Einsatzmöglichkeiten und Aufbau eines modernen Managementinformationssystems im Controlling einer Kommunalverwaltung
Ein konstruktiver Beitrag zu den Reformdiskussionen im Rahmen des Neuen Steuerungsmodells
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Matthias Brauch
- Abgabedatum: Mai 2003
- Umfang: 139 Seiten
- Dateigröße: 1,9 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Universität Konstanz Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7828-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7828-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7828-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Brauch, Matthias Mai 2003: Einsatzmöglichkeiten und Aufbau eines modernen Managementinformationssystems im Controlling einer Kommunalverwaltung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Verwaltungsmodernisierung, MIS, Informationsmanagement, E-Government, Kommune
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Diplomarbeit von Matthias Brauch
Einleitung:
Die Diskussionen um Verwaltungsreformen sind so alt wie die Bundesrepublik selbst. Das Bild des müden, gelangweilten 35-Stunden Staatsdieners, der pünktlich auf die Sekunde seine Stempelkarte abzeichnet und sein Leben lang keinem Leistungsdruck ausgesetzt ist, weil er regelmäßig Beförderungen genießt, hat sich in zahlreichen Witzbüchern und Diskussionsrunden bewährt. Hinzu kommt die Auffassung, dass durch die starren und bürokratischen Strukturen der öffentlichen Verwaltungen Ineffizienz und Ineffektivität Vorschub geleistet wird. Ideale Bedingungen, um die Themen „Verschlankung der Verwaltung“ oder auch „privatwirtschaftliche Strukturen für den öffentlichen Dienst“ auf das Tableau politischer Diskussionen zu heben. So kam es in den letzten Jahrzehnten immer wieder vor, dass Strukturen, Dienst- und Haushaltsrecht der öffentlichen Verwaltungen zum Ziel politischer Reformansätze wurden.
Es ist beispielsweise erst einen guten Monat her, dass der Baden-Württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel sein Konzept unter dem Titel „Großprojekt Verwaltungsreform“ vorstellte1. Durch die Auflösung bzw. Eingliederung von 350 Behörden wie Polizeidirektionen oder Forstämter in die Landratsämter und Regierungspräsidien will die Landesregierung innerhalb von 5 Jahren 4000 Stellen bzw. 150 Millionen Euro einsparen. Die Proteststürme der betroffenen Behörden sind gewaltig. Damit konterkariert Teufel gleichzeitig ein weiteres ehrgeiziges „Jahrhundertprojekt“: Vor drei Jahren beschloss die Landesregierung die flächendeckende Einführung betriebswirtschaftlicher Instrumente nach dem Konzept des „Neuen Steuerungsmodells“ wie Controlling, dezentrale Budgets und Kosten und Leistungsrechnungen. Planung und ansatzweise Durchführungen des Projektes (kurz: „NSI“) in mehreren Behörden sind nun aber durch die geplante Zusammenlegung bzw. Auflösung der Behörden obsolet geworden. Millionen Euro wurden damit verschwendet. Auffallend ist in Bezug auf sämtliche Reformbemühungen der letzten Jahre und Jahrzehnte die Korrelation zwischen dem Aufflammen der Reformdiskussionen und den Krisen der öffentlichen Haushalte.
Im Jahre 1991, die finanziellen Auswirkungen der Wiedervereinigung belasteten die öffentlichen (und privaten) Haushalte zunehmend, veröffentlichte Gerhard Banner, der damalige Leiter der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGSt), einen viel beachteten Artikel über die „organisierte Unverantwortlichkeit“ öffentlichen Verwaltungshandelns. Die KGSt konzipierte daraufhin unter Gerhard Banner ein „Neues Steuerungsmodell“ (NSM) für die Kommunalverwaltung, welches v.a. auf dezentrale Strukturen, den verstärkten Einsatz betriebswirtschaftlicher Instrumente und eine Aufhebung der Trennung von Fach- und Ressourcenverantwortung abzielt. Der Artikel stieß in der jungen Bundesrepublik auf einen guten Nährboden. Auch heute noch ist das NSM das einzige Konzept, das im Rahmen der Verwaltungsmodernisierung Bedeutsamkeit erlangte.
