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Mediation bei Trennung und Scheidung

Eine empirische Untersuchung zur Evaluation der Mediation an der ITS Bremen

Mediation bei Trennung und Scheidung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Thomas Weichert
  • Abgabedatum: Dezember 2003
  • Umfang: 128 Seiten
  • Dateigröße: 5,2 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Bremen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8470-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8470-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8470-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Weichert, Thomas Dezember 2003: Mediation bei Trennung und Scheidung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Mediationstheorie, Gerichte, aktuelle Tendenzen, Fragebogen, Empfehlungen

Diplomarbeit von Thomas Weichert

Einleitung:

Die oft zitierte Meinung, dass für die Entwicklung von Kindern eine schlechte Ehe immer noch besser sei als eine geschiedene, hat sich zu einem Mythos entwickelt, der sich schon lange im Bewusstsein der Bevölkerung festgesetzt hat. Erste Ergebnisse einer aktuellen Studie der Universität München, bei der über 700 Mütter und Kinder aus Kern-, Stief- und Ein-Elternfamilien befragt wurden, deuten in eine andere Richtung.

Danach weisen Kinder aus konfliktreichen Kernfamilien die gleichen Belastungen auf wie Trennungskinder, deren Eltern zerstritten sind.

Dieser Befund spricht für eine neue Theorie, die in den letzten Jahren innerhalb der Scheidungsforschung an Boden gewonnen hat.

Im Gegensatz zur herkömmlichen Trennungstraumathese, die besagte, dass der Schock über die Trennung der Eltern die Leiden der Kinder verursacht, postuliert die neue Familienkonflikt-These, dass der Dauerstreit zwischen den Eltern die Seelen der Kinder belastet, egal ob die Eltern zusammenbleiben oder sich trennen. (nach Gerbert, 2003, S. 99) So haben Kinder aus zerstrittenen Kernfamilien bei schweren und fortgesetzten Konflikten der Eltern ein deutliches Risiko mittel- oder auch langfristiger Belastungen oder Störungen.

Kinder in Ein-Eltern-Familien, die entstanden, bevor das Kind 18 Jahre alt war, erleben eine starke akute Belastung in den ersten drei Jahren nach der Trennung. Langfristig müssen sie selbst mit einem erhöhten Trennungs- oder Scheidungsrisiko rechnen. Außerdem ist die Gefahr einer psychischen Langzeitbelastung höher, wenn der Konflikt zwischen den getrennten Eltern dauerhaft in destruktiver Weise fortgeführt wird. (nach Gerbert, 2003, S. 100) Walper betont, dass sich die Entwicklung von Kindern positiv gestaltet, wenn die Eltern nach der Trennung einen entspannten Umgang miteinander pflegen, denn „ Ein ganz wichtiger Einflussfaktor ist die Qualität der Elternbeziehung. Das Wohl des Kindes hängt nicht so sehr davon ab, ob die Eltern zusammenleben oder getrennt sind, sondern von der Qualität ihrer Beziehung“ (Walper, 2003, S.101) In deutschen Städten scheitert jede 2. Ehe, insgesamt sind ca. 180.000 Kinder jedes Jahr von der Scheidung ihrer Eltern betroffen.

Die Situation eskaliert, wenn ein Elternteil das Kind gegen den außerhalb lebenden Ex-Partner instrumentalisiert.

Einer Studie aus den USA zufolge sind 80% aller Scheidungskinder von einem Elternteil, meist vom Vater, weil die Kinder in der Regel bei der Mutter bleiben, entfremdet. Ein Teil dieser Kinder leidet unter dem Parental Alienation Syndrom (PAS) und reagiert mit psychischen oder psychosomatischen Beschwerden. Typisch dafür sind depressives Verhalten, Schlaf- und Essstörungen, ständiges Misstrauen oder auch Einnässen. (nach ap-Meldung, S.20) Die Schlussfolgerung für Elternpaare in einer Trennungs- oder Scheidungssituation kann daher nur lauten, die Trennung zu vollziehen, ohne vorher oder auch danach in einen dauerhaften zerstörerischen Kleinkrieg zu verfallen, die Kinder nicht zum Spielball der eigenen Interessen zu machen oder zur Verletzung des Ex-Partners zu instrumentalisieren.

