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Nachhaltige Entwicklung im Massentourismus

Illusion oder Realität?

Nachhaltige Entwicklung im Massentourismus
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Eva Näher
  • Abgabedatum: November 2003
  • Umfang: 200 Seiten
  • Dateigröße: 8,7 MB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Katholische Universität Eichstätt/Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Ingolstadt Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8110-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8110-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8110-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Näher, Eva November 2003: Nachhaltige Entwicklung im Massentourismus, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Tourismus, Nachhaltigkeit, Netzwerke, Ökotourismus, Mallorca

Diplomarbeit von Eva Näher

Zusammenfassung:

In der Wahrnehmung der Allgemeinheit werden Nachhaltigkeit und Massentourismus als unvereinbare Gegensätze deklariert. Nachhaltigkeit wird mit verträglichen, langfristigen und kleindimensionierten Projekten assoziiert; Massentourismus hingegen mit einfallenden Touristenhorden und verheerenden ökologischen sowie soziokulturellen Auswirkungen auf die bereiste Region. Ist trotz dieser scheinbaren Dissonanz eine nachhaltige Gestaltung des Massentourismus überhaupt möglich?

Die Notwendigkeit einer derartigen Konzeption zeigt die allgegenwärtige Präsenz und Dominanz des Massentourismus. Die westliche Welt verreist alljährlich, bringt damit die touristischen Massen hervor. Die bereisten Länder heißen die Touristen in Anbetracht des quellenden Devisenstromes mehr oder weniger willkommen. Beide Seiten profitieren vom Tourismus: die einen sehen ihre wichtigsten Regenerationsbedürfnisse in fernen Ländern befriedigt – Ruhe, das exotische, einzigartige Erlebnis und die Abwechslung vom tristen Alltag zuhause; die anderen tolerieren die Massen als wichtige Existenzgrundlage.

Alle profitieren vom Tourismus – allen voran die Reiseveranstalter aus den touristischen Quellländern. Dies erweckt Missmut bei den Bereisten und der wirtschaftlich gelenkte touristische Raubbau vernichtet die Attraktivität der Landschaft und Kultur – das touristische Kapital der Region und damit nicht zuletzt deren zukünftige Einnahmequelle.

Dieser typische Zyklus der touristischen Erschließung mit einem ungezügelten Massentourismus in der Hochphase, der alle weiteren Perspektiven für die Region vernichtet, muss unterbunden werden. Vor dem Hintergrund einer unausweichlichen Dependenz zahlreicher Regionen vom Massentourismus, bleibt einzig dessen verträgliche Gestaltung mit einer nachhaltigen Entwicklung im Massentourismus, welche touristische mit ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Aspekten vereint.

Ziel der Arbeit ist das Aufzeigen nachhaltiger Handlungsweisen für den Massentourismus unter Einbindung der konzeptionellen Organisationsstrukturen in Nationalparks. Besuchermagnete wie der Grand Canyon Nationalpark in den USA oder der Kakadu-Nationalpark in Australien müssen trotz der zu bewältigenden Besucherströme ihren Auftrag zur Erhaltung des ökologischen Erbes erfüllen. Eine Adaption auf das allgemeine Tourismusgeschehen erscheint somit nicht nur sinnvoll, sondern auch realisierbar.

Bislang wurden vorrangig Nischenprodukte wie der Ökotourismus nachhaltigen Kriterien unterworfen, doch muss zentrales Anliegen der touristischen Planung das Gros des Reisegeschäftes und damit der Massentourismus sein. Nur so kann der Tourismus in seiner Gesamtheit und für alle Beteiligten „gewinnbringend“ gestaltet werden – im materiellen als auch immateriellen Sinne.

