Australiens (un)gleiche Schwestern
Sydney und Melbourne und ihre Darstellung in Reisekatalogen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Barbara Mittel
- Abgabedatum: September 2004
- Umfang: 127 Seiten
- Dateigröße: 2,0 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Augsburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8700-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8700-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8700-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Mittel, Barbara September 2004: Australiens (un)gleiche Schwestern, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Frameanalyse, Reisemedium, Tourismus, Australien, Katalog
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Diplomarbeit von Barbara Mittel
Problemstellung:
Stellt man Australiern die Frage, welcher Stadt sie allgemein den Vorzug geben, Sydney oder Melbourne, ist man als Tourist überrascht von der spontanen, einstimmigen Antwort: Melbourne. Bei der Frage nach den Gründen für diese Wahl, fällt die Antwort erneut einheitlich aus: Melbourne habe mehr Flair als Sydney, die schönere Architektur, mehr Parkanlagen und Gärten, das bessere Nachtleben, die größeren Sportveranstaltungen und die Menschen seien nicht nur besser gekleidet, sondern einfach „more sophisticated“. Die Liste ließe sich noch weiter fortführen. Obwohl ein Großteil der Deutschen noch nie den fünften Kontinent besucht hat, gilt Sydney uneingeschränkt als die attraktivste Metropole Down under. Am besten fasst folgendes Zitat das touristische Verständnis zusammen:
„Wer an Australien denkt, dem fallen sofort die Weltmetropole Sydney mit seinem architektonischen Wunder, dem einmaligen Opernhaus, der Ayers Rock im Zentrum des Kontinents und natürlich die niedlichen Koalas und Kängurus ein“.
Wenn es gilt, Australien mit einem Satz zu beschreiben, werden in den meisten Fällen genau diese Sehenswürdigkeiten erwähnt: Ayers Rock, das Great Barrier Reef, das Outback, Kängurus und Sydney. Doch die Antworten der Australier machen neugierig auf Melbourne und werfen weitere Fragen auf, nicht nur in Bezug auf das Reiseziel Australien, sondern auch auf touristische Phänomene und Verhaltensweisen im Allgemeinen. Löst man sich von der Ebene des einzelnen Beispiels, treten generelle touristische Forschungsfelder und Prozesse in den Vordergrund. Dazu gehören bspw. folgende Fragen: Wie entsteht das Image eines Reiselandes, wie nehmen Touristen allgemein wahr oder welche Reisemotive treiben die Reisenden an.
Im Zentrum dieser Arbeit steht als Oberbegriff die touristische Wahrnehmung. Um diesen komplexen Begriff für eine Analyse greifbar zu machen, wurden die Schwerpunkte insbesondere auf die Bereiche Untersuchungsgegenstand und Fallbeispiel gelegt. Der Untersuchungsaufbau liegt so noch nicht in der Forschung vor und wird somit hier erstmalig zum Einsatz gebracht, weshalb noch keine Ergebnisse vorausgegangener Analysen einbezogen werden können.
Strukturell ist die Arbeit in einen theoretischen und einen analytischen Teil gegliedert, gerahmt von Einleitung (Kapitel 1) und Schluss (Kapitel 8). Zuerst werden von Kapitel zwei bis fünf neben den touristischen Grundkonzepten ausführlich die drei Säulen des Themas vorgestellt. Dann folgt die empirische Umsetzung mit der Frame-Analyse (dt. Rahmen-Analyse) der Reisekataloge und den Ergebnissen (vgl. Kapitel 6 und 7).
Im ersten Teil befasst sich Kapitel zwei mit Reisemotiven (Kapitel 2.1) und touristischer Wahrnehmung (Kapitel 2.2) im Allgemeinen. Kapitel drei führt das Fallbeispiel ein (Säule 1). Zuerst wird Sydney in den Bereichen Geschichte, allgemeine Merkmale, Selbstverständnis und Tourismus vorgestellt (Kapitel 3.1.1 bis 3.1.4), gefolgt von Melbourne mit gleicher Einteilung (Kapitel 3.2.1 bis 3.2.4). Mit dem Vergleich der beiden Städte hinsichtlich Gemeinsamkeiten und Unterschieden (Kapitel 3.3.1 und 3.3.2) sowie der Rivalitäten (Kapitel 3.3.3) schließt Kapitel drei. Die zweite Säule - die Reisekataloge - behandelt Kapitel vier hinsichtlich deren Funktionen bei der Reiseentscheidung und Charakteristika. Darüber hinaus wird die Stichprobe mit den dazugehörigen Reiseveranstaltern vorgestellt. In Kapitel fünf wird die dritte Säule, die Untersuchungsmethode der Frame-Analyse beleuchtet.
