Der Kontext von Ethik und Sport in der modernen Gesellschaft
Exemplarisch anhand von Fairness und Fair play
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Bernd Wieland
- Abgabedatum: April 1997
- Umfang: 110 Seiten
- Dateigröße: 4,8 MB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-0722-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-0722-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-0722-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Wieland, Bernd April 1997: Der Kontext von Ethik und Sport in der modernen Gesellschaft, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Ethik, Fair Play, Fairness, Sport, Sportethik
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Diplomarbeit von Bernd Wieland
Einleitung:
In den letzten Jahrzehnten hat der Sport in der modernen Gesellschaft immer mehr an Bedeutung gewonnen. Nicht nur der medial präsente Spitzensport, sondern auch der Breiten- und Freizeitsport wirft dabei spezifische ethische Fragen auf, die zu beantworten Aufgabe gerade auch einer gegenwartsbezogenen und problembewußten Moraltheologie ist. Mit der vorliegenden Arbeit stelle ich mich dieser Herausforderung. Ich unternehme den Versuch, das zueinander von Ethik und Sport darzustellen und gehe dabei auch auf das konkrete Problem der Fairness und des Fair play ein.
Gang der Untersuchung:
Das erste Kapitel definiert einige wichtige moraltheologische Grundbegriffe wie "Ethik", "Ethos", "Norm" oder "Wert" und beschreibt den Unterschied bestimmter Ethikformen (Normethik, Tugendethik). Es soll als Grundlage für die im dritten und vierten Kapitel diskutierten sportethischen Fragestellungen dienen.
Das zweite Kapitel umreißt den weiten Horizont, der mit dem Begriff "Sport" gemeint sein kann. Da eine eindeutige und präzise Definition von "Sport" unmöglich ist, kann dieser nur durch einige konstitutive Elemente umschrieben werden (z.B. motorische Aktivität, verbindliche Handlungscodices, konsequenzlos-spielerischer Aspekt). Ebensowenig läßt sich von einer bestimmten Erscheinungsform des Sports reden, denn er kann unter ganz verschiedenen Aspekten betrieben werden: In Schule und Verein, als Hochleistungs- oder Freizeitsport, in bestimmten Institutionen (z.B. Strafvollzug, Hochschule) oder als personengruppenbezogener Sport (z.B. Alterssport, Behindertensport). Der sportwissenschaftliche Versuch, diese vielfältigen Erscheinungsformen zu systematisieren, wird anhand der Modelle von K. HEINEMANN, W. HÄGELE, D. GRIESWELLE, H. HAAG und A. MORAWIETZ unternommen.
In zwei Abschnitten geht es um das Verhältnis von Kirche und Sport, das lange Zeit sehr distanziert gewesen ist, und den Kontext von Sport und Seelsorge. Seit dem Pontifikat von Papst Pius X. finden sich positive Würdigungen des Sports, die sich nicht zuletzt auch in den Texten des II. VATIKANISCHEN KONZILS niederschlagen. Es wird auf die vielfältigen Beziehungen der Kirche in Deutschland zum Sport hingewiesen (z.B. seelsorgerliche Angebote, Zusammenarbeit auf Verbandsebene).
Zwei weitere Abschnitte skizzieren einige problematische Entwicklungen des Sports in den letzten Jahrzehnten und ihre Herausforderung für die Ethik. Die Professionalisierung des Sports hat dessen spielerischen Charakter genauso in den Hintergrund gedrängt wie dessen Funktionalisierung in Politik oder Wirtschaft. Man denke hierbei nur an die Gigantomie der letzten Olympiaden oder an die horrenden Preisgelder bei Sportturnieren. Auch droht der Sport durch seinen überaus hohen Stellenwert in einer säkularisierten Gesellschaft zur Ersatzreligion zu werden, wie das Verhalten sog. "Fans" zeigt. Die Aufgabe einer Sportethik ist dabei vielfältig: Sie betrifft die sittliche Einstellung des Sportlers und das Verhalten einzelner Sportfunktionäre und -verbände ebenso wie die Verantwortung von Sportjournalisten, -wissenschaftlern und -politikern. Das Ziel ist, "die dem Sport eigenen humanen Werte im Dienste des Menschen und der modernen Gesellschaft gemäß der sittlichen Ordnung zu erhalten und zu entwickeln" (R. WEILER).
