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Kardiovaskuläre Primärprävention im Grundschulalter im Freizeitsport – eine Frage des familiären Lebensstils?

Dissertation / Doktorarbeit
Dissertation / Doktorarbeit von Christine Graf ; Abgabe März 2004; 146 Seiten, 610,5 KB ; Sprache Deutsch
Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
Bemerkung: Die Dissertation wurde mit "cum laude" bewertet.
Inhaltsangabe, Inhaltsverzeichnis und Textauszüge:

Einleitung:

Mit etwa 50% führen die Herzkreislauferkrankungen die Mortalitätsstatistiken in Deutschland und in den westlichen Industrienationen an (BUNDESAMT FÜR STATISTIK 1998). Zumeist sind sie die Folge atherosklerotischer Veränderungen.

Die Ursache der Atherosklerose ist nicht bekannt, wohl aber Faktoren, die ihr Entstehen begünstigen, die so genannten kardiovaskulären Risikofaktoren. Dazu zählen heutzutage neben dem Nikotinabusus, der arteriellen Hypertonie, der Hyperlipoproteinämie, dem Diabetes mellitus ganz entscheidend das Übergewicht und die Adipositas sowie der in den Industrienationen inzwischen nahezu epidemiologisch verbreitete Bewegungsmangel (AHA 1998; HOLLMANN et al. 2000). Sämtliche der genannten Faktoren sind eng miteinander verknüpft, z.B. im Rahmen des metabolischen Syndroms und finden sich nicht erst im Erwachsenen-, sondern bereits im Kindesalter (ZIESKE et al. 2001; BERENSON et al. 1998).

Die zunehmend technologisierte Welt hat entscheidenden Einfluss auf das menschliche Verhalten in Beruf und Freizeit. Davon ist im negativen Sinn besonders jegliche Form der körperlichen Aktivität betroffen. Die physischen und psychischen Konsequenzen des dadurch entstandenen Bewegungsmangels sind für alle Altersklassen immens. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich im folgenden auf die unumstrittene Rolle der Bewegung auf das kardiovaskuläre Risikoprofil, v.a. Übergewicht und Adipositas. Denn neben der genetischen Disposition scheint heutzutage besonders die Abnahme der körperlichen Aktivität und weniger eine stetig erhöhte Kalorienaufnahme entscheidend für die Entstehung von Übergewicht und Adipositas zu sein (DIETZ et al., 1999, GORTMAKER et al. 1990; STUNKARD et al. 1986). Auch diese Beobachtung trifft nicht nur für das Erwachsenenalter, sondern bereits für Kinder zu. So sind einerseits weniger Bewegungsräume vorhanden, andererseits nimmt auch die tatsächliche Bewegungszeit der Kinder ab (KLEINE 2003; BÖS et al. 1996). Außerdem tragen der steigende Fernseh- und Computer-Konsum zusätzlich zu vermehrtem Bewegungsmangel bei. So zeigten GORTMAKER et al. einen klaren Zusammenhang zwischen erhöhtem Fernsehkonsum und Übergewicht (GORTMAKER et al. 1996). Diese Entwicklung konnten wir in der eigenen Arbeitsgruppe auch bereits bei Erstklässlern bestätigen (GRAF et al. 2004).

Die Erfassung und auch Beurteilung der tatsächlichen Bewegung bzw. des Bewegungsmangels von Kindern ist methodisch kompliziert (KRETSCHMER 2000). Daher sind die vorliegenden Zahlen der Folgeerscheinungen national und international nicht einheitlich. Im Allgemeinen geht man in Deutschland davon aus, dass bei Kindern heute in 40 bis 60% Haltungsschwächen/-schäden, in 30 bis 40% Koordinationsschwächen, in 20 bis 30% leistungsschwaches Herz-Kreislauf- und Atmungssystem sowie in ca. 15% ein auffälliges psychosoziales Verhalten vorliegt (HOLLMANN et al. 2000; BREITHECKER 1998).

Die besondere Bedeutung von Bewegung und entsprechend von Bewegungsmangel wird noch deutlicher bei der Betrachtung der positiven Effekte körperlicher Aktivität. Neben den gut belegten Auswirkungen auf den Stoffwechsel und das Herz-Kreislaufsystem zeigen sich zunehmend auch positive Auswirkungen auf das Immunsystem (BLAIR et al. 1996) und die psychosozialen Verhaltensmuster (DORDEL 2003). Mit vermehrter sportlicher Betätigung findet sich neben einer Zunahme der Lebensqualität ein positives Selbstkonzept, das besonders in der Entwicklung der kindlichen Gesamtpersönlichkeit zu einer ganzheitlich gesunden Lebensführung beitragen kann (MICHAUD et al. 1999, RÖTHLISBERGER et al. 1999). Hinzu kommen nachweisbare Verbesserungen der kognitiven Fähigkeiten und schulisch-akademischen Leistungen (ETNIER et al. 1997, SALLIS et al. 1999, SHEPHARD 1997, GRAF et al. 2003), ein Aspekt, der hierzulande seit der Veröffentlichung der „PISA-Daten“ berücksichtigt werden sollte.

