durch die Gesundheit, sozialen Netzwerken, Verfügbarkeit familiärer Hilfesysteme etc. geprägt sind. Ein Umzug bringt außerdem eine Vielzahl an Veränderungen mit sich. Diese Veränderungen bestimmen das Leben älterer Menschen ganz besonders, seien diese nun durch Institutionalisierung und verändertes Wohnumfeld etc. beeinflusst. Auch diese Veränderungen sollen im Rahmen der Untersuchung beleuchtet werden.

Ausgehend von theoretischen Fakten der Bevölkerungsentwicklung und gesetzlichen Grundlagen der Versorgung und des Wohnens im Alter, soll der Bogen in die Praxis durch die empirische Untersuchung zur Entscheidungsfindung zwischen Pflegeheim und betreutem Wohnen und der erfahrenen Lebenswelt gespannt werden.

Inhaltsverzeichnis:

INHALTSVERZEICHNIS
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 5
EINFÜHRUNG 8
1. ALTENHILFE UND SOZIALE ARBEIT MIT ALTEN MENSCHEN 13
2. ALTERUNG DER GESELLSCHAFT IN DEUTSCHLAND 14
2.1 DEMOGRAFISCHE ENTWICKLUNG 15
2.2 ÄLTERE MIGRANTINNEN UND MIGRANTEN 19
3. GESUNDHEIT UND PFLEGEBEDARF VON SENIORINNEN UND SENIOREN 21
3.1 PFLEGEVERSICHERUNG 22
3.2 PFLEGESTUFEN NACH SGB XI 23
4. GRUNDLAGEN FÜR PFLEGE UND WOHNEN IM ALTER 25
4.1 HÄUSLICHE PFLEGE 26
4.2 AMBULANTE PFLEGE(DIENSTE) 28
4.3 TEILSTATIONÄRE ALTENHILFE 30
4.4 STATIONÄRE ALTENHILFE 30
5. WOHNEN IM ALTER 31
5.1 ENTWICKLUNG ZU INSTITUTIONALISIERTEN WOHNFORMEN 34
5.1.1 Veränderung von Familien- und Haushaltsstrukturen 35
5.1.2 Sozioökonomische Lebensverhältnisse 37
5.2 WOHNFORMEN IM ALTER 38
5.2.1 Normale/private Wohnung 39
5.2.2 Angepasste Wohnung 40
5.2.3 Barrierefreie Wohnung, respektive altersgerechtes Wohnen 43
5.2.4 Alternative Wohnformen 44
5.2.4.1 Betreutes Wohnen zu Hause respektive Wohnen plus oder betreutes Wohnen im Bestand 45
5.2.4.2 Betreutes Wohnen respektive Service-Wohnen oder unterstütztes Wohnen 46
5.2.4.3 Integriertes Wohnen 50
5.2.4.4 Mehrgenerationenwohnen 51
5.2.4.5 Gemeinschaftliches Wohnen respektive selbst organisierte Wohn- oder Hausgemeinschaften 52
5.2.4.6 Pflegewohngruppen (im Quartier) respektive betreute Wohngemeinschaft, Pflegewohngruppe oder begleitete Wohngruppe 53
5.2.4.7 Siedlungsgemeinschaften 55
5.2.4.8 Altendorf 56
5.2.5 Institutionalisierte Wohnformen - Heime und heimähnliche Wohnformen 56
5.2.5.1 Pflegeheim 58
5.2.5.2 Altenheime 60
5.2.5.3 Altenwohnheime 60
5.2.5.4 Wohnstift respektive Seniorenresidenzen 61
5.2.6 Altenhilfeangebote für Migrantinnen und Migranten 63
6. UMZUGSSTRUKTUREN UND -MOTIVE VON SENIORINNEN UND SENIOREN 64
6.1 TYPOLOGISIERUNG DER WOHNFORMEN NACH DER JEWEILIGEN ENTSCHEIDUNGSSITUATION 75
6.1.1 "Ich möchte so lange wie möglich zu Hause bleiben" 76
6.1.2 "Ich möchte meine Wohnsituation verändern" 76
6.1.3 "Zwingend notwendige Änderung der Wohnsituation" 77
6.2 UMZUG INS HEIM 78
6.3 UMZUG INS BETREUTE WOHNEN 82
7. VERGLEICH BETREUTES WOHNEN UND PFLEGEHEIM 84
8. LEBENSGESTALTUNG IN STATIONÄREN EINRICHTUNGEN 90
8.1 INSTITUTIONALISIERUNG DES LETZTEN LEBENSABSCHNITTES 91
8.2 KONZEPTBEISPIEL ALTENZENTRUM NEUMÜHLEN-DIETRICHSDORF 93
8.3 KONZEPTBEISPIEL KIELER SERVICEHAUS DER ARBEITERWOHLFAHRT BOKSBERG 96
9. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG ZUR ENTSCHEIDUNGSFINDUNG ZWISCHEN PFLEGEHEIM UND BETREUTES WOHNEN 100
9.1 QUALITATIV-HEURISTISCHE SOZIALFORSCHUNG 101
9.2 ENTWICKLUNG DES LEITFADENS 104
9.3 DURCHFÜHRUNG DER INTERVIEWS 104
9.4 FRAGESTELLUNG UND VORANNAHMEN 105
9.5 AUSWERTUNG DER INTERVIEWS 108
9.6 ERGEBNISSE 109
9.7 FAZIT DER ERHEBUNG 132
10. SCHLUSSBETRACHTUNG 136
11. AUSBLICK 141
EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG 142
LITERATURVERZEICHNIS 143
ANHANG: LEITFADEN ZUR EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG ZUR ENTSCHEIDUNGSFINDUNG ZWISCHEN PFLEGEHEIM UND BETREUTEM WOHNEN 154

