Jugendkonzepte und Jugendthemen in Vorabendserien
Eine Untersuchung anhand der Daily Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten"
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Jana Hartmann
- Abgabedatum: Juni 2004
- Umfang: 117 Seiten
- Dateigröße: 561,3 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8693-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8693-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8693-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hartmann, Jana Juni 2004: Jugendkonzepte und Jugendthemen in Vorabendserien, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Soap Opera, Kult Marketing, Lebensstil, Fernsehen, Textualität
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Magisterarbeit von Jana Hartmann
Einleitung:
Der Medienalltag von Kindern und Jugendlichen hat sich im Zeitalter der Multimedialisierung stark verändert. Film und Fernsehen, von Soziologen gern auch als Leitmedien bezeichnet, erfuhren in den letzten Jahren immer mehr an gesellschaftlicher Bedeutung.
Die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, die das Fernsehen bietet, verändern auch unsere gesellschaftlichen Strukturen. So ent- bzw. verführt die unterhaltungsorientierte Vielfalt des Fernsehens nicht nur erwachsene Zuschauer in den Bann gestalteter Wirklichkeiten, sondern auch Kinder werden schon frühzeitig, noch bevor sie Lesen lernen, mit dem Medium Fernsehen sozialisiert.
Die neuen Medien haben ihre Spuren auch in den traditionellen Medien der Kinder- und Jugendliteratur hinterlassen. So spricht Ewers von Veränderungen der Kinder- und Jugendliteratur auf drei Ebenen: dem Wandel auf literarischer Ebene, in Form von neuen Inhalten und Themen, Techniken und Formen; dem Wandel auf funktioneller Ebene, in Form neuer Verwendungsweisen und Gebrauchsformen und als einen Systemwandel, einem Wandel der Grenzbeziehungen und Statusveränderungen traditioneller Medien.
Die Literatur für Kinder und Jugendliche kann, so Ewers, im Kontext der Mediatisierung des kindlichen Alltagsangebotes nicht mehr als eigenständig zu erfassender Bereich, losgelöst von anderen kinder- und jugendkulturellen Angeboten, betrachtet werden. Kinder und Jugendliteratur wird zumeist nur noch als Bestandteil eines umfassenden Medienangebotes wahrgenommen.
Multimediale Unterhaltungsangebote für Kinder und Jugendliche erfahren eine ausgesprochene Beliebtheit. Im Mittelpunkt stehen dabei zunächst Fernsehserien, an die sich eine vielfältige Begleitliteratur, sowohl in Form von Büchern und Zeitschriften, als auch in Form von Internetangeboten und Computerspielen anschließen.
Daily Soaps wie Gute Zeiten Schlechte Zeiten oder Verbotene Liebe gehören mittlerweile zum festen Bestandteil jugendlicher Alltags- und Unterhaltungskultur und sind aus den Vorabendprogrammen deutscher Fernsehsender nicht mehr wegzudenken. Tag für Tag, zu einem festen Zeitpunkt finden sich Jung wie Alt vor dem Bildschirm ein, um dem täglichen Melodram zu folgen. Die täglich ausgestrahlte Serie mit ihrem festen Sendeplatz und Publikum hat sich in Deutschland über die letzten zehn Jahre etabliert.
Die Daily Soap unterscheidet sich jedoch durch spezielle Charakteristika von üblichen fiktiven Fernsehangeboten und stellt eine eigene Programmform dar, die sich insbesondere durch ihre Alltagsorientierung auszeichnet. Es wird mit Konstruktionen jugendlicher Lebenswelten operiert, die als zeitgemäß und authentisch gelten. Serienfiguren führen dabei aktuelle Trends jugendkultureller Szenen vor, die sich auf aktuelle jugendkulturelle Szenen beziehen und dabei eine Dynamik zwischen Rezeption und dem Setzen von Trends entwickeln. Auch über Mode- und Musikverhalten dieser Serienfiguren wird der Lifestyle vieler junger Zuschauer mitbestimmt oder zumindest beeinflusst.