Der zweite Teil umfasst die Frame-Analyse der Reisekataloge. Zuerst führt Kapitel fünf theoretisch die Untersuchungsmethode (Kapitel 5.1) ein und stellt exemplarisch drei Beispiele vor (Kapitel 5.2). Anschließend stehen in Kapitel 6.1 theoretische Vorüberlegungen bzgl. verschiedener Stadttypen im Vordergrund. Frame I und II werden in Kapitel 6.2.1 vorgestellt und anhand mehrerer Dimensionen (Kapitel 6.2.2. bis 6.2.7) empirisch untersucht. Kapitel sieben enthält die Ergebnisse und zieht Schlussfolgerungen. Zum Abschluss wird die Arbeit einer kritischen Würdigung unterzogen und ein Ausblick gewagt (Kapitel 8).
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | IV | |
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 1.1 | Fragestellung | 2 |
| 1.2 | Aufbau der Arbeit | 7 |
| 1.3 | Forschungsstand | 8 |
| 2. | THEORETISCHE GRUNDKONZEPTE | 11 |
| 2.1 | Reisemotive | 11 |
| 2.2 | Touristische Wahrnehmung | 15 |
| 3. | VORSTELLUNG DER BEIDEN STÄDTE | 19 |
| 3.1 | Sydney | 19 |
| 3.1.1 | Geschichte | 20 |
| 3.1.2 | Allgemeine Merkmale | 22 |
| 3.1.3 | Selbstverständnis und heutiger Status | 24 |
| 3.1.4 | Tourismus | 26 |
| 3.2 | Melbourne | 29 |
| 3.2.1 | Geschichte | 29 |
| 3.2.2 | Allgemeine Merkmale | 32 |
| 3.2.3 | Selbstverständnis und heutiger Status | 33 |
| 3.2.4 | Tourismus | 36 |
| 3.3 | Die Gegenüberstellung | 38 |
| 3.3.1 | Parallelen und Berührungspunkte | 39 |
| 3.3.2 | Differenzen und Konkurrenz | 44 |
| 3.3.3 | Rivalitäten | 49 |
| 4. | REISEKATALOGE | 52 |
| 4.1 | Die Reiseentscheidung | 52 |
| 4.2 | Charakteristika der Prospekte | 55 |
| 4.3 | Deutsche Reiseveranstalter und Beschreibung der Stichprobe | 57 |
| 5. | UNTERSUCHUNGSMETHODE | 61 |
| 5.1 | Theoretische Ansätze | 61 |
| 5.2 | Darlegung mittels ausgewählter Beispiele | 66 |
| 6. | FRAME-ANAYSE | 68 |
| 6.1 | Theoretische Vorüberlegungen | 68 |
| 6.2 | Frame-Analyse der Reisekataloge | 70 |
| 6.2.1 | Frame I und II | 70 |
| 6.2.2 | Sizing | 74 |
| 6.2.3 | Darstellung von Sehenswürdigkeiten | 77 |
| 6.2.4 | Stellenwert innerhalb des Reiseangebots | 83 |
| 6.2.5 | Kategorisierung: Kultivierter Charme versus lebendige Schönheit | 85 |
| 6.2.6 | Nationaler versus internationaler Charakter | 90 |
| 6.2.7 | Widersprüche und Unerwähntes | 94 |
| 7. | ERGEBNISSE UND SCHLUSSFOLGERUNGEN | 98 |
| 8. | KRITISCHE WÜRDIGUNG UND AUSBLICK | 102 |
| Anhang I: Titelseiten der Prospekte | 105 | |
| Anhang II: Beispielseiten der Kataloge | 106 | |
| Literaturverzeichnis | 107 |
Der Entschluss in den Urlaub zu fahren215, bildet die Grundlage für eine Vielzahl von Überlegungen darüber, wie die zukünftige Reise konkret aussehen soll. Es gilt im Rahmen eines Entscheidungsprozesses, der meist einige Monate vor Reiseantritt beginnt, eine Reihe von Teil-Entscheidungen zu treffen. Dazu zählen folgende Wahlmöglichkeiten: Reiseart (z.B. Erholungsreise) Zielreise, Rundreise Reiseland, Reisegegend Zielort Reisezeitpunkt Reiseverkehrsmittel Unterkunftsart (bspw. Hotel) Quartier (z.B. Campingplatz) Reiseform bzw. Reiseorganisation (bspw. Einzelreise) Reiseveranstalter Reiseausgaben216 Dabei stehen die verschiedenen Teilentscheidungen oft in Abhängigkeit zueinander und können nicht isoliert betrachtet werden. So ist bspw. Australien nicht innerhalb eines vierwöchigen Urlaubs mit dem eigenen Auto zu erreichen und sollte des Weiteren am besten in den europäischen Wintermonaten (Dezember, Januar) besucht werden. Anhand von Paarvergleichen untersuchten Hahn & Hartmann die relative Bedeutsamkeit der [...]
