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Reisen - Menschen - Bilder

Untersuchung zum Menschenbild deutschsprachiger Globetrotter

Reisen - Menschen - Bilder
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Anna Maria Reischl
  • Abgabedatum: September 2003
  • Umfang: 125 Seiten
  • Dateigröße: 756,5 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Paris-Lodron-Universität Salzburg Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7680-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7680-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7680-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Reischl, Anna Maria September 2003: Reisen - Menschen - Bilder, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Fernreise, Dekonstruieren, Reise, qualitativ, episodisches Interview

Diplomarbeit von Anna Maria Reischl

Zusammenfassung:

In meiner Diplomarbeit konzentriere ich mich darauf, wie Globetrotter die Einflüsse und Auswirkungen der Reisen und der Begegnungen mit Menschen anderer Kulturen auf ihr individuelles Menschenbild einschätzen. Aufgrund des lückenhaften Forschungsstandes und der Komplexität des Themas wird hypothesengenerierend vorgegangen.

Das Datenmaterial besteht aus vier transkribierten Interviews, die ich im Zeitraum von Februar bis April 2003 mit Globetrottern führte. Diese Texte wurden mittels eines qualitativen Verfahrens ausgewertet. Ich orientierte mich hauptsächlich an dem von Jaeggi, Faas und Mruck (1998) publizierten Auswertungsleitfaden des zirkulären Dekonstruierens. Diesen kombinierte ich mit Elementen aus der Grounded Theory nach Glaser und Strauss (1967), einem Verfahren zur Hypothesengenerierung anhand des Datenmaterials, und mit der Technik der Feinanalyse (Mecheril & Thon, persönl. Mitteilungen). Neben den Transkripten der Interviews bezog ich die Protokolle meiner Eindrücke aus den Gesprächen ebenfalls in die Auswertung ein.

In der Darstellung der Ergebnisse konzentriere ich mich zunächst auf Einzelfalldarstellungen, um dann die aus den Menschenbildreflexionen der Befragen gewonnenen, übergreifenden, psychologischen Gestalten zu referieren.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Theorie 6
2.1 Das Menschenbild 7
2.1.1 Definitionen 7
2.1.2 Bestandteile desindividuellen Menschenbildes 10
2.1.3 Einflussfaktoren und Entstehung von Menschenbildern 11
2.1.4 Ausgewählte Untersuchungen und eine Theorie zum Thema 14
2.1.4.1 Oerters Stufentheorie 15
2.1.4.2 Weltanschauungen von Therapeuten 17
2.1.4.3 Menschenbilder von Informations-System-Designern 18
2.2 Die Fernreise 19
2.2.1 Das Erleben während der Reise 19
2.2.1.1 Offenheit 20
2.2.1.2 Begegnungen 21
2.2.1.3 Bewegung und Zeitwahrnehmung 23
2.2.2 Reise als Weg zur Selbstfindung und Selbsterkenntnis 25
2.2.3 Das Fremde 26
2.2.3.1 Sehnsucht und der Reiz der Fremde 27
2.2.3.2 Begegnung mit dem Fremden 28
2.2.3.3 Modi des Fremderlebens 29
2.2.3.4 Das äußere und das innere Fremde 33
2.2.3.5 Das Fremde als Lernanlass 33
2.2.4 Tourismuskritik 35
2.2.5 Die Weltreisenden vom Typus „GlobetrotterIn“ 36
2.2.5.1 Günstige Voraussetzungen für Begegnungen 40
2.2.5.2 Überlegungen zu Besonderheiten von Fernreisenden 40
2.3 Zusammenfassende Darstellung der theoretischen Überlegungen 42
3. Präzisierung der Fragestellung 43
4. Methodik der Untersuchung 44
4.1 Begründung einer hypothesengenerierenden Forschungsstrategie 44
4.2 Datenerhebung 45
4.2.1 Das episodische Interview 45
4.2.2 Die Konstruktion des Interviewleitfadens 47
4.2.3 Die Auswahl der Gesprächspartner 48
4.2.4 Anmerkungen zur Gesprächsführung 48
4.2.5 Transkription der Interviews 49
4.3 Auswertung der Daten 49
4.3.1 Erfassung des Menschenbildes 50
4.3.2 Zirkuläres Dekonstruieren 50
4.3.3 Theoretisches Kodieren 53
4.3.4 Feinanalyse 55
4.4 Validierung der Forschungsarbeit 56
5. Ergebnisse 57
5.1 Einzelfalldarstellungen - Ergebnisse der ersten Auswertungsphase 57
5.1.1 Tim - „Reisen muss auch erst mal gelernt werden“ 58
5.1.1.1 Paraphrasierung 59
5.1.1.2 Tims Menschenbild 60
5.1.2 David - „Also du mußt auf jeden Fall positiv eingestellt sein,weil wenn du, nee das kannst vergessen, das haut net hin, da darfst net so a Reise machen“ 64
5.1.2.1 Paraphrasierung 64
5.1.2.2 Davids Menschenbild 67
5.1.3 Georg:“Jetzt reis i wirklich , jetzt fahr i auch nimmer mit Bussen oder so, und schlaf auch in keine Guesthäuser mehr, sondern jetzt pack i mein Rucksack und geh einfach den einzigen Weg den es gibt entlang, und schau mal was passiert“ 70
5.1.3.1 Paraphrasierung 71
5.1.3.2 Georgs Menschenbild 73
5.1.4 Andi - „Also es ist immer so, dass ich zwar weiß, dass ich jetzt ham muss oder so, aber dass i wenn i net miasat einfach weiterfahren tät“ 76
5.1.4.1 Paraphrasierung 77
5.1.4.2 Andis Menschenbild 79
5.2 Ergebnisse der zweiten Auswertungsphase 82
5.2.1 Nutz(ge)nießer 82
5.2.2 Begegnung mit dem Fremden 87
5.2.3 Sehen-suche 93
5.2.4 Getrosten Mutes 99
6. DISKUSSION UND AUSBLICK 103
7. NACHWORT 112
8. LITERATURVERZEICHNIS 113