Automatisiert erstellter Textauszug:

tungshaltung und tatsächlicher Leistungserbringung. Insbesondere eine schlechte pflegerische Versorgung und Unzufriedenheit mit dem Essen wurden in diesem Zusammenhang genannt. Somit ist auch die Zufriedenheit mit den neuen Lebens- und Wohnumständen beeinträchtigt. Weitere sich negativ auswirkende Faktoren wurden in Form von Personalfluktuation, unfreundlichem Pflegepersonal, Verschlechterung der pflegerischen Betreuung im Laufe des Aufenthaltes99 benannt. Des Weiteren kam außerdem die Problematik von Doppelzimmern zur Sprache. Andere störende Einflüsse waren nach Ansicht der Befragten die Entscheidung des Umzuges über den Kopf hinweg100 und ohne Beteiligung und Einflussnahme des Betroffenen. Außerdem wurde die Umgebung und das Zusammensein mit alten, hinfälligen und gebrechlichen Menschen, die ständige Auseinandersetzung mit Tod und Krankheit, Isolation und Einsamkeit, die Trennung vom Partner oder die Verarbeitung dessen Todes sowie die hohe finanzielle Belastung, die ein Heimaufenthalt bedeutet, als belastend empfunden. In einem Fall kam zur Sprache, dass die „Rund-um-Versorgung“ im Pflegeheim nicht zur Verbesserung der Lebensqualität beitrage, sondern eher entwürdigend sei und das Selbstwertgefühl beeinträchtige101. Neben den vielen eher negativen Einflussfaktoren sind aber auch positive Bereiche der Lebens- und Wohnzufriedenheit genannt worden. Dazu gehört die (durch mehrfache Nennungen) relativ hohe Wohnzufriedenheit. Außerdem wurden genannt: das sichere Gefühl der Versorgung und Betreuung rund um die Uhr102, eine gute Verpflegung, die Möglichkeit Freundschaften und Bekanntschaften knüpfen zu können und das Gefühl zu Hause zu sein. Im Vergleich der Aussagen ist im Servicehaus Boksberg eine höhere Wohn- und Lebenszufriedenheit als im Altenzentrum erkennbar. Anzunehmen ist, dass diese Unterschiede unter anderem in den Konzepten der Einrichtungen begründet sind. In dem vordergründigen Wohncharakter des betreuten Wohnens mit Mietwohnung und Privatheit ist sicherlich ein Anlass dafür zu sehen. Weiterhin ist durch unfreiwillige Einzüge und die Fokussierung auf die Pflege im Pflegeheim die Lebenswelt so [...]

