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Die Konstruktion des Unheimlichen im "Blair Witch Project"

Die Konstruktion des Unheimlichen im "Blair Witch Project"
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Jana Fitschen
  • Abgabedatum: Juni 2000
  • Umfang: 77 Seiten
  • Dateigröße: 282,1 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Leuphana Universität Lüneburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8411-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8411-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8411-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Fitschen, Jana Juni 2000: Die Konstruktion des Unheimlichen im "Blair Witch Project", Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Internetmarketing, Film, Roger Caillois, Medienwissenschaft, Kino

Magisterarbeit von Jana Fitschen

Zusammenfassung:

Kurz vor der Jahrtausendwende nahmen 27 kleine Kinos in den USA den Low-Budget Film „The Blair Witch Project“ in ihr Programm auf: Und lösten damit geradezu eine Massenhysterie aus. Der Streifen, der größtenteils aus verwackelten Amateuraufnahmen besteht und ausschließlich mit No-Name-Schauspielern besetzt ist, sorgte für lange Schlangen vor den Kassen. Die angeblich authentische „Dokumentation“ erzählt die Geschichte dreier Studenten, die einen Film über die Hexe von Blair drehen wollen. Das Trio bricht zu einer Expedition in die Wälder von Maryland auf und kehrt nie zurück: Lediglich ihr Videomaterial wird gefunden und zu dem Film „The Blair Witch Project“ zusammengeschnitten.

Allein in den ersten fünf Tagen nach dem Kinostart spielte das Regiedebut der Jungregisseure Eduardo Sanchez und Daniel Myrick 1,5 Millionen Dollar ein. Ein Ergebnis, welches sich später noch verhundertfachen sollte. Bei Herstellungskosten von höchstens 60,000 Dollar wurde das Blair Witch Project so zu dem bis dahin profitabelsten Film aller Zeiten.

Die vorliegende Arbeit legt die Gründe für den phänomenalen Erfolg eines Streifens dar, der Hollywoods Politik des Staraufgebots und der Splattereffekte exemplarisch in Frage gestellt hat. Dabei wird die Marketingkampagne der Filmemacher beleuchtet, die sich fast ausschließlich auf das Internet stützte.

Aufmerksamkeit verdient dabei auch die Regietechnik von Sanchez und Myrick: Anstatt den Protagonisten ein Drehbuch in die Hand zu geben, setzten sie die Schauspieler mit Zelt und Rucksack in der Wildnis aus. Grobe Regieanweisungen sowie knappen Proviant fanden sie an zuvor festgelegten Orten vor, im Übrigen wurde improvisiert.

Nachdem sich der erste Teil dieser Arbeit mit den Gründen für den Realismus des Blair Witch Projects beschäftigt, wird anschließend auf dessen Wirkung eingegangen. Hierbei finden die theoretischen Ausführungen des französischen Autors und Soziologen Roger Caillois Anwendung. An ihnen wird erläutert, warum der Film einen „Riss in unserer Realität“ erzeugt. Auch die Theorien des bulgarischen Literaturwissenschaftlers Tzvetan Todorov sowie weiterer Autoren werden herangezogen, um hinter das Geheimnis der Erfolgsgeschichte Blair Witch Project zu kommen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 2
2. Eine Horrorgeschichte wird Realität 5
2.1 Der Einsatz der Medien 5
2.2 Die Dreharbeiten 11
3. Der Riss in der Realität 18
3.1 Roger Caillois 18
3.2 Der Riss in der Realität im Blair Witch Project 22
3.2.1 Der Riss in der Realität der handelnden Personen 22
3.2.2 Der Riss in der Realität der Zuschauer 33
4. Das Fantastische, das Unheimliche und das Wunderbare 36
4.1 Tzvetan Todorov 36
4.2 Das Fantastische im Blair Witch Project 40
4.2.1 Die Unschlüssigkeit der handelnden Personen 40
4.2.2 Die Unschlüssigkeit der Zuschauer 42
5. Warum realer Horror? 49
5.1 Hans D. Baumann 49
5.2 Ein kurzer Exkurs zu Kant 56
5.3 Das Zeitalter der Sensationslust? 58
6. Zusammenfassung 62
7. Anhang: Sequenzanalyse 66
8. Literaturverzeichnis 73

Automatisiert erstellter Textauszug:

zusammen mit dem ersten die Gattung der fantastischen Erzählung, während die zweite Eigenschaft auch unerfüllt bleiben kann.72 In seinen Ausführungen betont Todorov immer wieder den Grenzcharakter des Fantastischen, der sich in der oben beschriebenen Unschlüssigkeit des Lesers widerspiegelt. Demnach verlässt die Geschichte in dem Moment den Bereich des Fantastischen, in dem sich der Leser für die eine oder andere Erklärung der Geschehnisse entscheidet: Zwingen die Ereignisse in der Geschichte ihn dazu, eine übernatürliche Erklärung für das Phänomen anzunehmen, so tritt die Erzählung vom Fantastischen in ein benachbartes Genre, dem Wunderbaren, ein. Findet sich am Ende der Geschichte jedoch eine natürliche Erklärung für die merkwürdigen Ereignisse, und die Gesetze der Realität bleiben intakt, so verlässt die Geschichte das Fantastische, um in die Gattung zu wechseln, die Todorov als das Unheimliche bezeichnet.73 Das Fantastische bildet also einen schmalen Grad zwischen zwei benachbarten Gattungen und kann nur in einem Moment der Unschlüssigkeit existieren, zu welcher Seite sich die [...]

oder aber eine übernatürliche, die die geltenden Naturgesetze außer Kraft setzt. Doch oft schwankt nicht nur der Leser zwischen diesen beiden Möglichkeiten, sondern auch die handelnde Person der Geschichte selbst ist unschlüssig, womit sie konfrontiert ist. In diesem Fall spiegeln sich die Überlegungen des Lesers in den Gedanken der Akteure wieder und sind so Teil der Erzählung. Diese Unschlüssigkeit des Helden, die Todorov als zweites Merkmal fantastischer Geschichten nennt, ist jedoch nicht immer gegeben und deshalb keine zwingende Voraussetzung der Zugehörigkeit zum Genre. Das dritte Charakteristikum Todorovs bezieht sich auf die Haltung, die der Leser gegenüber dem fantastischen Text einnimmt. So würde eine allegorische oder eine poetische Interpretation den [...]

Blair Witch Websites wird die Mythologie der Hexe immer weiter ausgebaut und eine übernatürliche Präsenz in den Wäldern immer nahe liegender. Der Realismus und die angebliche Authentizität des Blair Witch Projects haben also einen großen Einfluss auf die Wirkung des Filmes. Der beunruhigende Effekt geht viel weniger von den gezeigten Bildern aus Sanchez und Myrick haben vollständig auf Spezialeffekte verzichtet -, als von der angedeuteten Bedrohung für das Weltbild des Publikums. Diese Bedrohung kann jedoch nicht nur als negativ empfunden werden, denn sonst wäre das Blair Witch Project nicht so ein Publikumserfolg geworden. Die gesellschaftlichen Faktoren, die dazu beitragen, dass der reale Horror des Filmes eine solche Anziehungskraft auf viele Menschen hat, werden in Kapitel 5.3. dieser Arbeit näher untersucht. [...]

Arbeit zitieren:
Fitschen, Jana Juni 2000: Die Konstruktion des Unheimlichen im "Blair Witch Project", Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Internetmarketing, Film, Roger Caillois, Medienwissenschaft, Kino

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