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Guerillamarketing - Unkonventionelle Kommunikationsmaßnahme oder Marketingstrategie mit konventionellen Mitteln?

Guerillamarketing - Unkonventionelle Kommunikationsmaßnahme oder Marketingstrategie mit konventionellen Mitteln?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Gunnar Krehle
  • Abgabedatum: April 2003
  • Umfang: 99 Seiten
  • Dateigröße: 2,7 MB
  • Note: 1,1
  • Institution / Hochschule: Hochschule der Medien (ehem. Hochschule für Druck und Medien Stuttgart (FH)) Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7145-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7145-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7145-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Krehle, Gunnar April 2003: Guerillamarketing - Unkonventionelle Kommunikationsmaßnahme oder Marketingstrategie mit konventionellen Mitteln?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Levinson, Trout, Ries, Recht, Marketingmix

Diplomarbeit von Gunnar Krehle

Einleitung:

BMW tut es. Sony tut es. Und auch Vodafone, die Süddeutsche Zeitung und viele andere namhafte Markenunternehmen tun es mittlerweile. Immer öfter liest man in Marketingpublikationen, wie z.B. w&v und Horizont, von besonders spektakulären, subtilen oder überraschenden Werbeaktionen. Besonders gelungene Meisterstreiche finden sogar über die internationalen Landesgrenzen hinaus Beachtung. Man hört von rennenden Nackten, fliegenden Porsches, illegalen Plakatierungen und ähnlich ungewöhnlichen Aktionen. Von den Unternehmenssprechern und den Kreativen der Werbeagenturen als Guerillamarketing bezeichnet, rückt diese Form der Marktbearbeitung offensichtlich mehr und mehr ins Blickfeld der Marketingabteilungen. Schon allein der Begriff Guerilla macht neugierig. Seine Verwendung entstammt ursprünglich aus dem militärischen Sprachgebrauch und hat mit Marketing an sich nichts zu tun.

Studiert man Publikationen der letzten Jahre, so fällt auf, dass Guerillamarketing immer häufiger zur Anwendung kommt. Verglichen mit den gesamten Marketingaufwendungen macht Guerillamarketing sicherlich nur einen kleinen Prozentsatz aus. Auffallend ist die Verschiebung der Anwenderschaft. Waren es früher eher kleine und unbekanntere Unternehmen, die mit Guerillamethoden für Aufsehen sorgten, so steigt die Anzahl der Großunternehmen, die sich Guerillamarketing auf ihre Fahnen schreiben.

Gerade in Zeiten des ständig wachsenden Werbedrucks beim Konsumenten, des schärfer werdenden Konkurrenzkampfes und der allgemeinen schlechten Wirtschaftslage, steigt auch der Wunsch von Unternehmen, mit allen verfügbaren Mitteln Marktanteile zu sichern oder auszubauen. Hier verspricht Guerillamarketing mit geringem wirtschaftlichen Aufwand ein Maximum an Erfolg. Nach den Worten von Autoren, Agenturen und Seminaranbietern im Bereich des Guerillamarketings scheint eine eierlegende „Wollmilchsau“ des Marketings entstanden zu sein.

Dabei werfen sich jedoch drei wesentliche Fragen auf: Was genau ist Guerillamarketing? Ist es überhaupt so effektiv wie es scheint? Und warum benutzt nicht jeder Guerillamarketing, wenn es so effektiv ist?

Recherchen in Marketing-Lexika vermitteln den Eindruck, Guerillamarketing hätte mit den oben genannten spektakulären Aktionen gar nichts zu tun. In der Literatur ist die Rede von Positionierungsstrategien, Angriffsstrategien und Guerillaüberfällen. Aber es findet sich kein Bezug zu unkonventionellen Kommunikationsstrategien.

Während die einen Guerillamarketing als Mittel der kleinen und mittelständischen Unternehmen im Kampf gegen die große und finanzstarke Konkurrenz sehen, impliziert der Begriff Guerillamarketing bei anderen wiederum den, vom Militär hergeleiteten, Einsatz der Marketinginstrumente.

Dazu kommen noch Seminaranbieter, die speziell Klein- und Mittelständler als Kunden ansprechen, und der Buchmarkt. Sie alle haben Guerillamarketing als Zauberwaffe für sich entdeckt und tragen mit ihren unterschiedlichen Sichtweisen und Darstellungen zu einer begrifflichen Verwässerung bei.

