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Untersuchungen zur Verhaltensphänotypisierung bei Mäusen

Untersuchungen zur Verhaltensphänotypisierung bei Mäusen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Elke Binder
  • Abgabedatum: Juni 2001
  • Umfang: 88 Seiten
  • Dateigröße: 781,0 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6592-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6592-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6592-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Binder, Elke Juni 2001: Untersuchungen zur Verhaltensphänotypisierung bei Mäusen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: modified hole board, Hochdurchsatzverfahren, ENU-Mutanten

Diplomarbeit von Elke Binder

Zusammenfassung:

Zur Charakterisierung von Tiermodellen auf der Verhaltensebene ist vor allem eine zuverlässige und reproduzierbare Verhaltensphänotypisierung notwendig. Die in der biomedizinischen Forschung bisher üblichen Verhaltensanalysen auf der Basis von multiplen Testbatterien (mTb) haben sich diesbezüglich als problematisch erwiesen, da nicht nur Diskrepanzen zwischen verschiedenen Laboratorien sondern auch zwischen wiederholten Testungen innerhalb einer Arbeitsgruppe zustande kamen. Aufgrund dessen war das Ziel der vorliegenden Arbeit Validität und Reproduzierbarkeit eines komplexen ethologischen Verhaltenstests, des modified hole boards (mHb) zu untersuchen. Diese Verhaltensanalyse wurde gewählt, da sie nicht nur die Verhaltensphänotypisierung von Nagetieren innerhalb eines Tests ermöglicht sondern auch eine Reduktion der benötigten Tierzahl sowie des Zeit- und Kostenaufwands bedeutet.

Im ersten Teil der Arbeit wurden die beiden Mausinzuchtlinien BALB/c und C57BL/6N im mHb verhaltensphänotypisiert. Diese beiden Mauslinien wurden gewählt, da sie bereits umfangreich und in hohem Maße widersprüchlich auf der Basis von mTb charakterisiert wurden. Ergebnisse der basalen Verhaltensphänotypisierung zeigten, dass BL6N Mäuse tendenziell weniger ängstlich waren als BALB/c. Desweiteren wurde festgestellt, dass beide Inzuchtlinien sehr unterschiedliche Explorationsstrategien anwendeten, welche sich bei C67BL/6N in einer ausgeprägten Thigmotaxis, dagegen bei BALB/c in der Bildung einer home base darstellten. Diese Beobachtungen konnten die widersprüchlichen Ergebnisse aus der Literatur insofern aufklären, als da gezeigt wurde, dass klassische Parameter zur Messung von Angst bei Nagern (Vermeidungsverhalten gegenüber einem ungeschützten Areal) für BALB/c Mäuse aufgrund ihrer Explorationsstrategie keine Aussagekraft hatten. Dies führte zu der Schlussfolgerung, dass ein direkter Vergleich dieser beiden Mauslinien nur eingeschränkt möglich ist.

Im Anschluss daran wurde untersucht, wie sich verschiedene Vorerfahrungen auf das Verhalten von BALB/c und C57BL/6N im mHb auswirken. Dafür wurden die Tiere vor der Erstexposition unterschiedlich behandelt (Kontrolle, Vehikel-Injektion; Diazepam-Injektion) und wiederholt getestet. Die Ergebnisse zeigten bei BALB/c Mäusen eine angstlösende Wirkung und in der höheren Dosierung (3mg/kg) zusätzlich einen sedativen Effekt, welcher bei C57BL/6N Tieren in beiden Dosierungen überwog. Insgesamt war zu erkennen, dass die Erstexposition für die einzelnen Experimentalgruppen eine unterschiedliche Erfahrung darstellte. In der Zweitexposition wurde bei BALB/c Mäusen eine tendenzielle Habituation, bei der C57BL/6N Linie dagegen eher eine Sensitivierung beobachtet. Der linienspezifische Verhaltensphänotyp konnte jedoch trotz unterschiedlicher Vorerfahrung in der Zweitexposition weitestgehend unverändert wiedergefunden werden.

