"Schöner Streiten": Konflikte lösen mit Mediation
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Sandra Wagner
- Abgabedatum: Juli 2004
- Umfang: 98 Seiten
- Dateigröße: 673,8 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Alice-Salomon-Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8862-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8862-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8862-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Wagner, Sandra Juli 2004: "Schöner Streiten": Konflikte lösen mit Mediation, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sozialpädagogik, Kommunikation, Problem, Lösungsmöglichkeit, Verhandeln
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Diplomarbeit von Sandra Wagner
Gang der Untersuchung:
In meiner Diplomarbeit veranschauliche ich die Grundlagen sowie das Handwerkzeug der Mediation in der Konfliktbewältigung. Dabei beziehe ich mich nicht auf ein Fachgebiet der Mediation, sondern untersuche übergreifend und kritisch die allgemeingültigen Bedingungen des Mediationsverfahrens. Meine Arbeitshypothese ist, dass Mediation eine verbesserte Kommunikation und ein gegenseitiges Verstehen fördert. Ziel dieser Arbeit ist, die Voraussetzungen, Chancen und Risiken der Mediation zu betrachten. Wann ist Mediation anwendbar und wann stößt dieses Verfahren auf Hindernisse, so dass die Mediation zu scheitern droht? Die Streitenden sollten nicht versuchen, Sieger zu sein, um das letzte Wort zu haben, sondern gemeinsam aus dieser Situation herausfinden können.
Eine Relevanz dieses Themas ergibt sich meiner Meinung nach dadurch, dass zum einen Konflikte meist als störend, destruktiv und schmerzvoll erlebt werden. Deswegen versuchen viele Menschen, diesen Situationen auszuweichen. Häufige Reaktionen auf Konflikte sind die Vermeidung oder sogar die Flucht, denn Streitigkeiten enden nach unserem Empfinden meistens unbefriedigend und führen oftmals zu einer Verschlechterung gegenseitiger Beziehungen. Oft ist zu hören: „Wir streiten uns nie“, oder „Ich gehe lieber dem nächsten Streit aus dem Weg“. Eine Auseinandersetzung mit dem Konflikt kann aber helfen, sich selber und andere besser zu verstehen. Die Mediation kann einen Beitrag dazu leisten, Sackgassen der Konfliktlösungen zu vermeiden.
Zum anderen gibt es Konflikte überall, ob privat oder beruflich: Sie warten in jeder Situation auf uns, denn wir leben in einer Zeit, die sich rasant verändert. Dabei stoßen wir auf Widerstände, die Zündstoff für Konflikte sein können. Meines Erachtens ergibt sich hierdurch die Notwendigkeit, zu lernen, mit Konflikten positiv umzugehen, denn ein Akzeptieren von Andersartigkeit und Unterschiedlichkeit stößt in unserer Gesellschaft immer noch auf Scheu und Abwehr. Und gerade Mediation bietet die Möglichkeit des „Schöner Streitens“.
Die Einleitung bietet einen allgemeinen Überblick über die Zielsetzung der Arbeit und gewährt einen Einblick in meine Themenwahl. Das zweite Kapitel meiner Arbeit dient dazu, den Begriff Mediation zu untersuchen. Anschließend wird eine Abgrenzung zu anderen Methoden vorgenommen und die Entstehungsgeschichte skizziert. Des Weiteren werden die Grundannahmen und die Voraussetzungen der Mediation betrachtet. Dabei geht es um Leitbilder als auch um Grundauffassungen des Schlichtungsverfahrens.
Des Weiteren werden die Ziele der Mediation und die unterschiedlichen Mediationsansätze verdeutlicht. Daraus ergeben sich vielfältige Konzepte, Stile und Ausprägungen der Mediation, deren Kernelemente und Wirkungsbereiche herausgestellt werden. Anschließend soll die Rolle des Mediators, insbesondere seine Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmale in der Verhandlung beschrieben und durchleuchtet werden.
Das dritte Kapitel widmet sich dem zentralen Gegenstand der Mediation: dem Konflikt. Einige sozialen Konfliktarten werden vorgestellt und mögliche Entstehungs- und Ursachenforschungen gegeben. Dabei wird nur einen Umriss geboten. Anschließend wird die Sinnhaftigkeit und Entwicklung der Konflikte in unterschiedliche Eskalationsstufen beleuchtet.
Im vierten Abschnitt werden methodische Verfahrensweisen der Mediation aufgezeigt. Der Werkzeugkoffer des Mediators zeigt eine Fülle an vielfältigen Techniken. Abschließend werden mögliche Kommunikationsregeln genannt, nach denen sich die Kontrahenten konstruktiver streiten können.
Der Mediationsverlauf wird anhand eines Phasenmodells im fünften Kapitel veranschaulicht. Es gibt einige Varianten an Modellen, die in zahlreiche Bausteine gegliedert werden. Ein gängiges Phasenmodell der Mediation wird vorgestellt.