Die Vergleichbarkeit der beiden Städte wird, ohne einen bedeutenden direkten Kontakt zueinander, nach Davidson dadurch erreicht, dass „as twin societies of similar age and size, they have developed as parallel systems, often filtering the same influences with slightly different results“210. Diese unterschiedlichen Ergebnisse seien zum einen auf strukturelle und soziologische Faktoren, zum anderen auf einzelne Personen zurückzuführen. Zu den Gründen, die heute noch „differentiation fashionable“211 machen, zählen nach Davidson ein verstärktes Aufkommen von Regionalismus und ein „cherishing of place“212. Dadurch würden nicht nur die beiden großen Metropolen, sondern die nächst größeren Städte in den unterschiedlichen Bundesstaaten verschiedene Images erhalten, die in einem Witz der australischen Kultfigur Edna Everage ihren Niederschlag finden: „Identifying what a group of three people would be termed in each city – a deputation in Perth, a quorum in Melbourne, an illegal march in Brisbane, relatives in Hobart and a thoroughly modern marriage in Adelaide“213. [...]
zwischen den beiden nur schwach ausgeprägt, weshalb sich die jungen Städte ca. 100 Jahre relativ unabhängig voneinander entwickeln konnten.206 Die Entwicklungsgeschichte des Konkurrenzkampfes der beiden Städte beginnt nicht erst mit der Gründung Melbournes, sondern mit den Goldfunden in Victoria, die der ursprünglich kleinen Siedlung von Viehzüchtern einen rasanten Aufstieg ermöglichte. Die älteste Stadt war nicht bereit, ihren Status als „natural capital“207 an Melbourne abzugeben208, das zu diesem Zeitpunkt aufgrund des schnellen Wachstums abfällig als „Mushroom City“209 von der älteren Schwester bezeichnet wurde. Sydney war seit Beginn der weißen Kolonisation 70 Jahre lang unangefochten das politische, militärische, wirtschaftliche und administrative Zentrum eines Kontinents, der erst langsam besiedelt wurde und so von Anfang an seine urbane Prägung erhielt. Die Stellung der wichtigsten Stadt im Lande übernahm in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Melbourne, was Sydney als ein überfallartiges Eindringen in das eigene Terrain empfand und deshalb den angestammten Platz wieder zurückerobern wollte. Melbourne auf der anderen Seite fand Gefallen an dem neuen Machtgefühl und wollte diesen Titel ebenfalls nicht mehr hergeben. Seitdem befindet sich die ehemalige Viehzüchtersiedlung am Yarra-River im Wettstreit mit der ältesten Stadt Australiens. Diese Rivalität besitzt eine für australische Verhältnisse relativ lange Geschichte von 150 Jahren. Da keiner weiteren Stadt ein ähnlicher Glücksfall zuteil wurde, der eine sprunghafte Entwicklung in allen Bereichen ermöglichte wie der Goldfund für Victoria, sind Melbourne und Sydney die beiden Hauptakteure im Kampf um den ersten Platz. Einzig Canberra bekam die besondere Aufgabe als Hauptstadt zugesprochen, doch die junge Stadt kann auf keinem Gebiet einer der beiden Großen das Wasser reichen. Trotz der Ausmaße, die die Bipolarität über die Jahre erreicht hat, hat dieses Thema die australische Geschichte nicht entscheidend geprägt, obwohl es zu einigen markanten Punkten, wie z.B. der Entstehung Canberras, beigetragen hat. Des Weiteren ist der Wettstreit nie wirklich über die australischen Landesgrenzen hinausgekommen und so auch nicht in das Bild Australiens in der Welt miteingeflossen. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832487003
Arbeit zitieren:
Mittel, Barbara September 2004: Australiens (un)gleiche Schwestern, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Frameanalyse, Reisemedium, Tourismus, Australien, Katalog




