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Tourismus und Naturschutz

Konfliktlösungsstrategien am Beispiel der FFH-Richtlinie in Mecklenburg-Vorpommern

Tourismus und Naturschutz
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Karsten Heinsohn
  • Abgabedatum: September 2004
  • Umfang: 179 Seiten
  • Dateigröße: 10,7 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Potsdam Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8526-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8526-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8526-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Heinsohn, Karsten September 2004: Tourismus und Naturschutz, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Konfliktmanagement, Fauna-Flora-Habitat, Großschutzgebiete, Mediation, Tourismussektor

Magisterarbeit von Karsten Heinsohn

Einleitung:

Wo liegen die Belastungsgrenzen von Umwelt und Natur? Zu welchem Preis darf der Tourismus weiterentwickelt werden? Wie wirken sich touristische Projekte und Planungen auf Umwelt und Natur aus? Diese und noch weitere Fragen, werden seit jeher im Spannungsfeld Tourismus und Naturschutz diskutiert. Ein sich daraus ergebendes Konfliktpotenzial und tatsächlich vorhandene Konflikte sind die logische Konsequenz und gehören zur Alltagserfahrung der Akteure auf beiden Seiten.

Mit der Richtlinie 92/43/EWG des Rates der Europäischen Gemeinschaften zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume, sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) wurde auf europäischer Ebene ein Regelwerk zur Sicherung und zum Erhalt der biologischen Vielfalt geschaffen. Die Umsetzung dieser Richtlinie in nationales Recht wird im Vergleich zu anderen Bereichen eine Aufwertung der Umweltgesetzgebung mit sich bringen und stellt aufgrund des umfangreichen Richtlinientextes nicht nur für den Naturschutz eine Herausforderung dar.

Insbesondere die Wirtschafts- und Landesentwicklung wird sich mit einer Vielzahl von umweltpolitischen Forderungen konfrontiert sehen. Damit stehen in Bezug auf den Tourismus nicht nur die oben genannten Fragestellungen im Zentrum der Betrachtung, sondern auch die Fragen, wie viel Naturschutz der Tourismus verträgt, oder welche Konsequenzen sich daraus für eine zukünftige touristische Entwicklung ergeben.

In Deutschland ist für diese Konfliktfragen das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern beispielhaft, da es auf der einen Seite mit einem reichen Naturpotenzial ausgestattet ist und in dem auf der anderen Seite der Tourismus eine entscheidende Rolle bei der Wirtschaftsentwicklung spielt. Durch eine möglichst frühzeitige und umfassende Auseinandersetzung mit diesem Konfliktfeld erscheint es jedoch möglich, einem langwierigen und schwelenden Gegeneinander vorzubeugen und Lösungswege für bestehende Konflikte aufzuzeigen.

Ziel der Arbeit ist es, einen Maßnahmenkatalog zur Konfliktlösung zwischen der Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) und des Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern zu entwickeln.

Die Kernfrage dafür lautet: Wie lassen sich Konflikte zwischen dem Tourismus und der FFH-Richtlinie in Mecklenburg-Vorpommern unter Wahrung der Anforderungen des Richtlinientextes vermeiden bzw. lösen, so dass eine von allen Beteiligten akzeptierte Umsetzung der Richtlinie realisiert wird?

Die Arbeit ist an verschiedene Zielgruppen gerichtet, da sie nicht nur einen Überblick über die Konsequenzen der FFH-Richtlinie für den Tourismus gibt, sondern auch Maßnahmen zur Konfliktlösung aufzeigt. Hauptadressaten sind zunächst die Entscheidungsträger auf Landesebene, da die Umsetzung der FFH-Richtlinie von dort aus koordiniert wird. Sie richtet sich aber auch an alle Akteure in den untergeordneten Ebenen – aus den Bereichen Verwaltung, Naturschutz und Tourismus –, die sich mit Problemen aus diesem Spannungsfeld konfrontiert sehen.

Ausgehend vom Grundproblem – Raumnutzungskonflikte und Konflikte bei der Kommunikation zwischen Akteuren aus Tourismus und Naturschutz – wird zunächst die Bedeutung des Tourismussektors für Mecklenburg-Vorpommern verdeutlicht. Dabei werden zum einen das touristische Angebot und die touristische Nachfrage betrachtet, zum anderen aber auch auf die Fragen nach der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung und den Zukunftsperspektiven des Tourismussektors in Mecklenburg-Vorpommern eingegangen.

Darauf folgt eine Analyse der FFH-Richtlinie und ihrer Umsetzung in Mecklenburg-Vorpommern. Hier werden die grundsätzlichen Begrifflichkeiten der Richtlinie erklärt und die für den Tourismus relevanten Abschnitte näher erläutert. Ferner deckt ein Vergleich auf der Ebene der Bundesländer Defizite, aber auch Best-Practise-Beispiele bei der Umsetzung der FFH-Richtlinie auf. Darüber hinaus werden Konflikte zwischen Tourismus und Naturschutz aus theoretischer Sicht betrachtet.