In der folgenden Arbeit wird die Daily Soap GZSZ im Hinblick auf ihre jugendlichen Konzepte und Themen untersucht. Mit Hilfe literaturwissenschaftlicher Methoden, unter Verwendung literarischer Begriffe werden zunächst typische genrespezifische Merkmale und dramaturgische Besonderheiten von Daily Soaps herausgearbeitet und unter Einbeziehung soziologischer Ansätze in den jugendkulturellen Kontext eingebunden.
Bei der Analyse genrespezifischer Merkmale der Daily Soap werden zum einen fernsehwissenschaftliche und zum anderen medien- und literaturwissenschaftlich-hermeneutische Methoden verbunden.
Um zu zeigen welche Art von Alltäglichkeit über die Themen und Konflikte vermittelt werden und welche(s) Konzept(e) von Jugend der Daily Soap GZSZ zugrunde liegen, werden anschließend inhaltliche Aspekte zur Themen- und Figurenstruktur herausgestellt.
Die RTL Erfolgsserie dient im Besonderen als Untersuchungsgegenstand, da sie seit Jahren die höchsten Einschaltquoten im Vorabendprogramm erreicht und sich durch eine Publikumsbeliebtheit im besonderen Maße auszeichnet.
Das Fernsehen wird hierbei als Text verstanden und auch als solcher analysiert und interpretiert. In ihrem Kern orientiert sich diese Arbeit an den wissenschaftlichen Ansätzen von Ewers, der die Kinder- und Jugendliteratur im Zuge medialer Veränderungen einem umfassenden Wandel gegenüber stehen sieht, welcher jedoch nicht den Untergang der Kinder- und Jugendliteratur bewirkt, sondern laut Ewers zu einer Entwicklung neuer kinder- und jugendliterarischer Funktionstypen führt, die keinen Niveauverlust bedeuten, jedoch Veränderungen in der konventionellen Verwendung von kinder- und jugendliterarischen Texten ankündigt.
Vor der eigentlichen Analyse ist es notwendig den zu untersuchenden Gegenstand der Arbeit näher zu bestimmen. In einem ersten Kapitel werden daher zunächst allgemeine Struktureigenschaften des Fernsehtextes unter Rückgriff auf die Ansätze der Cultural Studies näher bestimmt.
Daran (Kapitel II) wird sich ein Überblick über die Entstehung und Geschichte von Serien in Literatur und Radio bis hin zum Medium Fernsehen anschließen. Dem folgt ein Blick auf die Tradition der Familienserie und die Entwicklung der Daily Soap in Deutschland. Da in der einschlägigen Literatur die Definitionen von Soap Operas weit auseinander gehen, soll zunächst eine begriffliche Klärung geleistet werden. Dabei werden verschiedene Formen der Darstellung ‚Serie, Sendereihe und Mehrteiler’ erläutert. Typisch genrespezifische Merkmale sowie dramaturgische und narrative Strukturen der Soap Opera, als zentrale Erzählform des Fernsehens, sollen herausgearbeitet werden. Abschließend wird beleuchtet, wie sich durch die Einbindung von Serien in den Alltag der Rezipienten die „Wirklichkeit“ der Medien und die „Realität“ vermischen können.
Im Hauptteil der Arbeit (Kapitel III) schließt sich die Analyse der Daily Soap GZSZ an. Sie wird exemplarisch unter dem Aspekt der Inszenierung jugendlicher Alltagwelten und der Darstellung spezifischer Jugendtypen untersucht. Als Parameter dienen hier im Besonderen die Familiensituation bzw. -strukturen, die Sozialbeziehungen unter den Darstellern und jugendliche Handlungsrollen. An eine ausführliche Analyse der jugendlichen Lebenswelt schließt sich eine Darstellung der jugendlichen Protagonisten an. Herausgestellt werden soll hier, welche Art von Jugendlichkeit in der Daily Soap vermittelt wird und wie die einzelnen Protagonisten charakterisiert sind.