Im zweiten Teil der Arbeit sollte die Eignung des mHb als Hochdurchsatzverfahren zur Verhaltensphänotypisierung von potentiellen Mutanten untersucht werden. Dafür wurde im Rahmen des ENU-Projektes der Verhalensphänotyp (baseline) der Stammlinien C3HeB/FeJ und C57BL/6J und deren Hybriden erstellt, wobei alle Tiere wiederholt im mHb getestet wurden. Die Verhaltensphänotypisierung ließ bei allen Mauslinien in der Zweitexposition eine Habituation, bei weitestgehend gleichbleibender Verhaltensstrategie erkennen, was für die Zuverlässigkeit der Verhaltensanalyse mit dem mHb spricht. Auf der Grundlage der baseline-Daten wurden, basierend auf statistischen Definitionen, die Grenzwerte für jeden Verhaltensparameter zur Identifikation von Verhaltensabweichungen ermittelt. Eine entsprechende Analyse zeigte, dass die Messwerte der meisten Parameter eine Normalverteilung darstellten, was die Eignung der Grenzwerte bestätigte.

Um die Reproduzierbarkeit der Verhaltensphänotypisierung im mHb zu überprüfen wurden die Verhaltensanalysen von verschiedenen Versuchstagen miteinander verglichen. Die Ergebnisse zeigten für einige Parameter Diskrepanzen zwischen den verschiedenen Versuchstagen, was auf suboptimale Haltungsbedingungen zurückzuführen war. Diese Unterschiede konnten durch den komplexen Verhaltenstest weitestgehend abgefangen werden, da für jede Verhaltensdimension mehr als ein Parameter gemessen wurde und somit Abweichungen in einem einzigen Parameter wenig ausschlaggebend waren, sondern vielmehr die Relation der Parameter im Gesamtbild entscheidend war. Letztendlich wurde die Zuverlässigkeit der baseline und der Grenzwerte auch dadurch bestätigt, dass die Anzahl der bisher ermittelten potentiellen Mutanten aus dem ENU-screen statistisch zu erwartenden Werten entsprachen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Ethologische Verhaltensanalyse bei Mäusen 3
1.1.1 Das mHb als komplexer Verhaltenstest 3
1.1.2 Der Einfluss von Vorerfahrung auf das Verhalten im mHb 4
1.2 Das mHb als Hochdurchsatzverfahren zur Verhaltensphänotypisierung 4
1.2.1 Zuverlässigkeit der Verhaltensphänotypisierung mit dem mHb 9
1.2.2 Analyse der Zuverlässigkeit von Grenzwerten zur Identifikation von Mutanten im mHb 9
2. Material und Methoden 11
2.1 Versuchtstiere und Haltung 11
2.2.1 Ethologische Verhaltensanalyse bei Mäusen 11
2.2.2 Das mHb als Hochdurchsatzverfahren zur Verhaltensphänotypisierung 11
2.3 Das modified hole board (mHb) 12
2.3.1 Verhaltensparameter 13
2.4 Versuchsdurchführung 16
2.4.1 Ethologische Verhaltensanalyse bei Mäusen 16
2.4.1.1 Das mHb als komplexer Verhaltenstest 16