Inhaltliche Abgrenzungen zwischen den verschiedenen Verfechtern des Guerillamarketings überlagern sich in manchen Teilen, gewisse Marketingmethoden werden von allen angewendet und auch in den Zielen finden sich Übereinstimmungen. Es wird aber deutlich, dass zwar die gleichen langfristigen Strategien verfolgt werden, nämlich die Marktstellung zu behaupten oder auszudehnen, grundsätzlich aber unterschiedliche Herangehensweisen und Wege benutzt werden.

Ist nun aber Guerilla gleich Guerilla? Schöpfen beide aus dem gleichen Behältnis, auf dem Guerillamarketing steht? Gibt es mehrere Strömungen innerhalb des Guerillamarketings, aber mit denselben Wurzeln? Oder ist es so, wie es der Werbung häufig vorgeworfen wird, dass man vorgibt etwas zu sein oder zu tun, weil es sich ganz einfach besser verkaufen lässt?

Gang der Untersuchung:

Das Ziel dieser Diplomarbeit ist es, das Wesen von Guerillamarketing zu analysieren und mögliche verschiedene Strömungen eingehender zu beleuchten, dabei Abgrenzungspunkte zu anderen Marketingrichtungen zu finden und zu klären, ob Guerillamarketing etwas Eigenständiges, ein bestimmtes Sammelsurium an Marketinginstrumenten oder nur einen Modebegriff darstellt. Der Schwerpunkt wird dabei auf die aktuellste Ausprägungsform - Guerillamarketing als Kommunikationsinstrument - gesetzt.

Um Rückschlüsse auf die Verwendung des Begriffs Guerilla im Marketing ziehen zu können, wird die Geschichte der militärischen Guerilla (vgl. Kap. 2.1.1) näher beleuchtet und daraus Merkmale des Guerillakampfes (vgl. Kap. 2.1.2) abgeleitet. Anhand der gewonnen Kriterien wird eine Bewertung der einzelnen Richtungen des Guerillamarketings vorgenommen. Über die Anfänge des Guerillamarketings (vgl. Kap. 2.2.1) spannt sich der Bogen über bereits existierende Theorien von LEVINSON (vgl. Kap. 3.1), KOTLER (vgl. Kap. 3.2.1) und RIES (vgl. Kap. 3.2.2) bis zur neuesten Ausprägungsform.

Diese neue Form des Guerillamarketings mit seinen überraschenden und unkonventionellen Elementen wird als Schwerpunktthema im vierten Kapitel eingehender untersucht. Da keine Literatur in Buchform zum Schwerpunktthema existiert, war es nötig, sich auf Zeitschriften und das Internet zu stützen. Feststellungen werden meist durch die Häufigkeit des Auftretens belegt. Es geht dabei nicht um eine reine Auflistung, sondern die gesammelten Beispiele und Sichtweisen dienen der Ausarbeitung einer eindeutigen und universellen Begriffsbestimmung.