„Die Bewältigung von Scheidung ist nach dem vorliegenden Kenntnisstand in entscheidendem Maße auch davon abhängig, wie die Auseinandersetzungen um die Scheidungsfolgen geführt werden. Eine konstruktive Regelung der Scheidungsfolgen reduziert die psychischen Belastungen für die Betroffenen (Erwachsene und Kinder) erheblich“ (Schneewind, Graf & Gerhard, 1999,V-6.1 S. 15).

Eine Möglichkeit der Unterstützung, in einem Trennungs- oder Scheidungsprozess die eigenen Interessen nicht zu vergessen, vor allem aber das Wohl des Kindes im Auge zu behalten, bietet die Methode der Mediation. Dabei sollen im Prozess der Trennungs- und Scheidungsmediation selbst verantwortete, faire und einvernehmliche Lösungen für alle aus der Trennung oder Scheidung entstehenden Probleme ausgehandelt werden.

Die Anwendung von Mediation speziell im Interventionsfeld Trennung und Scheidung hat, bezogen auf die Anwendung von Mediation im Allgemeinen, eine vergleichsweise lange Tradition.

„Insgesamt sind die Evaluationsbefunde zur Mediation positiv zu bewerten. Die Partner akzeptieren die getroffenen Regelungen eher, kommen nach Abschluß der Mediation besser miteinander zurecht und verstehen die Gefühle und Bedürfnisse ihrer Kinder besser“ (Bastine&Link, zitiert in Schneewind et al.,1999, V-6.1,S.15) Der Kreis von Rechtsanwälten, die Mediation als Mittel der außergerichtlichen Streitbeilegung anbieten, ist auch in Deutschland inzwischen recht groß.

Im Mittelpunkt dieser Arbeit soll aber eine immer noch besondere Form der Anwendung von Mediation stehen, die durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Juristen und Diplompsychologen gekennzeichnet ist.

Denn obwohl die Broschüre des Bundesverbandes für Familienmediation (BAFM) den interdisziplinären Ansatz der Methode betont, stellt die gleichzeitige Mediation durch ein interdisziplinär besetztes Team noch immer eine Ausnahme dar.

Die Interdisziplinäre Trennungs- und Scheidungsberatung an der Universität Bremen (ITS) arbeitet seit 12 Jahren auf dem Sektor der Beratung und seit 1999 zusätzlich mit einem Mediationsangebot für betroffene Paare.

Ausgangspunkt dieser Diplomarbeit war dabei der Wunsch der Mitarbeiter der ITS, die eigene Mediationsarbeit einer Evaluation zu unterziehen. Leitgedanke war die Erkenntnis, dass die Qualitätssicherung der Trennungs- und Scheidungsmediation zukünftig zum zentralen Anliegen werden muss. Die nachgewiesene hohe Qualität eines Angebotes kann zu einem wichtigen Argument bei der weiteren Etablierung des relativ jungen Verfahrens werden. (nach Bastine & Weinmann-Lutz, 1998,S. 57) Die vorliegende Diplomarbeit setzt sich deshalb in ihrem empirischenTeil mit der Trennungs- und Scheidungsmediation an der Interdisziplinären Trennungs- und Scheidungsberatungsstelle an der Universität Bremen (ITS) auseinander.

Ziel ist, durch eine erste summative Evaluation einen Beitrag zur Qualitätssicherung zu leisten. Deshalb wurde ein Fragebogen für den Personenkreis entwickelt, der nach einer interdisziplinären Mediation eine Trennungsvereinbarung unterzeichnet hat. Der Fragebogen setzt sich mit den Auswirkungen und dem Nutzen einer abgeschlossenen Trennungsvereinbarung nach einer Mediation an der Beratungsstelle auseinander.

Den Ausgangspunkt für die Darstellung der empirischen Untersuchung bilden innerhalb dieser Diplomarbeit zwei einführende Kapitel.