2.4.1.2 Der Einfluss von Vorerfahrung auf das Verhalten im mHb 16
2.4.1.2.1 Blutentnahme 17
2.4.1.2.2 Blutanalyse 17
2.4.2 Das mHb als Hochdurchsatzverfahren zur Verhaltensphänotypisierung 17
2.4.2.1 Zuverlässigkeit der Verhaltensphänotypisierung mit dem mHb 17
2.4.2.2 Analyse der Zuverlässigkeit von Grenzwerten zur Identifikation von Mutanten im mHb 18
2.5 Statistik 18
3. Ergebnisse 19
3.1 Ethologische Verhaltensanalyse bei Mäusen 19
3.1.1 Vergleich des basalen Verhaltens von BL6N und BALB Mäusen 19
3.1.2 Effekte von Diazepam auf das Verhalten im mHb 22
3.1.2.1 Vergleich der Experimentalgruppen innerhalb der BALB Mauslinie 22
3.1.2.2 Vergleich der Experimentalgruppen innerhalb der BL6N Mauslinie 26
3.1.2.3 Vergleiche des Verhaltens der jeweiligen Experimentalgruppen der beiden Mauslinien BL6N und BALB im mHb 30
3.1.2.4 Die Blutanalyse 34
3.1.3 Der Einfluss von Vorerfahrung auf das Verhalten im mHb 35
3.1.3.1 Vergleich des Verhaltens während der Erst- und Zweitexposition innerhalb der Mauslinie BALB 35
3.1.3.2 Vergleich des Verhaltens während Erst- und Zweitexposition innerhalb der Mauslinie BL6N 40
3.1.4 Zuverlässigkeit der Verhaltensphänotypisierung mit dem mHb 44
3.1.4.1 Vergleich der Verhaltensanalyse zwischen unterschiedlichen Versuchstagen 48
3.1.5 Etablierung von zuverlässigen Grenzwerten zur Identifikation von Mutanten im mHb 50
4. Diskussion 52
4.1 Ethologische Verhaltensanalyse bei Mäusen 52
4.1.1 Das mHb als komplexer Verhaltenstest 52
4.1.2 Der Einfluss von Vorerfahrung auf das Verhalten im mHb 54
4.1.2.1 Die Wirkung von Diazepam auf das Verhalten von BALB und BL6N Mäusen 54
4.1.2.1.1 Blutanalyse 55
4.1.2.2 Vergleich des Verhaltens während der Erstexposition und der Zweitexposition innerhalb der Mauslinie BALB 57
4.1.2.3 Vergleich des Verhaltens während der Erstexposition und der Zweitexposition innerhalb der Mauslinie BL6N 60
4.1.3 Zuverlässigkeit der Verhaltensphänotypisierung mit dem mHb 63
4.1.3.1 Basale Verhaltensphänotypisierung 64
4.1.3.2 Verhaltenskonfirmation im mHb 65
4.1.3.3 Vergleich der Verhaltensphänotypisierung von Hybriden an unterschiedlichen Tagen 65
4.1.4 Analyse der Zuverlässigkeit von Grenzwerten zur Identifikation von Mutanten im mHb 67
4.1.4.1 Prüfung der Normalverteilung der baseline Daten 67
5. Zusammenfassung 69
6. Anhang 71
6.1 Effekte von Diazepam auf das Verhalten im mHb 71
6.2 Vergleich des Verhaltens während der Erst- und Zweitexposition innerhalb der Mauslinie BALB 71
6.3 Vergleich des Verhaltens während der Erst- und Zweitexposition innerhalb der Mauslinie BL6N 72
6.4 Zuverlässigkeit der Verhaltensphänotypisierung mit dem mHb 72
7. Literarturverzeichnis 73
Danksagung 83

