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Neue Herausforderungen in der Entwicklungszusammenarbeit im Globalisierungszeitalter unter besonderer Berücksichtigung von Beispielen aus Südamerika

Neue Herausforderungen in der Entwicklungszusammenarbeit im Globalisierungszeitalter unter besonderer Berücksichtigung von Beispielen aus Südamerika
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Wolfgang Reik
  • Abgabedatum: Dezember 2002
  • Umfang: 193 Seiten
  • Dateigröße: 2,6 MB
  • Note: 1,1
  • Institution / Hochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6844-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6844-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6844-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Reik, Wolfgang Dezember 2002: Neue Herausforderungen in der Entwicklungszusammenarbeit im Globalisierungszeitalter unter besonderer Berücksichtigung von Beispielen aus Südamerika, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Lateinamerika, Entwicklungstheorien, Entwicklungsstrategien, Entwicklungsänder, Chile

Diplomarbeit von Wolfgang Reik

Zusammenfassung:

Die breite Thematik der Entwicklungszusammenarbeit, die naturgemäß Entwicklungspolitik und Interdependenzen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern (EL) subsumiert, stellt auch die Geographie in die Verantwortung, einen Beitrag zur Lösung von Entwicklungsproblemen zu leisten. Ein Ziel der vorliegenden Arbeit ist, unter Berücksichtigung theoretischer Ansätze, die Strukturen, Ursachen und Gründe von differenzierten Entwicklungen zu beleuchten; ebenso die Darstellung und Beurteilung geeigneter Strategien, die als Grundlage für Lösungsansätze zur Bewältigung der Probleme und für Handlungsweisen entwicklungspolitischer Maßnahmen dienen.

Dabei steht ein ganzheitlicher Ansatz (»Holistic Approach«) im Mittelpunkt, der Maßnahmen in Richtung nachhaltiger, geschlechterspezifischer, auf den Menschen ausgerichteter Entwicklung einbezieht. Als übergeordnete Richtschnur finden verschiedene Prinzipien wie ausgleichende Gerechtigkeit, Partizipation, Verantwortlichkeit oder Verfügungsmacht Erwähnung. Ferner geht es darum, akteursspezifisch die Unterschiede der einzelnen Konzepte, Motive, Förderschwerpunkte und Instrumente der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zu analysieren sowie die Wirkungen der Zusammenarbeit, soweit als möglich, zu erörtern und zu bewerten. Das Ende der Systemkonkurrenz zwischen Ost und West veränderte die Dimensionen und die Funktion von Entwicklungspolitik in der »Neuen Weltordnung«. Es wird vermutet, dass ein weltweit spürbarer Umverteilungsprozess der Entwicklungszusammenarbeit in die Transformationsländer zu Lasten der klassischen »Dritten Welt« geht, die über Jahrzehnte einen Nutzen aus dem Ost-West-Konflikt ziehen konnte. Sehr viele Themen unserer Zeit haben einen direkten oder indirekten Bezug zur Globalisierung. Dies gilt in besonderer Weise für Themen, die sich mit »Entwicklung« beschäftigen. Streitfragen um die beste Strategie zur Überwindung der Armut, über die Verschuldung der Entwicklungsländer oder über Klima- und Ressourcenschutz müssen heute im Zusammenhang der Globalisierung gesehen und diskutiert werden. Es ist auch Ziel meiner Diplomarbeit, Globalisierungseinflüsse und -effekte in den Gesamtkontext einzubringen. Mit der Globalisierung und der einhergehenden Beschleunigung des Strukturwandels verbinden sich bei den Menschen in allen Erdteilen Hoffnungen und Ängste. Der Grund für die unterschiedliche Sichtweise der Globalisierung liegt hauptsächlich darin, dass es sowohl Gewinner als auch Verlierer gibt, und zwar auf allen Maßstabsebenen. Dabei werden ausdrücklich zwei Hypothesen kontrovers diskutiert: Kann die Globalisierung zur Vermehrung des allgemeinen Wohlstands beitragen oder ist sie ein »Nullsummenspiel«, welches zu noch größeren Polarisierungen führen wird? Nach zunächst euphorischer Lehrmeinung vermehren sich in den letzten Jahren die pessimistischen Stimmen innerhalb der Forschungsfront (so z. B. SCHOLZ 2002), die die zweite Variante verifizieren. Ferner belegen Statistiken, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter geöffnet hat und der Abstand scheinbar unaufhörlich wächst. Liegt dies nur an einer ungerechten Umverteilung? Gibt es globale Lösungsansätze, welche die wirtschaftlichen und politischen Vorteile der Globalisierung nicht in Frage stellen und geeignet sind, die Ungerechtigkeiten und drängenden Weltprobleme zu mindern?

