Das Krankheitserleben dementiell veränderter älterer Menschen
Unter besonderer Berücksichtigung des Schamgefühls
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Nicole Umstätter
- Abgabedatum: Oktober 2003
- Umfang: 86 Seiten
- Dateigröße: 537,1 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Frankfurt am Main - University of Applied Sciences Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7866-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7866-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7866-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Umstätter, Nicole Oktober 2003: Das Krankheitserleben dementiell veränderter älterer Menschen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Demenz, Scham, Gedächtnis, Krankheit, Alzheimer
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Diplomarbeit von Nicole Umstätter
Einleitung:
Da die Demenz altersgebunden ist und die Lebenserwartung zunimmt, gewinnt die Versorgung und Betreuung älterer von Demenz betroffenen Menschen in unserer Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. „So wird die Zahl von derzeit 1,4 Millionen Demenzkranker in Deutschland voraussichtlich auf 2,1 Millionen im Jahr 2030 steigen“ (Schröder, 2001). 33% der über 90jährigen sind von einer dementiellen Erkrankung betroffen. Die Demenz ist eine der häufigsten und folgenreichsten psychiatrischen Erkrankung im Alter. Sie bedeutet für Betroffene und Pflegende eine große Belastung und ist mit hohen Kosten für das Gesundheitssystem verbunden, obwohl etwa zwei Drittel der Betroffenen zu hause gepflegt werden.
„Der Verlust gesellschaftlicher und persönlicher Wertschätzung trifft Demenzkranke in besonderem Maße, weil sie unser am höchsten geschätztes Persönlichkeitsmerkmal, die intellektuelle Leistungsfähigkeit, eingebüßt haben“ (Gümmer, 1994).
Solange keine Heilung in Aussicht steht, die Demenz durch Therapien nur in geringem Maße beeinflussbar erscheint, Folgen aber gelindert werden können, zielen Interventionen auf die Erhaltung der Lebensqualität von Demenzerkrankten und ihrer Angehörigen ab. Ob ein Leben mit Demenz gelingen kann oder ob der Mensch seiner Würde beraubt wird, hängt maßgeblich von seinem sozialen Umfeld ab. Im Umgang mit dementiell Erkrankten kommt es häufig zu Fehleinschätzungen sowie Unverständnis für deren Verhaltens- und Erlebensweisen. Durch Einblicke in „dementielle Welten“ kann ein verstehender Umgang mit Demenzkranken erreicht werden. Da die dementielle Erkrankung mit einer Einschränkung des Urteilsvermögens einhergeht, ist die Erforschung des Krankheitserlebens schwierig. Es existiert ausreichend Literatur über Diagnostik, Therapie und den Umgang mit Hirnleistungsstörungen aber selten werden die psychosozialen Besonderheiten, Bewältigungsstrategien, die Lebensqualität und das Krankheitserleben untersucht.
„Sollen Demenzkranke bei der Bewältigung krankheitsbedingter Probleme angemessen unterstützt werden, so sind differenzierte Informationen über Veränderungen der Wahrnehmung, des Erlebens und der Reaktionen der Demenzkranken erforderlich. Zu dieser Thematik besteht derzeit ein Mangel an fundiertem empirischen Studien“(BMFSFJ, 2002).
Gerade dieses Wissen aber könnte dem Erkrankten und seinem sozialen Umfeld zu maximal möglichem Wohlbefinden verhelfen. Es wird vermutet, dass Aussagen von Menschen mit Demenz, zu ihrem Krankheitserleben, in fortgeschrittenen Stadien unzuverlässig sind und sich eine Erfassung aufgrund ihrer intellektuellen Beeinträchtigungen schwierig gestaltet. Außerdem scheint weder durch medizinisches Personal noch durch Familienangehörige eine angemessene Beurteilung gewährleistet zu sein. Doch zu Beginn ihrer Erkrankung sind die Betroffenen meist in der Lage ihre Gefühle mitzuteilen, so dass, zu diesem Zeitpunkt noch mehr über das Krankheitserleben zu erfahren sein könnte. „Es ist jedoch unmöglich, zur Gänze in die Erfahrens- und Erlebenswelt eines anderen Menschen zu gelangen..., weil jede Person einzigartig ist“ (Kitwood, 2000).