Im bürokratischen Modell wird die Verwaltung über hierarchische Strukturen gesteuert, wobei die Politik in bestimmten Fällen eingreifen kann. Das Neue Steuerungsmodell sieht hingegen eine klare Trennung der politischen Ebene von derjenigen der Verwaltung vor. Anders ausgedrückt bedeutet das, dass sich die Politik im Rahmen von Zielvereinbarungen auf die Vorgabe des „Was machen wir“ beschränken soll, während die Verwaltung für das „Wie“ zuständig ist. Die Politik stattet die Verwaltung außerdem mit den entsprechenden Budgets aus, den so genannten „Globalhaushalten“. Dieses Konzept einer „Neuen Steuerung“ macht jedoch ein Instrument notwendig, das durch die Bereitstellung von verständlichen und relevanten Informationen realistische und wünschenswerte Ziele für Politik und Bürger transparent macht und gleichzeitig die Kontrolle der Zielvorgaben ermöglicht. Ein solches System kann so dem durch die Dezentralisierung ausgelösten Koordinationsvakuum entgegenwirken. Dies gilt auch für die Führungskräfte der Verwaltung, die für die Aufgabenerledigung in den Fachbereichen und Dezernaten verantwortlich sind, außerdem für die Führungskräfte in eben diesen Verwaltungseinheiten gegenüber ihren Mitarbeitern. Controlling ist das Instrument, das derzeit im Rahmen des NSM zur Anwendung kommt. Die wichtigste Controllingfunktion besteht in der Versorgung der Führungskräfte mit relevanten, d.h. zielgerichteten Informationen.
Das wichtigste Instrument des Controlling wiederum ist in Bezug auf diesen Aspekt das Berichtswesen, technisch realisiert als adäquates, EDV-gestütztes Informationssystem. Dies exemplarisch am Einsatz eines modernen Managementinformationssystems im Controlling der Stadtverwaltung Dortmund aufzuzeigen, ist das Ziel dieser Arbeit. Die Arbeit gliedert sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil.
In Kapitel II werden kurz die Leistungen, Entscheidungsträger und -wege kommunalen Handelns beschrieben. Außerdem werden Aufbau und Defizite der bürokratischen Strukturen öffentlicher Verwaltungen vor dem Hintergrund von Überlegungen Max Webers aufgezeigt. Um die verschiedenen Aspekte der Implementierung betriebswirtschaftlicher Instrumente wie des Controllings im Rahmen des NSM deutlich hervortreten zu lassen, soll auch kurz auf die generellen Unterschiede hinsichtlich Aufgabenstellung und Leistungserbringung eingegangen werden, die sich bei einem Vergleich von öffentlichen Verwaltungen und privatwirtschaftlichen Unternehmen ergeben.
Kapitel III befasst sich mit dem Neuen Steuerungsmodell. Im Zentrum der Untersuchung stehen die theoretische Modellierung, die einzelnen Elemente des NSM sowie Implementierungsanforderungen und Probleme, die sich bei der praktischen Umsetzung ergeben. Dabei wird Wert darauf gelegt wird, Beziehungen zum Controlling aufzuzeigen. Die Bedeutung von Information im Rahmen der Verwaltungsmodernisierung ist ein weiterer Schwerpunkte dieses Kapitels.
In Kapitel IV werden Einsatzbereiche und Objekte des Veraltungscontrolling dargestellt, Erfolgsfaktoren und Probleme werden thematisiert, außerdem wird ausführlich auf die Controllinginstrumente Informationssystem und Berichtswesen eingegangen.
Kapitel V leitet, nach einer kurzen theoretischen Abhandlung des Begriffes „OLAP“, den praktischen Teil ein. Dieser beginnt mit einer Funktionsbeschreibung des Managementinformationssystems MIKOLAP.
In Kapitel VI werden abschließend die Implementierung und der Aufbau sowie die Einsatzbereiche des Controllinginformationssystems MIK-OLAP im Rahmen des Berichtswesens der Stadtverwaltung Dortmund beschrieben.