Inhaltsverzeichnis:

Danksagung vi
Abkürzungen vii
Vorwort viii
Kapitel 1 Nachhaltigkeit im Massentourismus im wissenschaftlichen Kontext 1
1. Grundlagen des Tourismus 1
1.1 Psychologie des Reisens 1
1.1.1 Motivations- und Bedürfnisstruktur 2
1.1.2 Das Konzept der Landschaftsbewertung und Landschaftspräferenz nach Kaplan und Kaplan 6
1.2 Die historische Entwicklung des Tourismus 8
1.2.1 Die Entwicklung des Reisens bis 1945 8
1.2.2 Der moderne Tourismus nach 1945 11
1.3 Tourismusformen und ihre Abgrenzung 14
1.3.1 Definition des Tourismus 14
1.3.2 Massentourismus als Hauptreiseform 15
1.3.3 Alternativer Tourismus und Ökotourismus 17
1.4 Entwicklungskonzepte für Tourismusregionen 20
1.4.1 Touristische Aktionsräume als Planungsgrundlage 20
1.4.2 Das Lebenszyklusmodell von Tourismusregionen nach R. BUTLER 21
1.4.3 Das „broad context model“ der Destinationsentwicklung nach WEAVER 24
2. Die Entwicklung der Nachhaltigkeit als internationales Leitbild 29
2.1 Nachhaltigkeit und ihre Wurzeln 29
2.2 Der Brundtland Bericht und die Entstehung eines ganzheitlichen Leitbildes 30
2.3 Das „development triangle“ als Grundlage der Nachhaltigkeit 31
3. Das Phänomen „Massentourismus“ 34
3.1 Der Begriff Massentourismus 34
3.2 Die Entwicklung des Massentourismus 35
3.3 Auswirkungen und Folgen des Massentourismus 37
3.3.1 Ökonomische Bedeutung des Massentourismus 37
3.3.2 Soziokultureller Einfluss des Massentourismus 39
3.3.3 Ökologische Auswirkungen des Massentourismus 40
3.4 Alternativen zum Massentourismus 42
3.4.1 Unterbindung des Massentourismus 42
3.4.2 Transformation des Massentourismus 43
4. Nachhaltigkeit im Tourismus 47
4.1 Grundzüge des nachhaltigen Tourismus 47
4.2 Wandel des Verständnisses vom „Nachhaltigen Tourismus“ 50
4.3 „Nachhaltiger Massentourismus“ - illusionär oder realisierbar? 54
4.4 Nationalparke als Vorbild für nachhaltiges Agieren im Tourismus 55
5. Zusammenfassung 59
Kapitel 2 Ein Konzept zur nachhaltigen Entwicklung im Massentourismus61
1. Einleitende Anmerkungen 61
2. Zielgruppe 62
3. Quantitative und qualitative Analyse der Expertenbefragung 63
3.1 Methodik 64
3.2 Allgemeine Ergebnisse der quantitativen Befragung 66
3.3 Auswertung der offenen Fragen 69
4. Nachhaltige Entwicklung im Massentourismus 74
4.1 Ökologische Dimension 74
4.1.1 Ökologisch verträgliches Besuchermanagement 76
4.1.1.1 Direkte Besucherlenkung 76
4.1.1.1.1 Kommunikationszentren 78
4.1.1.1.2 Wegesystem 80
4.1.1.1.3 Zonierungssystem und gezielte Platzierung von Attraktionen 84
4.1.1.1.4 Besondere Einrichtungen: Virtual-Reality und Pseudo-Sites 87
4.1.1.1.5 Regulierungs- und Restriktionssysteme 90
4.1.1.1.6 Angebot des öffentlichen Verkehrs 91
4.1.1.2 Indirekte Besucherlenkung 93
4.1.1.2.1 Information 93
4.1.1.2.2 Aus- und Fortbildung des Personals 95
4.1.2 Energie- und Ressourcenmanagement 96
4.1.2.1 Energiemanagement 97
4.1.2.2 Abfall- und Wasserwirtschaft 99
4.1.2.3 Bewahrung des ökologischen und kulturellen Erbes 101
4.1.3 Monitoring und Forschung 102
4.1.3.1 Carrying Capacity Studien und Limits of Acceptable Change 103
4.1.3.2 Aufbau eines strukturellen Rahmengerüstes 107
4.2 Ökonomische Dimension 108
4.2.1 Regionale Strukturförderung 110
4.2.1.1 Stärkung lokaler Strukturen 111
4.2.1.2 Ausgeglichene Ressourcenverteilung 113
4.2.1.3 Regionalförderung durch touristische Dienstleister 115
4.2.2 Touristische Strukturförderung 116
4.2.2.1 Effektive organisatorische Netzwerke im Tourismus 117
4.2.2.2 Festlegung von Standards und Kodizes 120
4.3 Soziokulturelle Dimension 124
4.3.1 Gesellschaftspolitische Förderungsmaßnahmen 126
4.3.2 Förderung der lokalen Integrität 129
4.3.3 Soziokulturelles Besuchermanagement 134
4.4 Zusammenfassung und Ausblick 136
5. Nachhaltiger Massentourismus auf Mallorca? 140
5.1 Entwicklung und derzeitige Situation des Tourismus 140
5.2 Nachhaltige Lösungsansätze und zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten 143
5.3 Zusammenfassung und Ausblick 146
Resumée 148
Literaturverzeichnis 150
Abbildungsverzeichnis 157
Tabellenverzeichnis 159
Anhang 160