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Krankheitserleben von Menschen mit Demenz. Ziel dieser Arbeit ist die Erfassung und Darstellung ihres Krankheitserlebens auf subjektiv erlebnisorientierter Ebene, um daraus möglicherweise „demenzgerechte“ Umgangsformen für Pflegende ableiten zu können.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in acht Kapitel. Im Anschluss an die Einleitung werden im zweiten Kapitel medizinische Grundlagen der Demenzen dargestellt.
Das dritte Kapitel wird neben dem Krankheitserleben dementiell Erkrankter älterer Menschen auch mögliche „Bewältigungsstrategien“ vorstellen.
Das vierte Kapitel befasst sich mit den Bedürfnissen von Erkrankten und entsprechenden Umgangsformen.
Im fünften Kapitel erfolgt ein Überblick der nicht-medikamentösen Behandlungstrategien in der Begleitung und Pflege von Betroffenen und ihren Angehörigen.
Das sechste Kapitel verbindet den „dementiellen“ Alterungsprozess mit möglichen Gefühlen der Scham.
Im siebten Kapitel wird dann das Phänomen der Scham auf Erlebnisebene beschrieben und eine Verbindung zum Krankheitserleben hergestellt.
Das letzte Kapitel zieht ein Resümee der gewonnen Erkenntnisse und leistet eine persönliche Stellungsnahme zum Thema „Demenz und Scham“.
Inhaltsverzeichnis:
| 0. | Vorwort | I |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Medizinische Grundlagen dementieller Erkrankungen | 3 |
| 2.1 | Definitionen der Demenz | 3 |
| 2.1.1 | Klassifikationen | 4 |
| 2.2 | Demenz vom Alzheimer-Typ | 5 |
| 2.2.1 | Krankheitsverlauf | 5 |
| 2.2.2 | Symptomatik | 7 |
| 2.2.3 | Diagnose und Differentialdiagnose | 8 |
| 2.2.4 | Therapien | 9 |
| 3. | Leben mit Demenz | 10 |
| 3.1 | Gestörte Einprägung und Gedächtnisabbau | 12 |
| 3.1.1 | Gestörte Einprägung | 12 |
| 3.1.2 | Gedächtnisabbau | 13 |
| 3.2 | Das Erleben der Krankheit | 14 |
| 3.2.1 | Das Erleben der frühen Krankheitsphasen | 15 |
| 3.2.2 | Bewältigungsstrategien der beginnenden Demenz | 15 |
| 3.3 | Das Krankheitserleben der fortgeschrittenen Demenz | 20 |
| 3.3.1 | Bewältigungsversuche der fortgeschrittenen Demenz | 22 |
| 3.4 | „Krankheitseinsicht“ | 25 |
| 3.4.1 | „Innere Handlungslogik“ | 26 |
| 3.4.2 | Lebensqualität Demenzerkrankter | 27 |
| 4. | Der Umgang mit und die Betreuung von Menschen mit Demenz | 29 |
| 4.1 | Zentrale Bedürfnisse Demenzerkrankter | 32 |
| 4.1.1 | Vertrautheit und Geborgenheit | 34 |
| 4.1.2 | Das Vertrautheitskonzept nach Bosch | 36 |
| 5. | Nicht-medikamentöse Behandlungsstrategien bei Demenz | 37 |
| 5.1 | Psychotherapie und Verhaltenstherapie | 38 |
| 5.1.1 | Personenzentrierter Ansatz nach Kitwood | 39 |
| 5.1.2 | Validation nach Feil | 41 |
| 5.1.3 | Mäeutik nach Kooij | 43 |
| 5.1.4 | Selbst-Erhaltungs-Therapie (SET) | 44 |
| 5.1.5 | Biographiearbeit und Erinnerungsarbeit | 45 |
| 5.1.6 | Gedächtnistraining | 46 |