Im Rahmen dieser Arbeit kann weder eine ausführliche Diskussion der Vor- und Nachteile der Verwaltungsreform erfolgen, noch kann eine umfassende Analyse und Kritik der theoretischen Modellierung der verschiedenen Instrumente geleistet werden. Auch der empirische Teil der Arbeit bleibt auf die Formulierung einiger Hypothesen beschränkt, deren Operationalisierung und Überprüfung in einer umfassenden Untersuchung unbedingt erfolgen müsste. Die Ergebnisse einer solchen Untersuchung könnten dann für die Modellierung EDV-basierter Informationssysteme verwendet werden, die die Arbeit öffentlicher Verwaltungen effizient unterstützen. Die vorliegende Arbeit muss sich auf den Versuch beschränken, ein Verständnis für die Funktion eines sinnvollen Controlling im Rahmen öffentlicher Verwaltungen zu vermitteln. Dieses Verständnis einer Informationsversorgung der Entscheidungsträger, Mitarbeiter und Bürger soll konstruktiv an der praktischen Umsetzung im Rahmen des Berichtswesens der Stadtverwaltung Dortmund und des MIS MIK-OLAP aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | iii | |
| Abkürzungsverzeichnis | vii | |
| Abbildungsverzeichnis | ix | |
| Kapitel I | Einleitung | 1 |
| 1. | Fragestellung und Zielsetzung der Arbeit | 1 |
| 2. | Aufbau der Arbeit | 2 |
| Kapitel II | Wesentliche Aufgaben einer Kommunalverwaltung | 4 |
| 1. | Die öffentliche Verwaltung | 4 |
| 1.1 | Kommunale Aufgaben und kommunale Leistungen | 5 |
| 1.2 | Entscheidungsträger innerhalb der kommunalen Ebene | 6 |
| 1.3 | Strukturen und Kritikpunkte der bürokratischen Verwaltung | 7 |
| 1.4 | Wichtige Unterschiede zwischen privaten Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen in Bezug auf die Leistungserstellung | 9 |
| Kapitel III | Die Diskussionen um Reformen in der Kommunalverwaltung und das Neue Steuerungsmodell (NSM) | 11 |
| 1. | Entwicklung der letzten Jahre und aktuelle Situation in der Reformdiskussion | 11 |
| 2. | Steuerungsdefizite | 14 |
| 2.1 | Der kommunale Haushalt | 14 |
| 2.2 | Eine neue Führung | 16 |
| 3. | Das Neue Steuerungsmodell - Ein Reformansatz der KGSt | 17 |
| 3.1 | Leitbild: Die Kommunalverwaltung als Dienstleistungsunternehmen | 18 |
| 3.2 | Das Konzept des NSM und seine Elemente | 19 |
| 3.2.1 | Aus Leistungen werden Produkte | 20 |
| 3.2.2 | Management-Philosophie: Instrumente und Verfahren | 21 |
| 3.2.2.1 | Dezentrale Führungs- und Organisationsstrukturen | 21 |
| 3.2.2.2 | Strategische Steuerung | 22 |
| 3.2.2.3 | Zentrale Steuerungseinheit | 23 |
| 3.2.2.4 | Kontraktmanagement oder Zielvereinbarungen | 24 |
| 3.2.2.5 | Outputsteuerung, Budgetierung und Qualitätsmanagement | 26 |
| 3.2.2.6 | Kosten- und Leistungsrechnung | 27 |
| 3.3 | Die Rolle der Information im Rahmen der Verwaltungsmodernisierung | 28 |
| 3.4 | Probleme und Grenzen der Neuen Steuerung | 30 |
| 4. | Erfolgsfaktoren bei Umsetzung des NSMs und Reformanstrengungen für die Zukunft | 32 |
| Kapitel IV | Controlling im Rahmen des Neuen Steuerungsmodells | 35 |
| 1. | Zum Begriff „Controlling“ | 35 |
| 1.1 | Ursprünge des Controllingbegriffes | 35 |
| 1.2 | Unterscheidung operatives und strategisches Controlling | 36 |
| 1.3 | Zentrales und dezentrales Controlling | 37 |
| 1.4 | Sinnvolle Definition des Begriffes „Controlling“ für die Kommunalverwaltung | 38 |
| 2. | Übergeordnete Zielsetzungen eines Controlling in Kommunalverwaltungen | 39 |
| 3. | Funktionen des Controlling in der Kommunalverwaltung | 41 |
| 3.1 | Die Koordinations- bzw. Planungsfunktion | 42 |
| 3.2 | Die Steuerungsfunktion | 43 |
| 3.3 | Die Kontrollfunktion | 44 |
| 3.4 | Die Informationsfunktion | 45 |
| 4. | Strategisches Controlling in Kommunalverwaltungen | 47 |
| 5. | Operatives Controlling in Kommunalverwaltungen | 49 |
| 6. | Einsatzbereiche und Objekte des Verwaltungs-Controlling | 49 |
| 6.1 | Finanzcontrolling | 50 |
| 6.2 | Kostencontrolling | 50 |
| 6.3 | Investitions- und Projektcontrolling | 51 |