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die aktive Kommunikation mit dem Besucher kann jedoch nur mittels einer ansprechenden Präsentation und Ausgestaltung erfolgen. Die Auswahlmöglichkeiten der Medien reichen hierbei von Schautafeln, Videodarbietungen über die Einbindung von Computeranimationen bis hin zur Gestaltung einer Kinderecke. Bei der Gestaltung dieser Zentren wird wiederum die Bevölkerung mit Schulklassen, Vereinen und sonstigen Gruppierungen einbezogen und ihr damit eine eigene Plattform zum Publikum eröffnet. Mit einer derart attraktiven Gestaltung werden touristische Kommunikationszentren neben ihrer Funktion als Besucherlenkzentrale zu eigenständigen Besucherattraktion und können so das Angebot einer Region bereichern. Die Methoden derartiger Kommunikationszentren mögen idealisiert klingen, doch werden sie in Ansätzen bereits realisiert. Das Hans-Eisenmann-Haus im Nationalpark Bayerischer Wald ist das derzeitig einzige große zentrale Informationszentrum. Es befindet sich im zentralen Eingangsbereich des Parks und ist damit erster Anlaufpunkt der meisten Touristen. Jährlich kommen von den insgesamt bis zu 2,5 Millionen Nationalpark-Besuchern circa 100.000 bis 150.000 Besucher je Jahr dorthin und erhalten Informationen zum Nationalpark, zur gesamten Region sowie zu aktuellen [...]