Das sechste Kapitel behandelt die Diskussion und kritische Betrachtung der Vorteile, Nachteile als auch die Chancen und Risiken des Mediationsverfahrens. Dabei richtet sich der Fokus auf die Qualitätssicherung in Deutschland bezüglich der Anforderungen und Ausbildungsrichtlinien der Mediation. Darüber hinaus werden einige mögliche Zukunftsprognosen der Mediation diskutiert.
Im siebten Kapitel werden zwei Interviews aus unterschiedlichen Fachbereichen genutzt, um zum einen die dargelegten Bereiche der Mediation anhand der Praxis zu beleben als auch aktuelle fachgebundene Diskussionen mit einzubeziehen. Die Sichtweise der Medianden konnte aus Gründen der Schweigepflicht und offensichtlichen Störung des Verlaufs nicht untersucht werden. Jedoch haben sich zwei Mediatoren zu einem Interview bereit erklärt. Die Bedeutung der Mediation in der sozialen Arbeit wird mithilfe eines Praxisbeispiels vertieft. Das achte Kapitel, welches die Arbeit abschließt, dient der Überprüfung der eingangs gesteckten Ziele der Arbeit.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | 1 | |
| Abbildungsverzeichnis | 2 | |
| Tabellenverzeichnis | 2 | |
| 1. | Einleitung | 3 |
| 1.1 | Gegenstand dieser Arbeit | 3 |
| 1.2 | Meine Motivation | 4 |
| 1.3 | Aufbau der Arbeit | 4 |
| 2. | Hintergrund der Mediation | 6 |
| 2.1 | Begriffsbestimmung von Mediation | 6 |
| 2.2 | Abgrenzung der Mediation | 7 |
| 2.3 | Historischer Rückblick in die Mediation | 9 |
| 2.4 | Grundannahmen der Mediation | 11 |
| 2.5 | Ziele der Mediation | 14 |
| 2.6 | Mediationskonzepte | 15 |
| 2.6.1 | Harvard-Konzept | 15 |
| 2.6.2 | Transformationsansatz | 17 |
| 2.6.3 | Transaktionsanalyse | 17 |
| 2.6.4 | Das HILKA-Modell | 18 |
| 2.6.5 | Weitere Stile der Mediation | 19 |
| 2.7 | Wirkungsbereiche der Mediation | 21 |
| 2.8 | Rolle des Mediators | 22 |
| 3. | Gegenstand der Mediation: Der Konflikt | 26 |
| 3.1 | Deutungsmuster von Konflikten | 26 |
| 3.2 | Soziale Konfliktarten | 27 |
| 3.2.1 | Der interpersonelle Konflikt | 27 |
| 3.2.2 | Weitere Konfliktarten | 28 |
| 3.3 | Mögliche Ursachen von Konflikten | 29 |
| 3.4 | Sinnhaftigkeit der Konflikte | 31 |
| 3.5 | Konflikteskalation | 32 |
| 4. | „Werkzeugkoffer“ des Mediators | 36 |
| 4.1 | Gesprächstechniken | 36 |
| 4.1.1 | Klientenzentrierter Ansatz | 36 |
| 4.1.2 | Kommunikationstechniken | 39 |
| 4.2 | Weitere Techniken | 42 |
| 4.2.1 | Getrennte Einzelgespräche | 42 |
| 4.2.2 | Kreativtechniken | 42 |
| 4.3 | Wege zur Streitfähigkeit | 43 |
| 5. | Das Phasenmodell der Mediation | 46 |
| 5.1 | Phase 1: Vorbereitung, Einführung, Auftragserteilung | 46 |
| 5.2 | Phase 2: Informations-und Themensammlung | 47 |
| 5.3 | Phase 3: Interessenklärung | 48 |
| 5.4 | Phase 4: Kreative Ideensuche | 49 |
| 5.5 | Phase 5: Bewertung und Auswahl | 49 |
| 5.6 | Phase 6: Abschluss einer Vereinbarung | 50 |
| 6. | Diskussion | 52 |
| 6.1 | Chancen und Risiken | 52 |
| 6.2 | Anforderungen und Qualitätssicherung der Mediation | 55 |
| 6.3 | Mediation und Supervision | 58 |
| 6.4 | Zukunft mediativer Konfliktlösung | 58 |
| 7. | Praxisbezug der Mediation | 60 |
| 7.1 | Interviews | 60 |
| 7.1.1 | Wirtschaftsmediator | 60 |
| 7.1.2 | Scheidungsmediator | 64 |
| 7.1.3 | Fazit Interviews | 65 |
| 7.2 | Soziale Arbeit und Mediation | 65 |
| 7.2.1 | Verfahrensverlauf: Scheidungsmediation | 66 |
| 7.2.2 | Fazit | 71 |
| 8. | Resümee | 73 |
| 9. | Literaturverzeichnis | 76 |
| 10. | Anhang | 80 |
| 10.1 | Rechtliche Grundlagen | 80 |
| 10.2 | Adressen nationaler und internationaler Fachverbände der Mediation | 82 |
| Erklärung zur Urheberschaft | 93 |