Das 2. Kapitel stellt verschiedene Definitionen für Mediation vor und beschreibt die historische Entwicklung sowie den aktuellen Forschungsstand.

Das 3. Kapitel beleuchtet die Bedeutung von Konflikten im Zusammenhang mit Mediation und stellt die Mediationsmodelle von Montada & Kals (2001) und Proksch (1998) vergleichend gegenüber. Außerdem wird auf die Grundprinzipien der Mediation und ihre Kritik eingegangen.

Das 4. Kapitel skizziert die Mediationsarbeit an der ITS und es wird der Frage nachgegangen, wie diese Arbeit evaluiert werden kann.

Im 5. Kapitel werden die Untersuchung und ihre Ergebnisse vorgestellt und zusammengefasst, Kritikpunkte an der Untersuchung aufgelistet und mögliche Schritte im Sinne eines Qualitätsmanagments aufgezeigt.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Mediation 5
2.1 Definitionen von Mediation 5
2.2 Historische Hintergründe der Mediation 9
2.2.1 Die Entwicklung in den USA 10
2.2.2 Die Entwicklung in Deutschland 11
2.3 Untersuchungsergebnisse zur Familienmediation in Deutschland und Österreich 12
2.3.1 Das Pilotprojekt am Stadtjugendamt Erlangen 13
2.3.2 Das Langzeitprojekt am Stadtjugendamt Jena 14
2.3.3 Das österreichische Modellprojekt „Co-Mediation“ 16
2.3.4 Die Heidelberger Evaluation der Trennungs- und Scheidungsmediation 18
2.3.5 Zusammenfassung zum aktuellen Stand bei Trennungs- und Scheidungsmediation 19
2.4 Mediationsphilosophien 21
3. Modelle für die Durchführung von Mediation bei Trennung und Scheidung 26
3.1 Konflikttheorien im Kontext von Mediation 27
3.1.1 Der Konflikt bei Montada & Kais 28
3.1.2 Das Stufenmodell der Eskalation von Glasl 30
3.1.3 Die Bedeutung von Emotionen im Konflikt nach Breidenbach 32
3.2 Modelle für die Durchführung von Mediation bei Trennung und Scheidung 34
3.2.1 Die Haltung des Mediators und Grundregeln in der Mediation 35
3.2.2 Das Mediationsmodell von Proksch 36
3.2.3 Das Mediationsmodell von Proksch im Überblick 40
3.2.4 Das Mediationsmodell von Montada & Kais 41
3.2.5 Das Mediationsmodell von Montada & Kais im Überblick 47
3.2.6 Vergleich der Modelle von Montada & Kais und Proksch 48
3.3 Überblick über die Grundprinzipien in der Mediation 50
3.4 Kritik an den Prinzipien der Mediation 54
4. Darstellung eines interdisziplinären Mediationsansatzes bei Trennung und Scheidung und die Möglichkeiten seiner Evaluation 57
4.1 Die Interdisziplinäre Trennungs- und Scheidungsberatungsstelle Bremen 61
4.2 Mediation an der IST 63
4.2.1 Zusammenfassung der ITS – Mediation 67
4.2.2 Einordnung der ITS - Mediation 67
4.3 Evaluation 69
4.3.1 Die Evaluation von Mediation bei Trennung und Scheidung 71
4.3.2 Die Voraussetzungen für die Evaluation der Mediation an der IST 73
5. Die Evaluation der Mediation an der ITS Bremen 74
5.1 Der Fragebogen 74
5.2 Die Befragten 77
5.3 Die Ergebnisse 79
5.3.1 Einschätzungen zu den Ergebnissen der Mediation 79
5.3.2 Einschätzungen zum Prozess der Mediation 83
5.3.3 Mediation und Kinder 84
5.3.4 Einschätzungen zu Transfereffekten der Mediation 87
5.4 Zusammenfassung und Ausblick 91
Literaturverzeichnis 95
Anhang

Arbeit zitieren:
Weichert, Thomas Dezember 2003: Mediation bei Trennung und Scheidung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Mediationstheorie, Gerichte, aktuelle Tendenzen, Fragebogen, Empfehlungen

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