Im dritten Kapitel geht es um die Darstellung der Sportethik D. MIETHS. Der Tübinger Moraltheologe sieht in der Versportlichung der modernen Gesellschaft die Gefahr einer Reduktion des Menschseins. Leiblichkeit wird auf Körperkult, das Spielerische durch die Leistungskultur und die Kommunikation auf den Konsum reduziert. Die Kommerzialisierung läßt darüber hinaus die eigentlichen sportlichen Ziele und Zwecke und die damit verbundenen gesellschaftlichen Bedürfnisse und Wertorientierungen in den Hintergrund treten. MIETH plädiert daher für Tugenden als "vorbeugende Haltungsbilder", die, ausgehend von einer nicht-ökonomischen Würde des Menschen und ihren entsprechenden Wertorientierungen ein spezifisches Sportethos ermöglichen (Fairness als Entfaltung des Gerechtigkeitssinnes, Fähigkeit zur Selbstbegrenzung, Lebensförderlichkeit und Umweltverträglichkeit sowie Friedensfähigkeit).
Um Fairness und Fair play geht es im vierten Kapitel. Zunächst geht es um die verschiedenen Definitionen der Begriffe "Fairness" und "Fair play" (formelle und informelle, äußere und innere Fairness) und ihre Wandlungen in der Sportgeschichte. Wie sehr sich die Vorstellungen von Fairness verändert haben, zeigen Umfragen und Zitate von Sportlern und Journalisten in bezug auf sog. "taktische Fouls" im Fußball, denen das Attribut "fair" zugesprochen wird. Informelles Fair play findet sich fast nur noch dort, wo das Erfolgsstreben nicht im Vordergrund steht. G.A. PILZ plädiert deshalb für eine bewußte Fairnessschulung, die allerdings nicht nur moralisierend sein dürfe, sondern die jeweiligen strukturellen Bedingungen beachten müsse.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | 4 | |
| 1. | Die Definition und das Selbstverständnis einiger wichtiger moraltheologischer Grundbegriffe | 7 |
| 1.1 | Die Definition und das Selbstverständnis von "Ethik" | 7 |
| 1.1.1 | Normative Ethik | 7 |
| 1.1.2 | Die Goldene Regel | 15 |
| 1.1.3 | Theorien über das gute Leben | 16 |
| 1.1.4 | Tugend und Glückseligkeit | 17 |
| 1.1.5 | Die Bedeutung der Metaethik | 19 |
| 1.2 | Die Definition und das Selbstverständnis von "Ethos" | 20 |
| 1.3 | Die Definition und das Selbstverständnis von "Norm" | 21 |
| 1.3.1 | Der Kontext von Norm und Gesetz | 23 |
| 1.3.2 | Die Begründung von Normen | 24 |
| 1.4 | Die Definition und das Selbstverständnis von "Wert" | 27 |
| 2. | Die Definition und das Selbstverständnis von "Sport" | 30 |
| 2.1 | Der Terminus "Sport" in einem allgemeinen Sinn | 30 |
| 2.2 | Die allgemeine Bedeutung des Sports für den einzelnen Menschen und für die moderne Gesellschaft | 31 |
| 2.3 | Erscheinungsformen von Sport in der modernen Gesellschaft | 33 |
| 2.3.1 | Die vier Variablengruppen nach HEINEMANN | 35 |
| 2.3.2 | Das Drei-Ebenen-Modell von HÄGELE | 36 |
| 2.3.3 | Die Interpretation nach GRIESWELLE | 37 |
| 2.3.4 | Die drei Erscheinungsformen von Sport nach H.HAAG und A.MORAWIETZ | 37 |