Automatisiert erstellter Textauszug:

Mit dem Reisen verbindet man traditionell das Fremde, das Exotische und das Andere. Fremdes beinhaltet nach Boesch (1998, S.77) die Möglichkeit des Unerwarteten und Unheimlichen und immer einen Grad an Unsicherheit. Das Fremde existiert nicht per se. Es ist eine individuelle oder soziale Konstruktion, die nur in der Relation zu Bekanntem existiert (Schäffter, 1991). Fremdheit ist demnach keine Eigenschaft von Dingen, Personen oder sozialen Gruppen, sondern ein Konstrukt der eigenen Perspektive. Was man als fremd erlebt, und wie man es erlebt, hängt hauptsächlich von der individuellen Geschichte ab. Um seine Identität aufzubauen benötigt man nach Schäffter (1997) das Fremde um Eigenes zu bestätigen. Martin Gross (1997) meint, man müsse sich von Alltagsweisheiten bezüglich der Fremdheit trennen. Die Ansicht, uns seien die Dinge zunächst fremd und erhielten Namen und Charakterisierung in einem langwierigen Akt der Erkundung, ist falsch. Ganz im Gegenteil: Die Fremdheit stellt sich immer erst hinterher ein. Sie wäre demnach nicht der Zustand eines Mangels (ich verstehe etwas nicht), sondern der eines Vermögens (ich erkenne oder spüre eine Differenz, eine Lücke). … Fremdheit ist eine Arbeit [...]

Auch wenn Selbstfindung, Selbsterkenntnis oder auch Selbstbewährung nicht die ausdrücklichen Motive der Reise sind, so trägt doch jede Reise dazu bei, sich in Ausnahmesituationen zu erfahren und kennen zu lernen. Nicht jede reisende Person findet zu sich selbst und erkennt, wer sie ist, denn damit verbinde ich die Vorstellung eines inneren Lern- und Wachstumsprozesses mit spirituellen Komponenten. Es gibt einen Unterschied zwischen dem „Sich selbst zu erkennen“ und dem „Sich besser kennen zu lernen“. Letzteres ist bei jeder Reise möglich. Man erinnert sich immerhin zu Hause, wie man in fremden Situationen reagiert hat, wo eigene Grenzen sind oder wo man sogar von den eigenen Fähigkeiten überrascht war. Das Selbstvertrauen wächst mit jedem bewältigten Hindernis und das Selbstbild verändert sich auch im Kontakt mit dem Fremden. [...]

Selbsterkenntnis und -findung sind heutzutage Modeausdrücke geworden. Es werden Seminare angeboten und Bücher gibt es in Hülle und Fülle. Daraus ist abzulesen, dass es sich dabei um bedeutende Werte in unserer Gesellschaft handelt. Wie Bereswill und Ehlert (1996) begreife ich Reisen unter anderem als einen Prozess der Selbsterfahrung durch Welterfahrung. Auf Reisen ist man losgelöst von heimischen Verhältnissen. Man hat Abstand von der sonst als selbstverständlich hingenommenen Lebensweise. Der Blick des Menschen richtet sich von außen auf sich selbst. Dass das Alleinsein mit sich selbst in der fremden Umgebung die Gelegenheit eines Rückzugs auf sich selbst bietet, erkennt auch der Autor Michael Crichton (1988): Stripped of your ordinary surroundings, your friends, your daily routines, your refrigerator full of food, your closet full of clothes - with all this taken away, you are forced into direct experience. Such direct experience inevitably makes you aware of who it is that is having the experience (Crichton, 1988). Der Künstler Alfred Quiring sieht die Gelegenheit zur Selbsterkenntnis nicht ganz so optimistisch: Sich selbst findet der Mensch natürlich nicht irgendwo in der Fremde, genauso wenig kann er vor sich selbst rastlos reisend davonlaufen. Er meint, wenn die Reise unter der Voraussetzung eines bewussten Aufbruchs in eine neue Welt unternommen wird, kann sie: nicht nur neue Entdeckungen in der äußerlich wahrnehmbaren Welt bescheren, sondern auch eine Tür ins Innere des Menschen aufstoßen. ... Die Sehnsucht nach dem Anderen und Fremden, die zum Reisen antreibt, kann damit beim Eigensten, dem so oft Unbekannt-Bekanntesten enden, beim eigenen Selbst nämlich (Quiring, n.d.). [...]

Arbeit zitieren:
Reischl, Anna Maria September 2003: Reisen - Menschen - Bilder, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Fernreise, Dekonstruieren, Reise, qualitativ, episodisches Interview

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