| 6.4 | Beteiligungscontrolling | 51 |
| 6.5 | Personalcontrolling | 53 |
| 6.6 | Wirkungs- und Qualitätscontrolling | 53 |
| 6.7 | Führungscontrolling | 54 |
| 7. | Erfolgsfaktoren, Probleme und Grenzen eines Controlling in Kommunalverwaltungen | 54 |
| 8. | Instrumente des Verwaltungscontrolling | 57 |
| 8.1 | Übergreifende Controllinginstrumente | 58 |
| 8.2 | (Isolierte) Spezifische Controllinginstrumente | 58 |
| 8.2.1 | Kennzahlensysteme | 59 |
| 8.2.2 | Berichtswesen auf Basis von Kennzahlensystemen | 61 |
| 8.2.2.1 | Anforderungen an ein Berichtswesen | 62 |
| 8.2.2.2 | Berichtsarten und Berichtstypen | 63 |
| 8.2.3 | (Management-)Informationssysteme | 64 |
| 8.2.3.1 | Anforderungen an ein MIS als ein EDV-gestütztes Controllingsystem | 67 |
| Kapitel V | Controlling-Informationssysteme: das MIS MIK-OLAP | 68 |
| 1. | Die Firma MIK AG | 68 |
| 2. | Multidimensionale Datenbanken: zum Begriff „OLAP“ | 68 |
| 2.1 | Die 12 Grundregeln und die 6 erweiterten Regeln nach E. F. Codd | 69 |
| 2.2 | Die FASMI-Definition | 71 |
| 3. | Das MIS MIK-OLAP und die Frontends MIK-ONE und MIK-XLREPORT | 71 |
| Kapitel VI | Einsatz von MIK-OLAP in der Stadtverwaltung Dortmund | 74 |
| 1. | Ein Neues Steuerungsmodell für die Stadtverwaltung Dortmund | 74 |
| 2. | Implementierung des Controllings und der Elemente eines Neuen Steuerungsmodells | 75 |
| 3. | Organisatorische Einbettung des Controlling in der Stadtverwaltung Dortmund | 78 |
| 4. | Implementierung des MIS für ein gesamtstädtisches Berichtswesen | 78 |
| 4.1 | Aufbau der OLAP-Datenmodelle im Controlling der Stadtverwaltung Dortmund | 80 |
| 4.1.1 | Die Würfel des Modells | 81 |
| 4.1.2 | Der Dimensionsaufbau einzelner Würfel und Strukturen der Elemente | 82 |
| 4.2 | Die Arbeit mit den Frontends und Berichten | 87 |
| 5. | Weitergehende Überlegungen in Bezug auf die Modernisierung der Stadtverwaltung Dortmund | 93 |
| Kapitel VII | Schlussfolgerungen | 94 |
| Anhang I | Interview zur Einführung eines Controlling-Konzeptes in der Stadtverwaltung Dortmund | 96 |
| Anhang II | Interview zum Controllinginformationssystem MIKSolution+ | 100 |
| Anhang III | Produktfamilie MIKSolution+ | 103 |
| Anhang IV | Weitere Beispiele für den Aufbau des Dortmunder Modells | 104 |
| Anhang V | Übersicht Reporting mit MIK-ONE und exemplarische Abfragen mit dem Frontend | 105 |
| Anhang VI | Exemplarische Abfragen mit MIK-XLREPORT | 109 |
| Anhang VII | Weitere Screenshots des Dortmunder OLAP-Modells | 112 |
| Anhang VIII | Dezernatsverteilungsplan der Stadt Dortmund | 115 |
| Literaturverzeichnis | 116 |
Luhmann schlägt für die begriffliche Fassung von Steuerung folgende Definition vor: „Steuerung ist ein Prozess der Differenzminderung, der durch Ziele markiert wird, also die Differenz zwischen Ziel und Realität zu verringern sucht“333. Renate Mayntz definiert Steuerung als Weg, „ein System von einem Ort oder Zustand in einen bestimmten anderen zu bringen.“334 Aus diesen Definitionen geht hervor, dass sich Steuerung durch Controlling auf Handlungen bezieht, die der Umsetzung der Planung dienen. Sie zielt durch die Bereitstellung von Informationen335 auf die Beeinflussung der Tätigkeiten von Personen und/oder der von ihnen bedienten Produktionsfaktoren und grenzt sich somit von der ausschließlich vergangenheitsorientierten Innenrevision und reinen Erfolgskontrolle ab336. Das Verhalten von Personen und Prozessen soll so beeinflusst werden, dass deren Wirkungen das geplante Zielausmaß erreichen und Organisationen so insgesamt besser gesteuert werden337. Die Steuerung ergibt sich aus dem Zusammenwirken von Plan- und Kontrollwissen bzw. Soll- und Ist-Werten. Ihre Wirksamkeit lässt sich am Ergebnis der Verwirklichung der Vorgaben überprüfen. Das Controlling analysiert die Ergebnisse338, deckt Schwachstellen auf und entwickelt Maßnahmenpakete und Alternativen zur Optimierung der Abläufe. Es fungiert außerdem als [...]