| 2.3.4.1 | Sport im Berufsausbildungsbereich | 37 |
| 2.3.4.2 | Organisierter (Institutionalisierter) Sport | 39 |
| 2.3.4.3 | Nichtorganisierter (Nichtinstitutionalisierter) Sport | 39 |
| 2.3.5 | Sport und Literatur in der modernen Gesellschaft | 40 |
| 2.4 | Das Verhältnis der Kirche zum Sport | 42 |
| 2.5 | Der Kontext von Sport und Seelsorge | 43 |
| 2.6 | Die konkrete Bedeutung und Begründung des Sports | 44 |
| 2.7 | Entwicklungen innerhalb des Sports und ethische Probleme des Sports | 49 |
| 2.8 | Die Bedeutung der Sportethik | 54 |
| 3. | Die Ethik des Sports nach DIETMAR MIETH | 56 |
| 3.1 | Die Entdeckung, Entfaltung und Vertiefung von sittlichen Einsichten im Sport | 57 |
| 3.1.1 | Der Sport als Weg zum Menschsein: Das Erlernen des Gleichgewichts zwischen Entfaltung und Enthaltung | 57 |
| 3.1.2 | Die Entwicklung von der Fairness zur Gerechtigkeit: Die Entfaltung des Gerechtigkeitssinnes | 59 |
| 3.1.3 | Die Bedeutung von Solidarität und Befreiung im Sport | 60 |
| 3.1.4 | Sport als ein nicht-sittlicher Wert | 61 |
| 3.2 | Die Versportlichung der modernen Gesellschaft - eine Reduktion des Menschen? | 62 |
| 3.2.1 | Die Reduktion der Leiblichkeit auf die Körperkultur | 63 |
| 3.2.2 | Die Reduktion des Spielerischen durch die Leistungskultur | 65 |
| 3.2.3 | Die Reduktion der Kommunikation auf den Konsum | 66 |
| 3.3 | Die ethischen Probleme der Kommerzialisierung des Sports | 68 |
| 3.3.1 | Entwicklungen und Phänomene | 68 |
| 3.3.2 | Ökonomisierung und Kommerzialisierung des Sports | 72 |
| 3.3.2.1 | Eine Ökonomisierung im richtigen Maß | 72 |
| 3.3.2.2 | Die Bestimmung negativer Momente der Kommerzialisierung | 73 |
| 3.3.2.3 | Positive Kriterien in der Orientierung an der Würde des Menschen | 75 |
| 4. | Fairness und Fair play als Handlungsweise im Sport innerhalb der modernen Gesellschaft | 77 |
| 4.1 | Die Definition und das Selbstverständnis von "Fairness" | 78 |
| 4.2 | Die Definition und das Selbstverständnis von "Fair play" | 79 |
| 4.3 | Fairness im Sport der modernen Gesellschaft - eine fiktive oder eine reale Handlungsweise? | 80 |
| 4.3.1 | Einige einleitende Vorüberlegungen | 81 |
| 4.3.2 | Fair play: Die Wandlungen einer Handlungsweise | 81 |
| 4.3.3 | Das "faire", "taktische" Foul - die neue moderne Handlungsweise im Wettkampf- bzw. Erfolgssport | 84 |
| 4.3.4 | Die Definition von Fairness - eine Frage des sportlichen Handlungsfeldes und der sportlichen Orientierung | 92 |
| 5. | Statt eines Schlußwortes: Ein Gebet aus Schweden | 96 |
| ANHANG | ||
| Bibliographie | 97 | |
| Lexika und Hilfsmittel | 97 | |
| Literatur | 98 |
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832407223
Arbeit zitieren:
Wieland, Bernd April 1997: Der Kontext von Ethik und Sport in der modernen Gesellschaft, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Ethik, Fair Play, Fairness, Sport, Sportethik