Im AWO Servicehaus Boksberg haben 50% der befragten Personen von einer weiterhin hohen Wohnzufriedenheit gesprochen. Ebenso viele nannten eine gute pflegerische Betreuung, die sie erhalten sowie das freundliche und zuvorkommende Personal. Ein weiterer wichtiger Punkt, der das Leben im Servicehaus beeinflusst, ist die Möglichkeit mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, sowie Freundschaften und Bekanntschaften knüpfen zu können. Dies wäre den Personen in der häuslichen Umgebung vorher meist nicht möglich gewesen und ist daher von besonderer Bedeutung. Weiterhin wurden mehrfach positiv die gute Verpflegung sowie die entlastende Wirkung der pflegerischen Betreuung des Partners aufgezählt. Die Zufriedenheit bei einzelnen MieterInnen konnte außerdem durch das sichere Gefühl versorgt zu sein, die altengerechte Ausstattung des Hauses, ein ruhiges und ordentliches Wohnen, eine gute Infrastruktur der Umgebung sowie das Gefühl „zu Hause“ zu sein positiv gesteigert werden. Einen eher negativen Einfluss auf die Lebens- und Wohnzufriedenheit der NutzerInnen des betreuten Wohnens hat die Lage der Einrichtung am Berg97. Dieser Umstand beeinträchtigt die Mobilität und Selbstständigkeit durch ein ständiges Angewiesensein auf Taxen und Mitfahrmöglichkeiten. Weiterhin wurde die Verschlechterung des Gesundheitszustandes und Unzufriedenheit mit dem Essen benannt. Für einzelne Personen stellte außerdem die Gruppendynamik im Hause sowie die Trennung vom Partner oder der vorhergehende Tod dessen ein schwer zu bewältigendes Problem dar. Insgesamt überwiegt aber eine positive Einschätzung der Gesamtsituation in Bezug auf die Lebens- und Wohnzufriedenheit, welche sicherlich mit den Erleichterungen im Alltag, gebotene Sicherheit und die Möglichkeit der Versorgung zu erklären ist. [...]

Wohn- und Lebenssituation vor dem Umzug Die Wohn- und Lebenssituation vor dem Umzug in das betreute Wohnen beziehungsweise in das Pflegeheim wurden einrichtungsspezifisch recht differenziert beschrieben. Die befragten Personen des Servicehauses nannten überwiegend eine hohe Wohn- und Lebenszufriedenheit, in Verbindung mit einer Verwurzelung und langen Wohngeschichte, einem schönen Wohnort sowie die Gemeinschaft mit dem Ehepartner, der Hausgemeinschaft und einer gelebten Selbstständigkeit. Nur eine Minderheit war unzufrieden mit dem Leben allein in der Wohnung, fühlte sich einsam und isoliert oder war unglücklich über eine schlechte Hausgemeinschaft. Als sehr problematischen Punkt wurde vor allem die Überforderung mit den alltäglichen Aufgaben genannt. Danach folgen Überforderung mit der Pflege des Ehepartners sowie gesundheitlicher Probleme (eine Nennung). [...]

Arbeit zitieren:
Schulz, Andrea Oktober 2004: Traditionelle und alternative Wohnformen für Seniorinnen und Senioren, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Wohnen, Alter, Pflege, Altenheim, demografisch

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