Kommunalverwaltung ist die Aufstellung von Planungen bereits in Rechtsnormen verbindlich vorgeschrieben. So müssen z.B. für die Personalwirtschaft ein Stellenplan, für Investitionen und Investitionsförderungsmaßnahmen ein Investitionsprogramm und für die Einnahmen und Ausgaben ein Haushaltsplan und ein Finanzplan erstellt werden330. Controlling bedeutet aber mehr: in der Personalwirtschaft bspw. Vergleiche mit anderen Behörden und Unternehmen oder die Bildung von statistischen Kennzahlen; im Bereich der Finanzwirtschaft muss eine Verbindung zum bestehenden Haushalts- und Rechnungswesen hergestellt werden. Controlling meint die Erstellung langfristiger strategischer Planungen, in die sowohl der Haushaltsplan als auch der Finanzplan eingebunden werden331. Die Koordination zwischen Planung und Informationsversorgung bildet in der Praxis ein zentrales Feld des Controlling. Koordinationsbedarfe resultieren zum einen aus „schleichenden" Veränderungen innerhalb der Planung, die leicht zu überkommenen Informationsstrukturen führen können („rise and fall of management accounting")332. Des Weiteren können auch plötzlich gänzlich neue Informationsbedarfe auftreten (z.B. zur Gestaltung von Wertschöpfungsketten, zur Qualitätsoptimierung), die neue Informationsinstrumente erfordern. 3.2 Die Steuerungsfunktion [...]
Die organisatorisch-institutionelle Perspektive sieht in der Koordination das verbindende Gestaltungsmittel der integrativen Strukturierung von Organisationen320. Funktional betrachtet ist Controlling dagegen die „zielorientierte“321 Koordination der segmentierten Führungsteilsysteme Planung, Kontrolle, Organisation, Information und Personal einer Institution322. Die klassischen Koordinationsinstrumente Hierarchie und Haushaltsplan werden dabei durch das Controlling als neues Koordinationsinstrument abgelöst323. Notwendig wird die Koordination v.a. durch die Segmentierung des „Konzerns Stadt“ in viele Unterabteilungen (=Fachämter)324. Das Controlling soll hier einem Steuerungsverlust entgegenwirken und die Orientierung an übergeordneten Zielsetzungen gewährleisten325. Eine weitere wichtige Koordinationsfunktion ergibt sich aus der zunehmenden Vielfalt der Aufgabenstellungen des „Dienstleistungsunternehmens Kommunalverwaltung“. Um personelle und materielle Ressourcen optimal nutzen zu können, muss man diese koordinieren326. Die Koordinationsfunktion des Controlling ist vor allem dort relevant, wo die Prozesse und Leistungen komplexer Natur sind327. So sind beispielsweise Zielvorstellungen zu koordinieren sowie fachliche und finanzwirtschaftliche Ziele abzustimmen. Erforderlich ist hierfür die Vorgabe einheitlicher Methoden und Verfahrensstandards. Als Koordinationsinstrumente sind zu nennen328: • • • Berichts- und Beobachtungssysteme mit Kennzahlen; Indikatorensysteme; Budgetierungssysteme. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832478285
Arbeit zitieren:
Brauch, Matthias Mai 2003: Einsatzmöglichkeiten und Aufbau eines modernen Managementinformationssystems im Controlling einer Kommunalverwaltung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Verwaltungsmodernisierung, MIS, Informationsmanagement, E-Government, Kommune