Anhand einer Auswahl unterschiedlichtster Beispielfälle (vgl. Kap. 4.2) soll der Charakter dieses relativ jungen Marketinginstrumentes herausgearbeitet werden, der eine Definition (vgl. Kap. 4.6) ermöglicht. Es werden sowohl Notwendigkeit (vgl. Kap. 4.1) als auch Funktions- (vgl. Kap. 4.3) und Wirkungsweise (vgl. Kap. 4.4) analysiert. Darüber hinaus werden Unterkategorien gebildet und Überschneidungen mit klassischen Marketinginstrumenten gesucht. Da die eingesetzten Mittel nicht immer unbedingt legal zu sein scheinen, werden neben moralischen Grenzen (vgl. Kap. 4.5.2) auch rechtliche Risiken (vgl. Kap. 4.5.1) erörtert. Durch eigene praktische Guerillamarketing-Projekte werden die Ergebnisse aus diesem Kapitel noch einmal aufgearbeitet und es erfolgt eine abschließende Beurteilung. Als Ergebnis wird ein Ausblick über alle Ausprägungsformen des Guerillamarketing gegeben, wie und wo Guerillamarketing funktioniert und für wen und was es sinnvoll ist.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Ziel 1
1.2 Aufbau der Arbeit 3
2. Wurzeln der Guerilla 4
2.1 Die militärische Guerilla 4
2.1.1 Geschichte des Guerillakampfes 4
2.1.2 Ideologie und Merkmale 9
2.2 Guerilla erobert das Marketing 14
2.2.1 Entstehung des Guerillamarketings 14
2.2.2 Definitionen von Guerillamarketing 16
3. Konventionelles Guerillamarketing 18
3.1 Der Werbungtreibende ist der Guerilla 18
3.1.1 Guerillamarketing nach Levinson 18
3.1.2 Zwischenfazit - Marketing für Einsteiger 23
3.2 Weitere Guerillamarketing-Strategien 26
3.2.1 Angriffsstrategien nach Kotler 26
3.2.2 Marketing Warfare - Guerillas aus der Nische 30
3.2.3 Zwischenfazit - Marketingstrategien mit konventionellen Methoden 32
4. Guerillamarketing als Kommunikationsinstrument 34
4.1 Kampf um Aufmerksamkeit 34
4.2 Beispielhafte Aktionen und Klassifizierung 37
4.2.1 Guerilla-Promotion 37
4.2.2 Guerilla-PR 42
4.2.3 Guerilla-Außenwerbung 47
4.2.4 Sonstige Guerilla-Werbeaktionen 52
4.2.5 Web-Guerillamarketing 54
4.3 Einordnung in den Marketing-Mix 60
4.4 Wirkungsweise auf den Verbraucher 65
4.5 Grenzen des Guerillamarketings 68
4.5.1 Rechtliche Grenzen 68
4.5.2 Moralisch-ethische Grenzen und sonstige Risiken 71
4.6 Zwischenfazit und Definition 75
4.7 Guerillapraxis 77
4.7.1 Aktion „Tahiti“ 77
4.7.2 Aktion „Salamander“ 79
4.7.3 Aktion „Heusteigviertel“ 80
5. Zusammenfassung und Ausblick 83

Automatisiert erstellter Textauszug:

Im folgenden wird das Wesen des Guerillamarketings näher spezifiziert, Gesetzmäßigkeiten herausgearbeitet und unter bestimmten Kriterien bewertet. Bei der Recherche nach Guerillamarketing-Aktionen zeichnete es sich ab, dass sich Methoden öfters wiederholen und somit eine Klassifizierung möglich sein würde. In Anlehnung an klassische Werbedisziplinen lassen sich innerhalb des Guerillamarketings folgende Formen unterscheiden und durch Fallbeispiele belegen: + Guerilla-Promotion + Guerilla-PR + Guerilla-Außenwerbung + Sonstige Guerilla-Aktionen + Web-Guerillamarketing Bei der Auswahl der Fallbeispiele aus Internet und Zeitschriften war die Betitelung der Kampagnen mit "Guerillamarketing" seitens der ausführenden Agentur, des werbenden Unternehmens oder der berichtenden Presse ausschlaggebend. Sofern nähere Angaben vorliegen, werden die einzelnen Aktionen unter den Gesichtspunkten Kosten, Aufwand, Aufmerksamkeitsstärke, Medienecho sowie der Bezug zum beworbenen Objekt und der Zielgruppenaffinität untersucht. Wenn diese Punkte sich explizit aus der einzelnen Beschreibung ergeben, so wird dies nicht mehr separat kommentiert. 4.2.1 Guerilla-Promotion116 Merkmale der Guerilla-Promotion sind der Einsatz von Werbeakteuren und der persönliche Kontakt zur Zielgruppe bzw. eine enge Verbindung zum Point-of-interest. Aus Sicht der Verbraucher wird dabei die "hit-and-run"-Taktik angewendet. Zu den Vorreitern dieser Art der Aufmerksamkeitserregung zählt Edward Bernays. Mit der "Torches of Freedom"- Kampagne für Lucky Strike im Jahre 1923 zeigte er, wie man mit einfachen Mitteln, dem Bruch mit Konventionen und der Einbeziehung der Medien, ein Höchstmass an Aufsehen erregen kann. Bernays inszenierte einen Protestmarsch auf der Fifth Avenue in New [...]