Das vierte Kapitel thematisiert sowohl Merkmale, als auch Beschaffenheiten des Objektes Jugend. Dabei wird zunächst von der Begrifflichkeit des Objektes Jugend ausgegangen, weiterhin wird die Identitätsbildung und Orientierung Jugendlicher in einer sich wandelnden Gesellschaft betrachtet. Spezieller Fokus ist die sich verändernde Kindheit von Jugendlichen, die zunehmend durch die Medien geprägt ist. Besondere Formen des Jugend-Marketings, wie beispielsweise Kult-Marketing und Erlebnis-Marketing, werden herausgearbeitet und die Relevanz für die individuelle und gesellschaftliche Bedeutung der Soap Operas aufgezeigt. Aspekte des Kultcharakters bei GZSZ werden benannt und ihre Bedeutung für die Identitätsbildung der Jugendlichen aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | 3 | |
| Einleitung | 5 | |
| Zielsetzung | 7 | |
| Kapitel I | Fernsehen als Text | 9 |
| 1. | Polysemie und Offenheit von Fernsehtexten | 10 |
| 2. | Intertextualität | 11 |
| 3. | Oralität | 12 |
| 4. | Die Textualität populärer Mythen | 13 |
| Kapitel II | Die Soap Opera im Fernsehen – Geschichte und Formprinzipien | 17 |
| 1. | Serialität des Programms | 17 |
| 2. | Serielles Erzählen im Fernsehen – Vorläufer und Vorbilder | 19 |
| 2.1 | Die Soap Opera im Radio | 20 |
| 2.2 | Die Soap Opera im Fernsehen | 21 |
| 2.3 | Die Etablierung der Seifenoper im deutschen Fernsehen | 23 |
| 2.4 | Daily Soaps im deutschen Fernsehen der 90er Jahre – Attraktivität für ein jugendliches Publikum | 24 |
| 3. | Die Soap Opera – Definitionen | 25 |
| 3.1 | Serienbegriffe | 26 |
| 3.1.1 | serial, series, Soap Opera | 26 |
| 3.1.2 | Serie, Mehrteiler, Sendereihe | 27 |
| 3.2 | Genre Codes | 31 |
| 3.3 | Alltagseinbindung von Daily Soaps – Grenzverwischung zwischen Fiktion und Realität | 34 |
| Kapitel III | Gute Zeiten, schlechte Zeiten – Jugendkonzeptanalyse | 37 |
| 1. | Gute Zeiten Schlechte Zeiten – Hintergrund und Produktionsweise | 38 |
| 1.1 | Entstehung und Entwicklung der Daily Soap GZSZ | 38 |
| 1.2 | Produktionsbedingungen | 39 |
| 1.3 | Inhalt | 40 |
| 2. | Forschungsbasierte Jugendkonzepte in Daily Soaps | 41 |
| 3. | Analyse der Lebenswelt | 43 |
| 3.1 | Die Dimension der Darstellung alltäglicher Phänomene bei GZSZ | 43 |
| 3.2 | Die Analyse der jugendlichen Alltagskonstruktionen anhand der Themen und Konflikte | 44 |
| 3.2.1 | Familien, Freundschaften und Liebesbeziehungen als zwischenmenschliche Themen | 45 |
| 3.2.1.1 | Die Familien | 45 |
| 3.2.1.2 | Freundschaft | 55 |
| 3.2.1.3 | Die Liebesbeziehungen | 57 |
| 3.2.2 | Beruf und Ausbildung als nichtzwischenmenschliche Themen | 62 |
| 3.3 | Zusammenfassung der inhaltsanalytischen Befunde zur Themen- und Konfliktwahl | 67 |
| 3.3.1 | Themen | 67 |
| 3.3.2 | Konflikte | 70 |
| 4. | Handlungsträger | 71 |
| 4.1 | Charaktere | 71 |
| 4.2 | Stereotypien | 71 |
| 4.3 | Optik | 72 |
| 4.4 | Lebensstilpräsentation | 73 |
| 4.5 | Beschreibung der Handlungsträger | 75 |
| 4.5.1 | Frühadoleszenz | 75 |
| 4.5.2 | Spätadoleszenz | 79 |
| 4.5.3 | Zusammenfassung | 82 |
| Kapitel IV | Die Daily Soap im jugendkulturellen Kontext | 84 |
| 1. | Bestimmungsversuch der Lebensphase Jugend | 84 |
| 2. | Jugend im Zeitalter der Individualisierung | 85 |
| 3. | Die Daily Soap als multifunktionales Genre | 87 |
| 3.1 | Kult-Marketing und Publikumsbindung in Daily Soaps | 89 |
| 3.2 | Elemente von Kultmarketing und Publikumsbindung bei GZSZ | 90 |
| Resümee | 93 | |
| Ausblick: Daily Soaps im Kontext Jugend-literarischer Wandlungsprozesse | 97 | |
