Fotografie als Medium zwischen Wissenschaft und Okkultismus
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Steffen Sanzenbacher
- Abgabedatum: Januar 2003
- Umfang: 60 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7366-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7366-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7366-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Sanzenbacher, Steffen Januar 2003: Fotografie als Medium zwischen Wissenschaft und Okkultismus, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Unsichtbares, Röntgenfotografien, Geisterfotografien, Gedankenfotografien, Aura
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Diplomarbeit von Steffen Sanzenbacher
Zusammenfassung:
Die Arbeit untersucht die spezielle Dreieckssituation zwischen Fotografie, Wissenschaft und Okkultismus bzw. Spiritismus am Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Fotografische Auge ebenso wie die Wissenschaften erschlossen nicht wahrnehmbare Bereiche der Welt, die Tiefenpsychologie entwickelte sich aus dem Mesmerismus und versuchte sich als wissenschaftliche Disziplin zu etablieren. In diesem Zusammenhang erlebten auch okkulte/spiritistische Ideen einen „Boom“ und erreichten breite Gesellschaftsschichten.
Die Fotografie als technisches, daher scheinbar objektives Instrument der Vermittlung von Wirklichkeit, sollte dabei eine Brücke schlagen um okkulte Phänomene der wissenschaftlichen Betrachtung zugänglich zu machen. Dieses neu entstehende halbwissenschaftliche Milieu und der in die Fotografie gesetzte Glaube an Authentizität werden in dieser Arbeit untersucht. Ebenso zeige ich die Beeinflussung der künstlerischen Avantgarde durch diese neuen Ideen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 3 |
| 2. | Die verborgene Geschichte der Fotografie | 5 |
| 2.1 | Talbot | 5 |
| 2.2 | Die erweiterte Empfindlichkeit | 6 |
| 2.3 | Röntgenfotografie | 7 |
| 3. | Naturwissenschaftliche Hintergründe | 8 |
| 3.1 | Der Wandel des physikalischen Weltbildes Ende des 19. Jahrhunderts | 8 |
| 3.2 | Mesmerismus, Somnambulismus, Hypnotismus und freie Assoziation: Die Entwicklung von Mesmer bis Freud | 10 |
| 4. | Strahlen- und Gedankenfotografie | 13 |
| 4.1 | Reichenbachs Od-Theorie und erste fotografische Versuche | 13 |
| 4.2 | Baraduc: Gedankenfotografien | 15 |
| 4.3 | Darget: Gedankenfotografien | 18 |
| 4.4 | Die Effluviographien von Luys | 19 |
| 5. | Mediumistische Fotografie und Materialisationsphänomene | 20 |
| 5.1 | Die Séancen | 20 |
| 5.2 | Die Situation des okkultistischen Wissenschaftlers | 21 |
| 5.3 | William Crookes, Florence Cook und Katie King | 24 |
| 5.4 | Freiherr von Schrenk-Notzing : Materialisationsphänomene | 25 |
| 6. | Künstlerische Utopien | 29 |
| 6.1 | Die futuristischen Künstler mit dem Röntgenblick | 29 |
| 6.2 | Der Surrealismus und das Medium | 32 |
| 7. | Schlussbetrachtungen | 34 |
| Anhang: | 42 | |
| Zeittafel | 42 | |
| Literaturliste | 43 | |
| Abbildungsnachweise | 46 | |
| Abbildungen | 47 |
cher Bestandteil war die Anwesenheit eines Mediums oder einer medial veranlagten Person Die Anwesenden setzen sich um einen Tisch, wobei sie sich mit den Spitzen der kleinen Finger berührten, um so eine magnetische Kette zu bilden83. Der Tisch oder andere Gegenstände im Raum begannen sich zu drehen, zu bewegen oder gar zu schweben (Abb. 15+16). Besonders begabte Medien wie die berühmte Eusapia Paladino erhoben sich, in Trance versetzt, auch selbst in die Luft. Außerdem konnten die Medien mit Geistern in Verbindung treten. Die Kommunikation konnte durch Klopflaute erfolgen, wobei das Alphabet aufgesagt wurde und bei einem Buchstaben dann ein Klopflaut ertönte. Man konstruierte auch kleine Tische mit drei Beinen, von denen an einem Bein ein Bleistift befestigt war, sogenannte Planchette84. Diese Tische konnten dann, einmal in Bewegung geraten schriftliche Mitteilungen hinterlassen. Andere Möglichkeiten waren die direkte Schrift und die automatische Schrift. Die Hand des Mediums wurde dann von einem Geist geführt und schrieb wie automatisch, oder der Stift schriebt direkt, ohne von dem Medium berührt zu werden. Die Handschrift war dabei von der des Mediums unterschiedlich. Ebenso war die Stimme, in der sich der Geist akustisch bemerkbar machte, nicht die des Mediums. Die interessanteste Kunstfertigkeit aber war die teilweise oder vollständige Materialisation des Geistes mit dem das Medium in Verbindung stand. [...]