gegen größere Unternehmen zu behaupten. Geschicktes Timing, Flexibilität, eine genaue Auswahl der zu bearbeitenden Geschäftsfelder bzw. –partner und Durchhaltevermögen sind aber Anforderungen, denen auch größere Unternehmen und nicht nur Guerillas gerecht werden müssen. Ein Fokus der Unternehmen speziell auf diese Strategien, kann ein längerfristiges Bestehen am Markt ermöglichen. In o.g. Punkten sind diese Strategien guerillahaft gedacht, die Wahl und der Einsatz der Mittel im Rahmen eines aktiven Marktgeschehens sind aber eher konventionell. Aus diesem Grund wäre die Bezeichnung Guerillamarketing mit konventionellen Methoden eine mögliche passende Klassifizierung. Problematisch bei dieser Art der Marktbearbeitung scheint jedoch die Wettbewerbsorientierung. Wer sich hauptsächlich in der Auseinandersetzung mit seiner Konkurrenz definiert, verliert vielleicht etwas aus den Augen, das noch viel wichtiger ist - den Kunden. [...]

3.2.3 Zwischenfazit – Marketingstrategien mit konventionellen Methoden Das Auffallende an diesen Marketingstrategien ist der massive Einsatz militärischer Termini, die aus der Kriegsliteratur entliehen sind. Hier wird im wahrsten Sinne des Wortes militärisch gedacht, Zusammenhänge wirken manchmal nur sehr konstruiert. Bei KOTLER und RIES wird, entgegen anderen Marketingstrategien, mit Guerillamarketing meist nicht der Versuch unternommen, durch eigene Leistungen beim Verbraucher Präferenzen zu erzielen. Die Strategie zielt vielmehr darauf, die eigene Wettbewerbsposition durch die Zerstörung oder die Beeinträchtigung der Konkurrenz zu sichern.98 KOTLER setzt bei der Umsetzung seines Guerilla-Angriffs den Schwerpunkt auf den überraschenden Einsatz der Marketinginstrumente, in diesem Fall auf die Variationen der vier "P"s. Für den Konkurrenten darf in erster Linie nicht ersichtlich sein, welches Ziel verfolgt wird. Durch Attackieren verschiedener Bereiche soll ein Überaktionismus provoziert werden, der mit großem Energieeinsatz verbunden ist. Dabei konkurrieren die eingesetzten Marketinginstrumente nicht mit den schon Bestehenden, es werden lediglich neue Wege und Möglichkeiten aufgezeigt. Die von RIES und TROUT propagierten Grundsätze erwecken eher den Eindruck, bei den agierenden Unternehmen handle es sich um plündernde Terrorbanden, als um Guerillas. Das Überleben mit allen Mitteln erscheint als langfristiges Ziel etwas zu eng gegriffen. Und sich nach allen Seiten Optionen offen zu halten, erweckt nicht den Eindruck eines seriösen und verantwortungsbewussten Unternehmens oder Arbeitgebers. Ermöglicht wird diese Strategie letztendlich durch das sogenannte "Lean-Management", d.h. man spart an personellen Ressourcen, um so flexibel wie möglich zu bleiben. Die Ausführungen sind insgeamt zu eng gefasst, um - ähnlich wie bei LEVINSON - einen Guerilla-Charakter ableiten zu können. Der Guerillacharakter und die Erfolgschancen erschließen sich aus einer längerfristig angelegten Zermürbungstaktik durch größere Ausdauer, der Anpassung an die jeweiligen Marktgegebenheiten und dem Überraschungseffekt der eingesetzten Mittel bezogen auf die Auswahl des richtigen Zeitpunktes, der geographischen Schwerpunkte und der anvisierten Geschäftsfelder. Nichtsdestotrotz erscheint Guerilla-Marketing in diesen Strategieansätzen als ein wirkungsvolles Mittel, welches es speziell kleineren Unternehmen ermöglicht, am Markt zu bestehen und sich [...]

Arbeit zitieren:
Krehle, Gunnar April 2003: Guerillamarketing - Unkonventionelle Kommunikationsmaßnahme oder Marketingstrategie mit konventionellen Mitteln?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Levinson, Trout, Ries, Recht, Marketingmix

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