| 5.1.7 | Realitäts-Orientierungs-Training (ROT) | 46 |
| 5.1.8 | Beratung der pflegenden Angehörigen | 47 |
| 6. | Scham und dementielle Erkrankungen im Alter | 48 |
| 6.1 | Versuch einer Definition des Emotionsbegriffes | 53 |
| 6.1.1 | Strukturierung der Emotionen | 55 |
| 6.2 | Der Selbst-Erlebens-Aspekt | 56 |
| 6.2.1 | Emotionale Belastung | 57 |
| 7. | Scham und ähnliche Phänomene | 57 |
| 7.1 | Phänomenologie der Scham- eine Beschreibung ihrer Erlebnisform | 59 |
| 7.2 | Der Blick des Anderen | 62 |
| 7.3 | Ursachen von Scham | 63 |
| 7.4 | Funktionen und „Ziele“ von Scham | 64 |
| 7.5 | Schamangst | 66 |
| 7.6 | Demenz und Scham | 67 |
| 8. | Schluss | 68 |
Dementiell Erkrankte Menschen verlieren ihre vertraute Umgebung durch den Einzug in ein Pflegeheim und die Art ihrer Erkrankung versagt ihnen die Einsicht in diese Notwendigkeit. „Wer dement ist, muß sich auf das verfügbare Gedächtnis verlassen. Er muß sich verlassen auf die Antworten, die ihm sein “altes“ Gedächtnis auf seine Wahrnehmungen hin anbietet. Mit Sicherheit nicht im Gedächtnis verankert ist die Situation, in einem Altenpflegeheim zu leben. Also kann das Gedächtnis auch kein Erklärungsmuster für die neue Situation anbieten; es kann nur vergleichbares heranziehen. Verglichen werden äußere Anhaltspunkte, mögliche Aktivitäten, das Erleben der sozialen Prozesse und die innere Überzeugungen“ (Becker, 1995, 50). Dass Verhaltensweisen Ausdruck der lebensgeschichtlichen Erfahrungen eines dementiell Erkrankten widerspiegeln und Erlebensweisen wesentlich davon abhängen, wird durch die Arbeit von Bosch bestätigt. 4.1.2. Das Vertrautheitskonzept nach Bosch Mit der Methode der Grounded Theory, bei der die „Lebenswelt“ der Subjekte im Mittelpunkt steht, hat Bosch versucht „Zugänge in die Gedanken- und Gefühlswelt dementierender Menschen zu finden“ (Bosch, 2001, 148). Durch ihre Erforschung des Wirklichkeitserlebens Betroffener verdeutlichte Bosch, dass an der biographisch erworbenen Identität festgehalten und die persönliche Lebensgeschichte das jetzige Erleben und das daraus resultierende Verhalten beeinflusst. Durch Beobachtung auf einer Pflegestation hat Bosch festgestellt, dass sich Erlebensweisen von Hausfrauen, Männern und Ordensfrauen, entsprechend ihrer Interessen und Rollenerfahrungen während ihres frühen Erwachsenenalters wesentlich unterschieden. Anders als die Frauen, die von dem Gefühl „nach Hause“ zu müssen angetrieben werden, ist bei den Männern das „zur Arbeit“ gehen von zentraler Bedeutung. Bosch fasst durch ihre Beobachtungen zusammen, dass bei Männern, die sich mit ihrer Vergangenheit beschäftigen, diese hauptsächlich außerhalb des Hauses stattfand, „es mehr um ihre Arbeit und ihre Erfahrungen im Vereinsleben“ geht (Bosch, 1998, 79). Erkennbar wird, in der ständigen Auseinandersetzung mit dem Thema „nach [...]