Konsens besteht daher weitestgehend, dass wirkungsvolle Maßnahmen für eine sinnvolle und damit auch kostensparende kardiovaskuläre Prävention daher möglichst frühzeitig begonnen werden sollten. Als geeignete Struktur – ohne Stigmatisierung und damit für alle erreichbar - haben sich Schulen, besonders Grundschulen erwiesen. Es ist aber sicherlich nicht ausreichend, nur dort den Kindern mehr Bewegung und Gesundheit zu vermitteln. Vielmehr sollte die Freude an einem gesunden Lebensstils auch in das Elternhaus und die Freizeit übertragen werden.

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde die Rolle des Freizeitsportes in seiner wesentlichen präventiven Bedeutung für Erstklässler bzw. deren Eltern beleuchtet, um den Bedarf entsprechender präventiver Maßnahmen aufzudecken. Dazu wurden 668 ErstklässlerInnen bzw. deren Eltern an zwölf Interventionsschulen im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung bzw. den ersten Elternabenden zu ihrem sportlichen und Freizeitverhalten, aber auch Eigen- und Familienanamnese befragt. Die Gesamtkörperkoordination der Kinder wurde zu Beginn des ersten Schuljahres mithilfe des Koordinationstests für Kinder nach SCHILLING 1974 (KTK), die Ausdauerleistungsfähigkeit mithilfe des 6-Minuten-Laufs nach BECK et al. 1995 erfasst.

Fragestellungen des empirischen Teils:

1. Welche Aussage lässt sich bzgl. des Freizeitverhaltens und den Fähigkeiten der Erstklässler treffen?

2. Finden sich Zusammenhänge mit den anthropometrischen Daten der Kinder?

3. Finden sich Zusammenhänge zwischen dem Freizeitverhalten und dem kardiovaskulären Risikoprofil der Eltern?

4. Finden sich Zusammenhänge zwischen dem Freizeitverhalten der Eltern und der Kinder?

5. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für einen gesunden Lebensstil?

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Hintergrund 1
1.2 Fragestellungen 3
2. Theoretische Erörterung – Teil I 4
2.1 Gesellschaftliche Betrachtung des Gesundheitsbegriffes heute 4
2.2 Entwicklung des Begriffes „Lebensstil“ 6
2.3 Freizeit/Freizeitsport 10
2.4 Freizeit und Lebensstil 12
2.5 Lebensstil im Kindesalter 13
2.6 Ansätze der Lebensstilforschung 15
2.7 Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention als Interventionsstrategien 17
2.8 Mögliche Ansätze 18
2.9 Operationalisierungsfragen 21
3. Leithypothese – Teil II 23
3.1 Ursprüngliche Fragen 23
3.2 Auswahl des Untersuchungsansatzes 23
3.3 Ziel der Untersuchung 24
4. Methodik 25
4.1 Untersuchungsgang 25
4.1.1 Rekrutierung der Schulen 25
4.1.2 Untersuchungsgruppe 25
4.1.3 Ein- und Ausschlusskriterien 26
4.2 Die Kinder 26
4.2.1 Freizeitverhalten der Kinder 26
4.2.2 Untersuchungen der Kinder 28
4.3 Die Eltern 31
4.3.1 Erhebung der anthropometrischen und sozialen Daten 31
4.3.2 Eigenanamnese, Risikoprofil und Familienanamnese 31
4.3.3 Sportliche Anamnese 32
4.4 Methodenkritik 33
4.5 Statistische Analyse 33
5. Ergebnisse 35
5.1 Die Kinder 35
5.1.1 Anthropometrische Daten der Kinder 35
5.1.2 Freizeitverhalten der Kinder 36
5.1.3 Alltagsverhalten 41
5.1.3 Motorische Testverfahren 42
5.2 Die Eltern 53
5.2.1 Anthropometrische Daten der Eltern 53
5.2.2 Beruflicher und sozialer Status der Eltern 54
5.2.3 Eigen-, Familienanamnese und Risikoprofil der Eltern 56
5.2.4 Sportliche Anamnese der Eltern in der Freizeit 61
5.3 Zusammenhänge zwischen Eltern und Kindern 66
5.3.1 Anthropometrische Daten 66
5.3.2 Freizeitaktivität 67
6. Diskussion 69
6.1 Diskussion der Ergebnisse 69
6.2 Abschließende Betrachtung der Leithypothesen 85
6.3 Ausblick CHILT (Children’s Health InterventionaL Trial) 86
7. Zusammenfassung 88
8. Literatur 90
9. Verzeichnisse 107
9.1 Verzeichnis der Abkürzungen 107
9.2 Verzeichnisse der Tabellen 109
9.3 Verzeichnis der Abbildungen 110
10. Anhang 112
10.1 Fragebogen 112
10.2 Tabellen 120

Link zur Arbeit: http://www.diplom.de/katalog/arbeit/8543
Arbeit zitieren: Graf, Christine März 2004: Kardiovaskuläre Primärprävention im Grundschulalter im Freizeitsport – eine Frage des familiären Lebensstils?, Hamburg: Diplomica Verlag
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