Inhaltsverzeichnis:

VORWORT 6
1. EINLEITUNG 7
2. ENTWICKLUNG – UNTERENTWICKLUNG 11
2.1 Klärung zentraler Begriffe 11
2.2 Hauptkennzeichen der Entwicklungsländer 18
2.2.1 Ökonomische Defizite 18
2.2.2 Soziokulturelle und demographische Merkmale 21
2.2.3 Politische Merkmale 23
2.2.4 Ökologische Probleme 24
2.2.5 Einseitige Handelsbeziehungen 26
2.3 Entwicklungstheorien 30
2.3.1 Klassische »Große Theorien« 32
2.3.1.1 Modernisierungstheorien 33
2.3.1.2 Dependenztheorien 34
2.3.2 Neuere Theorien 36
2.3.2.1 Neoliberale »counter-revolution« 36
2.3.2.2 Regulationstheorie 38
2.3.2.3 Neue Institutionen Ökonomie 40
2.3.3 Zusammenfassende Bewertung 41
2.4 Entwicklungsstrategien 41
2.4.1 Nachholende Industrialisierung und Modernisierung 43
2.4.2 Konzepte zur Grundbedürfnisbefriedigung 45
4.3 Ländliche Entwicklung 47
2.4.4 Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit 49
2.4.5 Orientierung an »good governance« und »global governance« 51
2.4.6 Basisorientierung und Partizipation 55
2.4.7 Leitbild Nachhaltige Entwicklung 56
2.4.8 Resümee 59
3. ENTWICKLUNGSPOLITIK UND –ZUSAMMENARBEIT 60
3.1 Motive – Ziele – Bedingungen 60
3.2 Wandel in der Entwicklungszusammenarbeit 63
3.2.1 Fünfziger und sechziger Jahre 63
3.2.2 Siebziger Jahre 64
3.2.3 Achtziger Jahre 66
3.2.4 Neuorientierung in den neunziger Jahren 66
3.3 Formen, Kategorien und Instrumente 67
3.3.1 Staatliche 68
3.3.2 Halbstaatliche – nichtstaatliche 69
3.4 Akteure und Träger 69
3.4.1 Nationalstaaten 69
3.4.2 Multilaterale Institutionen 71
3.4.2.1 United Nations (UN) 72
3.4.2.2 Weltbankgruppe 76
3.4.2.3 Inter-American Development Bank (IDB) 80
3.4.3 Nichtregierungsorganisationen (NRO) 81
3.4.4 Privatwirtschaft und Privatkapital 82
4. DEUTSCHE ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT 84
4.1 Ziele, Schwerpunkte und Instrumente 85
4.2 Durchführungsorganisationen 90
4.3 Entwicklungsgang der Deutschen Zusammenarbeit 94
5. DEUTSCH- SÜDAMERIKANISCHE ZUSAMMENARBEIT 99
5.1 Wirtschaftliche und soziale Grundprobleme 99
5.2 Determinanten der Entwicklungszusammenarbeit 113
5.2.1 Allgemeine Aspekte 113
5.2.2 Lateinamerikakonzept des BMZ 115
5.2.3 Tendenzen der Zusammenarbeit 117
6. ZUSAMMENARBEIT AUF LÄNDEREBENE: DAS BEISPIEL CHILE 121
6.1 Nationale Rahmenbedingungen 121
6.2 Sozial- und Entwicklungshilfe des Kolpingwerkes (SEK) e.V. 130
6.2.1 Allgemeines 130
6.2.2 Verbandsaufbau und Organigramm 131
6.2.3 Entwicklungspolitische Leitlinien, Ziele und Handlungsfelder 133
6.2.4 Finanzierung 135
6.2.5 Umfang der weltweiten Projektarbeit 135
6.2.6 Entwicklungszusammenarbeit in Lateinamerika 138
6.2.7 Obra Kolping Chile 139
6.2.8 Projektbeispiel: Handwerks- und Kleingewerbeförderung 145
6.3 Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH 149
6.3.1 Allgemeines Profil des Unternehmens 149
6.3.2 Regionale Differenzierung 151
6.3.3 Zusammenarbeit mit Chile 153
6.3.4 Projektvorbereitung und Projektdurchführung 155
6.3.5 Monitoring und Evaluierung 157
6.3.6 Projektbeispiele 157
6.3.6.1 Kontrolle der Luftverschmutzung und Umsetzung des Luftreinhalteplansin Santiago 157
6.3.6.2 Nachhaltige Naturwaldbewirtschaftung 164
6.3.7 Experteninterview 167
7. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 171
7.1 Ergebnisse 171
7.2 Konsequenzen und Schlussfolgerungen 174
8. ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS 177
9. LITERATURVERZEICHNIS 179

Automatisiert erstellter Textauszug:

Angesichts begrenzter Möglichkeiten in der rein staatlichen Entwicklungsförderung und die stark zunehmende Bedeutung von Unternehmen in der Weltwirtschaft, sind neue Wege der Zusammenarbeit erforderlich. Schließlich hat sich im Zuge der Globalisierungswelle das Verhältnis der Nettoinvestitionen der EZ und der Privatwirtschaft in den Entwicklungsländern drastisch verändert. Lag das Verhältnis im Jahre 1990 noch bei ungefähr 1:1, so verschob es sich auf 1:7 im Jahre 1997 (GTZ 2001, o. S.). Ausländische Direktinvestitionen in EL sind z. B. von 37 Mrd. US-$ im Jahr 1990 auf 190 Mrd. US-$ im Jahre 1999 gestiegen. Allerdings war die regionale Verteilung äußerst ungleich, da über 90 % der ADI auf rund 20 wachstumsstarke und bevölkerungsreiche Schwellenländer entfielen (DEUTSCHER BUNDESTAG 2002, S. 110). Sinn und Ziel der PPP ist, dass beide Partner von einer Kooperation profitieren, sich die Leistungen der Partner ergänzen und Synergieeffekte entstehen. Projekte werden gegebenenfalls mit öffentlichen Leistungen unterstützt, wenn sie einen nachhaltigen entwicklungsfördernden Nutzen haben und gleichzeitig langfristigen unternehmerischen Interessen Rechnung tragen. Internationale Leitsätze zu »corporate governance«, also die Regeln guter Unternehmensführung sowie die Transparenz der Geschäftstätigkeit sind Grundvoraussetzungen der Partnerschaft. Denkbar ist beispielsweise die Förderung eines betriebsinternen Ausbildungsprogramms, welches auch externen Interessenten über eine lokale Schule offen steht (duales Bildungssystem). Im Ergebnis steigt das allgemeine Ausbildungsniveau und führt gleichzeitig zu einem hohen betriebsinternen Qualitätsstandard, erhöht zudem die Produktivität und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und sichert somit Arbeitsplätze. [...]

Hervorzuheben sind die zahlreichen gemeinnützigen und organisationsunabhängigen Privatleistungen, die zum Teil mit erheblichen Eigenmitteln verbunden sind. Schwerpunktmäßig konzentrieren sich rein zivilgesellschaftliche Maßnahmen unmittelbar auf die wirtschaftliche und soziale Situation armer Bevölkerungsgruppen. Zielgruppen sind überwiegend marginalisierte, von den Regierungen vernachlässigte Menschen, die über vergleichsweise kleine basisorientierte Projekte erreicht und unterstützt werden sollen. Die relativ aufwändige Entwicklungsbürokratie des Staates kann (oder will?) sich ohnehin nicht um derartige Kleinprojekte kümmern (BLISS 1993, S. 23). Im krassen Unterschied hierzu stehen die privaten Leistungen zu marktüblichen Bedingungen (z. B. Direktinvestitionen, Kredite oder öffentliche Exportkredite), die aus wirtschaftlichen Eigeninteressen durchgeführt werden, aber dennoch wichtige positive (auch negative) Auswirkungen für den Entwicklungsprozess eines Landes haben können. Eine neue, in den 1990er Jahren entwickelte Form von EZ ist die »PublicPrivate Partnership« (PPP), also die Entwicklungspartnerschaft zwischen öffentlichen und privaten Akteuren. [...]

Zudem fördern sie die entwicklungspolitische Bewusstseinsbildung (auch aus Eigeninteresse) in den IL und tragen damit für mehr Verständnis und Hilfsbereitschaft für Entwicklungsmaßnahmen in der Bevölkerung bei. Wie bereits erwähnt, spielen die NRO als Vertreter der Zivilgesellschaft eine immer größere formale Rolle in multilateralen Körperschaften und in einer »Global Governance-Architektur« (siehe hierzu Punkt 2.4.5 Orientierung an »good governance« – »global governance«). Ihr Bedeutungszuwachs in der Entwicklungszusammenarbeit lässt sich daraus ableiten, dass sie von staatlichen und multilateralen Akteuren zunehmend als Partner der EZ akzeptiert und unterstützt werden. Zu den alten, meist kirchlichen und karitativen sozialen Bewegungen sind viele neue getreten, die sich für eine Vielzahl öffentlicher Anliegen wie Umwelt, Menschenrechte, Frauenfragen oder Armutsbekämpfung einsetzen. Die Nutzung neuer Informationstechnologien bietet selbst kleinen und lokalen NRO in EL die Möglichkeit der Vernetzung mit Partnern rund um die Welt. [...]

Arbeit zitieren:
Reik, Wolfgang Dezember 2002: Neue Herausforderungen in der Entwicklungszusammenarbeit im Globalisierungszeitalter unter besonderer Berücksichtigung von Beispielen aus Südamerika, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Lateinamerika, Entwicklungstheorien, Entwicklungsstrategien, Entwicklungsänder, Chile

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