Im Blickpunkt stehen die verschiedenen Konfliktarten sowie die Ursachen für Konflikte. Auch werden Verfahren zur Konfliktlösung und -vermeidung vorgestellt. Raumnutzungskonkurrenzen, potenzielle Konflikträume, der Entwicklungspfad zum realen Konflikt und die Betrachtung des Konfliktbereiches aus der Sicht der beteiligten Akteure stehen im Zentrum der Beschreibung und Bewertung des Konfliktbereiches Tourismus und FFH-Richtlinie in Mecklenburg-Vorpommern. Schließlich wird aus den oben genannten Abschnitten eine 2-Säulen-Strategie zur Konfliktlösung mit konkreten Maßnahmenvorschlägen erarbeitet.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis III
Kartenverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
Danksagung VI
1. Einleitung 1
2. Die Bedeutung des Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern 8
2.1 Die touristische Nachfrage und das touristische Angebot 9
2.2 Der Tourismussektor im gesamtwirtschaftlichen Kontext 11
2.3 Ist-Situation und Zukunftsperspektiven des Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern 13
2.3.1 Infrastruktur 14
2.3.2 Touristische Segmente und Zielgruppen 17
2.3.3 Zukunft des Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern 19
2.4 Bewertung des Naturpotenzials für die touristische Nutzung 21
2.5 Zwischenfazit 23
3. Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und ihre Umsetzung in Mecklenburg-Vorpommern 25
3.1 Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie 26
3.1.1 Entstehung, Aufbau und Ziele der FFH-Richtlinie 26
3.1.2 Ausweisung der FFH-Gebiete 28
3.1.3 Schutzgebietsmanagement 30
3.1.4 Behandlung von Plänen und Projekten 34
3.2 Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Mecklenburg-Vorpommern 37
3.2.1 Umsetzung der FFH-Richtlinie in Deutschland 37
3.2.2 Zeitplan und Stand der Umsetzung in Mecklenburg-Vorpommern 40
3.2.3 Die FFH-Richtlinie im Bundesländervergleich 43
3.3 Zwischenfazit 45
4. Das Konfliktfeld Tourismus und Natur 48
4.1 Konflikte: Ursachen und Bedeutung 48
4.2 Konflikte im Bereich Tourismus und Naturschutz in Deutschland und Mecklenburg-Vorpommern 52
4.3 Verfahren des Konfliktmanagements 54
4.3.1 Voraussetzungen und Nutzen von Mediationsverfahren 56
4.3.2 Arten und Verlauf von Mediationsverfahren 57
4.3.3 Weitere Methoden und Werkzeuge zur Konfliktlösung/-minimierung 59
4.4 Zwischenfazit 61
5. Analyse des Konfliktbereiches Tourismus vs. FFH-Richtlinie in Mecklenburg-Vorpommern 63
5.1 Untersuchungsansatz 63
5.2 Tourismus- und naturschutzbezogene Ausprägungen der Raumnutzung in Mecklenburg-Vorpommern 63
5.2.1 Touristische Nutzungsräume 63
5.2.2 Raumnutzung des flächenhaften Naturschutzes 65
5.2.3 Potenzielle Konflikträume zwischen Tourismus und FFH 69
5.3 Vom Konfliktpotenzial zum realen Konflikt – Entwicklungspfade 72
5.4 Quantitative Erhebung 73
5.4.1 Auswahl der Befragten und Strukturierung des Fragebogens 73
5.4.2 Auswertung der quantitativen Erhebung 75
5.5 Leitfadengespräche mit Entscheidungsträgern und Experten 84
5.5.1 Auswahl der Gesprächspartner und Strukturierung des Leitfadens 84
5.5.2 Auswertung der Leitfadeninterviews 85
5.6 Zusammenfassung der Ergebnisse 90
6. Konfliktlösungs- und Konfliktvermeidungsstrategien 93
6.1 Säule 1: Moderations- und Mediationsverfahren 93
6.2 Säule 2: Informationspolitik und Öffentlichkeitsarbeit 97
6.3 Richtlinienspezifische Maßnahmen 101
7. Schlussbetrachtung 104
Literatur 107

Automatisiert erstellter Textauszug:

Mediation ist eine Technik, mit deren Hilfe unter Hinzuziehung eines neutralen Dritten Konflikte geklärt und im Idealfall beigelegt werden. Das Ziel besteht in der Suche nach Problemlösungen, die für alle akzeptabel sind, wobei die Verhandlungsspielräume wechselseitig ausgeschöpft werden198. Eine konsensuale Konfliktlösung steht somit im Zentrum von Mediationsverfahren. Es ist wichtig zu verstehen, dass kooperative Verhandlungsverfahren, eingeschlossen Mediationsverfahren, nicht an die Stelle vorhandener Entscheidungsstrukturen treten, sondern eine ergänzende Funktion haben199. Der Nutzen von Mediationsverfahren lässt sich auf drei grundlegenden Ebenen feststellen. Auf inhaltlicher Ebene bezieht er sich im Wesentlichen auf eine verbesserte Informationsbasis zur Entscheidungsvorbereitung200. Der Nutzen auf der Beziehungsebene und der politisch/sozialen Ebene wird durch eine Verringerung des Konfliktpotenzials bestimmt, da Konflikte aufgrund von Fehlinformationen, Missverständnissen und bloßem Verdacht ausgeschlossen werden können201. Weitere Vorteile sind die Freiwilligkeit des Prozesses, eine Beschleunigung des Verfahrens und Kostenersparnis im Vergleich zu gerichtlichen Auseinandersetzungen sowie eine größere Akzeptanz der getroffenen Entscheidungen202. Allerdings muss auch eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein, damit ein Mediationsverfahren mit dem Anspruch auf eine von allen Seiten akzeptierte Konfliktlösung angewandt werden kann203: [...]

In Mecklenburg-Vorpommern ist dieser Konfliktbereich besonders in den intensiv touristisch genutzten Bereichen der Küste und der Seen von Bedeutung. Der Tourismus ist hier einer der entscheidenden Wirtschaftsfaktoren und gleichzeitig existieren diverse Schutzgebiete, so dass sich die touristischen und naturschutzfachlichen Interessen schon jetzt häufig überlagern189. Konflikte zwischen den Nutzungsinteressen der Eigentümer und Landnutzer und den Schutzzielen der Schutzgebiete sind in diesem Zusammenhang genauso zu nennen wie Störungen von Fauna und Flora durch zunehmenden Besucherdruck. Probleme durch zunehmenden Verkehr und intensive Konflikte zwischen Akteuren des Naturschutzes und des Tourismus, namentlich bei der Ausweisung von FFH-Gebieten und bei Akzeptanzproblemen der Großschutzgebiete, sind weitere Beispiele für Konflikte zwischen Tourismus und Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern190. Aufgrund der unterschiedlichen, sich räumlich überlagernden und teilweise unvereinbaren Nutzungsansprüche kann eine Konfliktlösung im vorliegenden Konfliktfeld in der Regel nicht in einer so genannten Win-WinSituation enden, bei der alle beteiligten Parteien Vorteile aus dem Konfliktlösungsprozess mitnehmen. Vielmehr kann ein Ausgleich nur in einer „gleichberechtigten Nachteilsverteilung unter optimaler Folgenminimierung liegen“191. [...]

Freizeittrends noch verstärkt und sind gerade bei der Betrachtung der FFH-Richtlinie von entscheidender Bedeutung182. Besonders durch den expandierenden Wassertourismus/-sport wird der Konflikt mit dem Naturschutz wachsen. So übersteigt die Nachfrage nach wasserbezogenen Freizeitaktivitäten das Angebot an vertretbar nutzbaren Gewässern deutlich, so dass der Nutzungsdruck auf Flüsse, Seen und Meeresküsten weiter zunehmen wird183. Durch die beiderseitige Verflechtung von Tourismus und Natur ergeben sich jedoch nicht nur die Auswirkungen des Tourismus auf Natur und Umwelt. Auswirkungen der Natur oder genauer des Naturschutzes auf den Tourismus gehören ebenso zu den Erfahrungen der Akteure184. In Schutzgebieten und deren räumlicher Nähe sind die Konflikte zwischen Tourismus und Natur(schutz) besonders stark ausgeprägt, da Schutzgebiete in erster Linie der Erreichung von naturschutzfachlichen Zielen dienen. Diese stehen jedoch in einem latenten Spannungsverhältnis zu den touristischen Entwicklungszielen und können zu sozialen Spannungen und ökonomischen Problemen führen185. Aus der gestiegenen Mobilität und Freizeit, aber auch aus geänderten touristischen Strukturen und Aktivitäten erwachsen zusätzliche Probleme bei der touristischen Nutzung von Schutzgebieten186. So sind Konflikte zwischen den verschiedenen politischen Ressorts, den Interessenverbänden und natürlich mit der lokalen Bevölkerung in diesen Gebieten weit verbreitet187. STOLL-KLEEMANN weist drei Hauptursachen für Konflikte im Zusammenhang mit Schutzgebieten aus188: • Angst vor Einschränkungen und dem Verlust der Entscheidungsfreiheit: o besonders ausgeprägt bei regulativen Instrumenten (z.B. Verbote, Kontrollen, Auflagen), o • häufig hervorgerufen durch ungenügende Partizipationsmöglichkeiten. [...]

Arbeit zitieren:
Heinsohn, Karsten September 2004: Tourismus und Naturschutz, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Konfliktmanagement, Fauna-Flora-Habitat, Großschutzgebiete, Mediation, Tourismussektor

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