Automatisiert erstellter Textauszug:

weniger rearings in der box als die der BL6N Linie (p<0.001). Dagegen konnte eine verringerte Anzahl der rearings in der box bei der 1mg-Gruppe (p<0.05) verglichen mit der entsprechende Gruppe der BALB Linie festgestellt werden. Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den 3mg-Gruppen der beiden Linien. In Bezug auf die Lokomotion (Abb. 22) unterschieden sich die Vehikeltiere der BALB Linie durch eine geringere Anzahl von Linienübertritten von den BL6N Mäusen (p<0.001). Die 1 mgGruppe der BALB Linie dagegen zeigte signifikant mehr Linienübertritte als die entsprechend Gruppe der BL6N Linie (p<0.05). Die 3mg-Gruppe der Bl6N Linie war häufiger immobil im Vergleich zu der entsprechenden Gruppe der BALB Linie (p<0.001). In Bezug auf die % explorierte Fläche konnte eine signifikante Erhöhung bei beiden Diazepam-Gruppen der BALB Tiere (beide Dosierungen: p<0.01) verglichen mit den entsprechenden Gruppen der BL6N Mäuse festgestellt werden. Lokomotion [...]

traum gebracht. Alle im Käfig befindlichen Tiere (in der Regel fünf) wurden in das Gruppenkompartment gesetzt und 20 min habituiert. Anschließend wurde ein Tier nach dem anderen einzeln für eine Versuchszeit von 5 min aus dem Gruppenkompartment in die linke untere Ecke der box gesetzt. Diagonal zur Startecke befanden sich ein Messingzylinder (bekanntes Objekt) und ein rotes Gummistück (unbekanntes Objekt) von identischer Größe (2cm x 2 cm x 1cm). Nach dem Testdurchlauf wurde das Tier wieder zurück in das Gruppenkompartment gesetzt. Nachdem alle Tiere der Gruppe getestet waren, wurde der Käfig mit den Tieren wieder zurück in den Haltungsraum gebracht. Zwischen den Durchläufen wurde die box mit 70% Alkohol gereinigt. Eine Woche später wurden die Tiere erneut in gleicher Weise im mHb getestet. Zur Etablierung der baseline wurde aus versuchstechnischen Gründen eine unterschiedliche Anzahl von Tieren jeder Linie getestet: C3H (n= 20), BL6J (n=25), B6C3H (n=45), C3HB6 (n=39). Der genetische Unterschied zwischen den Hybriden beruht hierbei auf der Wahl der Elterngeneration: Während per Definition eine Verpaarung eines C3H Weibchens mit einem BL6J Männchen C3HB6 Hybriden hervorbringt, verhält es sich bei B6C3H Hybriden umgekehrt. An fünf aufeinander folgenden Tagen wurden jeweils 40-45 Mäuse der Hybridenlinien C3HB6 und B6C3H in ihrem basalen Verhalten untersucht, wobei jeden Tag 5-15 Tiere pro Linie getestet wurden. Die Zweitexposition wurde jeweils eine Woche nach der Erstexposition durchgeführt. [...]

Die Versuchsdurchführung entsprach ansonsten der in 2.3.1.1. beschriebenen. Direkt nach dem Versuch wurde jedes Tier in den Käfig zurückgesetzt und in den benachbarten Raum zur Blutentnahme gebracht. Eine Woche nach der Erstexposition wurden die Tiere ohne erneute Vorbehandlung im mHb getestet. Die Testdauer und -durchführung war identisch mit der Ersttestung. Nach dem Verhaltenstest wurde das Tier in den Käfig zurückgesetzt, ohne weitere Untersuchungen vorzunehmen. 2.4.1.2.1. Blutentnahme Um die Kortikosteronmenge im Blut zu bestimmen, wurde nach dem Verhaltenstest jedes Tier in einen anderen Raum gebracht, wo durch Abschneiden der Schwanzspitze (ca. 5 mm) maximal 400 µl Blut pro Tier entnommen wurde. Die Blutproben wurden in heparinisierte Eppendorf-Behälter aufgefangen und bis zur Analyse bei -80°C aufbewahrt. Die Tiere wurden direkt nach der Blutentnahme in den Käfig zurückgesetzt und in den Haltungsraum zurückgebracht. 2.4.1.2.2. Blutanalyse Die Blutproben wurden in der Eppendorfzentrifuge bei 4°Grad mit 3000 rpm 10 Minuten lang zentrifugiert. Anschließend wurde 80 µl des Plasmas in ein kleines Eppendorfgefäß pipettiert. Danach wurden die Blutproben 20 Minuten mit 3000 rpm erneut zentrifugiert. 50 µl des Serums wurde für die Blutanalyse mit dem entsprechenden RIA Kit (DRG-Instruments GmbH, Marburg, Deutschland) laut Anleitung auf die Kortikosteronkonzentration im Blutplasma hin analysiert. [...]

Arbeit zitieren:
Binder, Elke Juni 2001: Untersuchungen zur Verhaltensphänotypisierung bei Mäusen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
modified hole board, Hochdurchsatzverfahren, ENU-Mutanten

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