Informationszentren der Nationalparke als auch der Tourismusregionen dienen als zentrale Anlaufstelle für Besucher. Der Gast möchte sich hier über die Einrichtungen und möglichen Aktivitäten in der Gegend informieren und die touristische Region kann sich hier dem Gast präsentieren. Häufig findet hier der erste Kontakt mit der Zielregion statt und dementsprechend wichtig ist das optische Bild, der Inhalt und die Atmosphäre, die das Zentrum vermittelt. Kritisiert wird gelegentlich, dass die Information, welche hier den Gästen geboten wird, diese überhaupt erst dazu verleitet attraktive, gleichzeitig aber sensible Orte aufzusuchen. Doch konnte gezeigt werden, dass „die Neugier und das Informationsbedürfnis der Besucher zu einem erheblichen Anteil in gut ausgestatteten Besucherzentren befriedigt werden [können]“ (JESCHKE 1993, S. 30). Dem Besucher wird vermittelt, dass er die sehenswertesten Dinge bereits erkundet hat, ohne Grenzen und Gesetze überschritten zu haben und ohne große Unbequemlichkeiten auf sich nehmen zu müssen. Zudem können die Besucherströme zu bestimmten Aktionsräumen geführt und so bewusst Attraktionen beworben werden, die unbedenklich „konsumiert“ werden können. Generell sollten Informationseinrichtungen den Besucher auf die spezifischen Eigenarten der Region vorbereiten, um ein erfülltes Urlaubserlebnis zu gewährleisten und Grenzen individueller Entfaltung aufzuzeigen. Als Basis derartig gestalteter Informationszentren kann auf die vorhandene Infrastruktur der Touristinformationen zurückgegriffen werden. Diese sind in nahezu allen touristisch geprägten Räumen präsent und zeigen wichtige Grundvoraussetzungen für moderne Informationszentren: exponierte Lage, Sitz des lokalen Tourismusmanagements und unausweichliche Anlaufstelle für viele Besucher, die diese Zentren freiwillig aufsuchen. Das inhärente Potenzial dieser Einrichtungen wird jedoch nur in den seltensten Fällen als aktive Besuchermanagementund -leitzentrale genutzt. Die gängige Touristeninformation zeigt eher das Wesen einer passiven Kommunikationsschnittstelle zwischen Urlaubsregion und Tourist mit integrierter Zimmervermittlung (siehe Abbildung 2-5a). Als notwendig erachtet wird eine Transformation des passiven Informationsvermittlers in eine aktive Kommunikationszentrale (siehe Abbildung 2-5b). Diese neuen touristischen Kommunikationszentren müssen als integrierte Plattform für touristische Dienstleister, Bevölkerung und Besucher angesehen werden. Auf diese Weise können sie als zentrale Schnittstelle die touristischen und ökologischen Belange einer Region in allen Bereichen koordinieren und durch aktive Kommunikation mit allen Akteuren eine effektive Lenkungsfunktion entfalten: ökologische Richtlinien, Standards und Kodizes können hier unter Einbeziehung der touristischen Dienstleister festgelegt und die Gestaltung, Ausweitung und Umstrukturierung von touristischen Aktionsräumen (siehe Kapitel 1-1.4.1) entsprechend den jeweiligen Kapazitäten geplant und kontrolliert werden. Die Beteiligung der Bevölkerung an diesen Entwicklungen wird mittels Bürgerforen und anderen institutionalisierten Einrichtungen ermöglicht und koordiniert (siehe Kapitel 2-4.3.2). Darüber hinaus sollte die Bevölkerung in diesen Besucherleitzentralen auch die Möglichkeit der direkten Kommunikation mit dem Gast [...]

Direkte Besucherlenkungsmaßnahmen strukturieren mittels technischer Einrichtungen die Pfade und Routen der touristischen Aktionsräume. Zu diesem Themenkomplex wurden die in Tabelle 2-7 gelisteten Fragen gestellt, welche absteigend nach deren Wichtigkeit angeordnet sind. Wie bei der qualitativen Auswertung der Expertenbefragung bereits dargelegt, werden besonders infrastrukturellen Maßnahmen als bedeutendstes Element des Besuchermanagements gezählt; entscheidend sind hierbei besonders auch deren ansprechende Gestaltung (siehe Tabelle 2-7). Das Angebot des öffentlichen Verkehrs wird, abgesehen von den außereuropäischen Nationalparks, ebenfalls als sehr hoch eingestuft. Die geringe Bewertung durch die Nichteuropäer ist auf die Betonung des Individualverkehrs im angloamerikanischen Raum zurückzuführen. Zonierungsmaßnahmen und die Schaffung von Ausgleichsflächen wurden deutlich niedriger bewertet, besonders von Ministerien, welche diesen Maßnahmen die geringste Bedeutung zuwiesen. Ursache hierfür ist sicherlich deren restriktiver Charakter, der gewisse Vorbehalte bei der staatliche Exekutive hervorruft. Gleiches gilt im Falle der [...]

Arbeit zitieren:
Näher, Eva November 2003: Nachhaltige Entwicklung im Massentourismus, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Tourismus, Nachhaltigkeit, Netzwerke, Ökotourismus, Mallorca

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