Weglaufen, die ständige Suche nach ihrem Zuhause und ihrer Mutter und das auf Schritt und Tritt nachlaufen u.ä., wie es von Pflegenden beschrieben wird, spiegelt nähesuchendes Verhalten wider, kann aber auch Erlebnisarmut und Bewegungsmangel anzeigen. Die Befriedigung des Gefühls der Geborgenheit sollte zu den Prinzipien des Umgangs mit dementiell Erkrankten gehören. Furtmayr-Schuh weist darauf hin, dass geringe Beschäftigung oder Ansprache und Untätigkeit agitiertes Verhalten verstärkt und führt in diesem Zusammenhang die folgende Aussage eines Alzheimer-Kranken an: „Wenn nichts passiert ist die Zeit ein totales Chaos“ (Furtmayr-Schuh, 1992, 103). Demente, die ihr Scheitern erleben, aber keine Erklärung dafür aufbringen können, verstehen nicht, warum sie ihre vertraute Umgebung aufgeben mussten um nun in einem Heim zu leben. „...Frau J. ist... zeitlich und personell schwer verwirrt und kann es überhaupt nicht fassen, daß sie - als junge Frau, wie sie sich selbst sieht in einem Altenpflegeheim leben soll. ... Sie verabschiedet sich mit den Worten, daß sie jetzt nach Hause müsse, weil ihr Mann gleich von der Arbeit zurückkomme“ (Becker, 1995, 50). [...]
Anpassung der Betreuungs- und Umgangsform an die fortschreitende Krankheit. Andres behauptet, dass die Demenz, möglicherweise, mehr als andere Krankheiten „zwei Leidtragende“ (Andres, 1997, 53). hat, den Erkrankten wie auch den pflegenden Angehörigen, der sich nach und nach von früheren Vorstellungen, über den Menschen mit Demenz, „verabschieden“ muss. „Mein Mann war Direktor... und jetzt muß ich ihm erklären, wie er sein Butterbrot bestreichen muß. Das kann ich kaum aushalten“ (Andres, 1997, 42). Da sich der Lebensrahmen des Kranken zunehmend verkleinert, kommt dem Verhalten der Bezugspersonen und der Art und Weise des Umgangs eine umso wichtigere Rolle zu. Die Gestaltung des psychosozialen Umfeldes hat einen enormen Einfluss auf die nicht-kognitiven Symptome und damit auf das Wohlbefinden. Obwohl Verhaltensauffälligkeiten nicht gänzlich vermieden werden können, besteht die Möglichkeit unter Berücksichtigung einiger Verhaltensregeln Konflikte zwischen pflegenden Angehörigen und Dementen zu verringern und die Belastungen zu minimieren. Beschämende und überfordernde Situationen, aber auch Unterforderung sollte vermieden und sinnvolle Beschäftigung der Leistungsfähigkeit angepasst werden. Für Menschen, die aufgrund von Gedächtnisstörungen ihre Orientierung einbüßen, sind wiederkehrende überschaubare Tagesabläufe und eine stressarme Umgebung zu gestalten. Die inneren Motive, die häufig an Wahrnehmungsreize gebunden und zu möglichen Fehleinschätzungen betreffend der Zeit, des Ortes, der Person oder der Situation führen können, sind nicht zu korrigieren oder gar für unsinnig zu erklären. Abstrakte Diskussionen und Argumentationen sollten vermieden werden. Die Sichtweise des Kranken sollte gelten gelassen werden, die Aufmerksamkeit des Kranken auf ein anders Thema gelenkt und Fehler übergangen werden, um den Erkrankten weder zu beschämen noch in seinem Personsein in Frage zu stellen. „In den Anfangshasen der Krankheit kam es häufig zu unerfreulichen Diskussionen, weil Mutter rechthaberisch Dinge behauptete, die [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832478667
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Umstätter, Nicole Oktober 2003: Das Krankheitserleben dementiell veränderter älterer Menschen, Hamburg: Diplomica Verlag
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Demenz, Scham, Gedächtnis, Krankheit, Alzheimer