viele Konflikte mitbekommen, auf die immer wieder scheu reagiert wird. Die Verweigerung menschlicher Zuwendung des Konfliktpartners, oder das Aufgeben der eigener Position, können mögliche Ursachen sein. Diese Angst kann handlungsunfähig machen. Motamedi nennt acht Regeln für „kreatives Streiten“ (ebd. 1997, S. 80). Die Aufzählung meint keine strikte Einhaltung der Regeln. Mit jedem Streit werden Regeln des miteinander Kommunizierens eingeführt, ohne diese explizit zu formulieren. Jede Person sollte sich davon Einige zu nutzen machen. 1. Die Gefühle an den richtigen Adressaten mitteilen: Die Gefühle verbalisieren. z.B. „Ich fühle mich benachteiligt“. 2. Über Gefühle sprechen, und nicht über Bewertungen: Es ist schwierig, zwischen einem Gefühl oder einer Bewertung zu unterscheiden. Wenn sich emotional mitgeteilt wird, hat das Gegenüber mehr Reaktionsspielraum. 3. Vermitteln von Ich-Botschaften: Eine Ich-Botschaft verhindert den Vorwurf gegenüber den Streitenden. Sie vermittelt das, was jeder empfindet. Die Verantwortung der Gefühle liegt bei jedem selbst. z.B. „Ich fühle /denke so…, wenn du das sagst“, oder „Mein Wunsch ist…“. 4. Verständnis für die Gefühle von anderen: Eine Verhandlung, die von gegenseitiger Akzeptanz und Respekt geprägt ist, eröffnet erfolgreicheres Verhandeln. Die Parteien versuchen, sich gegenseitig ernst zu nehmen und zu verstehen. 5. Konzentration auf konstruktive Lösungsmöglichkeiten: Während der Gespräche in den Verhandlungen wird sich auf mögliche Lösungen des Konflikts konzentriert. Eine konstruktive Auseinandersetzung beider Interessen ermöglicht ein positives Ergebnis. 6 Geduldig Zuhören/Aktives Zuhören: Über diese Fähigkeit verfügen nur wenige Menschen. Aktives Zuhören bedeutet, nicht zu bewerten, sondern zusammen zu fassen, wobei der Blickkontakt gehalten wird. Ein Nachfragen bei undeutlichen Aussagen kann abgewendet werden. Es gilt, sich in den Standpunkt des anderen hineinzuversetzen. [...]
Rahmen zu konstruieren, der die Bedeutung des Konflikts verändert. Ein Bild kann in einem veränderten Rahmen ganz anders aussehen und wirken, auch wenn sich das Bild nicht verändert hat. Wird ein Problem reframt, dann bekommt dasselbe Ereignis eine neue Bedeutung. Das heißt, dass neue Reaktionen und neues Verhalten möglich werden können. Reframing bezeichnet den Prozess des Umdeutens: des Einnehmens einer neuen Perspektive, einer neuen Art der Wahrnehmung, hin zu einer neuen Interpretation. Die wichtigste Funktion des Reframings ist die Zerstörung der bisherigen Sicht der Dinge. Abschließend ist festzustellen, dass die „Hilfsbrücke“ (Besemer 1994, S. 59) des Mediators umso mehr zerfällt, desto positiver und konstruktiver die Streitenden eine Kommunikation führen können. [...]
4.2.1 Getrennte Einzelgespräche Falls die Konfliktparteien nicht in der Lage sind, sich an einen Tisch zu setzen, können getrennte Einzelgespräche durchgeführt werden. Insbesondere, wenn das Gespräch in eine Sackgasse verläuft, oder eine Konfliktpartei das Einzelgespräch wünscht, kann sich der Mediator auf diese Methode im Ausnahmefall einlassen. Wenn die Streitenden nicht direkt miteinander reden wollen, muss sich der Mediator an jede Partei einzeln wenden. Eine vertrauensvolle Atmosphäre soll die Beteiligten ermutigen, über ihre Sichtweisen und ihr Anliegen zu sprechen. Emotionale Ausbrüche, die unfair und verletzend werden könnten, sollen angesprochen und unterlassen werden. Wenn die Parteien immer noch nicht miteinander reden wollen, kann der Mediator der jeweils anderen Partei die Aussagen schildern. Das Zuhören und die Verschriftlichung kann eine weitere Eskalation und somit ein Scheitern der Verhandlung verhindern. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832488628
Arbeit zitieren:
Wagner, Sandra Juli 2004: "Schöner Streiten": Konflikte lösen mit Mediation, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Sozialpädagogik, Kommunikation, Problem, Lösungsmöglichkeit, Verhandeln