Finger ein, mit warmen Wasser gefülltes Glasröhrchen in das Bad tauchte und machte daher die Wärmewirkung der Hand für die Schwärzung verantwortlich78. Auch Aufnahmen die Luys und David von aus dem Auge strömenden Fluid machten wurden kritisiert. Hier argumentierte die Société de Biologie, dass in den Augen gespeichertes Licht, das im Dunkeln wieder austrete, der eigentliche Grund für die Schwärzung sei79. Obwohl die Versuche von Luys und David zeitlich sehr viel später einzuordnen sind, als die von Baraduc und Darget, lösten sie einen heftigen Streit zwischen den Anhängern und den Gegnern der Fluidalfotografie aus. Es wurden in Folge von den verschiedensten Leuten Versuche unternommen, zu beweisen, dass andere Einwirkungen als ein menschliches Fluidum die fotografische Schicht beeinflusst hatten80. Paul Yvon von der französischen Gesellschaft für Fotografie machte Versuche mit der Hand eines Lebenden und der eines Toten. Die lebende Hand hinterliess Spuren, die Tote jedoch nicht. Als jedoch die tote Hand auf 35° Celsius erwärmt wurde, erhielt man auch mit dieser Spuren auf der Platte. Adrien Guébhard (1849-1924), Professor für Physik der medizinischen Fakultät äusserte sich am heftigsten zu dieser Debatte und veröffentlichte zahlreiche, sehr spöttische Artikel81. Er kam durch Versuche ebenfalls zu dem Schluss, dass die Spuren durch Wärmeeinwirkung hervorgerufen worden sind. [...]
Ähnliche Versuche, wie sie anfangs von Darget unternommen wurden, machte auch der berühmte Neurologe und Chefarzt der Salpétrière Jules Bernard Luys (1828-1897) nach 1897 zusammen mit seinem Kollegen David74. Ihr Ziel war es die Fotografie als Diagnoseinstrument einzusetzen75.Die fotografischen Ergebnisse sind zwar nicht so interessant, wie die von Darget, jedoch ist die Diskussion um den Wahrheitsanspruch ihrer Aufnahmen besonders gut dokumentiert. Luys und David hatten beobachtet, dass Personen, die sich in Hypnose befanden, andere Patienten von einer farbigen Aura umgeben sahen, die je nach Art deren Erkrankung, charakteristisch verändert war. So z.B. zeigte sich bei männlichen Hysterikern die rechte Seite violett verfärbt, bei Paralytikern hingegen wies die Aura über den erkrankten Körperteilen schwarze Flecken auf76. Die Fotografie sollte diese Veränderungen nun aufzeichnen. Dazu mussten die Patienten ihre Hand 15-20 Minuten auf eine im Entwicklerbad liegende Fotoplatte legen. Die Verfärbungen, die nach dieser Zeit an den Kontaktstellen und auch um sie herum auftraten, deuteten sie als Auswirkungen des Odlichts. Diese Aufnahmen nannte Luys Effluviographien(Abb.14). Der Chemiker Emil Jacobsen, hatte Versuche unternommen Odlicht fotografisch nachzuweisen77. Er erhielt aber die gleichen Ergebnissen, wenn er an Stelle der [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832473662
Arbeit zitieren:
Sanzenbacher, Steffen Januar 2003: Fotografie als Medium zwischen Wissenschaft und Okkultismus, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Unsichtbares, Röntgenfotografien, Geisterfotografien, Gedankenfotografien, Aura