| Literaturverzeichnis | 100 | |
| Abbildungsverzeichnis | 105 | |
| Anhang | 106 |
Ich-Bezogenheit stößt sie in ihrem Umfeld auf wenig Mitgefühl. In den anschließenden Folgen kommt es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den beiden Mädchen. Verena kann spitze Bemerkungen Sandra gegenüber nicht unterlassen. Marie droht daraufhin die WG zu verlassen, da sie die täglichen Auseinandersetzungen nicht mehr aushält. Diese Drohung macht Eindruck auf Verena, die daraufhin einen ersten Schritt auf Sandra zugeht und ihr einen Waffenstillstand anbietet. Sandra geht auf das Angebot ein, ihr wird allerdings bewusst, dass sie Verena bald von ihrer Schwangerschaft erzählen muss. Als Verena beim Saubermachen zufällig den Mutterpass in Sandras Tasche findet, eskaliert die Situation erneut und Verena verlässt kurz darauf aufgebracht die WG. Sie sucht Zuflucht in einem Luxushotel. Dort lässt sie sich verwöhnen und versucht ihre Wut und Traurigkeit durch Massagen und Kosmetikbesuche zu unterdrücken. Marie glaubt jedoch nicht, dass Verena ihre Wut und Traurigkeit auf diesem Weg überwinden kann und versucht sie von einem Wiedereinzug in die WG zu überzeugen. Als Verena feststellen muss, dass ihr Konto überzogen ist und sie sich den teuren Aufenthalt im Hotel nicht mehr leisten kann, kehrt sie widerwillig in die WG zurück, überspielt allerdings ihre wahren Gründe. [...]
Ich habe mit Sandra geredet. Hat Sie dir die Ohren voll geheult, wie gemein ich bin? Sie will genau wie du, dass alles wieder in Ordnung kommt. An dem Tag, an dem ich wieder in Ruhe frühstücken kann, da geht’s mir wieder gut. Sie wohnt nun mal da. Die WG ist aber zu klein für uns zwei, warum kapiert sie das nicht! Jetzt sei doch nicht so dickköpfig. Du weißt genau, dass sie dir Deniz nicht einfach zum Spaß ausgespannt hat. Ja, das spielt aber überhaupt keine Rolle. Sie hat mich wochenlang belogen, die falsche Schlange! Weil sie sich gequält hat. […] Sie wollte dass alles nicht, weißt du, dass mit Deniz dass war Fügung. Fügung, sag mal spinnst du? Ihr steigert euch in den Streit hinein statt die ganze Sache einfach vernünftig miteinander auszudiskutieren. Verena, Sandra weiß dass sie dich verletzt hat, aber du gibst ihr ja überhaupt keine Chance! Sie soll einfach abhauen. […] Wie stellst du dir dass eigentlich vor, die heile WG-Welt mit dieser Schlampe? [...]
Auch Personen, die über keine intakte Familie verfügen, finden sich in einem festen Geflecht aus Freundschaften, Verwandtschaften und Bekanntschaften wieder, das erklärt auch die Bildung der für die Soap Opera typischen Wohngemeinschaften. Einzig und allein Deniz und John leben in ihrer eigenen Wohnung. Singlehaushalte sind demnach eher selten in der Daily Soap. Der so genannte IKEA -Stil ist bei GZSZ vor allem in den WGs der jüngeren Protagonisten vorherrschend. Die älteren Protagonisten hingegen leben ihren Verhältnissen entsprechend in klassisch-modernen Eigentumswohnungen (Clemens Richter, Daniel, Senta und Hannes) oder wie Dr. Gerner in einer teuer eingerichteten, großzügigen Maisonette Wohnung. 3.2.1.2 Freundschaft Bei GZSZ gibt es zwei feste jugendliche Cliquen. Das ist zum einen die Freundschaft zwischen Paula, John und Tim, zum anderen die Freundschaft der vier Mädchen aus der Wohngemeinschaft (Verena, Marie, Julia, Sandra). 55 [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832486938
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Soap Opera, Kult Marketing, Lebensstil, Fernsehen, Textualität




